Frage von atakan2, 589

Ist der Kemalismus gut oder schlecht?

Meine Eltern meinen, dass dadurch die Türkei nicht wie Saudiarabien usw. geworden ist und dass Erdogan gegen den Kemalismus ist. Doch letztens bei einer Diskussion meinte einer, dass der Kemalismus islamfeindlich und kurdenfeindlich sei. Stimmt das? Und warum bekämpft Erdogan den Kemalismus ?

Antwort
von uyduran, 266

Ist der kemalismus gut oder schlecht?

Haha, ich kann verstehen, dass Dich diese Frage plagt und Du momentan nicht weißt, wie Du den Kemalismus bewerten sollst. Du würdest gerne eine schnelle Antwort darauf bekommen, aber die Welt lässt sich nun mal leider nicht so einfach in "gut" und "schlecht" aufteilen ;-) Der Kemalismus hat sowohl seine positiven als auch seine negativen Seiten. Du musst selber entscheiden, wie Du ihn abschließend beurteilst.

Als das osmanische Reich zerfiel und die einzelnen Staaten des Balkans und der Agäis sich emanzipierten, starteten auch die Türken Unabhängigkeitskriege. Mustafa Kemal Pasa war der Offizier und Stratege. Er gründete schließlich die Türkiye Cumhuriyeti (dadurch erhielt er den Namen Atatürk) und wollte aus ihr schnellstmöglich einen stabilen und fortschrittlichen Staat machen. So kam es zum Kemalismus, der Ideologie, nach der die Türkei geprägt werden und dem Volk als Leitbild dienen sollte. Die 6 Pfeile des Kemalismus stehen für Republikanismus, Laizismus, Populismus, Revolutionismus, Nationalismus und Etatismus.

Die Grundidee, einen Staat aufzubauen, der sich am permanenten Fortschritt orientiert, im Interesse des Volkes handelt, in dem Politik und Religion unabhängig voneinander existieren und die Wirtschaft dem Gemeinwohl dienen soll, ist ja wahrlich keine schlechte. Atatürk wollte gesellschaftliche Reformen, hat das Gesetzbuch der Schweiz teilweise übernommen und somit einen wichtigen Beitrag für Freiheits- und Eigentumsrechte sowie insbesondere Frauenrechte geleistet. Zur damaligen Zeit hatten Frauen in der Türkei mehr Rechte als in Deutschland und anderen Ländern Europas!

Zwei kritische Punkte, Du hast die bereits angesprochen, gibt es natürlich: Den Nationalismus und die Umsetzung des Laizismus. Atatürk hat eine nationalistische Politik verfolgt, weil er das Volk einen wollte. Die Republik war ja gerade erst frisch entstanden und musste zusammenhalten. Atatürk wollte ein geschlossenes, souveränes, geeintes Volk. Das Problem ist nur, dass die Türkei eine multiethnische Region ist, ein Vielvölkerstaat. Es lebten eben nicht nur Türken dort, sondern ebenso Kurden, Aramäer, Yeziden, Drusen usw., die alle ihre eigenen Kulturbräuche haben. Die sollten sich jetzt aber plötzlich alle über das Türkentum und den Kemalismus definieren. Es fand also eine Art Zwangsassimilation statt. Speziell die Kurden wurden hier hintergangen. Atatürk hatte ihnen versprochen, dass sie ihre Kultur ausleben dürfen, wenn sie ihm bei seiner wichtigsten Schlacht helfen würden. Die Kurden haben zugestimmt, die Schlacht wurde gewonnen und jetzt, wo die Türkei gegründet war, wurde den Kurden quasi ihre komplette Kultur verboten. Sie mussten türkische Namen bekommen, durften nicht mehr ihre Sprache benutzen, ihre Bücher lesen usw. Das sollte man zurecht kritisieren.

Dann zum Laizismus: Grundsätzlich war es gut, dass Atatürk das Sultanat und Kalifat abgeschafft hat. Es kann nur Demokratie und Religionsfreiheit geben, wenn Staat und Religion voneinander getrennt sind. Jeder soll im Rahmen des Gesetzes seine Religion ausleben können, aber es darf nicht sein, dass eine Religion die Gesetze vorgibt und alle Menschen zwingt, danach zu leben. Deswegen ist Säkularismus bzw. Laizismus wichtig und Politik und Religion können wunderbar getrennt voneinander existieren. Das Problem ist nur, dass Atatürk, der besonders rasche Reformen durchsetzen wollte, den Laizismus sehr radikal umgesetzt hat. Somit war es schon fast keine laizistische, sondern teilweise eine antireligiöse Politik. Es gab viele übertriebene Verbote, z.B. das Kopftuchverbot an Universitäten, das eigentlich mit einer Trennung von Politik und Religion nichts zu tun hat.

Warum Erdogan gegen den Kemalismus ist? Erdogan ist in einem sehr konservativen Elternhaus aufgewachsen, wurde schon früh auf eine Koranschule geschickt und hat auf Wunsch seines Vaters als Jugendlicher bereits Politik gemacht. Sein politischer Ziehvater war der bekennende Islamist Necmettin Erbakan. Erdogan hat sich als junger Mensch nie eine freie Meinung bilden können, sondern hat immer schon Gehirnwäsche erhalten. Inzwischen ist es so, dass er eigentlich nur noch Macht haben will, er hasst jeden, der seiner Machtgier im Weg steht. Egal ob es Kemalisten sind, Konservative (Gülen), Kurden (HDP) oder sonst wer...

LG

Kommentar von atakan2 ,

Gute Antwort danke :)

Kommentar von uyduran ,

Gern geschehen! :-)

Kommentar von adabei ,

Eine sehr gute und ausgewogene Antwort.

Kommentar von uyduran ,

Danke!

Antwort
von Realito, 183

Der Islam hat damals beinahe die Türkei ganz und gar ausgelöscht, wenn da nicht ein Kämpfer namens Mustafa kemal die bisher gültigen Grenzen der Türkei erschaffen hat und viele Türken dafür sehr dankbar und Stolz sein müssten. Der Islam hat (wie man bis heute sieht) keinen einzigen Türken wirklich geholfen, sondern nur Unruhe geschürt in dem er Politik mit Glauben immer wieder vermischen wollte.  Damit fängt man bekanntlich die Ratten was Erdogan versucht und zur zeit sehr erfolgreich ist!  Atatürk ist leider zu früh verstorben. Wenn er länger gelebt hätte wäre die Türkei viel weiter und wäre schon lange ein Teil der Europäischen Familie! Er hat in der Kürze seines Lebens das unmögliche geschafft. So einer wird nicht oft geboren!

Kommentar von nuute11a ,

"der islam hat damals beinahe ganz und gar Türkei ausgelöscht..." lächerlich, wer hat dir denn ins Hirn geschissen?

Kommentar von Realito ,

Ich weiss! Die wahrheit tut manchmal weh!

Antwort
von voayager, 207

Erdogan ist ein Verräter am Kemalismus, er will zurück zum Osmanischen Reich, wozu auch eine Reislamisierung gehört.

Der Kemalismus ist eine laizistische Bewegung, mit der Folge das der Islam in die Schranken gewiesen wird. An sich ist so was nur zu begrüßen, denn es muß mal Schluß sein mit all der närrisch-gemeingefährlichen Religion, welche das auch immer ist. Die Naturreligionen nehme ich mal aus, da sie nicht dermaßen doktrinierend sind und zudem über kein größeres politisches Gewicht verfügen.

Kommentar von atakan2 ,

Vielen Dank :)

Antwort
von Yankors, 121

Allein das der Eine oder Andere, hier Erdogan mit Kemal Attatuerk vergleicht, ist gelinde gesagt eine Unverschaemheit.Jeder der die Tuerkei nur einigermassen kennt und die Geschichte der Tuerkei in sich hinein gelesen hat,wird mir recht geben wenn ich hier und heute behaupte, das er (Attatuerk) der Vater der modernen Tuerkei war und sie aus dem finsteren Mittelalter in einen moderene Industrie- und Agrarstaat verwandelt hat. Gleichzeitig hat er den Islam in der Tuerkei, einer,dieser, neuen Zeit anzupasen versucht, was aus bestimmten Gruenden, zeitlich z.B., denn er wollte ja alles zusammen modernisieren,nicht mit Samthandschuhe geschehen konnte.Es kam dabei zu einigen drastischen Massnahmen, die man ihm heute noch von den ultraortodoxen Moslems ankreidet.Trotzdem oder gerade deswegen, war Mustafa Kemal Attatuerk fuer die Tuerkei ein Gluecksfall, ein Mann der zur richtigen Zeit und Stunde, das Richtige tat.Jeder tuerkisch denkende Tuerke muss stolz und gluecklich sein, einen solchen bgnadeten Mann in seiner Geschichte gehabt zu haben.Ganz besonders  weil er dem Tuerkischen Volk auch seinen Stolz und seine Ehre wiedergegeben hat, sie von einem Kraemervolk zurueck in ein Heldenvolk verwandelt hat.Das er dann spaeter im ersten Weltkrieg sich zu Deutschland und dem Kaiserreich bekannt, hat ihm mehr geschadet als genuetzt, denn der Hass den die damaligen Allierten Deutschland gegenueber hegten,uebertrugen sie auch auf Ihn und seine Tuerkei.Das Ende ist bekannt.Das Grosstuerkische Reich zerfiel und wurde in engl. oder franzoes. Mandatsgebiete aufgeteilt.Palaestina wurde ein Teil davon und stand unter engl. Verwaltung.So war es den Siegermaechten nach dem 2. Weltkrieg leicht das Land in ein Israel umzuwandeln, das dann zu einem erneuten Zankapfel der Weltgeschichte wurde.Daran kann man Attatuerk nun aber keine Schuld geben. Die Plaene dazu lagen schon gleich nach dem ersten Weltkrieg fertig in der Schublade.Man lese die Geschichte Theodor Herzl´s oder beide Ausgaben -1.und 2. Der internationae Jude, von Henry Ford Urgrossvater.

Tareq A.

Antwort
von oli66, 80

Also, soweit ich weiß hat Atatürk den osmanischen sulten und seine familie aus der türkei raus geschmissen. Er hat den azan von arabisch auf türkisch umgestellt. Er hat den staatsreligion von islam auf "keine religion" umgeändert. Er hat eine alawitisch-kurdische stadt (ich glaube tunjali) "bombadiert". Er hat den ersten türkischen bier brauerei öffnen lassen. Und und und...

Wenn ich mich irre könnt ihr mich gerne korrigieren :)

Antwort
von JBEZorg, 90

Kemalismus ist nicht islamfendlich, er ist sekular, so wie es sein sollte eigtl. Religion hat in staatlichen Strukturen nichts verloren. Allerdings ist Kemalismus auch nationalistisch, auf Kosten der Kurden, Griechen usw.

Es ist eine sekulare, nationalistische Ideologie.

Antwort
von safevi2, 124

Ich gebe deinen Eltern 100% recht.Und dass er kurdenfeindlich oder islamfeindlich sei ist halt von den Islamisten und Terroristen in die Welt gesetzt

Antwort
von 35turk35, 166

Deine Eltern haben aufjedenfall recht. Atatürk hat durch den kemalismus nicht nur ein kaputtes Land aufgebaut sondern auch gleichzeitig modernisiert. Du siehst ja die momentane Lage in der Türkei. Erdogans Partei befürwortet indirekt die pädophilie, sie sind gegen Meinungsfreiheit, Demokratie usw.  Passt ja alles zu Saudi arabien. Ich geh mal davon aus dass die Personen mit denen du diskutiert hast entweder islamisten oder pkk terroristen sind.

Antwort
von saidJ, 158

Esselamu alejkum
Ich kenn mich im Kemalismus nicht aus ich Werte ihn mal als Tradition .
Was solche Dinge angeht hat der Islam mit ihnen kein Problem solange sie nicht zu etwas auffordern das dem Islam wiederspricht .

Kommentar von schnah ,

Dann informier dich lieber Bruder. Den Islam und attatürk sind zwei Paar Schuhe. Niemals kann ein Muslim für attatürk sein. Er hat das kalifat damals zerstört, Muslime getötet und unsere Religion beleidigt. Er war ein Kafir, ein Feind des Islams. Bei Allah ein verabscheuter. 

Kommentar von 35turk35 ,

Du hast recht saidj. Er hat keinen was angetan solang sie nicht gegen ihm waren, da man versucht hat einen Nationalstaat zu gründen, wo es Zusammenhalt gibt. Nur leider waren es meistens extreme islamisten und einige Kurden die gegen ihn waren und heute sind dank der islamistischen Regierung kurdische terroristen und islamisten im Parlament.

Antwort
von suesstweet, 157

Ähmm... Ich hatte mich auch immer gefragt, warum mein Heimatland immer im Chaos ist. Die beste Alternative ist es, bisschen über die Geschichte zu recherchieren.

Also ich würde dir empfehlen den Übergang vom 'Osmanischen Reich zu der Türkei' zu informieren. 

Kommentar von atakan2 ,

Hmm danke :)

Antwort
von schnah, 82

Er ist ein Kafir, ein Feind des Islams. Nimmer kann ein Muslim eine solche Person akzeptieren oder auch nur ansatzweise befürworten. Ganz im Gegenteil. Er hat gegen den Islam und die Muslime gekämpft und zudem das Kalifat zerstört. 

Kommentar von 35turk35 ,

Atatürk hat gegen den fundamentalistischen Islam gekämpft und wer will schon die sharia und das Kalifat? Selbst in der Türkei wollten trotz 45% akp Anhänger nur 15% die sharia. Ich find das immer voll lustig bin schon wieder ein Kafir geworden. Ne mutlu kafir diyene. :)

Kommentar von AbuAziz ,

@ 35turk35

Du solltest dir genau überlegen was du schreibst, wenn du Muslim sein willst oder Muslim bist. Ein Muslim will immer in einem islamischen Land mit einem Kalifen wohnen. Ein Land in dem nach der Scharia gelebt werden kann. Leider ist so ein Land derzeit für normale Muslime nicht erreichbar - oder kennst du eines?

Und was muslimische Türken in der Türkei wollen, muss nicht unbedingt islamisch richtig sein. Viele Muslime lassen sich zu sehr von anderen Ideen beeinflussen.

Kommentar von 35turk35 ,

es gibt einige Länder die nach der Scharia leben wie zB der Iran oder Saudi arabien. Jetzt komm nicht dort herrscht keine Scharia. Wenn Frauen kein auto fahren dürfen, nicht alleine raus gehen dürfen, nicht ohne Schleier rausgehen dürfen, der Sultan sich alles in die eigene Tasche steckt usw. Dann frag ich mich echt was ihr daran so toll findet. Zum Glück sind nicht alle akp Anhänger so zurückgeblieben und überlegen sich echt bei den nächsten Wahlen wenn sie wählen wollen.

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