Frage von gharfbck, 44

Gibt es empirische Nachweise für die Richtigkeit der (psychoanalytischen) Traumdeutung?

Wir sind vor drei Wochen von unserer Abschlussfahrt zurückgekommen und seit dem habe ich sehr oft einen Alptraum gehabt : Wir sind als Jahrgang auf einem Schiff, ich stehe etwas abseits der Gruppe und falle auf einmal ins Wasser. Jetzt passieren manchmal andere Dinge : entweder ich werde hinuntergezogen in das ekelhafte, grüne Wasser oder ich werde in die Schiffsschraube gezogen.

Ist die Traumdeutung empirisch bestätigt? Macht es Sinn, auf den Traum einzugehen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Dahika, 17

Empirisch bestätigen kann man sie natürlich nicht. Aber die Frage allein lässt vermuten, dass die ganze Traumdeutung falsch verstanden worden ist. DAs kommt halt vor, wenn Schüler Freud lesen. Er wird immerzu falsch verstanden.
Allein der Wunsch, dass jemand meinen Traum deuten soll, ist unmöglich. Ein Außenstehender kann Träume nicht deuten. Das kann nur der Träumer selbst in Zusammenarbeit mit z.B. einem Therapeuten.

Es gibt keine feststehenden Bedeutungen und feststehende Traumsymbole. Lange Gebilde sind nicht immer Penisse. Manchmal ist ein Regenschirm auch einfach ein Regenschirm.

Man kann sehr, sehr gut mit Träumen arbeiten, aber kein Therapeut, der sein Handwerk gelernt hat, wird jemals sagen: "das bedeutet das und das." Sondern er wird den Patienten immer fragen: "du träumst von einem - was weiß ich - Schiff, von dem du fällst . Was fällt dir dazu ein? " etc...

Ein Traumsymbol - als Beispiel der Löwe - hat vermutlich 6 Milliarden Bedeutungen. Für jeden Menschen seine eigene.

Wenn ich also gefragt werde: ich habe das und das geträumt. Was bedeutet das? antworte ich: "Woher soll ich das wissen. Es war nicht mein Traum."

Der Begriff Traumdeutung ist für meinen Geschmack daher unglücklich gewählt. NIcht der Therapeut deutet den Traum, sondern immer der Träumer selbst. (Mit Unterstützung des Therapeuten.) Man sollte daher den Begriff Traumdeutung gegen den besseren Begriff Traumarbeit ersetzen.

Antwort
von Kxschelpxschel, 20

Nein die Traumdeutung ist nicht empirisch trotzdem kann sie beim verarbeiten und verstehen helfen. Wenn man allerdings oft oder immer den gleichen Traum hat und dieser auch noch schlimm für einen ist solltest du zumindest mal mit den Eltern bzw. Freunden vielleicht auch mit welchen wovon Traum vorkommen drüber reden oft hilft das schon. Und ich würde dir empfehlen vor dem einschlafen nicht an den Traum zu denken. Wenn aber gar nichts hilft und du dich das nur noch kirre macht würde ich mir professionelle Hilfe suchen.
Das war zwar Jz nicht komplett das was du wissen wolltest a er ich hoff es hat dir trotzdem geholfen :)

Antwort
von Silberlilie, 11

Beweise für Dinge wie das voraussagen der Zukunft durch Träume und auch sonst wie gibt es nicht, jedoch können Träume bei der Verarbeitung und dem Verstehen von bereits erlebtem Helfen, was bewiesen ist und Traum Deutung im Sinne vom Deuten von Gefühlen oder Ängsten ist möglich und von mehreren Wissenschaftlern bewiesen

Antwort
von Retrohure, 23

Nein, die Traumdeutung ist - wie die gesamte Psychoanalyse - nicht wirklich empirisch untermauert. Das heißt jetzt aber nicht, dass sie Humbuck ist, vielen Menschen wurde durch Psychoanalyse erfolgreich geholfen und sie ist eines der Therapieverfahren, das von den Kassen bezahlt wird.

Wie deutest du denn überhaupt diesen Traum bzw. wie wird er von der Psychoanalyse gedeutet?

Kommentar von gharfbck ,

Ich habe noch nichts gedeutet, ich wollte wissen ob es Sinn macht sie zu versuchen bevor ich mich weiter darüber informiere und damit Zeit investiere. Aber ich denke ich werd mich dann mal umhören wie so etwas zu deuten ist.

Kommentar von Retrohure ,

Persönlich finde ich das durchaus interessant. Außerdem ist da ja scheinbar irgendwas, was deinen Kopf beschäftigt. Sich ein bisschen damit zu befassen, ist bestimmt nicht falsch. Man sollte das aber auch nicht zuu ernst nehmen - manchmal "spinnt" man auch einfach ein bisschen ;)

Kommentar von Dahika ,

Aber ich denke ich werd mich dann mal umhören wie so etwas zu deuten ist.
Noch mal:  das funktioniert so nicht. Das kann dir ein anderer nicht sagen. du kannst es dir nur selbst - freilich mit HIlfe - erarbeiten.

Kommentar von Dahika ,

die Psychonanalyse deutet nicht, sondern sie verhilft dem Träumer seinen Traum selbst zu deuten. Ein anderer kann einen Traum gar nicht deuten.

Antwort
von km11111, 9

Hallo!

Die Traumdeutung ist ein Buch Sigmund Freuds aus dem Jahre 1899 (vordatiert auf 1900), in dem er einen ersten Versuch seines Konzeptes des dynamischen Unbewussten eingebettet in eine grobe Topologie der Psyche einführt, nachdem er sich von den Ansätzen Josef Breuers weitgehend losgesagt hatte. 

Die Traumdeutung einhält als zentralen Bestandteil im 7. Kapitel die erste metapsychologische Abhandlung dazu. Diese war notwendig geworden, da Freud nach Lösung von Breuer mit einer empirischen Psychologie gescheitert war, weil ihm diese mit den damaligen Methoden nicht möglich gewesen ist. Metapsychologie ist somit also per se nicht empirisch prüfbar, sondern sie ist ja die wissenschaftstheoretische und wissenschaftliche Notlösung, weil es Phänomene beschreiben soll, die sich gerade der empirischen Untersuchungsmethode verschließen.

 Die Traumdeutung stellt damit aber eine auf dieser Basis verfügbare Möglichkeit dar, Träume wissenschaftlich zu beforschen, um Kenntnisse über das dynamische Unbewusste zu erlangen. Die Traumdeutung ist dabei zu dieser Zeit seine Methode (vor Einführung der freien Assoziation und nach Ablegen suggestiver Techniken wie v.a. der Hypnose) das nicht direkt beobachtbare dynamische Unbewusste zu erforschen. Es geht also erstmal um eine wissenschaftliche Methode, nicht um eine Behandlungstechnik, wiewohl diese Methode auch in Behandlungen Anwendung findet, um sich dem Unbewussten eines Patienten zu nähern. 

Hierzu gibt es zahlreiche Beispiele, wie er auch nicht scheute, sich in diese Arbeit zu vertiefen, so dass er aus heutiger Sicht Patienten als Forschungsobjekte benutze, statt sich ausschließlich um eine Behandlung zu kümmern. Ein unrühmliches Kapitel seiner frühen Jahre (z.B. im "Fall Dora").  

Er wendet sich in der Traumdeutung jedoch sehr deutlich gegen die herrschenden Ideen von Traumdeutungen (Symboldeutung einerseits und Dechiffrierung von Trauminhalten andererseits).

"Mein Verfahren ist ja nicht so bequem wie das der populären Chiffriermethode, welche den gegebenen Trauminhalt nach einem fixierten Schlüssel übersetzt; ich bin vielmehr gefaßt darauf, daß derselbe Trauminhalt bei verschiedenen Personen und in verschiedenem Zusammenhang auch einen anderen Sinn verbergen mag." (Zitat Freud: Traumdeutung)

Dass diese kritisierten Ansätze dann schließlich Freud als Methode unterstellt wurden (sicher auch wegen des gewählten Titels des Buches und der Methode), dafür kann der gute Freud nun nichts.

Dennoch ist dies ebenfalls im Rahmen der frühen Jahre (vielleicht sogar als Beginn) der Psychoanalyse zu sehen, die bekanntlich schon durch Freud selbst immer wieder erweitert und verändert wurde, wie auch durch viele andere zu seiner Zeit und natürlich nach ihm. 

Gibt es also empirische Nachweise für die Traumdeutung? Die Antwort sollte jetzt klar sein.

Gibt es Belege dafür, dass eine Arbeit mit Trauminhalten in einer Psychotherapie (in Abwägung) sinnvoll sein KANN? Ja.

VG

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