Frage von dusseldorfer, 119

Mit 16 Jahren 300€ ausgeben?

Hallo, ich bin 16 und wollte Fragen ob ich 300€ für ein Kleidungsstück ausgeben darf.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Friedel1848, 42

Wieder mal eine Frage, wo viele Unwissende das Stichwort "Taschengeldparagraph" raushauen, ohne zu wissen, was dieser wirklich bedeutet.

Zunächst der Grundsatz: Mit 16 Jahren bist du beschränkt geschäftsfähig. Das bedeutet: Jedes Rechtsgeschäft, das dir nicht nur einen rechtlichen Vorteil bringt, ist schwebend unwirksam, wenn nicht die Eltern vorher eingewilligt haben.

Es gibt also mehrere Konstellationen:

  • Deine Eltern erteilen dir vor Abschluss des Rechtsgeschäfts die Einwilligung (= vorherige Zustimmung), dieses konkrete Rechtsgeschäft zu tätigen. In diesem Fall darfst du - unabhängig von Preis oder Art der Sache - alles kaufen. Fragst du also deine Eltern, ob du dir das Kleidungsstück für 300 Euro kaufen darfst und du erhälst ihre Zustimmung, so steht einer Wirksamkeit des Kaufvertrags nichts im Wege.
  • Deine Eltern wissen nichts von dem Rechtsgeschäft. In diesem Fall ist das Geschäft "schwebend unwirksam". Das bedeutet, es wird wirksam, wenn deine Eltern ihre Genehmigung (= nachträgliche Zustimmung) erteilen. Bis dahin ist es in einem Schwebezustand. Verweigern sie ihre Zustimmung, so ist das Geschäft nichtig.
  • Der sogenannte Taschengeldparagraph, § 110 BGB, ist im Prinzip nichts anderes als ein spezieller, gesetzlich extra geregelter Fall der vorherigen Zustimmung, also der Einwilligung durch die Eltern. Er besagt nämlich, dass der Minderjährige mit den Mitteln, die ihm entweder seine Eltern oder Dritte mit der Zustimmung der Eltern zur freien Verfügung überlassen haben, tun und lassen kann, was er will. Die Eltern erteilen also sozusagen eine General-Einwilligung. Auch hier ist der genaue Preis irrelevant. Voraussetzung ist nur, dass der Minderjährige den Kaufpreis "bewirkt", d.h. voll bezahlt (ausgeschlossen: Ratenzahlung) - und zwar mit den oben genannten Mitteln. Bekommt er also lediglich 50 Euro Taschengeld im Monat, spart das aber 6 Monate lang, so kann er ohne Probleme ein Kleidungsstück für 300 Euro kaufen. Die Eltern können ihre generelle Zustimmung übrigens auch einschränken (zB bestimmte Geschäfte verbieten) mit der Folge, dass diese Geschäfte dann nach Punkt 2 behandelt werden.


Also: Du kannst mit 16 ein solches Kleidungsstück wirksam erwerben, wenn entweder deine Eltern in das konkrete Geschäft vorher einwilligen, sie es nachträglich genehmigen oder sie dir Geld zur freien Verfügung überlassen haben, mit dem du diesen Kauf tätigst. Die Höhe des Kaufpreises ist dabei in allen Varianten völlig egal.


Kommentar von leoll ,

Danke! Ich verstehe nicht, wieso so viele Personen mit Halbwahrheiten um sich werfen, nur weil sie den §110 schon einmal i.V.m. Taschengeld gehört haben. Besser kann man es kaum zusammenfassen. 

Antwort
von leoll, 50

Ja, solange du die Leistung mit Mitteln (also den 300€) bewirkst, die dir zur freien Verfügung überlassen wurden (z.B. von der Oma, den Eltern).

Antwort
von Schwoaze, 11

Wenn es Dein Geld ist schon. Aber man muss nicht alles tun, was man darf. Überleg erst noch mal ein paar Tage. Und wenn Du dann noch immer den Wunsch hast, genau dieses Kleidungsstück haben zu müssen... na dann...!

Antwort
von newcomer, 88

würde ich niemals machen. Nur für ein Stück Stoff 300 Eus zum Fenster raus werfen

Antwort
von SvenH79, 57

Hallo,

mit 16 bist du noch nicht voll geschäftsfähig und es ist gesetzlich geregelt was du ausgeben darfst. Schau mal ob dir der Link hier weiter hilft: http://www.kindersache.de/bereiche/deine-rechte/fragen-rechte-konkret/artikel/ta...

Wenn nicht google einfach mal nach Taschengeldparagraph

Gruß


Kommentar von SvenH79 ,
Antwort
von langholzi, 82

Ganz eindeutig nein. Mit 16 bist Du noch beschränkt geschäftsfähig und kannst nur im Rahmen Deines Taschengelds agieren. 300 € dürften etwas mehr als das sein... somit nur dann, wenn Deine Eltern da mitspielen.

Kommentar von leoll ,

Kompletter Quatsch. Der Taschengeldparagraph gilt nicht nur für Taschengeld.

Kommentar von furbo ,

Quatsch. Selbst wenn das Taschengeld nur 10 € sind, kann der Minderjährige dennoch 1000 € und mehr ausgeben. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. 

Antwort
von Sally2000, 46

Wieso solltest du das nicht dürfen? Wenn es dein Geld ist und du dir das leisten kannst, dann viel Spaß 

Kommentar von PatrickLassan ,

Wieso solltest du das nicht dürfen?

Schon mal etwas von 'beschränkter Geschäftsfähigkeit' gehört?

Antwort
von derfiesefriese, 48

Falls Du auf den Taschengeldparagraphen ansprechen willst, der ist bei 16 Jahren hinfällig...aber Deine Eltern können nachträglich "Nein" sagen, dann muss der Verkäufer die Sachen zurücknehmen

Kommentar von leoll ,

Eine Genehmigung wirkt sich nicht auf die Wirksamkeit des Geschäftes aus, sollte die Leistung mit eigenen Mitteln bewirkt worden sein.

Antwort
von Dxsto, 57

Du bist mit 16 Jahren noch nicht volljährig und darfst somit nichts kaufen das mehr als 100€ kostet. Verkaufen würden sie es dir aber das wär extrem sinnlos für Kleidung :/

Kommentar von leoll ,

Woher die Grenze? Das ist schlichtweg falsch.

Kommentar von Dxsto ,

Ja das hab ich schon von ein paar Läden gehört die mir was nicht verkaufen wollten :)

Kommentar von leoll ,

Rein rechtlich gesehen ist es so. Eine Person (7-17) kann nur begrenzt wirksame Willenserklärungen (also zum Beispiel Anträge beim Kaufvertrag) abgeben. Normal ist hierfür die Einwilligung oder zumindest Genehmigung eines gesetzlichen Vertreters nötig. Da diese Regel zum Beispiel an der Eisdiele ein kompletter Irrsinn wäre, hat der Gesetzgeber Sonderregeln geschaffen, unter anderem den sog. Taschengeldparagraphen. Er regelt, dass man grdsl. wirksame WE abgeben kann, sollte diese Leistung (Pflichten aus dem Geschäft) mit Mitteln (hier Geld) bewirkt werden, welche zur freien Verfügung überlassen wurden (in etwa durch Geldschenkungen von Verwandten, Taschengeld,...). Der Betrag ist hierbei komplett unerheblich. Alles nachzulesen im BGB, §§104ff. Ich kann die Verkäufer aber gut verstehen. Sie haben berechtigte Zweifel daran, ob die Abgabe der Willenserklärung noch unter den §110 fällt und verweigern deshalb erstmal den Kauf.

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