Frage von HorteCharlus, 56

Veterinärmedizinstudium abbrechen?

Hallo an alle.:) Ich frage mich momentan, ob ich mit der Wahl meines Studiums nicht möglicherweise einen Fehler gemacht habe. Folgende Situation: Mein Abi habe ich als Jahrgangsbeste abgeschlossen, war an allem und nichts interessiert und kam mit meinen Zukunftsplänen langsam in Bredouille. Kurzum: Ich musste mich schnell für ein Studium entscheiden. Spontan fiel die Wahl dann auf Vetmed. In allen NaWis gab es nie Probleme, habe immer alles verstanden und musste nie wirklich auswendig lernen, weswegen ich annahm, dass es passen könnte. Offensichtlich hatte ich jedoch nicht den blassesten Dunst, worauf ich mich einlasse. Kein Monat Studienzeit ist vergangen und ich vermisse es, mein Hirn anzuschalten, eigene Gedanken zu haben. Die permanente Auswendiglernerei deprimiert mich wahnsinnig. Dabei ist es nicht so, dass ich nicht grundsätzlich gerne lerne oder undiszipliniert wäre, auch die Inhalte sind an sich interessant aber es fehlt mir dabei die Möglichkeit, selbstständig denken zu dürfen, eigene Ideen entwickeln zu können, diesen Raum lassen Naturwissenschaften eben nur sehr bedingt. Mittlerweile drängt sich mir die Ahnung auf, dass ein geistes-/gesellschaftswissenschaftliches Fach geeigneter wäre. Noch ein paar potenziell relevante Infos: Geld ist für mich nicht Priorität Nr.1 (sonst hätte ich mich wohl kaum für Vetmed entschieden), arbeitslos möchte ich aber auch nicht sein.;) Ich mochte zwar alle Fächer, mein Herz schlug aber immer für Deutsch und Literatur aller Art nimmt auch jetzt noch einen Großteil meiner Freizeit ein. Psychologie war damals mein Plan B und ist es noch. Vielleicht war mal jemand in einer ähnlichen Situation und erklärt sich bereit, aus den eigenen Erfahrungen zu berichten.

Anbei: Nein, ich erwarte nicht, dass hier jemand für mich Entscheidungen trifft, sondern nur geistigen Input, um meine Lage besser einschätzen zu können. ;p

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Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Chrisgang, 24

Ich glaube du machst dir ein bisschen zu viele Gedanken. Es ist eigentlich in jedem Studiengang so, dass du zuerst einmal die Grundlagen lernen musst (was eklig ist) bevor du eigenständig arbeiten, denken und Leistung erbringen kannst. Auch solltest du an das spätere Berufsbild denken. Das kann dich motovieren. Du wirst eigenständige Diagnosen und Arbeit durchführen müssen. Das sollte dir definitiv entgegen kommen. Sieh den Anfang als Pflicht an, die Kür kommt zum Schluss.

Psychologie ist sicher spannend, aber sehr trocken, grad zu beginn. Du wirst dich durch allerhand statistische Modelle ringen müssen und das ist sehr viel Mathematik. Viele sind sehr enttäuscht vom Psychologie-Studium, weil sie sich nicht richtig informiert haben und nur vom Namen und den Vorstellungen, die sie damit verbunden haben, haben locken lassen...

Ich schlag vor du lässt die ersten paar Semester mal sacken und du wirst sehen, sobald du mehr praktische Module hast wirst du viel mehr eigenständig denken können. Nur wegen ein bissl Theorie hinzuschmeißen halte ich für nicht gut. Du wirst dich durchbeißen und das sicher schaffen!

Kommentar von HorteCharlus ,

Vielen lieben Dank, das war wirklich hilfreich.:)

Der Beruf selbst spornt mich ehrlich gesagt tatsächlich weiter an und hält mich arg zurück, abzubrechen.
Wahrscheinlich sollte ich mein Studium weniger perfektionistisch angehen. Ich befolge auf jeden Fall deinen Rat und guck mal, wie sich das erste Semester so gestaltet.:)

Liebe Grüße

Kommentar von Chrisgang ,

Die Sicht auf den Beruf wird sicher der Hauptmotivator sein. Daran solltest du dich auch halten, denn das ist ja der Grund, warum du das Studium machst.

Das erste Semester ist vlt. etwas zu kurz geschaut. Das erste Semester wird keinen Spaß machen, vlt das zweite auch nicht... Aber wie sagt man so schön: "Erst die Arbeit, dann das Vergnügen"...

Antwort
von Silo123, 9

Wenn es Dir um eigene Ideen entwickeln geht, kannst Du später in die Forschung gehen.

Und in der Praxis geht es auch letztendlich darum herauszufinden, was dem Patienten fehlt: Ideen gegeneinander abzuwägen, aber die erlernten Schemata sind dadurchaus hilfreich- 1. damit man nichts vergißt, 2. damit man auch erstmal mit dem einfacheren, naheliegenderen beginnt. 

Das beginnt aber erst richtig mit den klinischen Semestern, da tritt dann echt eine Änderung ein, aber Auswendiglernen bleibt trotzdem bis zum Ende des Studiums

Und Geisteswissenschaften können auch deprimierend sein. Da entwickelt man auch nicht direkt neues, sondern liest viel und schreibt davon dann was zusammen mit Quellennachweisen ohne Ende und hat nur das Gefühl, immer wieder das gleiche durchzukauen und ebenfalls keine bahnbrechenden Entdeckungen zu machen.

In der Veterinärmedizin wirst Du nicht gerade arbeitslos, aber der Anfangsverdienst, wenn es überhaupt einen geben sollte, da kannst Du von Mindestlohn nur träumen- es dürfte viel schlimmer sein, als Du es Dir vorstellst.

Aber mit Literatur .... Deutsch... da wäre der einzige Beruf,wo Du Geld verdienen könntest, Lehrer.

Ich kann nur jedem raten, das Geld nicht zu sehr außer acht zu lassen, denn irgendwovon muß man auch leben und viele Akadeniker haben ihr Studium geliebt, nur der Endberuf ist Taxifahrer, Taxifahrer scheint fast der typische Akademikerberuf zu sein.

Antwort
von muell1234, 27

Zum Anfang lernt man wirklich sehr viel auswendig. Dies dauert auch bestimmt noch bis zum Ende des Studiums an. Jedoch nimmt der Anteil des selbständigen Denkens, des Erkennens von Zusammenhänge immer mehr zu.

Dies kann man sich wie in der ersten Klasse vorstellen, man muss erstmals das 1x1 lernen, um danach die höhere Mathematik zustehen. 

Ich würde nach einem Monat nicht aufgeben. Jedoch kann man gut und gerne doch andere Vorlesungen besuchen und dort mal reinschnuppern.

In meinen Studium haben viel in den ersten 8 Wochen aufgehört und es abgebrochen. Die Professorin ;-) sagte damals, wer hier sitzen bleiben und das Ausdauervermögen hat, kann nur der Tierarzt werden. 

Kommentar von HorteCharlus ,

Vielen lieben Dank für die mutmachenden Zeilen.;)

Ich habe mir eigentlich vorgenommen, das erste Semester durchzuziehen und danach zu entscheiden. Vielleicht mache ich mir auch einfach zu viele Gedanken......???

 

Antwort
von 2AlexH2, 11

Das Gegenteil ist der Fall, Naturwissenschaften sind der Teil, wo man am meisten selber denken muss und auch kreativ sein. Es wird zudem kontrolliert und ist vergleichbar.

Natürlich ist die Forschung etwas für kreative Gerndenker. Auch diese Richtung gibt es nach dem Veterinärstudium.

Das Gute am Veterinärstudium ist zudem, dass analytisches Denken nicht ausreicht, man ist gefordert durch die Tiere, welche aggressiv sind und deren Sprache man erst lernen muss, sowie die oft durchgedrehten Besitzer die man Beraten und beruhigen muss.

Und dazu braucht es noch eine ruhige Hand ;-).

All das muss man erst einmal der Reihe nach üben bis es sitzt, erst danach lässt man dich ans lebende Tier und die kritischen Besitzer und die spannenden Dinge.

Du wirst noch einige Jahre vergehen lassen müssen, bevor du an die eigentliche Arbeit herangelassen wirst. Zuvor musst du sehr viel lernen und erst Beweisen dass du die Dinge zuverlässig kannst, denn Fehler gehen nicht.

Expertenantwort
von Kristall08, Community-Experte für Studium, 6

Aus eigener Erfahrung: Ein Studium der Literatur verleidet nur das Lesen. Mach das zu deinem Hobby, aber nimm es nicht als Beruf.

Antwort
von kuechentiger, 29

Ich würde es nicht so schnell aufgeben. Das selbstständig Denken kommt noch. Bei einem Tierarzt weit eher als bei einem Humanmediziner - weil Tiere ja nicht reden können.

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