Frage von ClarissaAWE, 97

Sind wir nicht nur ein "Produkt" unserer Eltern und Umwelt?

Hallo, ich bin Männlich, 14 Jahre alt und habe eine Frage die mich schon seit langer Zeit interessiert. Sind nicht alle Menschen, ein von den Eltern geformtes "Produkt", was sie nach ihren Moralvorstellungen,Sehnsüchten und Weltanschauungen "formen". Sehr viele Eltern übertragen ihre Religion auf die des Kindes, manche ihre Sehnsucht viel Geld zu verdienen mit der Schönheit (siehe Kinder Schönheitswettbewerbe), einige ihren Sport, nur um mal ein paar Beispiele zu nennen.

Ich finde es abstoßend bis ekelerregend, dass Eltern ihren Kindern das alles übertragen wollen. In dem Alter von 12 Jahren hab ich mich von meiner Religion abgewandt, da ich nicht einfach ein Spiegelbild von meiner Mutter werden wollte(Ich glaube auch nicht an Gott). Ich verabscheue den Gedanken, dass Kinder keine richtigen Entscheidungen treffen können, denn ihnen wird von klein auf beigebracht was falsch und was richtig ist( Religion, Ernährung, Moralvorstellungen).

Ich vergleiche es immer mit einer "gut gemeinten Gehirnwäsche" auch wenn das etwas hart klingen mag. Denn jeder möchte ja nur das beste für sein Kind. Also "presst" man ihnen alle Moralvorstellungen rein. Nun möchte ich wissen wie ihre darüber denkt. Teilt ihr meine Ansicht oder habt ihr eine andere Ansicht?

Mit nachdenklichen Grüßen, ClarissaAWE

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Giustolisi, 20



Man kommt mit einem gewissen genetischen Potenzial zur Welt. Das kommt von Vater und mutter, aber trotzdem ist das Ergebnis nicht vorhersehbar. Wenn man nur mal beobachtet, wie unterschiedlich sich Geschwister entwickeln, wird klar dass die genetische Komponente nicht ausschlaggebend ist. 

Das Wissen und die Erlebnisse formen die Persönlichkeit größtenteils. darauf haben Eltern nur begrenzt Einfluss, wenn sie ihre Kinder nicht vollkommen abschirmen. 

Natürlich müssen Eltern ihre Kinder auf das Leben vorbereiten. Das wollen sie möglichst gut und umfassend tun, ein Patentrezept gibt es aber nicht. Also bringen gute Eltern ihren Kindern bei was sie selbst für wichtig halten.

Das beinhaltet auch, dass ihnen die moralischen Werte ihrer Gesellschaft nahe gebracht werden. Unsere Welt funktioniert eben nach Regeln, die man kennen muss, wenn man nicht überall anecken will. Diese Regeln zu lernen ist ja auch im Interesse des Kindes.

Auch Ernährung spielt eine große Rolle. Gute Ernährung ist erlernt. Wer als Kind nur Mist zu fressen bekommt, wird sich als Erwachsener mit einer gesunden Ernährung schwer tun. Wer schon als Kind mit frischem Essen aufwächst, zusammen mit den Eltern kochen lernt und so Gesundes von Dickmachern zu unterscheiden lernt, tut sich später leichter.

Religion ist so eine Sache. auch sie wird von vielen Eltern vermittelt, obwohl jeder geistig gesunde, gebildete Mensch erkennen können sollte, dass es sich dabei nur um antike Märchen handelt.
Ich habe nichts dagegen, wenn ein Kind mit den Glaubensvorstellungen von Religionen vertraut gemacht wird. Es ist gut zu wissen, wer an was glaubt. Dabei sollte aber die Vielfalt stimmen und die Glaubensvorstellungen sollten nicht als Wahrheit verkauft werden.
Dumm nur dass religöse Eltern der Meinung sind, dass es gut ist, an die jeweilige Religion zu glauben. So werden die kinder eben im Sinne des Glaubens indoktriniert und werden das auch mit ihren Kindern machen. So wird Religion vererbt fast wie eine genetische Krankheit.

Man sollte Kindern besser Logik, Rationalität und Vernunft beibringen als sie glauben zu lassen, dass es irgendwelche Zauberwesen gibt, die alles wissen und alles sehen.

Viele Eltern denken selbst noch sehr kindlich und meinen dass das was sie als Erwachsene gerne haben würden oder erreicht hätten, ihre Kinder glücklich macht. Dabei kommt oft heraus, dass Kinder gegen ihren Willen zu irgendwas "ermutigt" werden. Man könnte auch gedrängt oder gezwungen sagen, was in vielen Fällen sicher zutrifft. Manches muss eben sein, wie zum Beispiel Nachhilfe, wenn die Noten nicht stimmen, oder auch der Besuch beim Zahnarzt.
Über Hobbys oder andere persönliche Dinge, die nicht notwendig sind wie Religion, Musikgeschmack oder Kleidungsstil sollten Kinder möglichst frei selbst entscheiden dürfen. Überall wo es keine großen Auswirkungen hat dürfen und sollen sie auch mal scheitern, aufgeben oder daneben langen, denn solche Erfahrungen gehören auch zum Leben. Kinder, die nie etwas selbst ausbaden mussten, wissen sich als Erwachsene oft nicht zu helfen.

Man sollte ihnen also vielfältige Kompetenzen vermitteln. Dazu muss man sie nicht zwingen, man muss nur die Neugier nutzen.

Ich spreche aus eigener Erfahrung wenn ich sage, dass man mit 14 noch nicht vollständig auf das Leben vorbereitet ist. Deswegen solltest du mitnehmen was du kannst.

Antwort
von Orgrim, 21

Du steckst gerade mitten in deiner Pubertät und versucht gerade deinen eigenen Charakter zu finden, was im Prinzip der wichtigste und schwierigste Schritt in deinem gesamten Leben ist.

Jedoch müssen Kinder auf irgendeiner Weise erzogen werden. Und da deine Eltern ja schon einiges mehr an Lebenserfahrung als du mitbringen, ist es vollkommen normal und auch richtig, dass sie einem Kind erst mal ihre eigenen Moralverstellungen vermitteln.

Und dann wirst man als Kind halt älter und kommt in die Pubertät. Genau in dieser Zeit beginnt man sich von den Vorstellungen der Eltern zu lösen und eigene Wege zu gehen.

Aber man sollte trotzdem nicht einfach alles, was einem die Eltern beigebracht haben, einfach so unüberlegt über Bord werfen. Denn eine ganze Menge Dinge sind sicherlich ganz gut gewesen. Früher oder später wirst du selbst auch zu dieser Einsicht kommen. :-)

Antwort
von Nadelwald75, 8

Hallo ClarissaAWE,

denk mal mathematisch: Produkt heißt auch immer, dass da Faktoren sind, bei denen Null herauskommt, wenn einer fehlt.

Die Faktoren sind dann Vererbung (=Veranlagung, Temperament) und Umwelt (zu der auch die Eltern zählen). Einen dritten Faktor musst du berücksichtigen: du selbst!

Wir alle sind durch Erbanlagen unterschiedlich geprägt sind, haben unsere unterschiedlichen Erfahrungen in unterschiedlichen sozialen Bedingungen. Dabei geben dann die Eltern das an ihre Kinder weiter, was sie für wertvoll und wichtig halten.

Ziel der Erziehung ist jedoch nicht, dass die Kinder genau das übernehmen, was die Eltern vorleben, sonst würde ja generationenlang immer nur das Gleiche entstehen und es gäbe keine Entwicklung. Du müsstest dich ja dann genau so verhalten wie deine Ur-Ur-Uroma.

Ziel ist, die Kinder nach diesen Vorgaben reif zu machen für eine eigene Entscheidung.

Was du darstellst (Gehirnwäsche, Hineinpressen von Vorstellungen), würde man als Indoktrination bezeichnen. Das führt dann dazu, dass man entweder alles übernimmt oder alles ablehnt. Wer einen geizigen Vater hatte, wird entweder selbst geizig oder er wird das Gegenteil: verschwenderisch. Aber mit Geld richtig umgehen kann er noch immer nicht.

Für dich: Wenn du die Religion vollständig und gedankenlos übernimmst, bist du genauso unreif, als wenn du das Gegenteil tust und sie vollständig ablehnst. Ein richtig reifes Verhältnis zur Religion mit eigener Entscheidung hast du aber noch immer nicht.

Und jetzt kommt eben der dritte Faktor: Deine Persönlichkeit und dein Charakter sind erst dann reif, wenn du aufgrund deiner Erbanlagen und der Umwelt (Eltern, Medien, Schule…) eigene Wertungen vorgenommen hast und dich selbst entschieden hast und deine eigenen Entscheidungen getroffen hast.

Das Ganze, was da entstanden ist, würde man Charakter nennen. Und der hängt von dir ab. Und Aufgabe der Eltern ist es, das zu fördern.

Antwort
von iamsofancy, 26

Ich finde das mit dem "Produkt" ist etwas hart ausgedrückt aber es stimmt schon. Viele Eltern versuchen den Kindern eben ihre Vorstellungen und den Glauben beizubringen, weil sie der Meinung sind, dass es das Beste ist. Teilweise schockiert mich das auch, wie intolerant Eltern sind, wenn Kinder plötzlich eine Moralvorstellung haben, die Ihnen die Eltern nicht beigebracht haben oder plötzlich eine andere Einstellung zu verschiedenen Dingen haben. Die Toleranz vieler Eltern liegt da meistens gleich Null. Ob das beibringen der Moralvorstellungen usw. bewusst eingetrichtert wird, denke ich nicht. Das kommt halt einfach so mit der Erziehung und wenn die Kinder aufwachsen aber spätestens mit 16(denke ich) bildet sich jeder eigene Vorstellungen und zweifelt an denen der Eltern.

Antwort
von DerTroll, 19

Naja, was stellst du dir vor? Da liegt dein ein neugebornes Kind. Soll man dem sagen "so, war eine nette Geburt und jetzt lebe den Leben"? Man muß das Kind ja erziehen und auf die Welt vorbereiten. Kinder müssen lernen, was richtig und falsch ist und am Anfang werden sie da stark von den Eltern beeinflußt, aber Kinder werden auch älter. Und sie lernen ja in der Schule, daß man nicht alles so hinnimmt, wie man es vermittelt bekommt, sondern auch kritisch hinterfragt und sich eine eigene Meinung bildet. Dein Beispiel mit der Religion ist auch so eine klassische Sache. Am Anfang vermitteln die Eltern halt ihren glauben, den sie für richig halten. Kinder lernen auch, was das beinhaltet. Aber es kommt der Zeitpunkt, wo die sich selbst damit befassen und dann für sich entscheiden, daß sie das fortführen wollen oder nicht. Deshalb gibt es so etwas wie Firmung oder Konfirmation und die vorbereitenden Kurse. Da soll man sich ja selbst damit auseinander setzen und selber entscheiden.

Also Gehirnwäsche würde ich da nicht reden. Es ist ganz normal, daß Kinder die Welt kennen lernen und am Anfang halt die Eindrücke die sind, die sie von den Eltern erfahren, aber später auch die von anderen Menschen und irgendwann haben die ganz ihren eigenen Charakter.

Antwort
von littlebiscuit, 33

Also die Eltern beeinflussen ihr Kind natürlich, ebenso wie es unsere Gene und unsere Umwelt machen ( ich vertrete nicht die Meinung, dass wir als Tabula rasa "leeres Blatt " auf die Welt kommen), aber letztendendes sind es immer unsere eigenen Entscheidungen die unser Leben formen;)

Antwort
von Klingone,

Kinder sind wie eine leere Tafel, auf dem jeder, der es begegnet, etwas schreibt. Und damit formt und beeinflußt. Also die Eltern, Geschwister, andere Kinder usw. Sowie Leute, die man im Fernsehen oder live sieht und hört.

Außerdem werden auch geistige Gene vererbt, also (heimliche) Wünsche und Begehren und Eigenschaften. Oft sind Kinder in etwa so gute Sportler wie der Vater oder Großvater - geistig wie körperlich.

Mit zunehmender geistiger Reife und den freien Willen kann aber jeder Mensch sein Leben und Schicksal selbst bestimmen oder in starker Form selbst bestimmend leben, weil unser Freier Wille ja nicht ganz so frei ist, wie wir gerne hätten ...

Im Laufe seines Lebens kann also jeder selbst entscheiden, was er denkt und wie er leben tut. Dies sollte Kindern gelehrt werden und der vernünftige Umgang mit dieser Freiheit.

Gruß vom Klingonen

Antwort
von Belruh, 8

So ist es! Hast du dann aber wenigstens einen freien Willen? Nein, da alles deine Entscheidungen beeinflusst. Du bist einfach ein Teil von allem und alles formt dich. Es sind deswegen nicht nur deine Eltern die dich zu dem machen was du bist. Nein, es ist das gesamte Universum (und darüber hinaus) welches dich zu dem macht, was du bist. Und doch trägst du einen Teil dazu bei.

LG. Belruh

Antwort
von gnarr, 6

kinder sind kleine menschen. die benötigen zuwendung, erziehung, unterweisung, grenzen. das grundprinzip von moral und was wichtig ist in einer gesellschaft klarzukommen ist im prinzip immer gleich und wird von generation zu generation weiter gegeben. sie ziehen dich nicht groß nach ihren sehnsüchten, sondern in der hoffnung das aus dir ein vollwertiger bürger wird der ein gutes leben hat, gute bildung genossen hat u. dem es mal besser geht als einem selber.

was du daraus machst ist dann deine sache. das es immer wieder dumme menschen gibt, die kinder missbrauchen mit religion oder schönheitswahn, ist eine andere sache.

kinder können aber keine eigenen entscheidungen treffen, da sie die garnicht überschauen können. richtiger wäre im sinne der religion, als erwachsener selber zu wählen was man möchte und nicht diesen unsinn mit taufe etc schon als baby durchmachen zu müssen, wenn man garkeinen bezug dazu hat.

Antwort
von 9accounts, 21

Ja, Eltern erziehen das Kind mit ihren Moralvorstellungen. 
Das als ekelhaft zu bezeichnen finde ich fragwürdig. Die eigenen Moralvorstellungen sind die, die man am besten findet und man will sein Kind so gut es geht erziehen um ihm eine gutes Leben zu ermöglichen. Du kannst dich natürlich im Teenager- oder Erwachsenenalter von den Moralvorstellungen und Bräuchen deiner Eltern verabschieden und neue annehmen, wie du willst. Die Eltern können nun leider ein 3-jähriges Kind nach dessen Religionsglauben oder Moralvorstellungen fragen und eine ernsthafte Antwort erwarten. Es muss so geschehen, denn alles andere würde keinen Sinn ergeben.

Antwort
von DougundPizza, 18

Woher willst du denn wissen was falsch und richtig ist? Sei doch froh das dir deine Eltern einen Weg zeigen, wäre es die lieber, wenn du alleine den Weg gehen würdest? Wenn für deine Eltern der Glaube wichtig ist, ist es verständlich das du davon was abbekommst...Deine Eltern werden dich sicher nicht verstoßen nur weil du ein Atheist bist zumindest haben das meine Eltern damals auch nicht;)

Antwort
von fricktorel, 6

So kann man es auch sehen, aber hauptsächlich sollst du ein "Kind Gottes" werden (1.Joh.3,1).

Antwort
von reisil95, 19

Für mich ist Gott halt keine Religion sondern eine Tatsache!
Aber ich seh das genau wie du! "Kinder" sollten viel mehr freie Entscheidungen treffen dürfen! Sonst wachsen die alle in diese Religion hinein! Und das macht Menschen kaputt!
Aber merk dir eins Kirche und Religion haben sehr wenig mit dem Gott zu tun von dem die Bibel erzählt!

Kommentar von dfllothar ,

Unter dem Begriff " Gott " verstehe ich die eigene selbstgebildete positive Einstellung zum Wohle der Menschheit mit Nächstenliebe und Achtung meiner Umwelt.

Kommentar von reisil95 ,

Unter Gott verstehe ich der Schöper und Herrscher vom Universum!

Kommentar von dfllothar ,

Aber was beabsichtigt der Schöpfer und Herrscher des Universums, wenn er nicht gegen die Untaten der Menschheit einschreitet? Hat er sich da mit seinem Werk vertan und weis nun nicht mehr weiter, überläßt jetzt alles dem Menschen ? Ich glaube, der Herrscher ist schon zu alt und hat´s mittlerweile aufgegeben mangels Erfolge.

Kommentar von reisil95 ,

Die Untaten der Menschen sind ja nicht Gottes Wille! Das geschieht ganz einfach weil wir in der gefallenen Schöpfung leben! Gott gab UNS den freien Willen! Seit Sündefall leben wir in dieser Welt, getrennt von Gott! Der Mensch hat sich also bewusst von Gott abgewendet! Die einzige Möglichkeit sich wieder mit Gott zu Verbinden ist Christus! In dieser Welt regiert Satan und nicht Gott! Darum passieren solche Dinge!

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