Ignatius am 20.07.2007 um 6:41 Uhr
Religiöse Eiferer kennt fast jeder. Sie haben wegen ihres starken Glaubens vergessen, dass allen Nicht-Gläubigen die gleichen Rechte zustehen wie ihnen selbst. Mit ihnen zu reden ist schwierig, sie lassen nur ihren Glauben gelten und sehen in Un- und Andersgläubigen nicht selten Feinde die zu bekehren oder zu bekämpfen sind. Wie sollte man sich ihnen gegenüber verhalten?
In einen Dialog über die Glaubensinhalte einsteigen?
Zum Schein zustimmen damit sie sich beruhigen?
Komplett ignorieren, nicht mit ihnen reden?
Ihnen ihre Grenzen aufzeigen, vehement Toleranz für Nicht-Gläubige fordern?
Ganz anders verhalten, und zwar:
Ich nehme an, du beziehst dich auf die gestrige Frage nach dem Beten und die z.T. sehr hitzig debattierten Antworten. Mich hat es ehrlich gesagt überrascht, wie eine simple Frage die Gemüter so hoch kochen lässt. Und daran sind - wie in fast jedem Streit - Eiferer auf beiden Seiten beteiligt. Die Chancen stehen sicher schlecht, in so aufgeheizter Stimmung sachlich auf einem akzeptablen Niveau einen Dialog zu führen. Beruhigen wäre angebracht, aber nur deshalb zustimmen wäre nicht authentisch. Komplett ignorieren scheint manchmal die einzige Möglichkeit, aber ein Versuch, vernünftig (und nicht undiplomatisch) zu kommunizieren sollte dem voraus gehen. Aus meiner Sicht am Besten versuchen:

Eigene Meinung darlegen und diskutieren, auch zustimmen und beruhigen, auch Grenzen setzen, auch Glaubensinhalte abfragen.
Mich wundert schon, dass hier im Forum eher die Ungläubigen die Fanatiker zu sein scheinen. Keinerlei Toleranz, fertig machen von Leuten, die gläubig sind.
Und ich glaube nicht, dass man Hardy hier als Fanatiker anschauen kann.
Luise am 20. Juli 2007 08:18 Toleranz bedeutet Respekt vor der Überzeugung anderer, nicht Verzicht auf die eigene Überzeugung.[2] – Walter Kasper

Die Antwort auf Deine Frage ist davon abhängig, mit welchen Fanatikern man es zu tun bekommt. Nicht jeder, der einen auf den Glauben an Gott - oder konkreter: an Jesus Christus anspricht, ist schon Fanatiker. Und auch nicht jeder, der vor dem Essen betet :-)
Fanatiker und Fundamentalisten leben, denken und glauben in einer in sich geschlossenen Gedankenwelt, wo alles geordnet ist und sie jede Frage beantworten können. Lässt man sich darauf ein - also im Sinn eines Dialoges über Glaubensinhalte - hat man es immer mit Leuten zu tun, die sich in der Materie besser auskennen als man selbst. Der Fundamentalismus ist leider keine Form des Glaubens, sondern sein Ende. Der Fundi meint, unumstößliche und unwiderlegbare Beweise für die Richtigkeit seiner Lehre zu haben, vor denen jeder Kritiker in die Knie brechen muss. Der Glaube vertraut darauf, dass sich am Ende Gottes Wesen, seine Liebe und Barmherzigkeit gegen unsere Hartherzigkeit und Egoismus durchsetzt. Vieles, was wir gern Gott in die Schuhe schieben (Hunger, Krieg, etc.) sind doch bei Licht besehen eher Dinge, die wir Menschen zu verantworten haben. Das sollten wir uns eingestehen. Bei so echten und verbohrten Fundis mag vielleicht ein Tipp von Hubert Schleichert helfen, der ein Buch zu diesem Thema veröffentlicht hat: "Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren - Anleitung zum subversiven Denken" Das Buch ist bei C.H. Beck erschienen. Es hilft, die Argumentationsweisen zu verstehen und dennoch Luft zum Atmen und Freiheit zum Denken zu haben. Es lehrt aber auch, selbst den Fundamentalisten als gleichwertigen Menschen zu sehen. Verachtung wäre da - wie eigentlich an den meisten Stellen - absolut fehl am Platz.
Gruß Barnabas
PatBo am 20. Juli 2007 08:44 Ist doch totaler Blödsinn. Wenn einer Fanatiker ist, ist es doch völlig egal an welchen Gott er fanatisch glaubt.
Sorry, aber ich finde den Vorwurf "totaler Blödsinn" als Kommentar auf diese ausgewogene Antwort undifferenziert und deplaziert
love2travel- kann ich nur zustimmen
Liebe/r PatBo,
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Viele Grüße
Verena vom gutefrage.net-Team
Ich denke das ist schwierig zu beantworten. Wer wirklich fanatisch an etwas glaubt und meint das auch allen anderen aufdrücken zu müssen, hat oft jeden Bezug zur Realität der anderen verloren. Ich schreibe ganz bewußt so, denn er lebt in seiner Welt mit seiner Realität und natürlich ganz anderen Prioritäten als der Rest der Welt. Und wer weiß, vielleicht hat dieser Fanatiker mit seinem Glauben sogar recht. Ich habe mal sinngemäß gelesen: Nur weil alle anderen anderer Meinung sind, heißt das ja noch nicht, dass sie recht haben.
Es gibt Typen, mit denen kann man nicht diskutieren, ohne wahnsinnig zu werden.

Ich denke, diskutieren kann man mit Fanatikern nicht. Man sollte sie mit ihrer Meinung aktzeptieren, aber sich nicht auf Streitereien einlassen. Einfach den eigenen Glauben authentisch leben und ein gutes Beispiel geben.

An Respekt erinnern u. die eigenen Grenzen wahren, je nach Sachverhalt aber auch Grenzen erweitern, wird ungenügend Respekt gezollt/gelebt dann Grenzen ziehen!
Die empfehlenswerte Art des Umgangs mit Fanatikern hängt auch von der Situation ab. Allgemein ist es richtig, eine klare Grenze für ein nicht hinnehmbares Verhalten aufzuzeigen. Dazu gehört, für Meinungsfreiheit und Toleranz einzutreten als gleiches Anrecht für alle, Überzeugungen zu haben und zu leben, solange nicht schlimme Taten begangen werden.
Ignorieren kann manchmal Ärger ersparen. Bei der Zustimmung über ziemlich Selbstverständliches hinaus droht die Gefahr von Anwerbeversuchen. Eine Diskussion kommt grundsätzlich auch in Frage, allerdings nur, wenn jemand inhaltlich und taktisch gut vorbereitet ist.
Meinst du die Bekehrung von gestern? Ist ja schön und gut, wenn jemand an Gott glauben möchte aber der jenige kann doch nicht seinen Glauben anderen aufzwingen. Diskussionen führen mit so Leuten ins Nichts. Bei passender Gelegenheit bekehren sie sich schon selbst, wenn ihr Gott ihnen auch nicht hilft, sondern ganz normale Menschen ihnen dann beistehen...
... ich habe bei diesem Thema stets das Gefühl, dass viele Menschen die anderen nur sehr wenig verstehen. Richtig ist, dass niemand versuchen sollte, den anderen zu bekehren, vielleicht auch nicht die treffende Aussage ... Ich versuche meinen Glauben als Christ im übertragenen Sinne von "Liebe Deinen Nächsten" zu leben; auch wenn ich "genau" weiß, dass "Undank der Welt Lohn ist", versuche ich mich nicht beirren zu lassen. Wenn mir jemand nacheifern möchte, kann er das gerne tun, ich wünsche mir das auch, aber von seiner Einstellung bekehren, überreden abzugehen, möchte ich dann doch nicht versuchen, da es meist vergeblich ist, es sei denn, derjenige ist überzeugt. Ich halte es für sehr wichtig, etwas zu haben, an das man glauben kann - Dialog ist doch immer noch das beste Mittel, denn wenn uns die Kommunikation fehlt, geht meist alles schief. In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein schönes, sonniges Wochenende - GOTT SEGNE EUCH !
Jeder kann seine eigene Meinung haben und sollte diese auch haben dürfen. Jedoch sollte er nicht versuchen, andere vehement davon zu überzeugen.

Anhand der Bibel prüfen, wer wirklich recht hat. Sie ist schließlich die Grundlage für den Glauben an Got.

belächeln

also, wenn da jetzt zum beispiel 2 jehovas(oder wie man das schreibt) vor miener tür stehen, dann such ich erstmal ein gespräch. da ich von natur aus ein sehr skeptischer mensch in sachen religion bin, lasse ich sie so lange erzählen und selle so lange irgendwelche fangfragen, bis sie sich dann selber wiedersprechen. und genau das haltet ich ihnen dann vor. das kann echt spaß machen.