Frage von jojokpop, 150

Was bedeutet: Man muss noch Chaos in sich haben um einen tanzenden Stern gebären zu können?

Könnt ihr mir vielleicht sagen, was das Zitat von Friedrich Nitzsche bedeutet? :)

LG

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von mychrissie, 115

Mann muss etwas "verrückt" sein und von den Regeln abweichen, um wirklich kreative und künstlerisch Wertvolles zu schaffen

Kommentar von Blitz68 ,

das ist dann aber für niemanden anderes mehr zu verstehen !

Kommentar von mychrissie ,

Also für mich ist das schon klar. Wer Chaos in sich hat, ist eben kein bürgerlicher Spießer, und ein tanzender Stern ist ein künstlerischer und intellektueller Geniestreich.

Wenn Du die Hintergründe von Nitzsches Persönlichkeitsstuktur besser kennenlernen willst, könntest Du mal die Nitzsche-Kurzbiografie von Stefan Zweig lesen, exzellent recherchiert (wie immer bei Zweig) und sehr aufschlussreich.

Kommentar von mychrissie ,

Du findest diese Biografie in dem Zweig-Buch "Der Kampf mit dem Dämon", in dem drei Kurzbiografien zusammengefasst sind: Hölderlin, Kleist und Nitzsche. Alle drei haben ja ein Leben gelebt, welcher der direkte Weg in den Wahnsinn war.

Antwort
von SturerEsel, 88

Im Zusammenhang wird es deutlicher:

EINEN TANZENDEN STERN GEBÄREN

Als Zarathustra diese Worte gesprochen hatte, sahe er wieder das Volk an und schwieg. „Da stehen sie“, sprach er zu seinem Herzen, „da lachen sie: sie verstehen mich nicht, ich bin nicht der Mund für diese Ohren.

Muss man ihnen erst die Ohren zerschlagen, dass sie lernen, mit den Augen hören? Muss man rasseln gleich Pauken und Busspredigern? Oder glauben sie nur dem Stammelnden?

Sie haben Etwas, worauf sie stolz sind. Wie nennen sie es doch, was sie stolz macht? Bildung nennen sie's, es zeichnet sie aus vor den Ziegenhirten.

Drum hören sie ungern von sich das Wort „Verachtung“. So will ich denn zu ihrem Stolze reden.

So will ich ihnen vom Verächtlichsten sprechen: das aber ist der l e t z t e M e n s c h.“

Und also sprach Zarathustra zum Volke:

Es ist an der Zeit, dass der Mensch sichsein Ziel stecke. Es ist an der Zeit, dass der Mensch den Keim seiner höchsten Hoffnung pflanze.

Noch ist sein Boden dazu reich genug. Aber dieser Boden wird einst arm und zahm sein, und kein hoher Baum wird mehr aus ihm wachsen können.

Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch nicht mehr den Pfeil seiner Sehnsucht über den Menschen hinaus wirft, und die Sehne seines Bogens verlernt hat, zu schwirren!

Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch.

Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch keinen Stern mehr gebären wird. Wehe! Es kommt die Zeit des verächtlichsten Menschen, der sich selber nicht mehr verachten kann.

Seht! Ich zeige euch den l e t z t e n M e n s c h e n.

„Was ist Liebe? Was ist Schöpfung? Was ist Sehnsucht? Was ist Stern?“ - so fragt der letzte Mensch und blinzelt.

Die Erde ist dann klein geworden, und auf ihr hüpft der letzte Mensch, der Alles klein macht. Sein Geschlecht ist unaustilgbar, wie der Erdfloh; der letzte Mensch lebt am längsten.

„Wir haben das Glück erfunden“ - sagen die letzten Menschen und blinzeln.

Sie haben die Gegenden verlassen, wo es hart war zu leben: denn man braucht Wärme. Man liebt noch den Nachbar und reibt sich an ihm: denn man braucht Wärme.

Krank-werden und Misstrauen-haben gilt ihnen sündhaft: man geht achtsam einher. Ein Thor, der noch über Steine oder Menschen stolpert!

Ein wenig Gift ab und zu: das macht angenehme Träume. Und viel Gift zuletzt, zu einem angenehmen Sterben.

Man arbeitet noch, denn Arbeit ist eine Unterhaltung. Aber man sorgt, dass die Unterhaltung nicht angreife.

Man wird nicht mehr arm und reich: Beides ist zu beschwerlich. Wer will noch regieren? Wer noch gehorchen? Beides ist zu beschwerlich.

Kein Hirt und Eine Heerde! Jeder will das Gleiche, Jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig in's Irrenhaus.
„Ehemals war alle Welt irre“ - sagen die Feinsten und blinzeln.

Man ist klug und weiss Alles, was geschehn ist: so hat man kein Ende zu spotten. Man zankt sich noch, aber man versöhnt sich bald - sonst verdirbt es den Magen.

Man hat sein Lüstchen für den Tag und sein Lüstchen für die Nacht: aber man ehrt die Gesundheit. „Wir haben das Glück erfunden“ - sagen die letzten Menschen und blinzeln.

http://sterneck.net/literatur/nietzsche-stern/index.php

Meine Interpretation: man muss nach links und rechts schauen, mal den ausgetretenen Pfad verlassen, mal etwas wagen, auch mal die Konventionen vergessen um sein persönliches Glück zu finden.

Antwort
von Gummibusch, 79

Ich würde das so interpretieren:

Um die Vielfalt des Lebensglücks zu erfahren sollte man nicht zu sehr an der Ernsthaftigkeit verbittern.

Ich bin gespannt was andere daraus zu deuten vermögen. ☺

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