Perikles Gefallenrede?

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2 Antworten

Perikles hat im Winter 431/430 v. Chr. eine Rede auf die athenischen Gefallenen (tote athenische Bürger, die als Soldaten gekämpft hatten) des ersten Jahres des Peloponnesischen Krieges gehalten. Bei Thukydides (2, 35 – 46) gibt es eine Darstellung, wobei die Rede keine wörtliche Aufzeichnung ist, sondern vom Geschichtschreiber geschaffen unter Berücksichtigung des Gesamtsinns der tatsächlichen Rede und der Situation. Es ging darum, die athenischen Kriegstoten entsprechend einer Tradition in einer öffentlichen Veranstaltung zu ehren.

Eine Gefallenenrede (ἐπιτάφιος λόγος (epitahphios logos]) war der Redegattung nach eine Lobrede.

Ingesamt ist das Thema der Rede die lobenswerte Leistung der Gefallenen und die Vortrefflichkeit Athens, der Athener und der athenischen Demokratie.

Die Rede enthält ein positives Selbstverständnis, ein Idealbild der athenischen Demokatie und des Lebens in ihr.

Thema in in einzelner Abschnitten:

1) Schwierigkeit der Aufgabe, die Gefallenen in einer Rede zu ehren (2, 35)

2) Leistungen und weitergegebenes Erde der Vorfahren, der Väter und der Bürger der Gegenwart (2, 36)

3) Vorbildhaftigkeit der demokratischen Verfassung der Athener und Prinzip der Freiheit (2, 37)

4) hohe Lebensqualität in Athen (2, 38)

5) militärische Gewohnheiten und Leistungskraft (2, 39)

6) Verhalten der Athener im öffentlichen Leben (2, 40)

7) Athen als Schule/Bildungsstätte Griechenlands, mit Verbindung von Schönheitssinn und einsatzbereiter Tatkraft (2, 41)

8) Lob der Gefallenen und Tröstung der Angehörigen (2, 42 – 45)

9) abschließender Hinweis auf Ehrung durch Begräbnis und Aufziehen ihrer Kinder auf Staatskosten (2, 46)

genannte Vorzüge (vor allem in 2, 37)

  • Mehrheitsprinzip: In der Demokratie herrscht das Volk, die Mehrheit der Bürger entscheidet, nicht einige wenige (eine kleine Gruppe).
  • Gleichheit vor dem Gesetz: Alle sind hinsichtlich der Gesetze, im öffentlichen Recht gleich.
  • Chancengleichheit: Tüchtigkeit/Vortrefflichkeit (ἀρετή) ist bei Ansehen/Wertschätzung auschlaggebend. Bevorzugung im öffentlichen Leben geschieht allein aufgrund persönlicher Tüchtigkeit/Vortrefflichkeit, nicht aufgrund der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe. Armut ist kein Hindernis, sondern wer etwas Nützliches für die Gemeinschaft beiträgt, wird anerkannt.
  • Rechtsstaatlichkeit: Die Menschen haben Ehrfurcht vor geschriebenen und ungeschriebenen Gesetzen und erweisen ihnen Achtung/Respekt.
  • Freiheit: Das Leben und der Umgang miteinander ist freiheitlich.
  • angenehme Lebensqualität: Es gibt ein reichhaltiges Angebot (Wettspiele, Feste, allen offenstehende schöne Anlagen) an Erholung von Anstrengungen.


Die Bürger haben nach der Darstellung ausgezeichnete Verhaltensweisen und Eigenschaften:

  • Großzügigkeit und Toleranz, die Verdächtigungen im Alltagsleben entgegenwirken
  • Achtung vor geschrieben und ungeschriebenen Gesetzen
  • Weltoffenheit
  • gute politische Urteilsfähigkeit
  • gelungene Verbindung von Sinn für das Schöne und Liebe zu Wissen und Bildung mit Mut, Tatkraft und Einsatzbereitschaft
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