Frage von Facerhugger, 57

Alte Vinylplatten zerstören Nadel?

Hey, meine Frage: Wenn ich eine alte, zerkratzte Platte abspiele, bei welcher man fast schon gleich viel "knacksen" wie Musik hört, zerstört oder beschädigt diese dann die Nadel?

Danke im Voraus!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von IXXIac, 57

Hallo

im Prinzip sind die Nadeln "weich" ausgelegt um denn Verschleiss an/auf der Platte gering zu halten.
Je höherwertiger dass System um so härter ist die Nadel und um so "schärfer" der "Schliff". Aber solche System muss man penibelst justieren und wird man nicht mit schlechten Schallplatten "abnudeln" wollen.
Verkratze Platten spielt man am besten mit einem robusten DJ-System ab (und viel Nadeldruck).
Früher hat man auch noch Kratzer aus denn besseren Schallplatten (MFSL, DMM) entfernt (Diskofilm um die Rillen zu füllen und dann unter einem Steromikroskop denn Kratzer entschärfen). Es gab auch Plattendreher die per zwangsgeführten Tonarm bei leichten Kratzern trotzdem in der Rille blieben (Sony Biotracer, Aiwa, Denon, Revox, Kenwood/Micro-Seiki, B&O, Mitsubishi, Braun, Aiwa,,,)

Knackser kommen meist von Staub in der Rille, da reicht ein Mitlaufbesen (Räcke, Canton) oder wenn es Nassläufer waren muss man eben wieder Nass abspielen.

Expertenantwort
von dalko, Community-Experte für HiFi, 45

Hallo Facerhugger,

Die eigentliche Nadel besteht aus Diamant, kann verschiedene Formen haben z.B. konischer, elliptischer Schliff und viele Abwandelungen wie van den Hul, aber eigentlich alles uninteressant zur Beantwortung deiner Frage. Diamant ist hart, aber auch eine Diamant-Spitze verschleißt mit der Zeit durch die Reibung in der Rille der Schallplatte.

In den 70ger Jahren war dies ein häufig diskutiertes Thema, wobei es gute, stimmige Berechnung gab, welche Kräfte auftreten, wenn der Diamant mit einer Auflage-Kraft von 1, 5 Pond die Platte abtastet. Wegen der geringen Kontaktfläche zwischen Diamant und Rillenflanke traten enorme Belastungen auf bis in den "Tonnen"-Bereich. Dementsprechend erwärmt sich das Vinyl der Platte kurzfristig, wird plastisch und vorhandene Staubpartikel werden in das Vinyl-Material gedrückt.

Die Lösung des Problems war Flüssigkeit zum Lösen der Staubpartikel, zum Schmieren, also Reduzierung der Reibung und zur Kühlung.

Naßabtasten war angesagt, Lenco produzierte den Lencoclean, die teure Flüssigkeit hat man meistens selbst gemischt aus destilliertem Wasser und Äthylalkohol (aus Kostengründen wurde häufig Isopropanol eingesetzt, was allerdings zu agressiv ist) und einer sehr geringen Menge Netzmittel von Ilford (1 bis 2 Tropfen auf einen Liter, 1 Liter reicht bis....ins nächste Jahrtausend?).

http://www.photo-lang.de/analog_fotografie/dunkelkammer/ilford_ilfotol_netzmitte...

Heute gibt es wieder einen Naßläufer, dar dem Original-Lencoclean nachgebaut wurde. Es ist das ANALOGIS CLEAN VINYL NASSREINIGUNGS-SET, wenn du damit deine Platten abtastest, kannst du auch hochwertige Tonabnehmersysteme verwenden, ohne Angst haben zu müssen, dass sie beschädigt werden.

Nassabtastung bringt eine deutliche Verringerung der Knack- und Knistergeräusche, vorhandener Staub wird aufgeschwemmt und nicht in die Rillenflanke gepresst...du solltest dann aber deine Platten immer nass abtasten....ich mache das nur nass seit 1973 und meine Platten klingen heute noch wie neu.

Grüße, Dalko

Antwort
von Cyberzwerg, 27

Dalko hats ja recht ausführlich (wie immer ;)) erklärt, also lass ich das bleiben.
ich selbst bin kein Freund vom Nass-Abspielen und halts lieber mit
IXXIac und dem Mitlaufbesen. Das sind jedoch Pilosophien und muss jeder für sich selbst entscheiden. Was mir in den Beiträgen hier fehlt ist der Hinweis auf statische Aufladung der Vinyls. Auch diese verursachen "Knacken" und können natürlich stören. Hier hilft wieder der Mitlaufbesen, der allerdings geerdet sein muss (deshalb ist bei den meisten auch ein Kabel dran).

Das wichtigste bei Vinyls ist eigentlich, deine Plattenfräse richtig zu justieren, dann hast du über Jahre hinweg deinen Spaß. Und brauchst um dein System keine Angst zu haben :)

@Dalko
Kennst eigentlich noch die Gehwegplatte?
Hat mit der Frage nichts zu tun, sollteste aber eigentlich kennen -g-

Antwort
von chanfan, 52

Die Nadel nutzt sich logischerweise schneller ab. Ansonsten bräuchte man ja keine Ersatznadeln kaufen oder?

Wenn du so eine zerstörte Vinyl einmalig abspielst, dann geht das schon. (Z.B. um sie sich auf den PC zu ziehen.)

Antwort
von michamama, 55

meines Wissens nach nicht, nur der l"Hörgenuss" ist nicht gut und die Nadel kann springen

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