Frage von johnhh7632, 67

Hat Alexander v. Humboldt mit seinem Zitat: " Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben", recht?

Antwort
von voayager, 57

Das Zitat würd ich nicht überbewerten, wie so manche Kalendersprüche auch, trifft es mal zu, dann aber auch wieder nicht. Nach der Logik Humboldts dürften danach arme Leute die gefährlichste Weltanschauung haben, schließlich sind sie nicht in der Welt herumgekommen. Sicher, wenn die Pauper sich anfangen zu organisieren, dasc haben sie für das Bürgertum allerdings die gefährlichste Weltansachauung, denn die ist in einem solchen Fall entweder kommunistisch oder anarchistisch.

Kommentar von Huckebein ,

Nach der Logik Humboldts dürften danach arme Leute die gefährlichste Weltanschauung haben, schließlich sind sie nicht in der Welt herumgekommen.

Das ist wohl nicht nur die Logik Humboldts, sondern ein Erfahrungswert aus allen Revolutionen, die bisher in der Weltgeschichte stattgefunden haben.
Derzeit allerdings gibt es ein kleines Missverhältnis im Verständnis "arm" im herkömmlichen Sinne.
Die von atzef zitierten Personengruppen "Hartzer und Familien mit geringem Einkommen" (Behinderte und Pflegebedürftige schließe ich mal aus) sind durch die Ereignisse vor 26 Jahren zu einem großen Teil durchaus nicht minderbemittelt in Bildung und Erfahrung und somit eine völlig neue Qualität, wenn es um Veränderungen geht.

Kommentar von voayager ,

pflichte ich dir völlig bei, ich hab nur mal die Aussage Humboldts übertragen, um so aufzuzeigen, dass der H. eben irrte, bezogen auf heute. Früher konnte es gut sein, dass er recht hatte. Arme Leute waren meist ungebildet.

Antwort
von barfussjim, 22

Er hat recht. Menschen, die weit in der Welt herumgereist und mit anderen Kulturen in Kontakt gekommen sind, haben in aller Regel weniger Vorurteile als Menschen, die ihren Kontinent, ihr Land oder ihr Heimatdorf noch nie verlassen haben. Umfragen zur Auslandserfahrung von Afd- / Npd- und Pegida-Anhängern wären zur Überprüfung der These aufschlussreich.

Antwort
von Imago8, 21

Ich würde dieses Zitat garnicht nur auf das Reisen beziehen, sondern vor allem auf das Schauen.

Als Beispiel: jemand, der ausländerfeindlich ist (und es bleiben möchte) wird eher nach Indizien suchen, die seine Einstellung bestätigen und alles, was seine Ausländerfeindlichkeit relativieren könnte, eher ausblenden.

Ein Mensch mit einem offeneren Geist, der mehr an der "Wirklichkeit" interessiert ist, als an der Bestätigung seiner Glaubenssätze, lässt auch Informationen bzw. Beobachtungen in sein Bewusstsein, die seiner bisherigen Einstellung nicht entsprechen, wodurch er ein differenzierteres Bild von der (seiner) Welt und demzufolge auch ein besseres Urteilsvermögen entwickelt.

Gefährlich wären demnach nicht die, die nicht hinschauen können, sondern die, die nicht hinschauen wollen.

Antwort
von Aleqasina, 53

Wenn Ahnungslose sich Meinungen zu Sachen bilden, über die sie gar nicht informiert sind, dann wird es in der Tat gefährlich.

In so fern hat von Humboldt Recht.

Kommentar von Huckebein ,

 Da muss ich dir als ehemaliger DDR-Bürger voll zustimmen...:)

Antwort
von Lennister, 30

Natürlich. Wer "die Welt nie angeschaut hat", d.h. schlicht ungebildet ist, der wird eher Vorurteile haben oder radikalen Ansichten entwickeln. z.B. Anhänger rechtspopulistischer/-radikaler Parteien(AfD, FPÖ etc.) sind in der Regel wenig gebildet. 

Antwort
von Bambi201264, 45

Ob er Recht hat, weiss ich nicht, aber ich würde ihm zustimmen.

Antwort
von schelm1, 47

Das hängt ein klein wenig von den Begierlichkeiten solcher "Weltanschauer" ab!

Im Fieberwahn gab schon so mancher große Forscher recht "forsche Sprüche" ab!?!

Immerhin waren die Eskapaden solcher neureicher Bürschlein ohne feste Beschäftigung oder den wirtschaftlichen Zwang dazu Auslöser für den späteren Kolonialismus mit seinen verheerenden Folgen für die "entdeckten" Völker und den Reichtum der Länder.

Ob jemand das Farbspiel der Feder eines exotischen Kakadus kennt, ist da schon von gerigerer Bedeutung.

Aber solche Sprüche git es und gab es zu allen Zeiten:

"Jan, wer et hätt jewoss!".  "Griet, wer et hätt jedonn!"

Mann hätte es auch sein lassen können!


Expertenantwort
von atzef, Community-Experte für Politik, 46

Das Bonmot funktioniert wie jedes andere nur, wenn man nicht darüber nachdenkt und auch nicht versucht, es zu interpretieren. Und ganz ausgeschlossen ist es eigentlich, nach der "Richtigkeit" von solchen Bonmots zu fragen. :-)

Denn wie alle Bonmots entpuppt es sich rasch und leicht als ambitionierter Käse, wenn man es praktisch erdet.

Dem Humboldschen Kalenderblattsprüchlein zufolge hätten Kleinkinder und die gefährlichste Weltanschauung...:-)

Kommentar von schelm1 ,

Wie wahr - wie wahr!

endet dann z.b. in "gröhlemeierschem Textspamgatismus" wie:

Gebt den Kindern das Kommando
sie berechnen nicht
was sie tun
Die Welt gehört in Kinderhände
dem Trübsinn ein Ende
wir werden in Grund und Boden gelacht
Kinder an die Macht.

Sie sind die wahren Anarchisten
lieben das Chaos räumen ab
kennen keine Rechte
keine Pflichten
noch ungebeugte Kraft
massenhaft
ungestümer Stolz

Gott oder sonstwer möge uns davor bewahren!

Kommentar von Huckebein ,

@atzef,

Da A. v. Humboldt sicherlich ausgeschlossen hat, dass ganz Spitzfindige eine gefährliche Weltanschauung an Kleinkindern festmachen, sollte man dein Bonmot "...leicht ambitionierter Käse, wenn man es praktisch erdet", ebenfalls nur als Spruch abtun.
Trotzdem bin ich überzeugt, mit Hinweis auf die derzeit brisanten Ereignisse in der Welt und deren Widerspiegelung z.B. hier in den Beiträgen auf GF, dass er Recht hat.

Kommentar von atzef ,

Auch wenn es deine Überzeugung ist, verleiht sie seinem Sprüchlein keine Wahrhaftigkeit. :-)

Es bleibt ein Sprüchlein. Hübsch drapiert und für verstandlose Salonclaquere geradezu eine Offenbarung, aber eben auch voller eitler, selbstverliebter Dünkelhaftigkeit.

Neben Kindern gäbe es da noch eine Vielzahl weiterer Personengruppen mit "gefährlicher" Weltanschauung zu benennen, z.B. Hartzer, Familien mit geringem Einkommen, Behinderte und Betreuungsbedürftige...

Tatsächlich braucht man für die Entwicklung einer Weltanschauung nicht notwendig auch auf der anderen Seite der Weltkugel durch den Vogeldreck der Galapagos gewatet sein. Allenfalls in einem Universum, das sich an Beliebigkeiten ergötzt.

Kommentar von Huckebein ,

Es bleibt ein Sprüchlein. Hübsch drapiert und für verstandlose
Salonclaquere geradezu eine Offenbarung, aber eben auch voller eitler, selbstverliebter Dünkelhaftigkeit.

Das haben SPRÜCHE wohl so an sich, egal, von wem sie kommen. :)

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