Frage von Floeckchen78, 121

Wo trauern wenn kein Grab mehr da ist?

Hallo ich war damals 9 als meine Mutti gestorben ist. Ich wurde auch nicht zur Beerdigung mitgenommen. Jahrelang war bei mir eine Tür zu und ich war auch nie auf dem Friedhof. Ich habe vor 3 Jahren bei einem Psychologen versucht alles aufzuarbeiten und wollte endlich zu dem Grab gehen bzw ich war endlich so weit. Da ich in einer anderen Stadt wohnte und nie gefragt hatte bin ich davon ausgegangen das es noch da ist. Meine Schwester meinte den Weg kannst du dir sparen es ist schon einige Zeit aufgelöst und weg. Ich war trotzdem da aber es ist nur eine große Rasenfläche. Ich habe das Gefühl das ich mir selber ein Stück zum Abschied nehmen genommen habe weil ich nie da war. Nun ist es zu spät und ich komme damit nicht klar. Habt ihr eine Idee wie ich damit umgehen kann? Bzw eine Idee wie ich dieses Abschied nehmen nachholen kann? Ich bin echt verzweifelt

Antwort
von SNewiger, 56

Guten Tag Floeckchen,

Deine Stimmung kann ich verstehen. Als vor 47 Jahren meine Mutti starb, habe ich zwar Abschied genommen - aber als nach recht langer Zeit das Gräberfeld aufgelöst wurde, hat es doch etwas geschmerzt, keinen Ort für direkte Erinnerung zu haben.

Dir kann ich aus eigener Erfahrung nur einen Rat geben. Schade, dass ich Dein Alter jetzt nicht kenne. Also muss ich mit Dir wie zu einer Erwachsenen reden.

Deine Mutti hat Dich doch zur Welt gebracht, damit Du in dieser gesund und nach Möglichkeit glücklich lebst - oder? Wenn Du nun klagst, weil die von Dir nicht beeinflussbaren Umstände den Ort des stillen Erinnerns aus der Umwelt weggebracht haben, gibt es nur eine Möglichkeit: Du holst ihn Dir in die Nähe.

Auf meinem Tisch für den Laptop steht an deutlich sichtbarer Stelle ein Foto unserer lieben lächelnden Mutti. Das,was ich am Grabstein nie versuchte, kann ich mir hier unbeachtet von anderen erlauben. Jeden Morgen bedanke ich mich mit einem Küsschen dafür, dass unsere Mutti mir und drei Brüdern das Leben geschenkt hat. Ja, sie ist nicht mehr körperlich anwesend - aber ihr guter Geist gibt mir Kraft für denTag. Obwohl ich knapp 79 Jahre alt bin.

Bleibe recht gesund und nimm keinen Nachhole-Abschied, sondern erinnere aktiv wie ich!

Siegfried

Kommentar von Floeckchen78 ,

Danke für deine Antwort. Ich werde 38, muss das mal einstellen hier alles. Mit dem Foto ist eine gute Idee

Antwort
von Rockige, 40

Schaffe dir selbst einen Platz oder eine Situation.

Du kannst dir ein Foto deiner Mutter besorgen durch die Verwandschaft, kannst ihr Lieblingslied/ LIeblingsessen oder Lieblingsgetränk in Erfahrung bringen.

Mit diesen Mitteln (und einer ruhigen Zeit, vielleicht ein ganzer Abend oder doch wenigstens 1 ruhige Stunde) kannst du etwas für dich persönlich passendes schaffen und dann deiner Mutter gedenken.

Antwort
von Sanaax, 46

Ein Grab ist nur ein Symbol, aber der Rest (auch das was am Grab geschehen würde) Kommt von dir aus! Ob Grab hin oder her... Ich hatte damals dasselbe Problem, aber mir wurde irgendwann klar, dass das (also dieses Grab, das letztlich nur ein Zeichen ist) mich nicht daran hindern sollte zu trauern! Du kannst dir genau so gut ein Bild von ihr nehmen, dich in dein Zimmer setzen und einfach anfangen zu reden und zu trauern ... Mach das alles nicht von einem Fleck auf der Erde abhängig! Das trauern muss von dir kommen... Dabei ist es total egal ob du an einem Grab stehst, in deinem Zimmer sitzt oder grade Kochst, das alles sind ja Emotionen und dabei ist es egal wo du sie rauslässt ... Ps. Mein Beileid.

Antwort
von GravityZero, 42

Ich persönlich finde ja dass der Ort völlig egal ist, trauern kannst du überall um sie wenn du an Sie denkst. Ansonsten stell ein Bild auf, zünde eine Kerze an, schreib einen Brief oder besuche einen Ort an dem sie gerne war. Ich bin selten am Grab meiner Mutter, aber wenn wir an meinem alten Wohnort vorbeifahren gehen wir immer in dem Park spazieren in dem ich als Kind oft mit ihr war, da fühle ich mich näher bei ihr weil ich unweigerlich an Sie denken muss.

Antwort
von Jani15, 17

Als damals mein Vater starb hat es sehr lange gedauert bis er beerdigt werden konnte. Ich bräuchte aber was zum trauern damit ich anfangen könnte es zu verarbeiten. Ich hab mir auf einer Kommode mehrere Sachen von ihm, mit Fotos und Kerzen zurecht gestellt. Jeden Abend eine Kerze angemacht. Und wenn ich heute mal an ihn denke mache ich die Kerzen immer noch an. Das tut gut.

Antwort
von labertasche01, 27

Weisst du noch einen Ort an dem deine Mutti gerne war? Bzw einen an dem ihr zusammen wart? Vielleicht könntest du dort hin gehen?
Manche sagen man braucht kein Grab zum Trauern, aber ich brauche auch einen Ort.
Ich war mit meiner Oma früher oft die Gräber versorgen. Und als sie dann gestorben war  hab ich mich oft einfach am Friedhof auf eine Bank gesetzt.
Der Sarg ist ja glaube ich noch da.  Die machen nur das obenrum weg. Also denke ich mir. Wenn du weisst wo es war kannst du ihr vielleicht trotzdem dort nahe sein.   Oder nimm dir ein Bild von ihr.
Alles Liebe!

Antwort
von kwon56, 12

In Kirchengemeinden  gibt es Trauergemeinschaften für Verstorbene. Geh doch da mal hin.

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