Frage von against0, 191

Was zur Hölle soll ich nun mit meinem Leben anfangen?

Ich bin jetzt mit der Schule fertig und habe ein nicht ganz so glänzendes Abitur hingelegt (3,2). Wie man sich vielleicht denken kann, weiß ich nicht so recht, was ich nun studieren soll. Ich würde gerne dieses Jahr zum Wintersemester anfangen, und habe mich für Jura beworben und wurde angenommen. Nur bin ich mir extrem unsicher, ob das was für mich ist. Die diesbezüglichen Vorurteile/Klischees werde ich jetzt nicht niederschreiben, da bestimmt jeder weiß, was gemeint ist. Jura an sich ist mit Sicherheit ziemlich interessant, jedoch bin ich nie ein guter Auswendiglerner gewesen, wie man bescheidenerweise vermuten kann. Eine andere Alternative wäre Soziologie, aber da dieser Studiengang fast überall zulassungsbeschränkt ist, kann ich mir das abschminken. Ich weiß einfach nicht, was ich machen soll. Mich plagen Zukunftsängste; seit Tagen kann ich nur einige Stunden schlafen. Ich weiß, dass ich Zeit habe und nicht zwangsläufig dieses Jahr schon anfangen muss zu studieren, aber ich würde wirklich gerne dieses Jahr schon anfangen. Eine Ausbildung möchte ich nicht. Ich interessiere mich auch für Psychologie und finde den Beruf als Jugendgerichtshelfer sehr interessant, man muss jedoch dafür Soziale Arbeit studiert haben.
Was soll ich tun?

Antwort
von Kimmay, 56

Was genau möchtest du denn "später" arbeiten? Oder hast du irgendeinen Traumstudiengang?

Sich einfach nur für irgendwas zu bewerben nur um einfach zu studieren halte ich nicht für sinnvoll. Ich kenne wirklich einige, die abgebrochen haben. Was natürlich einerseits irgendwie doch "verschwendete Zeit" ist und andererseits werden keine Wartesemester gutgeschrieben.

Ich selbst habe auch einen Abischnitt von 3,2 (habe letztes Jahr mein Abi gemacht) und hatte auch total die Panik in der Zeit. Mein Traumberuf war schon immer Lehrerin. An meiner Wunschuni war der Schnitt jedoch im sehr guten 2er Bereich und ich habe mich daher deutschlandweit und auch für andere Studiengänge (einfach nur mit dem Gedanken "du musst studieren" - im nachhinein ziemlich blöd!) beworben. Im Endeffekt wurde ich doch an einer Uni für Lehramt angenommen, die hatte glücklicherweise keinen NC das Semester gehabt. Nach einem Semester habe ich auf meine Wunschuni gewechselt und bin super glücklich!

Am Anfang hatte ich auch die Panik, es nicht zu schaffen, weil mir eben lernen nicht so leicht fällt. Aber da das Studium bei 0 anfängt und man quasi keine Vorkenntnisse braucht (ich studiere u.a. Geographie und hatte das nie in meiner Schulzeit gehabt) muss man sich wirklich keine Sorgen machen. Selbst den 1er Abiturienten ergeht es so.
Es gibt auch Studienverlaufspläne, an diesen sieht man genau, was man in welchem Modul lernt - so kann man sich vor dem bewerben schon Gedanken machen, ob es einem interessiert oder nicht.

Eine Freundin von mir studiert "Soziale Arbeit" und ihr macht es total viel Spaß! Es soll wohl ein ziemlich gechillter Studiengang sein und nicht so schwer zu lernen. 

Was du tun sollst?
Mach das, was du wirklich willst, worin du dein Leben lang arbeiten möchtest.
Du kannst auch erst mal "Pause" von der Schule machen. Mach Praktika, um in verschiedene Jobs reinzuschnuppern. Geh mal in die Uni und höre die Vorlesungen an (ja man kann da einfach so hingehen, da die Anwesenheit nicht kontrolliert wird), dann weißt du schon mal in etwa was auf dich zukommt.

Kommentar von against0 ,

Danke für die umfangreiche Antwort :) mein 'Traumstudium' ist Psychologie, aber das kann ich mir hier in Deutschland aus dem Kopf schlagen. Ganz blind habe ich mich für Jura nicht beworben, ich habe ein paar mal in Vorlesungen reinschnuppern dürfen und es hat mir recht gut gefallen.
Macht die das Lehramtsstudium Spaß?

Kommentar von Kimmay ,

Gerne :)
Wenn du das unbedingt machen willst, dann kannst du dich auch einklagen. Hat eine Freundin von mir gemacht, auch Psychologie. So teuer war es nicht und besser wie unglücklich zu sein.

Aber wenn Jura dir gefällt, dann mach das doch! Ist halt ziemlich trocken, aber so viel auswendig lernen ist da auch nicht. Ein Freund hat das mal studiert, nach 2 Semester aber abgebrochen, und der meinte, man müsse nur wissen, wo alles stände aber nicht mehr auswendig lernen wie bei anderen Studiengängen auch.
Psychologie ist halt mehr Statistik, vor allem in den ersten Seestern. Also je nach Uni und Schwerpunkt eben.

Also als "Spaß" würde ich das nicht bezeichnen, aber es ist auf jeden Fall das Richtige! Ich habe vorher auch schon ein Praktika in dem Bereich absolviert und könnte mir nichts anderes vorstellen. Hätte wirklich nicht gewusst, was ich machen würde, wenn ich da nicht genommen worden wäre.

Antwort
von Lichtpflicht, 37

Es wurde ja schon sehr viel gesagt, darunter auch wirklich gute Hinweise und Tipps.

Ich möchte nur noch ergänzen, dass es schon einigen so geht wie dir nach dem Abi. Das Problem ist, dass du zum einen nicht weißt was du tun willst in deinem Leben, durch den Schnitt eingeschränkt bist und dich zusätzlich noch selbst einschränkst indem du absolut sicher zum studieren anfangen willst, egal was, eben das wofür du genommen wirst, und alle anderen Möglichkeiten komplett ausschließt. So bleibt nicht viel übrig an Wahl, obwohl du sie theoretisch schon hättest.

Ich sage dir, Panik ist kein guter Ratgeber. Klar, wenn du gar nicht weißt wohin, dann ist der naheliegenste Weg, den auch viele andere gehen, der einfachste und attraktivste. Ob er der richtige ist, bleibt fragwürdig.

Ich persönlich rate dir wirklich von Jura ab mit deinem Schnitt und der Aussage, dass du kein guter Auswendiglerner bist. Ich denke, das wäre unglaublich hart für dich und überhaupt kein Spaß für dich. Nach deiner Beschreibung würde ich auch eher zu sozialer Arbeit raten, wenn du unbedingt studieren willst.

Allgemein würde ich dir raten, erstmal Praktikas zu machen, Workcamps, was von der Welt und den Menschen sehen, damit du zu dir findest, viele neue Eindrücke und praktische Berufserfahrungen bekommt und einfach einen Willen und Wunsch für eine klare Richtung im Leben entwickelst.

Ich denke aber nicht, dass du vom Studium nochmal abweichst :). Mach dir bitte einfach klar, dass, egal wie du dich entscheidest, es zunächst keine große oder endgültige Lebensentscheidung ist. Du wirst noch viele Gelegenheiten haben, die Richtung zu ändern, wenn sich die letzte Entscheidung als falsch herausgestellt hat. Jeder Fehler ist auch eine wertvolle Erfahrung.

Daher: Zerbrich dir den Kopf nicht zu arg, mach dich nicht deswegen fertig oder bau dir selbst Druck auf. Versuche zu einem gelassenen Optimismus und zur Freude und Neugier auf die Zukunft zurückzufinden. Dir kann nichts schlimmes passieren.

Antwort
von Xipolis, 24

Nach dem Deinem Studium wird niemanden mehr Dein Abi-Durchschnitt interessieren. Hauptsache Du hast eines.

Wenn Du Jura studieren willst, dann solltest Du es machen, weil es Dir liegt. Es geht weniger ums Auswendiglernen, sondern zu wissen, wo man was findet. 

Wichtig ist erstmal dass Du einen Platz hast und Anfange kannst. Im Falle eines Falles kannst Du immer noch wechseln.

Alternativ wäre erst ein Jahr später zu beginnen und erstmal ein FSJ im Ausland oder ähnliches zu machen wie ein Work-and-Travel-Jahr. Das macht sich auch gut im Lebenslauf.

Antwort
von BaamxYuri, 45

Du schreibst von Spaß aber du willst doch vor allem Geld verdienen. Das Auswendiglernen geht sicher besser wenn du mehr Spaß daran hast aber auf lange Sicht gesehen darfst du die Motivation nicht verlieren. Das geht bei Fächern wo du stur weiterlernen kannst nach dem selben Schema und mit der Motivation dass du, Spaß hin oder her, irgendwann gut verdienst und das Abi sich für dich gelohnt hat, besser.

Wenn du ein Fach wählst an dem du mehr Spaß hast aber du kannst den Lernstoff nicht aufnehmen, dann bringt dir die Motivation zum Lernen überhaupt nichts.

Was das Lernen angeht bringt es auf jeden Fall viel nicht nach schnellen Methoden zu suchen und Zeit zu verschwenden. Für Normalos ist das Karteikartenprinzip meiner Meinung nach das beste. Du lernst so gut du kannst und wenn du nicht weiterkommst musst du dir das am schwierigsten zu Lernende vorknöpfen. Irgendwelche Mnemonic oder sonst was bringt nur was wenn es natürlich kommt oder du die nötige Kreativität hast.

Lerntricks bringen für Normalos nur dann was wenn du garantiert ohne viel Mühe für eines Informationsteil, zb nur einen Satz direkt eine Assoziation parat hast, die dir hilft den Satz ins permanente oder eben Langzeitgedächtnis zu kriegen. Das ist aber vielleicht nur bei 5% des Stoffs überhaupt realistisch und ansonsten ist das Zeitverschwendung und für irgendwelches Mind Yoga und Gurus von Nöten.

Dann schaffst du das auch mit deinem Durchschnitt.

Antwort
von Wuestenamazone, 58

Mit dem Durchschnitt Jura würde ich nicht raten. Überleg dir was dir Spaß macht und mach dann ne Ausbildung

Antwort
von Mashijo, 66

Ich würde dir vorschlagen, dass du es einfach ausprobierst. Die wenigsten Studenten halten ihr erstes Studienfach durch, die meisten springen wieder ab und belegen etwas anderes. Daher würde ich dor vorschlagen, es erst mal anzusehen, und dann zu entscheiden. Wenn es nichts für dich ist, dann versuche dich an etwas anderem :) Es ist ja nicht schlimm, wenn es dir nicht passt.

Antwort
von Jerne79, 58

Auch um Jugendgerichtshelfer zu werden, sollte man studiert haben, wie
man übrigens in 10sec mit Hilfe einer Suchmaschine auch selbst
herausfinden könnte.

Wie wäre es denn, wenn du mal ein paar Studien- und Berufsfindungstests machst? Vielleicht findest du ja etwas, das zu deinen Fähigkeiten und Neigungen passt, einigermaßen eine Perspektive bietet und nicht mit endlosen Wartesemestern verbunden wäre. Mach ein paar Praktika, damit du dir die Realität in den in Frage kommenden Berufen ansehen kannst und auch mit Menschen reden kannst, die bereits in diesen Berufen arbeiten.

Deine Zweifel bzgl. Jura sind verständlich, wer im Auswendiglernen nicht der Held ist, wird es sehr schwer haben.

Kommentar von against0 ,

Ich habe ja nie behauptet, dass man ohne ein Studium Jugendgerichtshelfer wird, siehe Text. Solche Tests habe ich bereits gemacht und helfen wenig.

Kommentar von Jerne79 ,

Was den Jugendgerichtshelfer betrifft: Sorry, da bin ich in einer Zeile verrutscht und hatte es als Frage verstanden, mein Fehler.

Die Tests sind aber nicht so unsinnig. Auch wenn da vielleicht nicht das perfekte Ergebnis bei rausspringt, kann so ein Test auch mal eine neue Richtung aufzeigen, auf die man von selbst gar nicht kommt, gerade wenn man schon halb panisch ist und nur noch mit Tunnelblick herumläuft.

Antwort
von Almalexian, 77

Bist du sicher dass es ein Studium sein soll? Mit dem Schnitt hast du vllt. bessere Chancen bei einer guten Ausbildung.

Antwort
von DidPandaHurtYou, 51

Mach das was dir gefällt. Jura mag schwierig sein, aber wenn das dein Traum ist - finde ich - solltest du es wagen.

Falls du doch nicht direkt studieren musst könntest du dich umschauen, ob ein FSJ oder BFD für dich in Frage kommt. Es gibt viele Bereiche in denen man das machen kann und vielleicht hilft dir dieses Jahr dann dich zu orientieren.

Antwort
von Basti6000, 51

Mit dem Schnitt Jura studieren? Naja.
Wieso keine Ausbildung? Was ist daran so schlimm? Man lernt 3 Jahre und ist dann fertig.
Bis man sein Studium fertig hat, wenn man es überhaupt schafft, dauert jahre. Und ob man es überhaupt besteht. Ich würde immer erst eine Ausbildung machen und danach studieren, da hat man wenigstens was in der Tasche. Wenn man ein Studium abbricht o.ä steht man wieder bei Null.

Kommentar von against0 ,

Wie schon gesagt, das Jurastudium habe ich sicher. Der Schnitt sagt überhaupt nichts über die Intelligenz aus, da spielen viele Faktoren eine Rolle. Aber danke für den Vorschlag.

Kommentar von Basti6000 ,

Ich weiß, nur es gibt so viele Studienabbrecher. Deswegen würde evtl. auch ein Duales Studium für dich in Frage kommen

Antwort
von Hessenlover, 10

Erst Mal Glückwunsch für die Annahme, Wo hast du dich denn beworben bzw. wo wurdest du angenommen, wenn man fragen darf?

Kommentar von against0 ,

Danke dir, an der Martin-Luther Universität in Halle (Saale)

Antwort
von Heelyfan, 16

Ich habe eine Frage.
Wieso kommt für dich keine Ausbildung in Frage?

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