Frage von 02567, 58

Buchungssätze Warenkonten?

Hi ich hab die letzten Stunden die Buchungssätze durchgenommen. Also auch die Bestands- sowie die Erfolgskonten kennen gelernt.

Heute haben wir "Buchungen auf den Warenkonten" durchgenommen und ich habe leider kaum etwas verstanden.

Nun stellen sich mir einige Fragen:

1. Was sind Buchungen auf Warenkonten?
2. Was ist an diesen Buchungen besonders im Gegensatz zu normalen Buchungen?
3. Wieso kommt dieses Thema direkt nachdem ich erfolgswirksame und erfolgsunwirksame Buchungen behandelt habe?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Mojoi, 34

Das besondere an Warenkonten ist, dass bei Buchungen mit ihnen idR. erfolgswirksame und erfolgsunwirksame Vorgänge betroffen sind.

Da in einer - für den Anfänger zunächst schwer überschaubaren - Anzahl von betroffenen Konten das Wort Waren- beinhalten, ist das Thema so anstrengend wie spannend.

Warenbestand, Wareneinkauf, Warenverkauf, Warenbestandsveränderungen, Wareneinsatz... alles Nebelkerzen, die einen zunächst erschrecken, alles hört sich irgendwie gleich an (und einige sind je nach Buchungssystem tatsächlich technisch gleich).

Wenn man erst mal das simple technische Konzept dahinter verstanden hat, wird es ein Kinderspiel.

Lust auf mehr?

Kommentar von 02567 ,

Ja, schieß los

Kommentar von Mojoi ,

Der einfachste Weg wäre ja erst mal, alle Waren die man kauft, auf das Warenbestandskonto zu buchen. Wie der Name schon andeutet, ist es ein Bestandskonto, also kein Erfolgskonto.

Ein klassischer Buchungssatz wäre per Warenbestand an Bank.

Ein reiner Aktiv-Aktivtausch. Der Vorgang ist erfolgsneutral. Das Warenbestandskonto zeigt dir nun den Bestand der Waren zu Einkaufspreisen an.

Es erscheint logisch, dass man bei Verkauf die Ware wieder vom Bestand runter nimmt. So ein Buchungssatz könnte lauten per Kundenforderungen an Warenbestand.

Du ahnst vielleicht schon, dass das zu einfach wäre. Würdest du es tatsächlich so machen, stündest du irgendwann vor der Situation, dass laut Buchhaltung dein Warenbestand null ist, aber ein Blick in das Lager dir zeigt, dass noch gut ein Viertel der Ware da ist.

Kommst du von selbst drauf, warum?

Kommentar von 02567 ,

Weil das Ziel ja ist, mit Gewinn zu verkaufen,also wird der Stückpreis beim Verkauf im Gegensatz zum Stückpreis beim Einkauf, erhöht?

Kommentar von Mojoi ,

Röchtööög!

Du nimmst zwar die Waren zu Einkaufspreisen rein, gibst sie aber zu Verkaufspreisen raus. Das klappt nicht über ein- und dasselbe Konto.

Zudem ist der Preisunterschied die Marge, und die ist erfolgswirksam. Muss also auch entsprechend erfasst werden.

Bequem wäre es, wenn man bei Verkauf der Ware noch wüsste, was sie im Einkauf gekostet hatte.

Dann könnte man buchen (Achtung, Phantasiebuchung!): Per Kundenforderung 1.100,- an Warenbestand 1.000,- an Warenrohgewinn 100,-

Hier hätten wir sowohl Bestands- alsauch Erfolgskonten angesprochen.

Warenbestand laut Buchhaltung entspräche dem echten Warenbestand, und der Warenrohgewinn wäre korrekt erfasst.

Das ist / war mit zwei Problemen verbunden:

Früher, bei Buchung in Papierform bzw. mit wenig leistungsstarken Rechnern gab die Buchhaltung die permanente Vorhaltung des Einkaufspreises eines jeden Artikels nicht her, geschweige denn eines Mischeinkaufspreises.

Zudem schreibt das Umsatzsteuerrecht vor, dass die Umsatzsteuer vom gesamten Verkaufspreis berechnet wird - etwas tricky bei so einer gesplitteten Darstellung.

Kommentar von Mojoi ,

Weiter:

Um das ordentlich buchhalterisch darzustellen, hat man sich folgende Gedanken gemacht:

Man muss ja nur zum Jahresende in der Bilanz den tatsächlichen Bestand der Waren angeben.

Die Bestimmung der gekauften Ware ist es ja, früher oder später verbraucht zu werden. Verbrauch ist ja ein Aufwand, der dem Ertrag aus dem Verkauf gegenübersteht.

Also kann man doch den Einkauf gleich als Aufwand buchen, und das Bestandskonto lassen wir das ganze Jahr über unberührt.

Der Buchungssatz für Ein- und Verkauf wäre dann:

per Wareneinkauf (Aufwandskonto) an Bank 1.000,-

Per Kundenforderung an Warenverkauf (Erlöskonto) 1.100,-

Das ist dann auch die Schulbuch mäßige Methode, wie sie gelehrt wird.

Der Rohgewinn lässt sixh leicht ermitteln aus dem Saldo zwischen beiden Konten, bzw., da sie beide über das GuV-Konto abgeschlossen werden, mit Blick auf die GuV.

Kommentar von Mojoi ,

Weiter:

Kommen wir nun zur korrekten Darstellung des Warenbestandes am Jahresende. 

Die Umsätze auf Wareneinkauf und Warenverkauf können uns nicht zeigen, wieviel Ware noch am Lager ist. Beide arbeiten ja mit unterschiedlichen Wertansätzen.

Macht nix, wir müssen ja eh eine Inventur machen, dann kennen wir ja den Bestand.

Sagen wir mal, du hast mit Bestand 0,- angefangen, Wareneinkauf ist 2.000,- und Warenverkauf ist 1.100,-.

Nur aus dieser Betrachtung heraus hättest du einen Verlust von 900,- gemacht. Das ist unfair, denn du hast ja drauf geachtet, mit 10% Rohgewinnaufschlag zu verkaufen.

Die Inventur ergibt, dass noch Waren im Wert von 1.000,- übrig sind. Von den 2.000,- Einkauf hast du also nur 1.000,- verkauft, und zwar mit Gewinn!

Wie holt man nun das Inventurergebnis in die Buchhaltung?

Dazu bedient man sich des Hifskontos "Bestandsveränderungen" welches erfolgswirksam ist.

Das BV-Konto tut nichts anderes, als die im laufenden Jahr nie erfassten Lagereingänge und -entnahmen nachträglich in einer Summe nachzuholen und den Gewinn oder Verlust aus Warenverkäufen in das korrekte Ergebnis umzuwandeln.

In diesem Beispiel war der Anfangsbestand 0,- und der Endbestand lt. Inventur 1.000,-

Der Bestand hat sich also um 1.000,- verändert, und zwar erhöht. Bestände nehmen im Soll zu. Wir buchen:

Per Warenbestand (Bestandskonto) an Bestandsveränderungen (GuV-Kto.) 1.000,-

Jetzt stimmt der Warenbestand mit dem tatsächlichen überein.

Außerdem zeigt uns die GuV:

Auf der Sollseite:

Wareneinkauf 2.000,-

Auf der Habenseite:

Warenverkauf 1.100,-

Bestandsveränderung 1.000,-

Saldo: 100,- Gewinn - genau so, wie es sein soll.

Kommentar von 02567 ,

Ist wirklich Warenaufwand der Einkauf und nicht der Verkauf von Waren? Sonst macht meine Formel keinen Sinn:

Anfangsbestand
+Zugänge
-Schlussbestand
_____________
Warenaufwand

Was wir hier rausbekommen sind ja die verkauften Waren.

Also verkaufte Waren = Warenaufwand

Kommentar von Mojoi ,

Der tatsächliche Warenaufwand ist der Wareneinkauf bereinigt um die Bestandsveränderungen.

Die Bestandsveränderungen sind der Unterschiedsbetrag aus Anfangs- und Endbestand.

Wareneinkauf und Warenaufwand sind beides Aufwandskonten, aber Wareneinkauf ist nicht Warenaufwand.

Wareneinkauf ist die Summe aller eingekauften Waren.

Warenaufwand ist nur der Betrag der eingekauften Waren, die auxh verkauft worden sind. Er wird am Jahresende rückwärts durch die Inventur und der BV ermittelt.

Kommentar von Mojoi ,

Spinnen wir die Geschichte weiter.

Du musst ein Jahr ins Ausland, Kollege Stuhlsäger übernimmt solange den Posten.

Als du nach einem Jahr wiederkommst, ergibt sich folgende Situation:

Wareneinkauf 1.000,-

Warenverkauf 2.100,-

Stuhlsäger blamiert dich im Jahresmeeting vor dem Chef, indem er grinsend behauptet, er hätte in dem gleichen Zeitraum, in dem du 100,- Gewinn gemacht hast, 1.100,- Gewinn gemacht.

Du willst das nicht so recht glauben, weil du weißt, was für ne Flachschippe er ist, und wälzt die Unterlagen. Die Inventur ergibt einen Warenbesand von 0,-

Welche Schlussfolgerungen hast du?

Kommentar von 02567 ,

Dass er zum Einstandspreis verkauft hat?

Kommentar von Mojoi ,

Fast!

Du hattest ihm vor einem Jahr einen Anfangsbestand von 1.000,- überlassen. Davon sind jetzt laut Inventur 0,- übrig.

Da er selbst 1.000,- dazugekauft hat, bedeutet das, dass er Waren von einem Gesamteinkaufswert von 2.000,- verkauft hat.

Buchhalterisch:

Der AB von 1.000,- und der EB von 0,- ergeben eine Bestandsveränderung von -1.000,-

Buchungssatz:

Per Bestandsveränderung (GuV) an Warenbestand 1.000,-

Das Konto Warenbestand weist jetzt korrekte 0,- aus.

Die GuV sieht jetzt folgendermaßen aus:

Im Soll:

Wareneinkauf 1.000,-

Bestandsveränderung 1.000,-

Im Haben:

Warenverkauf 2.100,-

(tatsächlicher) Rohgewinn: 100,-

Das heißt, Kollege Stuhlsäger die Pappnase hatte einen Wareneinsatz von 2.000,- und hat damit einen Rohgewinn von 100,- erwirtschaftet.

Das hast du ein Jahr vorher mit einem Wareneinsatz von bloß 1.000,- geschafft!

Dein Rohgewinnaufschlagssatz war immerhin 10%. Seiner ist nur noch 5%!

Herr Stuhlsäger ist jetzt wieder in der Warenkommissionierung tätig.

Kommentar von Mojoi ,

Jetzt haben wir gearbeitet mit

Warenbestand (Bilanzkonto, erfolgsneutral)

Wareneinkauf (GuV-Konto, erfolgswirksam)

Warenverkauf (GuV-Konto, erfolgswirksam)

Bestandsveränderung (GuV-Kto, erfolgswirksam)

Warenaufwand (kein Konto, "nur" Kennzahl)

Deswegen ist der Umgang mit Warenkonten so spannend.

Ich habe im Beitrag vorher versehentlich Wareneinsatz statt Warenaufwand geschrieben. Beide können synonym füreinander stehen, und es kann sogar doch Konten mit dieser Bezeichnung geben. Da können wir auch gerne drauf eingehen, wenn du magst.

Antwort
von Welling, 27

1. Buchungen auf Warenkonten sind solche, bei denen die Wareneinkäufe und die Warenverkäufe gebucht werden. Das mag für den Anfang reichen, es ist sehr grob gesagt, es kommen noch Rücksendungen usw. hinzu.

2. Was verstehst du unter normaler Buchung? Für den Händler sind das ganz normale Buchungen. Beim Einkauf kommt das Konto "Vorsteuer" hinzu, beim Verkauf die "Mehrwertsteuer". Wenn bei der Zahlung Skonto abgezogen wird, musst du   korrigieren.

3. Warenkonten sind Erfolgskonten, der Wareneingang ist ein Aufwandskonto, der Verkauf ein Ertragskonto. Sie sind also erfolgswirksam. Es ist also gut und logisch, dass dieses Thema jetzt dran ist, nachdem ihr den Unterschied zwischen erfolgswirksam und erfolgsunwirksam behandelt habt.

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