Frage von dirtybobic, 699

Wann schaut die Sphinx auf Regulus?

Es wird hier http://one-mind.net/die-pyramiden-atemberaubende-fakten/ in dem Video am Ende behauptet, dass die Spinx als astronomische Uhr fungiert. Besonderes Augemerk gilt dabei den hellsten Sternen der fixen Achse der Sternbilder.

Wann schaut die Sphinx denn das nächste mal exakt auf den Regulus?

Ich bin nicht so versiert in Astronomie, aber wenn ich das richtig verstanden habe, ist das nur alle 12.000 Jahre der Fall durch die Präzession.

Anmerkung: Mir ist klar, dass die Sphinx jeden Tag auf das Sternbild Löwe schaut.

Antwort
von Willy1729, 581

Hallo,

die Sterne wandern zwar über das Himmelsgewölbe - bedingt durch die Erdrotation - aber sie sind nicht an jedem beliebigen Punkt des Himmels zu sehen, sondern folgen bestimmten Bahnen, Bahnen, die auf der Nordhalbkugel ihren Mittelpunkt im Himmelsnordpol haben, also dem Punkt, an dem die Verlängerung der Erdachse das Himmelgewölbe scheinbar durchstoßen würde. Der Abstand zu dem Himmelnordpol ist also fest. Verändern tut sich der Abstand zum sogenannten Frühlingspunkt, das ist einer der beiden Schnittpunkte der Ekliptik - also der Bahn der Sonne im Jahreslauf - mit dem Himmelsäquator - einer gedachten Linie am Himmel, die da verläuft, wo die Ebene des irdischen Äquators das Himmelsgewölbe schneidet. In etwa 24 Stunden, genauer: 23 Stunden, 56 Minuten und 4,1 Sekunden durchläuft ein Stern wieder die Linie, die senkrecht zum Himmeläquator durch diesen Punkt geht. Weil die Erde um die Sonne wandert, ändert sich der Nachthimmel. Wir sehen im Winter andere Sterne als im Sommer, weil die Sterne, die im Winter nachts am Himmel stehen, im Sommer am Taghimmel und somit für uns unsichtbar sind (außer bei einer totalen Sonnenfinsternis).

Die Präzession, die Du ansprichst, ist ein Pendelbewegung der Erdachse. Sie entspricht der Ausweichbewegung eines Kreisels, den Du kurz anschubst. Seine Achse beschreibt dann eine doppelkegelförmige Bahn. Genau dies macht auch die Erdachse. Dadurch verschiebt sich der Himmelsnordpol ständig. Steht im Moment der Polarstern in der Nähe des Zentrums der scheinbaren Sternbahnen, wird es irgendwann die Wega sein. Allerdings ist diese Verschiebung sehr langs. Es sind etwa 25600 Jahre, bis die Erdachse wieder auf denselben Punkt am Himmel zeigt. 

Ein Stern wie Regulus erreicht den höchsten Stand über dem Horizont, wenn er im Süden steht. Da der Abstand zum Himmelsnordpol fest ist, ist diese Höhe immer dieselbe. Wenn die Sphinx oder auch ein Teleskop exakt auf einen Punkt ausgerichtet ist, durch den Regulus auf seiner Bahn kommt, würde er eine lange Zeit immer wieder im Fernrohr auftauchen. Langsam aber sicher würde er aus dem Bild verschwinden, bis er irgendwann oberhalb oder unterhalb vorbeiläuft. Die Präzession hat sich bemerkbar gemacht. So ist das bei der Sphinx. War sie vor mehreren tausend Jahren so ausgerichtet, daß sie zu bestimmten Zeiten im Jahr genau auf Regulus ausgerichtet war, hat er nun seine Bahn scheinbar geändert. In Wirklichkeit aber hat sich die Ausrichtung der Erdachse geändert und damit natürlich alles, was sich auf der Erde befindet - auch die Sphinx. Da die Bahn des Regulus die Linie am Himmel, auf die die Sphinx ausgerichtet ist, zweimal schneiden kann, ist es möglich, daß Regulus nicht erst nach 25600 Jahren vor ihrem starren Blick erscheint, sondern schon eher. Wichtig ist, daß der Punkt am Himmel, auf den die Sphinx blickt, auch ein Punkt auf der Bahn des Regulus ist.

Herzliche Grüße,

Willy

Kommentar von dirtybobic ,

Lieber Willy,

hab vielen Dank für deine ausführliche Erklärung! Ich denke ich habe es verstanden. Die Sphinx müsste demnach genau 2x (für längere Zeit) auf den Regulus schauen innerhalb eines platonischen Jahrs, ist das richtig?

Wie kann ich feststellen, auf welchen Punkt des Himmels die Sphinx blickt? Gibt es astronomische Software dafür oder ähnliches?

Herzliche Grüße!

Kommentar von Willy1729 ,

Es gibt astronomische Software; die sagt Dir aber nicht, wie die Sphinx ausgerichtet ist.

Beachte auch den Hinweis von Ute. Nach einem so langen Zeitraum verzerren sich die Sternbilder durch die Eigenbewegung der Sterne.

Du mußt auch bedenken, daß Du es mit zwei unterschiedlichen Koordinatensystemen zu tun hast, dem azimutalen und dem äquatorialen. Das eine gibt die Himmelsrichtung und die Höhe eines Sterns über dem Horizont, das andere seinen Abstand zum Himmelsäquator und zum Frühlingspunkt an.

Du mußt auf jeden Fall die geographische Breite des Standortes der Sphinx kennen, dann weißt Du, wie hoch ein Stern dort maximal über den Horizont steigen kann; außerdem brauchst Du ihre genaue Ausrichtung. Welchen Winkel bildet die Blickachse mit der Waagerechten, in welche Himmelsrichtung schaut sie genau.

Dazu brauchst Du noch die Formel, um ein System in das andere umzurechnen.

Herzliche Grüße,

Willy

Expertenantwort
von uteausmuenchen, Community-Experte für Astronomie, 469

Hallo dirtybody,

solche Dokus verkaufen sich priiiima. ;-)

Erstens sind sie sooooo schön geheimnisvoll. (Der namenlose "Informant" weiht uns hier in Geheimwissen ein. - Und das öffentlich im Fernsehen....).

Zweitens erfahren wir immer wieder, was viele naturwissenschaftliche Laien nur allzu gerne hören: Dass dem namenlosen Informanten viel mehr zu glauben sei als wissenschaftlichen Daten. (Zum Beispiel heißt es: (1:27) "folgen wir der These des Informanten, dann wurde die Sphinx den Geologen zum Trotz nach der Cheopspyramide gebaut". Nun - das ist genau, was die Archäologen sagen: Dass die Sphinx gleichzeitig oder eine Generation nach der Cheopspysramide gebaut wurde. Und die widersprechen als seriöse Wissenschaftler den Geologen nicht....)

Drittens leben solche Dokumentationen davon, dass der Zuschauer die Angaben nicht überprüft und die historischen Fakten auch nicht im Kopf parat hat. Er wird Fehler also nicht bemerken.

Wie schaut es denn mit den Angaben zum Sternhimmel in dieser "Doku" aus?

Die Cheopspyamide soll also eine Uhr sein. Alle 26 000 Jahre soll die Sphinx wieder auf die selbe Sternenstellation blicken, denn die sei ja unveränderlich.

Und das ist - sorry, dass ich es so deutlich sage - schlicht falsch, Unsinn, Humbug.

Das Bild, das da bei 1:25 gezeigt wird, das ist die Präzession der Erdachse. Deren Periode beträgt 25 800 Jahre, keine 26 000. Bei soooo viel Zahlenmystik sollte man schon auf diesen Unterschied bestehen.

Vor allem aber würde nach 26 000 Jahren die arme Sphinx kein einziges Sternbild mehr wieder erkennen. Denn die Sterne eines Sternbildes gehören physikalisch nicht zusammen. Sie haben alle ganz unterschiedliche Eigenbewegungen.

Die Sternbilder sind deswegen keineswegs über derartige Zeiträume "unveränderlich". Sie verändern sich dermaßen, dass sie nicht wiederzuerkennen sind. (Hier zum Beispiel der Große Wagen in und vor 100 000 Jahren).

Die Aussage, die Sphinx würde in 26 000 Jahren wieder auf dieselbe Konstellation sehen, ist aus astronomischer Sicht schlicht Unsinn. Du sagst es ja selbst: Das Ding schaut jeden Tag einmal auf den Löwen.

Du solltest solche reißerisch gemachten Dokus als Unterhaltungsprogramm ansehen - nicht als Bildungsfernsehen. Denn das "Wissen", das in solchen "Dokus" vermittelt wird, hält einer Überprüfung nicht stand.

Mit der Cheopspyramide wird seit jeher eine Menge Zahlenmystik gemacht. Überprüft man solche Angaben, dann stellt sich sehr oft (wie hier mit den 26 000 Jahren) heraus, dass die in dieser Art Doku gemachten Angaben doch sehr passend gerundet sind - wenn nicht sogar ganz falsch. (http://wiki.grenzwissen.de/index.php/Aufbruch_ins_dritte_Jahrtausend)

Was von derlei Zahlenspielereien zu halten ist, das belegt Harald Lesch sehr eindrucksvoll in seiner Radosophie:

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/alpha-centauri/alpha-centauri-radosop...

Er zeigt darin, dass man aus dem Verhältnis der gemessenen Werte eines beliebigen Gegenstandes stets das halbe Universum berechnen kann. Das liegt einfach daran, dass sich bereits wenige Größen derartig vielfältig mathematisch zueinander ins Verhältnis stellen lassen, dass man wirklich alles und jeden Zahlenwert herausholen kann.

Lass Dich nicht von Zahlenmystikern an der Nase herum führen....


Grüße

Kommentar von dirtybobic ,

Liebe Ute, vielen Dank!

der Geologe Aigner behauptet, dass die Sphinx vor oder zeitgleich erbaut wurde:
"Weitere sedimentologisch-paläontologische Untersuchungen haben gezeigt, daß die Profile, die den Körper des Sphinx auszeichnen, sich in verschiedenen Steinen der Tempel wiederfinden, teilweise über ganze Wände des Tempels hinweg (Aigner, S. 385). Die Stratigraphie des Sphinx ist teilweise invers zur Stratigraphie des Sphinxtempels. Damit ist sichergestellt, daß Sphinx, Sphinxtempel und auch Chephrens Taltempel das Ergebnis eines einzigen Bauprozesses sind (Aigner, S. 385)."

Sicherlich wird es auch hierzu unterschiedliche Auffassungen innerhalbe der  Geologen geben. Aber es ist nicht so eindeutig wie du behauptest.

Drittens leben solche Dokumentationen davon, dass der Zuschauer die
Angaben nicht überprüft und die historischen Fakten auch nicht im Kopf
parat hat.

Der erste Teil der Dokumentation lebt von den Fakten, welche der Überprüfung standhalten. Nur die letzte Hypothese, welche auch eindeutig so benannt wird (also der Teil mit der astronomischen Uhr) ist demnach eine Vermutung.

Vor allem aber würde nach 26 000 Jahren die arme Sphinx kein einziges
Sternbild mehr wieder erkennen. Denn die Sterne eines Sternbildes
gehören physikalisch nicht zusammen. Sie haben alle ganz
unterschiedliche Eigenbewegungen. 

Ich habe leider keine Aussagen dazu im Internet finden können. Ja die Sternbilder verändern sich, da hast du wohl recht. Mir liegt auch herzlich wenig an der Astrologie, falls du darauf anspielst. In der Doku wird ja nicht von den Sternbildern als Orientierung gesprochen, sondern von den Fixsternen am Himmel :

Fomalhaut (Wassermann/Fische)
Regulus (Löwe)
Antares (Skorpion)
Aldebaran (Stier)

Es wird gesagt "Die Konstellation dieser Sterne bleibt unverändert". Es wird nicht gesagt "Die Sternbilder bleiben unverändert".

Mich würde es sehr interessieren, ob das wirklich so ist.

Mit der Cheopspyramide wird seit jeher eine Menge Zahlenmystik gemacht. Überprüft man solche Angaben, dann stellt sich sehr oft (wie hier mit den 26 000 Jahren) heraus, dass die in dieser Art Doku gemachten Angaben doch sehr passend gerundet sind - wenn nicht sogar ganz falsch.

Ich habe mir den Link angesehen und es mag stimmen. Aber das sind jetzt wiederum ganz andere Aussagen als aus dem Video. Ich nehme mal ein Beispiel

Höhe Cheops Pyramide (ursprünglich)
146,59 m (dies ist ein geschätzter Wert)

Entfernung Erde-Sonne minimum

147,1 Mio. km 

Natürlich lässt das Spielraum zur Interpretation. Aber die ursprüngliche Höhe der Pyramide ist nicht klar zu ermitteln. Die exakte Geometrie der Pyramide und deren Bezug zu astronomischen Längen ist in jedem Fall sehr erstaunlich.

Das Alpha Centauri Video habe ich mir angesehen. Vielen Dank dafür! Ich halte das Beispiel jedoch nicht für Vergleichbar, da es im Fall der Cheops Pyramide um deutlich offensichtlichere Herleitungen geht. Wenn du dir das Video in dem Artikel auf one-mind.net mal komplett angesehen hast, wirst du feststellen, dass es hier nicht um haltlose Rechenbeispiele geht, sondern um nachprüfbare Überlegungen.

Liebe Grüße

Kommentar von uteausmuenchen ,

Es wird gesagt "Die Konstellation dieser Sterne bleibt unverändert". (...) Mich würde es sehr interessieren, ob das wirklich so ist.

Nein. Auch das ist nicht so.

Die Sterne haben unterschiedliche Eigenbewegungen, die man bereits nach wenigen Jahrzehnten für Beobachtungen mit dem Teleskop berücksichtigen muss. Sternkataloge geben deshalb immer das Jahr an, für die die Koordinaten gelten (oft verwendete "Epochen"  sind z.B. 1950 oder 2000)

Die Aussage bleibt astronomisch unhaltbar. Sorry.

der Geologe Aigner behauptet, dass die Sphinx vor oder zeitgleich erbaut wurde:

Nein, auch das nicht. Aigner hat geologisch nachgewiesen, dass die Steine der Sphinx aus demselben Steinbruch stammen wie die des Chephren-Tempels. Und auch in dem von Dir zitierten Textabschnitt sagt er, das würde auf eine gemeinsame Bauphase hinweisen. Chephren ist NACH Cheops. Er war sein Sohn.

Ich halte das Beispiel jedoch nicht für Vergleichbar, da es im Fall der Cheops Pyramide um deutlich offensichtlichere Herleitungen geht.

Also komm. "Offensichtlicher", dass ich nicht lache. Man schlägt irgendwelche Kreise um die Pyramide und trifft die Sphinx. Da ist nicht eine einzige wirklich offensichtliche Herleitung in dem Video. Die Zahlenwerte gerade so gerundet, wie es passt - der mittlere Abstand zur Sonne ist schließlich höher... nur so als Beispiel ;-)

Aber mir scheint, es macht Dich glücklich, an so etwas zu glauben....

Grüße


Antwort
von Thommi79, 263

Es gibt ein tolles Programm dafür... Stellarium... Du kannst dort die Koordinaten eingeben von welchem Standort aus du von der Erde auf die Sterne blicken willst... Die Koordinaten von der Sphinx findest du bei Google 😏 Dann guckst du Richtung Osten so wie die Sphinx halt schaut.... Du kannst dann die Zeit vor oder zurück spulen.... Bei mir stand Regulus 8904 v.C am 24.8 um 0 Uhr genau im O vom Osten ... In der Zukunft liegt es ca bei 4250 n.C dort .... Schon interessant die Story... Aber auch nicht wirklich wichtig... Ich lebe im hier und jetzt... Und ich denke es gibt genug Menschen die wissen was getan werden muss... Lg

Kommentar von dirtybobic ,

Danke für deine Antwort. Das habe ich auch bereits getan,nur frage ich mich zum einen - Berücksichtig das Programm die Präzession? Zum anderen - woran bestimme ich, was gemeint ist. Du hast jetzt einfach festgelegt, dass der Regulus genau im "O" sein muss. Aber das ist er ja häufiger, nur eben auf verschiedenen Höhen. Danke dennoch für deine sehr hilfreiche Antwort!!! Freue mich über weitere Gedanken von dir

Antwort
von blu3l1on, 106

@dirtybobic Laut einer Seite im Inet steht folgendes: Wenn der stern ’Regulus’ exakt 90° ost am horizont aufgeht, dann ist ein astrologischer zyklus („leben“ in der ursprache) beendet. Jeder laie kann mit einer geeigneten astronomie-software nachprüfen, wann dies geschieht. Das letzte mal, als die Sphinx den stern „Regulus“ an diese Position gesehen hat, war der 23.09.-21622, um 15:42:15 Uhr — also vor 23.637 Jahren (dieser beitrag entstand im jahr 2015). Und wir können feststellen, wann die Sphinx den stern „Regulus“ wieder exakt 90° ost sehen wird: nämlich am 17.03.4244, um 17:14:48 Uhr — also in 2.229 jahren (wir schreiben das jahr 2015). Der stern „Regulus“ erscheint also alle 25.866 jahre exakt in 90° ost am horizont — dieser zeitraum entspricht der sogenannten „präzession“ der erde (= das angebliche taumeln der erdachse).

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