Ich lernte meinen Partner genau da kennen, als sich mein Rückzug und Einzelgängertum begann abzuzeichnen.
Ich bin grundsätzlich ein recht offener Mensch und hatte immer sehr viele Kontakte, bedingt auch dadurch, dass ich alles mit mir und in mir ausmachte und nach „Außen“ Sonnenschein, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, usw. demonstrierte.
Mein Partner ist ein sehr stiller, einfacher (im Sinne von unkompliziert, geradlinig, fast schon berechenbar) Mensch, was ich zum Zeitpunkt unseres Zusammentreffens als sehr gegensätzlich empfand.
Die Entwicklung und Veränderung (rein geistiger Natur), die ich als Rückzug und Alleinsein erlebte, war mir tatsächlich erst durch ihn möglich, bzw. erleichterte es sehr.
Ich gab meine Arbeit auf und war jahrelang nur mit mir und meinem Innersten beschäftigt. Natürlich hatte auch ich, wie andere hier, meine Zweifel und fragte mich oft, ob dies noch „normal“ sei, fühlte mich oft hin und hergerissen.
In all dem geistigen Chaos, der Nichtbeachtung aller „Nichtigkeiten, Banalitäten“ auch genannt „Alltag“ ;-) ist mir mein Partner der ruhende Pol, der Fels in der Brandung, derjenige der sich um all das gekümmert hat, das mir nicht möglich war, gewesen.
In dem Maße, wie ich mich in dieser Zeit selbst erkannte und immer mehr verstand, konnte ich beobachten, wie auch er mich immer mehr so annehmen konnte, wie ich bin.
Ich muss erwähnen, dass meine intensive Beschäftigung mit mir, meine riesigen Gedankengebäude, die ich auftürmte, ihn nicht wirklich interessieren und dies auch nicht Gesprächsstoff war / ist. Dies empfinde ich als äußerst wohltuend und es gibt nichts, das ich mehr genieße, als unser gemeinsames Schweigen ;-) (wer hätte dies je gedacht…?! … wo ich früher die Klappe nicht halten konnte…)
Lange Rede, kurzer Sinn… Hier ein Ausschnitt aus „Der Prophet“ von Khalil Gibran:
Ja, ihr werdet selbst im stummen Gedenken Gottes zusammen sein.
Aber lasst Raum zwischen euch.
Und lasst die Winde des Himmels zwischen euch tanzen.
Liebt einander, aber macht die Liebe nicht zur Fessel:
Lasst sie eher ein wogendes Meer zwischen den Ufern eurer Seelen sein.
Füllt einander den Becher, aber trinkt nicht aus einem Becher.
Gebt einander von eurem Brot, aber esst nicht vom selben Laib.
Singt und tanzt zusammen und seid fröhlich, aber lasst jeden von euch allein sein,
so wie die Saiten einer Laute allein sind und doch von derselben Musik erzittern.
Gebt eure Herzen, aber nicht in des anderen Obhut.
Denn nur die Hand des Lebens kann eure Herzen umfassen.
Und steht zusammen, doch nicht zu nah:
Denn die Säulen des Tempels stehen für sich,
Und die Eiche und die Zypresse wachsen nicht im Schatten der anderen.
Und genau so erlebe ich es.
wow, danke für die ausführliche Antwort :)