Frage von MarkusPK, 143

Ist das eine Zwangsneurose und wenn ja, was kann man dagegen machen?

Ich habe ein Problem mit meinem Mitbewohner. Eigentlich verstehen wir uns super, wir hatten auch noch nie irgendeinen Streit. Ich glaube aber, dass er irgendeinen psychischen Knacks hat. Und der geht mir inzwischen mächtig auf den Puffer. Er hat die Angewohnheit, alles zig mal zu kontrollieren, ob es wirklich zu ist, seien es Türen, Wassehähne oder die Deckel von irgendwelchen Lebensmitteln. Kommt er nach Hause, steht er immer bis zu fünf Minuten an der Tür und drückt inmer wieder dagegen. Da unsere Eingangstür etwas klappert, wache ich jedes Mal dacon auf, wenn er mal etwas später nach Hause kommt. Außerdem dreht er die Wasserhähne immer so fest zu, dass ich sie selbst nur mir Gewalt aufbekomme. Besonders wenn man duschen will und der Kaltwasserhahn klemmt, ist das nervig, wenn man sich beim Abmühen ihn aufzubekommen die Füße verbrüht. Immer wieder kommt es vor, dass wir Cola- und andere Getränkeflaschen oder Milchtüten aufschneiden und ohne Abdeckung lagern müssen, weil er durch seinen Tick sie so fest zugedreht hat, dass sich das Plastikgewinde der Deckel verzieht und man es selbst mit Zangen und Hebeln nicht mehr aufbekommt. Kennt ihr jemanden, der auch so einen Tick hat? Und wisst ihr Methoden, diese Störung abzulegen? Es fängt wirklich langsam an mich stark zu stören und ich befürchte, wenn es so weiter geht wird der Haussegen hier bald gehörig schief hängen. Ich bedanke mich schon einmal für alle hilfreichen Antworten. Und nein, dass ist keine Trollfrage, mit ist es absolut ernst!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von felixuser, 26

Es handelt sich bei deinen Mitbewohner vermutlich um eine "Zwanghafte Persönlichkeitsstörung" speziell Zwangshandlung oder auch Zwangsneurose.  

Hiergegen gibt es kein wirklich geeignetes mittel, außer der Selbstkontrolle durch Training, mit der Situation umzugehen. Sprich mit deinen Mitbewohner darüber, das es dich belastet und versuche ihn gezielt dazu zu bewegen durch ständige Wiederholung/Trainieren ein solches verhalten zu unterlassen. 

Es kann auch sinnvoll sein eine geeignete Verhaltenstherapie in betracht zu ziehen, da mehr zeit und Aufmerksamkeit auf das Krankheitsbild gelegt wird. Die Therapie selbst kann hier jedoch auch nur gezielt, die Konvektive schranke im Gehirn, durch stätiges Training durchbrechen.

Eventuell hilft dir ja das Web noch ein wenig weiter

http://de.wikihow.com/Eine-zwanghafte-Persönlichkeitsstörung-erkennen

https://www.palverlag.de/Zwaenge.html

Antwort
von Manja1707, 28

Das ist auf jeden Fall eine Zwangsneurose. Der Glauben, durch diese Kontrollen irgendetwas Schlimmes zu verhindern ist dafür typisch. Ich hatte das in der Pubertät ebenfalls und das war wirklich extrem quälend. Ich könnte es mir zwar mit den Jahren selbst abgewöhnen, ganz leicht habe ich es ab und zu noch. Ich nehme aber schon lange ein Medikament gegen Panikattacken ( das war aber erst viel später) in der Gebrauchsanweisung steht, dass dieses Medikament auch gegen Zwangsneurosen hilft. Ich denke, dass solche Zwänge durch Ängste, negative Erlebnisse und teils auch genetisch bedingt, entstehen. Dein Freund sollte auf jeden Fall zum Arzt, er muss aber zuerst mal selber einsehen, dass er krank ist und Hilfe braucht.

Antwort
von yougotananswer, 59

Das klingt sehr nach einer Zwangsneurose, aber ich kann natürlich an dieser Stelle keine (Fern-)Diagnose machen.
Wenn eine Zwangsstörung sehr ausgeprägt ist, ist es schwer, diese ohne professionelle Hilfe zu drosseln.
Was du aber für deinen Mitbewohner tun kannst : ihm anbieten, ihn zu unterstützen oder generell mal mit ihm darüber reden, wie sehr sich sein Verhalten stört.
Ich habe auch schon gelesen, dass häufig traumatische Erlebnisse ausschlaggebend für Zwangsneurosen sind.
Alles Gute!

Kommentar von yougotananswer ,

Und halt mich auf dem Laufenden, finde sowas sehr interessant ;)

Antwort
von Kaeempferherz, 23

Also das Problem ist, dass je mehr du ihm Druck machst / oder Streit suchen wirst, er abblocken wird. Und so wirst du nicht an ihn rankommen.
Wie wäre es, wenn du erstmal alleine mit einem Psychologen sprichst, und ihn fragst, wie man ihn dazu bekommt, sich in Therapie zu begeben, da er wirklich ernsthaft Hilfe braucht?
Du musst ihm erstmal nichts davon erzählen, da er sich sonst schlecht fühlen würde. Aber Psychologen wissen meistens die besseren Tricks, die man dort anwenden kann, wie man jemanden zu etwas bewegen kann. Da sie ja soetwas jahrelang studiert haben.
Und danach kannst du es nochmal mit ihm versuchen. Aber bleibe ruhig. Und versuche ihm Verständnis entgegen zu bringen. Mit Zorn richtest du da echt nicht viel an.

Kommentar von felixuser ,

Ich gebe dir zwar recht das eine Krampfhafte form der Überzeugung meist nicht zum Ziel führt, aber eine so genannte "Trotzhandlung" kann ich aus der Frage nicht interpretieren. 

Auch liegt dieser Effekt immer, auf der Grundlage der sozialen Bindung zu einer Person, bzw. der Geistigen reife. 

Antwort
von minaray1403, 103

Das ist eine Zwangsneurose. Er braucht eine Therapie und wahrscheinlich auch Medikamente, sowas ist nicht einfach mal weg zu bekommen. Leute mit dieser Erkrankung leiden, aber wirklich. Rate ihm sich Hilfe zu besorgen!

Kommentar von MarkusPK ,

Das habe ich schon gemacht. Wir haben auch schon darüber geredet und die Ursache für diesen Tick gesucht. Er hat mir - und das hat er völlig ernst gemeint - versichert, dass immer, wenn er das kontrollieren etwas vernachlässigt, irgendetwas Schlimmes passiert. Seine Freunde werden krank oder verletzen sich, es tauchen finanzielle Probleme auf und so weiter. Ich habe ihm gesagt dass er spinnt und das Aberglaube ist, aber er ändert nichts. Und zu einer Therapie kann ich ihn ja nicht zwingen.

Kommentar von Rendric ,

Definitiv eine Zwangsstörung, denn seine Ängste haben mit seinen Handlungen nichts zu tun.

Da hilft nur eine Therapie und ganz weg, gehen diese Störungen meistens nie.

Kommentar von minaray1403 ,

Ohje, wenn er sich nicht helfen lässt wird es vielleicht noch richtig schlimm.. Ich habe dieselbe Krankheit und es waren wirklich psychische Qualen die sich auch auf meine physische Gesundheit ausgewirkt haben (Müdigkeit, Übelkeit und Kopfschmerzen).

Kommentar von MarkusPK ,

Hast du diese Kranheit denn inzwischen unter Kontrolle? Und wenn ja, wie stellst du das an?

Kommentar von minaray1403 ,

Ja, zum Teil. Natürlich sind einige Zwänge und Ängste noch vorhanden. Ich nehme Medikamente und lasse mich therapieren. Mit der Zeit lernt man, dass nichts passiert. Denn wenn man die Zwänge und die Angst zulässt passiert viel mehr Schlimmes.. Man muss das nicht machen, weil die Zwangsgedanken einen überlisten wollen. Das ist aber ok, denn egal was man befürchtet, es ist meistens nicht zutreffend und Handlungen bringen nichts.

Kommentar von minaray1403 ,

Du kennst dich kein bisschen aus. Natürlich haben seine Ängste was damit zutun.
Eine Zwangsstörung entsteht aus einer Angststörung. Meistens muss man erst herausfinden woher das kommt, dass kann bis in did Kindheit zurückführen. Und jeder weiß: Ängste lösen die Zwänge aus. Bist du selber betroffen?

Und ja, eine Therapie ist dringend notwendig, so schnell wie möglich.

Kommentar von felixuser ,

@minaray1403 

Ich stimme dir zu das es ratsam ist das Problem anzugehen, jedoch Medikamente gibt hier es keine, lediglich eine Verhaltenstherapie könnte hierbei Abhilfe schaffen.

Oft reicht aber auch ein offener Umgang, und ein regelmäßiges Training um mit der Situation umzugehen "siehe meine Antwort".

Kommentar von minaray1403 ,

Ich habe selber eine extreme Zwangsstörung und Medikamente helfen wirklich. Man braucht Medikamente UND Therapie.
Nochmal: Bist du selber betroffen?

Antwort
von 4ssec67, 47

Es muss nicht unbedingt eine Zwangsneurose sein, auch wenn vieles dafür spricht. Es kann auch (leichter) Autismus sein.

Antwort
von Revic, 42

Zwangsstörungen können behandelt werden. Dafür müsstest du ihn jedoch zu einer Behandlung überreden. Eine unbehandelte Zwangsstörung kann durchaus immer schlimmer werden.

Antwort
von skyberlin, 50

Klingt schon nach Anankasmus = Zwanghaftigkeit. Motiviert ihn, zu einem Doc zu gehen, um das TESTEN zu lassen, dafür gibt es valide Testverfahren.

Mehr kann man ferndiagnostisch kaum empfehlen, sry!

Antwort
von Blitz68, 36

frag mal deine Arzt, wie man so jemanden am besten zum Arztbesuch motiviert ...

Antwort
von baboberlin, 52

Klingt sehr nach einer Zwangsneurose. Aber dagegen kann nur etwas gemacht werden, wenn er es zulässt. Rede mal ruhig und alleine mit ihm darüber. Und gib ihm nicht das Gefühl, dass er sich dafür schämen muss. oder du legst ihm anonym eine Infobroschüre für eine psychische Behandlung ins Zimmer. Vielleicht weiß er selber nicht, was sein Problem ist und warum er das tut. Auf jeden Fall sollte er sich in Therapie begeben bevor es ihm noch schlechter geht. Ansonsten kann er es auch zusätzlich mit Meditation versuchen. Sowas ist gut um Gedanken und Angstzustände in den Griff zu bekommen. Was Zwangsneurosen angeht kann sich das Krankheitsbild verschlimmern, wenn nichts dagegen unternommen wird. 

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