Frage von LeDreamer, 39

Gesangstechnik gesucht?

ich denke viele von euch müssten das lied "I have nothing" von whitney houston kennen. ansonsten hier der link: 

https://www.youtube.com/watch?v=FxYw0XPEoKE 

 in dem lied kommen ja sehr hohe gebeltete "Töne/Noten" vor. gibt es vielleicht eine spezielle gesangstechnik, um solche töne zu belten oder brauch man da einfach nur übung und druck?

Antwort
von MissMarplesGown, 22

oder brauch man da einfach nur übung und druck?

Für alle Hobby-SängerInnen im "Selbstversuch":

Bitte nicht!

Übung ja, aber für solche Dinge unbedingt professionell angeleitet - und:

Wenn die Stimme keinen Schaden nehmen soll, darf NIEMALS mit "Druck" gesungen werden.

Druck ist absolut nichts, was jemals zu gesanglichem Erfolg bzw. zu gutem
Singen bei gesunder und somit ausdruckstarker Stimme führt. Im
Gegenteil: Druck ist Verspannung, Enge, Schieben und Pressen macht
sofort heiser, nutzt die Stimme schnell ab und lässt hohe Töne schlecht
ansteuern und letztlich unschön "wegbrechen".

Beim Singen bewirkt Druck eine Verkrampfung exakt der Muskulatur, die für das Singen hoher Töne aber absolut "losgelassen" werden muss. Gerade für hohe Töne ist Druck auszuüben also das Irrsinnigste und Fatalste, was man tun kann. Hohe Töne fliegen mühelos und unangestrengt in sicherem Stimmsitz, auf gut aufgestellten Atemsäulen und ohne "Deckel" von oben oder "Anker" von unten. Bei guter Anwendung von Gesangstechnik fällt man
exakt auf den Ton und hält diesen, man landet dort geführt und sicher
und kann dann den "Tiger loslassen", wenn es an dieser Stelle erforderlich ist.

Solche hohen Passagen müssen sich beim Singen wie Fliegen anfühlen, es ist ein freies Loslassen der Stimme, die dann weder geschoben noch gepresst und auch nicht gedeckelt wird, sondern nur auf einer gut aufgebauten Luftsäule schwebt (die vielbenannte "Stütze").

Wenn man hier "mit angezogener Handbremse" singt, schiebt man mit aktiver Kraft von unten gegen den hohen Ton, man springt ihn sozusagen von unten her an - und setzt damit eine ganze Reihe negativer Effekte in Gang. Abgesehen von Heiserkeit und Angeschlagenheit der Stimme verliert man sehr an Klang und Schwingung, der Stimmsitz entgleist leichter, man intoniert unsauber, bleibt oft Nuancen unterhalb der eigentlichen Tonhöhe hängen und verliert singbare Höhen. Hohe Töne werden locker und entspannt, aber nicht mit Druck dahinter gesungen. Der hohe Ton wird frei fliegend und entspannt "hergeholt", aber niemals gepusht und geschoben. Klingt komisch, aber wer mit guter Gesangstechnik singt, wird bestätigen können, dass es sich so anfühlen muss, wenn Töne in hohen Lagen leicht kommen und spielend "sitzen", wenn man Technik richtig anwendet.

Auf GF finden sich reihenweise "Tips" zum Singen wie:

"Einfach
ordentlich Druck machen, auch wenns weh tut und dann immer weiter
steigern und möglichst jeden Tag so üben und nur kurz Pause machen, wenn man heiser ist - dann wird das irgendwann von selbst!"

Das ist das Schädlichste und Unvernünftigste, was Laien bezüglich Singen
anstellen können. Bitte niemals glauben, dies sei eine Art "Training" für die Stimme. Dies ist der Ruin jedes gesunden Gesangsvermögens und man kann sich hier auch die Stimmbänder dauerhaft gründlich verbasseln. "Gut" oder "besser" singen wird man so nicht.

Gesangsprofis wie Whitney Houston hatten für solche Ergebnisse zunächst einmal ein Mega-Gesangstalent (was bedeutet, dass sie vieles instinktiv richtig machen und ein Talent haben, Gesangstechnik instinktiv bereits wunderbar korrekt anzuwenden und Weiteres leicht lernen und umsetzen), dann ausserdem jahrelang und auch während ihrer Karrieren immer fortlaufend Gesangstrainier und Coaches - und dann muss man wissen, dass sie solche Endergebnisse nicht allein im Wohnzimmer oder in der Dusche mal eben aufgebaut haben, sondern dass sie ein immenses Training über Jahre absolviert haben, bis sie stimmlich und konditionell  so weit waren, diese Leistungen zu bringen. Konzerte zu singen ist körperlicher und
stimmlicher Hochleistungssport, daher macht es keinen Sinn, wenn sich
Hobbysängerinnen hieran auch nur ansatzweise messen und ihren Idolen auf privatem Weg und ohne Gesangstraining nacheifern möchten.

DieseTöne in diesem Song sind hoch" - aber für trainierte und ausgebildete
Stimmen und gut und sinnvoll angewendete Gesangstechnik sind sie absolut
nicht "SEHR hoch", sondern für trainierte Soprane ein gutes Mittelding.

Es mag Dir nur so hoch erscheinen, weil Du ohne gelernte Gesangstechnik und ohne entsprechendes Training hier nicht einfach so heran kämst, so dass es auch wirklich problemlos singbar wäre und dabei klanglich gut wäre. Für professionelle Sänger ist aber weder die Höhe noch die stimmliche Kraft hier etwas, was man "speziell" nennen könnte. Was hier hörbar ist, ist Gesangstechnik, aber: Keine "spezielle". Sie wendet hier nichts an, was nicht im professionellen Gesang generell vermittelt und trainiert würde.

Wer gelernt hat, Gesangsrechnik sicher und gut anzuwenden, wer einen
gesunden und klanglich optimalen Stimmsitz gefunden hat, erfährt in der
Praxis des Singens, was man für solche Ergebnisse tun kann, OHNE dass
hier mit Druck gearbeitet werden muss.

Beides, Gesangstechnik sowie auch ein guter Stimmsitz sind VORAUSSETZUNG für den Beginn eines intensiven konditionellen Trainings, das man hier dann als dritte Komponente braucht, um hier zusätzlich zum Training an Technik und einer Erarbeitung von Höhen auch Kraft und "Stimmgewalt" entwickeln zu können. Hier kommt aber auch die persönliche stimmliche Veranlagung ins Spiel, nicht jede Stimme ist so robust und belastbar, nicht jede Stimme ist für die Musikrichtung, die man gern singen möchte, auch tatsächlich geeignet.

So ein Training muss mehrmals in der Woche bis täglich stattfinden und über Jahre gehen - diese Kondition und die damit einher gehende stimmliche Entwicklung kann sich nur mit dem Erlernen von Gesangstechnik, nur bei gutem Stimmsitz und nur bei angeleitetem undregelmäßigem Training über lange Zeiträume einstellen. Die stimmliche Entwicklung geht im Profibereich bis zu 10 Jahre - erst dann ist sie voll entwickelt und man hat herausgeholt, was individuell und nach persönlicher Veranlagung möglich ist.

Was man da hört, ist gesangstechnische Routine und Professionalität und ein gut trainierter Stand - aber besonders hoch sind diese Töne nicht. Man muss die Stimmlage haben. Als Alt und Laie - oder als untrainierter Sopran mit "Hobby- und Zufalls-Technik" - macht es keinen Sinn, sowas mal eben
nachsingen zu wollen. Dies erfordert Technik auf professionellem Niveau -
und die lernt man nicht auf die Schnelle, sie entwickelt sich auch nicht, wenn man allein und ohne Anleitung übt, das muss gezeigt, begleitet und korrigiert werden.

Kommentar von MissMarplesGown ,

Sorry für die vielen halben Zeilen... das geschieht beim Hochladen irgendwie von selbst, ist nicht zu korrigieren! :-)

Antwort
von LeDreamer, 19

oh hab den link vergessen:

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