Frage von FelixNeumayer, 69

Nicht traurig, obwohl Großvater gestorben?

Hallo Community,

es ist jetzt schon ein bisschen her, aber es geht mir nicht aus dem Kopf. Mein Großvater ist vor ein paar Monaten verstorben und er war mein einziger Opa. Den anderen habe ich nie kennengelernt. Das selbe war bei meiner Oma der Fall, diese ist zum Glück aber noch nicht gestorben. Also, mein Großvater ist kurz nach seinem 80.sten Geburtstag gestorben und ich war nicht traurig?! Ich fühle mich deshalb schuldig und weiß nicht, was ich machen soll. Ich habe Angst davor, dass mir das selbe bei meiner Oma passiert. Ich stand ihm nie nahe und ich habe ihn auch eher selten gesehen. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll, habt ihr eine Idee?

LG Felix

Antwort
von nachdenklich30, 7

Hallo Felix,

für die Trauer gibt es keine Gesetze.

Sie kann abhängig davon sein, wie intensiv die Beziehung war.

Aus welchen Gründen diese Beziehung offenbar nicht so intensiv war, will ich nicht bewerten. Das war einfach so. Vielleicht kann es ein Anlass sein, über die Intensität Deiner familiären Beziehung nachzudenken. Also in der Tat, ob Du nicht öfter mit Deiner Oma (oder anderen für Dich wichtigen Personen) Kontakt haben möchtest. Anrufen, skypen, schreiben - was weiß ich.

Die Beziehung war, wie sie war, und die Trauer richtet sich ein wenig danach.

Vielleicht auch: Sei froh, dass es Dir nicht so heftig nahe geht.

Andererseits: Ich finde, dass Dein Schuldbewusstsein jetzt ein Teil Deiner Trauer sein kann. Du drückst es anders aus. Und trotzdem empfindest Du doch etwas und gießt es in die Form des schlechten Gewissens. Vielleicht, wenn Du noch mal drüber nachdenkst, könntest Du drauf kommen, dass das in der Tat so ist. Dann hättest Du die Chance, Deiner Trauer ein anderes Gesicht zu geben: Schuldgefühle als Trauer sind auch nicht so toll. (Aber lass Dich von mir nicht in diese Richtung drängen, wenn Du meinst, dass sie nicht zu Dir passt.)

Dir alles Gute!

Antwort
von DerOnkelJ, 37

Jeder trauert anders. Es gibt Menschen die brechen darunter zusammen und verlieren jeden Lebenswillen. Anderen macht es scheinbar nichts aus.

Und wenn du ihn kaum kanntest dann ist das völlig normal. Es ist irgendwie nicht unbedingt eine fremde aber neutrale Person für dich.

Also mach dich nicht irre, alles völlig Ok.

Als meine Mutter starb war ich im gewissen Sinne sogar froh. Das kann aber nur jemand verstehen der die ganzen Begleitumstände kennt...

Antwort
von Zumverzweifeln, 9

Wenn einem eine Person nicht nahe steht, dann kann man auch nicht trauern.

Trauern bedeutet ja, mit einem Verlust und einem Schmerz fertig zu werden.

Dein Großvater ist für dich kein Verlust - bei deiner Oma wird das ganz anders sein (hat hoffentlich noch viel Zeit!).

Kommentar von FelixNeumayer ,

Wieso glaubst du, dass es bei meiner Oma anders sein wird?

Kommentar von Zumverzweifeln ,

Weil ich so irgendwie vermute, dass du jetzt Kontakt zu deiner Oma aufnehmen wirst - gelegentlich mal vorbei gehen oder so?

Antwort
von Nadae21, 32

Hallo,
in meiner Familie gab es solange ich mich zurückerinnern kann nur Beerdigungen. Ich schaue mindestens schon auf 20 zurück (Meine Familie ist ziemlich groß, aber teilweise auch sehr alt).

Bei vielen Beerdigungen kannte ich die Verstorbenen (Tanten, Onkel usw.) gut, hatte aber keine zu feste Bindung und daher war ich wie Du nicht traurig.

Anders sah das aus, wenn ich dort war und mit den Personen eine feste bis innige Bindung hatte. Dann ging es mir schwer an die Nieren (war aber bis jetzt erst zweimal der Fall).

Ich glaube nicht, dass Du Dich deswegen schlecht fühlen solltest. Ich selber habe das nie getan. Du bist ja Deinem Großvater nicht verpflichtet gewesen bei seiner Beerdigung zu trauern, zumal eure Verbindung nicht sehr eng war (wie du es beschreibst).

Antwort
von Blogbbtofei, 21

Nunja erstens Trauert ja jeder ander's , außerdem spielt euer fernhältnis eine Rolle. Wenn du ihn nicht so nahe standest kann das schon so ein das es dich nicht sonderlich mIT nimmt.

Antwort
von NadimFalastin, 23

Hmm. Vor ein paar jahren als ich neunzehn war, ist meine Oma gestorben und ich habe Ähnliches erlebt wie du. Ich war auch nich traurig und hab ganz normal weiter gelebt. Weiß bis heute nicht warum und wieso ich kaum was gefühlt habe. Ich nehme an, weil ich nicht so eine intime Verbindung zu ihr hatte. Ich habe sie vll ein mal im Monat gesehen und eher Smalltalk mit ihr gehabt. Vll ging es dir ähnlich mit deinem Opa?

Ich hab mich auch etwas schuldig gefühlt und hatte Angst dass es wieder passiert. Erst vor kurzem ist ein guter Freund von mir gestorben und ich musste einige Tränen vergießen, weswegen ich wirklich denke, dass es auf die Beziehung zu meiner Oma zurückzuführen ist, was damals gefühlt hab.

Hoffe konnte dir helfen.

Antwort
von Milb3, 33

Du hast dir im Grunde die Frage selbst beantwortet: Du standest ihm nicht nahe und hattest selten etwas mit ihm zutun. Für dich war er ein Fremder, der zufälligerweise mit dir verwandt ist. Schuldgefühle sind da fehl am Platz. Vielmehr solltest du dir Gedanken darüber machen warum ihr kaum Kontakt hattet?

Kommentar von FelixNeumayer ,

Weil er weit weg wohnte. Oder nicht weit weg, aber halt schon 2 Stunden fahrt und mehr.

Kommentar von Milb3 ,

Nunja, dafür wurde das Telefon erfunden ;)

Kommentar von FelixNeumayer ,

Ich bin nicht wirklich gesprächig, und mein Großvater war mir gegenüber immer sehr verschlossen. Ich wusste bis zu seiner Beerdigung nicht, was er gerne gemacht hat und er hat mir nie irgendwas von sich erzählt.

Kommentar von Milb3 ,

Warst du einfach nur nicht sehr gesprächig oder hat es dich vielmehr nicht wirklich interessiert, was dein Opa so den ganzen Tag über treibt?

Kommentar von FelixNeumayer ,

Ich habe ihn immer nur gesehen, wenn sich meine Mutter (wir) immer mit ihm getroffen hat, um das Grab zu pflegen. Da hat es nicht viel erzählt. Danach sind wir immer in eine Gaststätte gegangen, aber da hat er auch nie was erzählt. Ich unterscheide da schon dazwischen!

Kommentar von FelixNeumayer ,

er* natürlich

Kommentar von Milb3 ,

Es ist immer schwer sowas als Außenstehender zu beurteilen, aber auch ich hatte zu meinen Großeltern (Opa) kein wirklich gutes Verhältnis. Damit meine ich nicht, dass ich sie nicht leiden konnte, es gab einfach nur wenig Interesse von beiden Seiten. Während ich meine Oma öfters besucht habe und sie auch Interesse an mir zeigte, war ich meinem Opa ziemlich egal. Aus diesem Grund habe ich auch keine wirkliche Beziehung zu ihm aufgebaut und war nicht traurig, als er gestorben ist. Ich glaube einfach, dass es bei dir genauso ist.

Kommentar von FelixNeumayer ,

Ja :( allerdings wird es bei meiner Oma dann ähnlich sein. Ich stehe meiner Familie insgesamt nicht nahe.

Kommentar von Milb3 ,

Das ist keine Sache für die man sich schämen muss. Mir geht es da nicht viel anders. Es gibt andere Menschen in deinem Leben, die dir sicher wichtig sind und denen du wichtig bist. Falls es dich aber stört, dann solltest du den Versuch unternehmen ihnen näher zu kommen. Wenn sie nicht darauf eingehen weisst du woran du bist.

Kommentar von FelixNeumayer ,

Ne, glaub nicht, dass ich jemanden was bedeute. Wirklich wichtig ist mir bisher auch niemand, außer ein paar Internetbekannstschaften, die ich aber vermutlich nie persönlich kennen lernen werde.

Kommentar von Milb3 ,

Kopf hoch;)

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