Frage von jagdschloss, 166

Urkunde deutsche alte Schrift um 1934 lesen?

Ich habe heute eine Urkunde heute erhalten und kann sie leider nur zum Teil lesen. Kann jemand diese Urkunde lesen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von aetnastuermer, 78

Nach mehreren Versuchen und Korrekturen hier der komplette und absolut richtige Wortlaut der Urkunde:

Nr. 3

Lottin am 22. Februar 1934

Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschien heute, der Persönlichkeit nach bekannt, die Hebamme Hedwig Abraham geborene Krause, wohnhaft in Lottin, und zeigte an, daß von der unverehelichten Arbeiterin Herta Maske, wohnhaft in Lottin, zu Lottin in der Wohnung des Deputanten Rudolf Mittelstädt am zwanzigsten Februar des Jahres tausend neunhundert vierunddreißig nachmittags um neuneinhalb Uhr ein Mädchen geboren worden sei und daß das Kind die Vornamen Inge Marie Elisabeth erhalten habe. Die Anzeigende erklärte, daß sie bei der Niederkunft der Herta Maske zugegen gewesen sei.

Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben

Hedwig Abraham geborene Krause

Der Standesbeamte

In Vertretung

Poelke

Die Übereinstimmung mit dem Hauptregister beglaubigt.

Lottin am 22. Februar 1934

Der Standesbeamte

In Vertretung

Kommentar von jagdschloss ,

Danke für die ganze Mühe

Kommentar von aetnastuermer ,

Danke für den Stern! Für weitere Hilfen bin ich bereit, wenn dies notwendig ist und gewünscht wird.

Antwort
von Schachpapa, 97

Wenn man das W von Wohnung und das M von Mittelstädt, Mädchen und Maria mit dem Anfangsbuchstaben des Nachnamens der "unverehelichten" vergleicht, würde ich eher den üblicheren Namen "Maske" lesen. Vorname eindeutig "Herta" (H wie in Hebamme und Hedwig)

Dass der Wohnungsinhaber auch der Vater sein muss, würde ich ohne weitere Belege nicht annehmen.

Antwort
von aetnastuermer, 89

Hier noch einige Anmerkungen zu der Urkunde:

Bei der Urkunde handelt es sich um eine Kopie aus dem Geburten-Zweitbuch, früher Nebenregister genannt, daher im unteren Teil der Beglaubigungsvermerk zur Übereinstimmung mit dem Eintrag im Hauptregister. Soweit dies noch möglich war, wurden diese 1945 in der Endphase des Krieges sicherheitshalber in den Westen transportiert. Heute werden diese Register beim Standesamt I in Berlin verwahrt. Wenn sie dort nicht vorliegen, sind sie entweder auf dem Transport verloren gegangen oder wurden durch Kampfhandlungen schon vor Ort vernichtet. Die Unterschriften der anzeigenden Hebamme und des Standesbeamten Poelke sind nicht original, sondern wurden nur abgeschrieben. Einzige echte Unterschrift ist die des beglaubigenden Standesbeamten, auf dem gezeigten Dokument am unteren Rand nur mit einem Kringel teilweise zu sehen. Die Existenz des Nebenregister lässt sich damit erklären, dass die Zweitschriften aus Sicherheitsgründen räumlich getrennt von den Hauptregistern verwahrt werden mussten, zu jener Zeit bei Amtsgerichten.

Die Mutter war ledig, der Vater wird in der Urkunde nicht genannt. Möglicherweise ist er identisch mit dem Wohnungsgeber Rudolf Mittelstädt. Dies hätte aber am Rand vermerkt sein müssen. Denkbar ist, dass der Eintrag im Geburten-Erstbuch erfolgt, eine Übernahme ins Zweitbuch aber unterblieben ist. Schließlich hatte eine Vaterschaftsanerkennung bei weitem nicht die rechtliche Bedeutung wie heute, erst die Heirat der Eltern stellte eine Veränderung des Personenstandes dar. Bei den roten Stempeln am Rand handelt es sich nur um Beglaubigungsvermerke des aktuellen polnischen Standesamts. "Nachmittags neuneinhalb Uhr" entspricht heute 21:30 Uhr.

Noch Fragen zu der Urkunde? Ich beantworte sie gerne.

Kommentar von jagdschloss ,

Eine Frage habe ich noch wieso hat die Hebamme unterschrieben und nicht die Mutter? Ich dachte immer der Eltern mußten unterschreiben.

Kommentar von aetnastuermer ,

Unter Tausenden von Geburtseinträgen ist mir nur einer bekannt, bei dem die Mutter die Geburt ihres Kindes persönlich angezeigt hat. Man geht davon aus, dass die Mutter in den ersten Tagen nach der Niederkunft gesundheitlich noch nicht wieder hergestellt ist und ihr ein Gang aufs Amt nicht zugemutet wird. Normalerweise ist dies Aufgabe des Vaters, aber der war hier (noch) nicht amtlich. Ansonsten ist jede Person zur Anzeige einer Geburt berechtigt bzw. verpflichtet, die bei der Geburt anwesend war oder "aus eigener Wissenschaft" davon unterrichtet ist. Dies war hier die Hebamme, übrigens in meinem Falle auch, weil mein Vater damals an der Ostfront seinen Dienst leisten musste. 

Kommentar von jagdschloss ,

Danke für die Antwort

Kommentar von jagdschloss ,

Also habe ich keine Chance irgendwie den Vater raus zu kriegen oder ??

Kommentar von aetnastuermer ,

Über die Urkunde, wie sie dir vorliegt, nicht. Aus meiner Erfahrung dürfte aber der Wohnungsgeber Rudolf Mittelstädt auch der Vater des Kindes gewesen sein. Es wäre zu jener Zeit sehr unwahrscheinlich gewesen, dass ein Mann eine Frau in seiner Wohnung aufnimmt, die von einem anderen schwanger ist.

Kommentar von jagdschloss ,

Aber richtig amtlich nachweisen lässt sich das nicht oder ? ( Entschuldigung das ich so viele Fragen stelle.Ich will aber soviel wie es geht über diese Person finden. Es liegt mir sehr viel an dieser Person)

Kommentar von jagdschloss ,

Leider habe ich festgestellt das es nicht der Vater ist. Ich habe aber jetzt den Namen raus gefunden des Vaters . Ich bräuchte die Geburtsurkunde habe aber bloß den Namen. Wie kann ich jetzt vor gehen?

Kommentar von aetnastuermer ,

Mit dem Namen allein bist du noch nicht viel weiter, doch wie bist du darauf gekommen? Gibt es eine Altersangabe, einen Wohnort? Aufgrund von was bist du so sicher, dass es der Vater von Inge Marie Elisabeth ist?

Kommentar von jagdschloss ,

Ich weiß nur das Herta im Jahre 1915 geb. ist .

Kommentar von jagdschloss ,

Weil es mir meine Tante gesagt hat aber leider weiß sie nur den Namen

Kommentar von aetnastuermer ,

Auf welche Weise hat deine Tante den Namen des Gesuchten erfahren? War es nur ein Gesprächsthema innerhalb der Familie? Weitere Ansatzpunkte zu deinem Fall: Ist das Erstbuch des Geburtseintrags von 1934 beim Standesamt I in Berlin angekommen? Wann kam Inge Marie Elisabeth in die Bundesrepublik? War sie zu diesem Zeitpunkt noch minderjährig?  Für ein uneheliches Kind müsste beim Jugendamt die Vormundschaft bestanden haben. Hat Herta in Deutschland geheiratet? Gibt es dazu Aufgebotsakten beim Standesamt?

Kommentar von jagdschloss ,

Ich hatte sie einfach gefragt ob sie den Vater kennt .Leider wusste sie nur den Namen. Genau weiß ich das nicht wann in die Bundesrepublik kam ich weiß nur das sie vertrieben wurde aus Lottin also schätze ich um 1944/45.Herta hat in Deutschland geheiratet . Ich glaube das er in Lottin oder in Persanzig gelebt haben könnte.

Kommentar von aetnastuermer ,

Wenn du glaubst, seinen Vor- und Zunamen zu kennen, richte eine Anfrage an die Heimatortskartei für Deutsche aus Pommern,  Rosenbergstr. 52 B, in 70176 Stuttgart, und schildere deinen Fall. Die Angabe der beiden Ortsnamen Lottin und Persanzig sind von erheblicher Bedeutung.

Kommentar von jagdschloss ,

Was sind Aufgebotsakten??

Kommentar von aetnastuermer ,

Aufgebotsakten sind die Urkunden, Bescheinigungen, Niederschriften und sonstige Schriftsätze, die vor einer Eheschließung im Standesamt vorgelegt werden bzw. anfallen. Darin müssen auch voreheliche Kinder erwähnt werden. Die Frage ist nun, was bezüglich Inge Marie Elisabeth darin ausgesagt ist.

Kommentar von jagdschloss ,

Kann ich das vom Standesamt einfach so schriftlich Anfordern? Wenn ja würde ich es einfach mal probieren. Wenn dies jedoch nicht klappt hätte ich dann noch irgendwie eine Möglichkeit es nach zuweisen? Danke im voraus

Kommentar von aetnastuermer ,

Weil jeder Hinweis in den Aufgebotsakten von Bedeutung sein kann, ist es zweckmäßig, nach vorheriger Zusage (schriftlich oder telefonisch) zur Einsicht beim Standesamt persönlich vorzusprechen. Wichtig ist dabei, das örtlich zuständige Jugendamt zu erfahren.

Kommentar von jagdschloss ,

Ich habe gerade im Internet geguckt und fest gestellt das die Heimatortkartei für Deutsche aus Pommern zum 30.09.15 geschlossen hat.

Kommentar von aetnastuermer ,

Die Arbeit in der HOK in Stuttgart wurde am 30.9.2015 eingestellt, doch die Kartei selbst besteht weiter. Es ist nur noch nicht klar, wann und in welcher Form man von dort Auskünfte erhalten kann. Die Entscheidung liegt beim Innenministerium in Stuttgart und soll zu gegebener Zeit im Internet veröffentlicht werden.

Kommentar von jagdschloss ,

Also muss ich bloß eine Anfrage an das Standesamt machen und die schicken mir eine Kopie oder muss ich unbedingt selber Einsicht nehmen?

Kommentar von aetnastuermer ,

Wenn du eine Kopie dort anforderst, bekommst du bestenfalls vielleicht die Aufgebotsniederschrift. Die wird aber nicht ausreichen, denn in jenen Akten gibt es weit mehr Dokumente, die für deine Zwecke interessant sein könnten. Unbedingt Einsicht nehmen, wenn dies gestattet ist. Wenn das Standesamt weit entfernt ist, eine Vertrauensperson aus der Nähe von dort beauftragen.

Kommentar von jagdschloss ,

Danke für die Info. Ich habe erst mal das Standesamt angeschrieben ob ich Einsicht nehmen kann

Antwort
von mulan, 75

Es könnte durchaus auch Woike heißen. Ein W ist angesichts der Unschärfe des Bildes nicht auszuschließen. M und W sehen bei Unschärfe sehr ähnlich aus. Oft anders: ein schärferes Bild wäre sicher sinnvoll. Oder vergrößerte Ausschnitte.

Kommentar von gerolsteiner06 ,

Woike ist deutlich falsch.

Da kommt gar kein "i" drin vor. Dieser Kringel vor dem "k" ist eindeutig ein "inneres s". Und vorne steht ein "M" kein "W", vergleiche mal mit "Wohnung" und "Maria" und "Mädchen". Dann wird der Unterschied zwischen W und M deutlich.

siehe auch Beitrag von Schachpapa

Kommentar von gerolsteiner06 ,

Tschuldigung, das mit dem "inneren s" war falsch ausgedrückt. Es ist ein Endungs-S, daß hier fälschlicherweise im Inneren eines Wortes verwendet worden ist. Sonst kommt eigentlich kein anderer Buchstabe in Frage.

Kommentar von mulan ,

Stimmt, es heißt eindeutig Maske

Ich hatte bisher dies nur auf meinem iPhone gesehen (App). Da war das Bild nur klein und ließ sich nicht vergrößern, und da schien auch potentiell ein i zu sein, da der Bogen beim runden S dort teils nicht ganz sichtbar wurde. Daher ja auch meine Bitte, ein anderes Bild zu liefern. ... Heute endlich habe ich Gelegenheit, das Bild am PC zu sehen ... Völlig korrekt, es ist Maske

Und das runde S ist richtig am Platze, da es vor einem der Buchstaben steht (hier k, wie bei Oskar), welche kein langes S vorausgehen lassen (dürfen), auch wenn es Ausnahmen gibt etwa bei slawischen Namen (Dostojewſki, Slanſký) oder Teil der Silbe ist oder wenn es so überliefert sein sollte. Das wäre dann aber nur Ausnahmen.

Antwort
von mulan, 47

Ich sehe da Maike (evtl. auch Meike)

Kommentar von mulan ,

Hier nochmal - am PC sieht's man überdeutlich: Maske. Ziehe meine vorherige Bemerkung zurück.

Antwort
von gerolsteiner06, 60

Schnellübersetzung:

Lottin am 22 Feb. 1934

Vor dem Standesbeamten erschien heute, der Persönlichkeit nach bekannt, die Hebamme Hedwig Abraham geb.Krause und zeigte an, daß von der unverheirateten Arbeiterin Gerta Waske, wohnhaft in Lottin, zu Lottin in der Wohnung des Degutanten Rudolf Mittelstädt, am zwanzigsten Februar des Jahres 1934, nachmittags um neuneinhalb Uhr ein Mädchen geboren worden sei und daß das Kind die Vornamen Inge Maria Elisabeth erhalten habe. Die Anzeigende erklärt, daß sie bei der Niederkunft der Gerta Waske zugegen gewesen sein.

Vorgelöesen, genehmigt und unterschrieben Hedwig Abraham geb.Krause

Der Standesbeamte .....

Kommentar von gerolsteiner06 ,

Vater tacuht nicht auf.

Was der Degutant sein soll, weiß ich auch nicht.

Kommentar von gerolsteiner06 ,

Korrektur: es heißt "des Deputanten", g und p kann man leicht verwechseln und da ich das Wort nicht kenne war es nicht ganz klar.

Kommentar von gerolsteiner06 ,

habs gefunden, ein Deputant ist ein Landarbeiter:

http://images.google.de/imgres?imgurl=https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a2/S%25C3%25BCtterlin-Ausgangsschrift.jpg&imgrefurl=https://de.wikipedia.org/wiki/S%25C3%25BCtterlinschrift&h=333&w=400&tbnid=Bil4wQZiWYUgDM:&tbnh=95&tbnw=114&docid=Fg47ucAZxKUoCM&usg=__olUulPo5kXlptJI9h6zSBlBavzI=&sa=X&ved=0ahUKEwiyuqn1wMrLAhUCD5oKHb4lDpwQ9QEIMTAD

... somit wird das wohl der Vater gewesen sein


Kommentar von Rolf42 ,

Kleine Korrektur:

... von der unverheirateten Arbeiterin Gerta Waske ...

Ich lese dort: "... von der unverehelichten Arbeiterin Herta Waske..."

Kommentar von gerolsteiner06 ,

Jupp, .... hast recht!

War eine Schnellübertragung, aber ist ja inhaltsgleich.

Und Herta stimmt auch, hatte mich schon über den Buchstabendreher Greta - Gerta und über das "t" statt "d" gewundert.

Ja, das große "H" ist schon ein Monstrum ...

Danke !!!

Und jetzt kommt es noch dicker: Nachname ist auch nicht Waske, sondern Maske; stimmst Du zu ?

Kommentar von Rolf42 ,

Ja, stimmt. Wenn man mit dem M in "Mädchen" oder "Maria" und dem W in "Wohnung" vergleicht, wird es klar.

Antwort
von gerolsteiner06, 73

Ja, kann ich lesen. Ist eine Geburtsurkunde.

Was willst Du wissen ?

Kommentar von jagdschloss ,

Ja

Kommentar von jagdschloss ,

den Namen vom Vater und der Mutter

Antwort
von gerolsteiner06, 26

Hallo Jagdschloss:

mit Hilfe von Rolf haben wir jetzt kleine Korrekturen des Namens Deiner Vorfahrin:

Herta Maske   nicht Gerta Waske

Gruß

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