Frage von Tennispl898, 179

Ist im islamischen Glauben der Verzehr von Hase - und Straußenfleisch auch heute noch verboten?

Im 3. Buch Mose/Levitikus werden den Israeliten u.a. Ernährungs - und Hygienevorschriften herabgesandt. Einige davon ergeben durchaus Sinn ( wenn man die damaligen Umstände bedenkt), andere sind in keinster Weise nachvollziehbar. Dazu gehört für mich das Verbot des Verzehrs von Hasen - und Straußenfleisch. Mir ist nicht bekannt, dass diese beiden Fleischsorten, so wie Schweinefleisch, ebenfalls, verhältnissmäßig schnell verderben.

Gibt es eine Erkärung für diese Vorschrift und wie verhält es sich im Islam? Die Ernährungsvorschriften der Juden und Moslems liegen ja eng beieinander.

Antwort
von voayager, 33

Es ist nicht nachvollziehbar, warum u.a. Hase und Strauß im 3. Buch Moses unter das Speiseverbot fallen. Nun-ja, Religionen sind ohnehin angerweichert mit etlichen Restriktionen, auf dass die Menschen ihr irdisches Dasein nicht gar zu freudvoll ausleben.

Ob heutzutage in islamischen Staaten Hasen,- und Straußenfleich noch tabu sind, entzieht sich allerdings meiner Kwenntnis. Von meinen Orientreisen bin ich jedenfalls nie mit diesen Fleischsorten konfrontiert worden. Das fällt mir übrigens jetzt erst auf.

Kommentar von Tennispl898 ,

Wie ich hier jetzt lesen konnte, habe ich offensichtlich etwas durcheinander gebracht. Aus irgendeinem Grund war ich der Annahme, dass die Vorschriften bezgl. des Fleischverzehrs im alten Testament und Koran identisch sind.

Kommentar von voayager ,

Zumindest ist der Islam angelehnt an das AT, was er ja als seinen Ursprung ansieht. Vieles deckt sich so mit der Bibel, also den mosaischen Gesetzen.

Antwort
von DottorePsycho, 31

Sprich: Ich finde in dem, was mir offenbart worden ist, nichts, was einem Speisenden, der es speist, untersagt worden ist, es sei denn von selbst Verendetes oder ausgeflossenes Blut oder Schwein, denn das ist Befleckung oder Frevel, worüber ein Name entgegen Allah angerufen worden ist. Wenn aber jemand durch Not gezwungen wird und entgegen Vergehen und nicht Übertreter zu sein, dann ist dein Herr Allvergebender, Begnadender.Quelle: Quran (6:145)

Wie Du hier lesen kannst, ist kein anderes Tier verboten ausser Schwein. Deutlicher und eindeutiger geht es eigentlich nicht mehr.

In schā'a llāh

Kommentar von Tennispl898 ,

Alles klar, danke. Ich habe mich offenbar geirrt.

Antwort
von andreasolar, 92

Die Speisetabus haben nichts mit schneller Verderblichkeit oder Trichinenbefall zu tun, denn die Nachbarvölker Israels aßen durchaus Schweinefleisch, was archäologische Funde beweisen. 

"Dieser junge völlig andersartige Glaube musste in Abgrenzung zu den umliegenden Kulturen und Traditionen besonders geschützt und gefestigt werden. 
Das Volk Israel sollte sich von den Kulturen und Lebensweisen seiner Nachbarn abgrenzen, absondern, um nicht in Götzendienst zurück zu verfallen. In dem es ihm verboten wird, die Speisen der Nichtjuden zu essen, wird das Volk Israel von den umliegenden Völkern kulturell getrennt und eine Vermischung verhindert."

http://www.sgsaar.de/index.php?seite=ursprung

Ähnliches gibt es auch im "christlichen Abendland":

Bei den Germanen war der Genuss von Pferdefleisch in Verbindung mit Pferdeopfern ein häufiger Brauch. Im Zuge der Christianisierung wurde der Verzehr von Pferdefleisch durch eine päpstliche Bulle verboten. Pferdefleisch zu essen, galt von da an als besonderes Zeichen des Verharrens im Heidentum. 

http://blogs.faz.net/tierleben/2013/02/13/pferdefleisch-woher-die-grosse-empoeru...

Kommentar von earnest ,

Bei Verden(!) wurden eben nicht nur die Sachsen von Karl dem Großen abgeschlachtet.

Kommentar von HansH41 ,

Wer weiß hier schon, was du meinst, e.

Kommentar von earnest ,

Aber DU weißt es. 

;-))

Kommentar von OhNobody ,

"Die Speisetabus haben nichts mit schneller Verderblichkeit oder Trichinenbefall zu tun, denn die Nachbarvölker Israels aßen durchaus Schweinefleisch, ..."

Die Nachbarvölker haben sich lediglich "gewundert" dass die Israeliten im Schnitt viel älter wurden, als sie.

Mag das an ihren Speise- und Hygienevorschriften gelegen haben?

Beispiel: Die Israeliten galten eine bestimmte Zeit als "unrein", wenn sie eine Leiche berührt hatten und mussten sich ausserhalb des Lagers aufhalten und Waschungen durchführen.

Erst Prof. Semmelweis erkannte die Vorteile dieses Verhaltens und führte entsprechende Hygienevorschriften ein (ca. erst 1846 !!!).

Vorher wunderte man sich, wenn eine Frau an Kindbettfieber starb, nur weil der helfende Arzt vorher von einer Leichenbeschau kam.

Dr. med. A. Rendle Short weist in seinem Buch The Bible and Modern Medicine (London 1953, S. 37) darauf hin, daß die Nachbarvölker des alten Israel nur ganz primitive Hygienevorschriften hatten — sofern sie überhaupt welche hatten —, und führt dann weiter aus: 

„Es überrascht daher um so mehr, daß ein angeblich unwissenschaftliches Buch wie die Bibel überhaupt Hygienevorschriften enthält. 

Ebenso überraschend ist es, in den Gesetzbüchern eines Volkes, das gerade der Sklaverei entronnen war, das häufig von Feinden niedergeworfen und von Zeit zu Zeit in die Gefangenschaft geführt wurde, solch weise und vernünftige Gesundheitsregeln zu finden. 

Diese Tatsache ist von namhaften Fachleuten anerkannt worden, selbst von solchen, die an den religiösen Aspekten der Bibel nicht besonders interessiert sind.“

Kommentar von andreasolar ,

Dr. med. A. Rendle Short war Chirurg und "Partei" als Mitglied der "Pymouth Brethren": 

"Rendle Short had many problems reconciling the discoveries of Darwin with his beliefs as a member of the Brethren."

https://en.wikipedia.org/wiki/Arthur_Rendle_Short

Er wird gern von den Zeugen Jehovas zitiert.

Wenn sogar die jüdische Gemeinde (s. mein Zitat) die Speisetabus als Mittel der Abgrenzung bezeichnet, sollte dir das zu denken geben 

Antwort
von OhNobody, 84

Nach dem mosaischen Gesetz gehörten der Hase und das Schwein zu den Tieren, die die Israeliten nicht essen durften (3Mo 11:4-8). 

Dr. Short erklärt hierzu: „Wir essen zwar das Fleisch von Schweinen, Kaninchen und Hasen, aber diese Tiere sind anfällig für parasitäre Infektionen, und ihr Fleisch kann nur gegessen werden, wenn es gut gekocht ist. 

Das Schwein lebt von unreiner Nahrung und beherbergt zweierlei Würmer (die Trichine und eine Bandwurmart), die auf Menschen übertragen werden können. 

Die Gefahr ist unter den heutigen Verhältnissen in unserem Land gering, aber im alten Palästina war es bei weitem nicht so, weshalb es besser war, solche Nahrung zu meiden“ (The Bible and Modern Medicine, S. 40, 41).

Mit der Abschaffung des Gesetzes auf der Grundlage des Opfertodes Christi Jesu wurden diese Verbote aufgehoben, so daß erneut alle Menschen dieselbe allgemeine Bestimmung, die Noah nach der Sintflut erhalten hatte, als für sich bindend betrachten konnten (Kol 2:13-17; 1Mo 9:3, 4).

Kommentar von earnest ,

Die Frage bezog sich auf den Islam...

Kommentar von OhNobody ,

Die Antwort bezog sich auf die in der Frage genannten Quelle.

Der Islam benutzt dieselbe Quelle.

Kommentar von earnest ,

"Der Islam benutzt dieselbe Quelle"?

Ist das so?

Warum sollte sich der Islam auf Levitikus beziehen?

Kommentar von OhNobody ,

Für den Islam ist Jesus „ein größerer Prophet als Abraham, Noah und Moses“ — alles Personen, die das mosaische Gesetz anerkannten.

Kommentar von earnest ,

Das ist als generelle Aussage Jesus betreffend korrekt.

Das heißt aber doch nicht, dass sich der Islam in jedem Einzelfall an das mosaische Gesetz hielte.

Kommentar von OhNobody ,

Da weiß ich keine Antwort drauf.

Christen brauchen sich jedenfalls nicht mehr an dieses Gesetz halten.

Mit dem Tod und Auferstehung Jesu war dieses Gesetz beendet. Sonst müssten Christen heute noch Tiere opfern (Kol. 2:13-17).

Jesus gab ein neues "Gesetz": „das Gesetz des Christus“. Das beruht hauptsächlich auf Grundsätzen, die ins Herz geschrieben waren. Dieses Gesetz sollte für Christen auf der ganzen Welt gelten und ihnen allen nützen (Gal. 6:2).

Das mosaische Gesetz war nur einer Nation gegeben worden —dem Volk Israel. 

Das neue Gesetz hingegen können alle Menschen dieser Welt nutzen.

Es macht klar, „dass Gott nicht parteiisch ist, sondern dass für ihn in jeder Nation der Mensch, der ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, annehmbar ist“ (Apg. 10:34, 35).

Kommentar von earnest ,

Da brauchst du auch keine Antwort zu wissen, denn da gibt es keinen zwangsläufigen Zusammenhang. 

Der Islam ist nicht einfach nur "Judentum 2".

Dein Schluss zeigt allerdings, dass es dir hier anscheinend ums Missionieren geht.

Antwort
von Saladlord, 72

Glaube in den alten Schriften nachzulesen bringt da wenig. Im Christentum ist heute noch der Verzehr von Schalentieren verboten, interessiert aber keinen. Wäre aber tatsächlich interessant was da heute in der Praxis vollzogen wird.

Kommentar von earnest ,

Nicht "im Christentum", im Alten Testament.

Kommentar von DottorePsycho ,

Es gibt für Christen überhaupt keine Vebote hinsichtlich Ernährung. Die Bibel bzw. auch das Alte Testament ist keine Sammlung von Geboten und Verboten, wie man es aus dem Quran kennt.

Kommentar von Saladlord ,

http://www.j-lorber.de/gesund/ernaehrung/moses-speisegebote.htm für "keine Verbote hinsichtlich Ernährung" wird das aber ziemlich oft erwähnt..m

Kommentar von earnest ,

Lorber ist ein durchgeknallter selbsternannter "Prophet".

Die Stellen entstammen alle dem Alten Testament. Das ist aber heute, was die seltsamen Verbote betrifft,  nur noch für Fundis relevant.

Kommentar von DottorePsycho ,

ich kann auch viel erwähnen. Das macht es nicht zwingend wahr.

Die Bibel ist - ich wiederhole mich da - kein Sammelwerk für Gebote und Verbote. Wenn Du mal einen Blick hineinwirfst, wirst Du feststellen, dass es zu guten Teilen aus Erzählungen und Geschichten besteht.

Maßgeblich für einen Christen sind die 10 Gebote. Sie einzuhalten für einen "guten" Christen. :-))) Denn man hört ja nicht auf, Christ zu sein, wenn man sündigt. Man ist dann lediglich sündiger Christ - wie übrigens jeder Christ.

Kommentar von earnest ,

Nein, das GLAUBT höchstens ein katholischer Christ, der auf die seltsame Erfindung der "Erbsünde" hereingefallen ist. Oder ansonsten: christliche Fundis.

Die evangelischen Landeskirchen halten sich in dieser Frage eher bedeckt.

Aber halten wir fest: Wir sind alle kleine Sünderlein. Zumindest potentiell.

Antwort
von earnest, 63

Nein.

"Auch heute noch?"  War er es denn je?

Die Straußenpopulation dürfte sich auf der arabischen Halbinsel in Grenzen gehalten haben. 

Was soll deine Frage?


Kommentar von PeVau ,

Mit dem Aufkommen der fliegenden Teppiche verloren die Strauße ihre Bedeutung, mussten erst am Boden bleiben und essen wollte sie dann auch keiner mehr.

Kommentar von earnest ,

Genau.

Auf der arabischen Halbinsel sagten sich nun nicht mehr Strauß, Fuchs und Hase "Gute Nacht".

Kommentar von Tennispl898 ,

Gut, das "auch heute noch" hätte ich mir sparen können und bei dem Verbot von Straußenfleisch habe ich mich anscheinend geirrt. Ich hatte in Erinnerung, dass die entsprechenden Passagen im alten Testament  ( in dem Strauß explizit erwähnt wird) und Koran identisch waren.

Mich hätte zum einen einfach interessiert, ob diese Vorschrift den gleichen Stellenwert hat, wie das Verbot bzgl. Schweinefleisch und , zum anderen, ob es eine logische Erklärung dafür gibt.

Kommentar von earnest ,

Nun, Logik und Religion sind nicht unbedingt Synonyme...

Antwort
von valvaris, 98

Im Islam ist Blut und Schweinefleisch verboten.

Also muss alles, was an Fleisch verzehrt wird, vollständig ausgeblutet.

Kommentar von OhNobody ,

Darf man sich im Islam But transfundieren lassen?

Weil das ja auch eine Form von Nahrungsaufnahme ist (vergleichbar mit Infusionen / künstlicher Ernährung).

Kommentar von valvaris ,

Bin ich überfragt. Ich weiß aber, dass beispielsweise Zeugen Jehovas teilweise lieber sterben, als fremdes Blut anzunehmen.

Kommentar von OhNobody ,

Danke.

Zu "Zeugen Jehovas":

Die haben Krankenhaus-Verbindungskomitees, die ihnen weltweit helfen, Ärzte zu finden, die blutlos behandeln.

Sie haben eine Videodokumentation herausgebracht, in der sich international anerkannte Ärzte zu effektiven Strategien äussern, mit denen gegenwärtig Patienten ohne Bluttransfusion behandelt werden.

Der britische "National Blood Service" (NBS) äusserte sich positiv zu der Dokumentation.

Ihr Kommentar: „[weil] sich immer mehr die Ansicht durchsetzt, dass eines der Ziele einer guten klinischen Versorgung darin besteht, Bluttransfusionen wo immer möglich zu vermeiden“. 

Wie es in dem Brief hieß, „ist die Grundaussage [des Videos] zu loben und wird vom NBS voll unterstützt“.

Kommentar von earnest ,

Aber in den meisten Fällen besteht die "effektive Strategie" eben darin, eine Transfusion vorzunehmen.

Sicher werden sich immer wieder Ärzte finden lassen, die (auch gegen Bezahlung) alles mögliche behaupten.

Kommentar von Mignon5 ,

@ OhNobody

Eine Bluttransfusion ist keine Form von Nahrungsaufnahme. Nahrung wandert in den Magen/Darm. Blut in Adern und Venen. Das sind zwei völlig unterschiedliche "Systeme" im Körper.

Selbstverständlich können Moslems fremdes Blut annehmen. Das Blut ist nicht von Tieren, sondern von Menschen.

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