Frage von MarcoAH, 77

Wie ist das gemeint: "Liebe deine Feinde" aus biblischer Sicht?

Ich kann, um es übertrieben zu sagen, mich nicht von jemanden umbringen lassen, weil ich ihn lieben soll. Wie ist dieser Satz gemeint und wie sollte man handeln, wenn der gegenüber nichts gutes im Schilde führt. Wie sollte man seinen Feind lieben?

Antwort
von quanTim, 15

es geht darum, das niemand böses tut, weil er böse ist. egal was jemand macht, in dem moment glaubt er, das er das richtige tut. du sollst deinen feind also nicht hassen, ihn bekämpfen und den hass noch weiter sähen. du sollst ihn lieben. dich ihm annehmen versuchen ihn zu helfen und auf den richtige weg führen.

wenn jemand mit einen messer auf dich zu geht, dann sollst du nicht die arme ausstrecken und sagen "viel spaß beim abstechen" du darfst ihn gerne abwehren. aber solltest dich danach um ihn kümmern. versuche ihn bei seinem problem zu helfen.

Antwort
von happyface01, 14

Seinem Feind immer mit Respekt und Freundlichkeit entgegen kommen. Liebe ihn weil er dich hasst, wenn du ihm nichts getan hast dann wird er dich hassen weil er in dir sieht was er sein oder haben möchte.

Antwort
von quopiam, 20

Mit "Liebe" ist nicht die emotionale Zuneigung gemeint, die man darunter häufig versteht. Besser übertragen wäre der Begriff mit "Mitgefühl". 

Was Du tun sollst, ist, auch Deinen Feind als einen Menschen anzusehen. Das bedeutet, kurz mal innezuhalten und nachzudenken, ob Dein Feind nicht auch jemand ist, der Gefühle, Ängste, Freuden, Schmerzen hat, der Freunde und Verwandte hat, der jemanden liebt, der Glück sucht und leidet, wenn er es nicht findet. Also jemand wie Du selbst. Wenn Dir das für einen Moment gelingt, bist Du schon ein langes Stück gegangen.

Freilich darfst Du Dich verteidigen - und Deine Lieben auch. Es soll nicht so sein, daß Du Dich oder die Deinen aus lauter Güte einfach ermorden läßt. Du trägst Verantwortung für Deine Mitmenschen und die für Dich. Es soll aber auch nicht so sein, daß Du aus Feinden oder vermeintlichen (!) Feinden Un-Menschen machst, Bestien, Nicht-Menschen oder Tiere; etwa so, wie es die Kriegsrethorik vieler Propagandisten gerne tut. Gruß, q.

Antwort
von chrisbyrd, 11

Bereits im Alten Testament wird die Feindesliebe bzw. Segnung des Feindes gefordert: "Hat dein Feind Hunger, so speise ihn mit Brot; hat er Durst, so gib ihm Wasser zu trinken!" (Sprüche 25,21).

Auf diese Weise ist es möglich wirkliche Liebe zu zeigen, weitere Konflikte zu vermeiden und Frieden und Versöhnung zu finden. Wenn man sich bei seinen Feinden rächt, gibt es einen Gegenangriff und die Spirale der Eskalation dreht sich immer weiter. Wenn man aber auf Rache verzichtet und stattdessen seine Feinde liebt und segnet, ist es möglich, dauerhaften Frieden zu schaffen und Konflikte beizulegen.

Ein weiteres Argument wird in Sprüche 25,22 beschrieben: "So sammelst du glühende Kohlen auf sein Haupt und der Herr wird es dir vergelten." Paulus beschreibt dies auch in Römer 12,20: "Vielmehr: Wenn dein Feind Hunger hat, gib ihm zu essen, wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken; tust du das, dann sammelst du glühende Kohlen auf sein Haupt." Vergebung bietet also die Möglichkeit, den Feind zu Scham und Buße (Umkehr seiner Gesinnung) zu bewegen.

Der gesamte Zusammenhang von Römer 12,17-21 ist hier interessant: "Vergeltet niemand Böses mit Bösem! Seid allen Menschen gegenüber auf Gutes bedacht! Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden! Rächt euch nicht selber, liebe Brüder, sondern lasst Raum für den Zorn Gottes; denn in der Schrift steht: Mein ist die Rache, ich werde

vergelten, spricht der Herr. Vielmehr: Wenn dein Feind Hunger hat, gib ihm zu essen, wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken; tust du das, dann sammelst du glühende Kohlen auf sein Haupt. Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!"

Sehr interessant in diesem Zusammenhang sind auch diese Verse:

"Ein Geduldiger ist besser als ein Starker und wer sich selbst beherrscht, besser als einer, der Städte gewinnt." (Sprüche 16,32)

"Die Frucht des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit." (Galater 5,22-23)

"Jesus Christus spricht: Selig sind, die Friedens stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen." (Matthäus 5,9)"

"Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen ererbt." 1. Petrus 3,9

Kommentar von MarcoAH ,

Danke für die Antwort. Was ist aber, wenn ich in Liebe handelt und der andere "immer seine Keule auspackt", im Herzen immer auf ärger aus ist, egal, wie gut der andere es meint.

Kommentar von chrisbyrd ,

Deine Frage kann ich sehr gut verstehen und absolut nachvollziehen.

Wenn wir nur beleidigt werden, können wir das durchaus ertragen. Anders wäre durchaus ein tätlicher Angriff, z. B. mit einer Keule. In einem solchen Fall dürfen wir uns natürlich verteidigen (Notwehrrecht, Nothilfe).

Die Bibel ist ein praktisches Buch. Wenn Jesus davon spricht, "die andere Backe hinzuhalten", geht es darum, sich bei großen Beleidigungen (im griech. steht das Wort "rhapizo", das eine starke Beleidigung bedeutet) nicht rächen soll. Es geht dabei nicht um eine Selbstverteidigungssituation, in der man sich nach dem deutschen Strafrecht übrigens auch nicht rächen darf. Unser Gesetz erlaubt die Abwehr eines Angriffs mit verhältnismäßigen Mitteln, verbietet aber weitere Aktionen (=Rache), wenn der Angriff abgewehrt ist. Es ist sehr sinnvoll, auf Rache zu verzichten, weil Rache zu Hass und wieteren Konflikten führt, Frieden verhindert und sogar Konflikte mit dem Gesetz nach sich ziehen kann.

Ich zitiere mal ein paar interessante Aussagen des bekannten reformierten Pfarrers Dr. Peter Vogelsanger, der zum Thema "Christentum und Selbstverteidigung/ Notwehr" interviewt wurde:

"In Römer 13, also im Römerbrief des Paulus, finden sich die ganzen Ausführungen über die Schwertgewalt des Staates. Da wird gesagt: Der Staat ist die Ordinatio Dei - die Ordnung Gottes -, die eingesetzt ist auf dieser Welt zur Eindämmung des jederzeit lauernden und Macht an sich reißenden Bösen: "Sie trägt das Schwert nicht umsonst," (die Obrigkeit)  "... sondern zur Bestrafung der Bösen und zur Belohnung der Guten." Das heißt, es ist die primäre Aufgabe des Staates, dem Bösen in dieser Welt Widerstand zu leisten, und Paulus sagt in diesem Zusammenhang: Es ist  Pflicht des Christen, den Staat in dieser Funktion zu unterstützen...

..."Du sollst nicht töten" im Alten Testament heißt ganz eindeutig: "Du sollst nicht MORDEN". Also nicht einfach ein absolutes Tötungsverbot, so daß man keine Fliege und kein Kaninchen töten dürfte. Es ist damit auch kein absolutes Tötungsverbot in Bezug auf das menschliche Leben gemeint. Das kennt nämlich das Alte Testament nicht. Das Alte Testament kennt ja auch die Todesstrafe, und so weiter, und damit ist sicher auch die Notwehr inbegriffen. Wenn aus diesem alttestamentlichen Gebot eine Verneinung der Notwehr abgeleitet würde, wäre das nicht textgernäß...

... "Ihr sollt dem Bösen nicht widerstehen", und dem Zitat wegen der Ohrfeige (Bergpredigt). Ich glaube aber, dass Jesus dort gar keinen Angriff auf das Leben im Auge hat. Er hat die Feindesliebe im Auge. Das heißt, meine Liebe soll so stark sein, dass sie auch den Feind einschließt und durch das Gute zu überwinden und zu gewinnen versucht, statt durch Gewalt. Damit ist aber nicht so sehr der Feind gemeint, der mein Leben bedroht, als einfach der Feind, der mich beleidigt. Das geht ja aus der Stelle mit der Ohrfeige hervor: Es ist der Beleidiger, dem ich nicht mit der selben Waffe heimzahlen soll.Es geht um den Beleidiger. Den soll ich entwaffnen durch die stärkere Kraft meiner Liebesfähigkeit. Daß die Vertreter der Gewaltlosigkeit sich auf diese Stelle in der Bergpredigt berufen, halte ich zwar nicht für einen Irrtum, aber für eine viel zu weitgehende Folgerung aus dem, was Jesus dort meint: den persönlichen Feind, der mir Schaden zufügen will und der mich hasst. Deshalb ist diese Aufforderung nicht übertragbar auf das Problem der Notwehr...

...Liebe heißt im eigentlichen Sinne des Neuen Testaments, unter
Absehung von allen sentimentalen Mißverständnissen: Schutz und Bewahrung allen Lebens, soweit dies in meinem Verantwortungsbereich liegt. Man könnte als Christ vielleicht sagen: Ich will lieber leiden, will lieber den Angriff erdulden, als dass ich Gewalt ausübe, als dass ich den Gegner vernichte, Ich könnte die Bergpredigt so auffassen. Also: Ich dulde den Angriff und nehme halt unter Umständen das Martyrium oder den Tod auf mich und habe mir damit reine Hände bewahrt...

... Ich verteidige ja nicht nur mein eigenes Leben, sondern auch das Leben meiner Nächsten. Man kann noch weitergehen und sagen: Indem ich mich wehre gegenüber dem eindeutig bösartigen Angreifer, tue ich zweierlei: Erstens verteidige ich mein eigenes Leben deshalb, weil dieses Leben ja nicht nur mir gehört, so dass ich es wegwerfen könnte, wenn ich angegriffen werde. Zum Beispiel als Pfarrer gehöre ich ja nicht nur mir selber, ich gehöre auch der Gemeinde, die mir zur Seelsorge anvertraut ist. Als Arzt gehöre ich meinen Patienten, als Lehrer meinen Schülern; ich bin nicht nur Individualperson, sondern ich bin immer irgendwie Mensch in der Gemeinschaft, und indem ich mein eigenes Leben verteidige, bewahre ich auch ein Leben vor der Vernichtung, das einen Schutz und einen Wert für andere darstellt..."

Kommentar von chrisbyrd ,

Ganz interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Bedeutung der "glühenden (feurigen) Kohlen", die man auf das Haupt des Feindes streut, wenn man ihn mit Liebe behandelt und segnet.

In der MacArthur-Studienbibel steht dazu: "Das bezieht sich auf die antike ägyptische Sitte, dass jemand, der öffentlich Reue zeigen wollte, eine Pfanne glühender Kohlen auf seinem Kopf trug. Die Kohlen repräsentierten den brennenden Schmerz der Schande und Schuld. Wenn Gläubige ihren Feinden liebevoll helfen, sollte das diese Leute zur Beschämung über ihren Hass und ihre Feindschaft führen."

Wenn man also beleidigt wird und den anderen nicht beleidigt, sondern sogar liebevoll und freundlich behandelt, müsste er eigentlich von seiner Tat übeführt werden und sich schämen. Tut er das nicht und beide Verhaltensweisen werden immer weiter ausgeführt, sammelt er immer mehr Schande über sich an und müsste eigentlich irgendwann zur Scham und Buße (Gesinnungsänderung) finden. Falls nicht, hat man alles dafür getan, um ihm zu helfen und ihn zu ändern. Vor Gott und den Menschen hat man das Richtige gemacht und das ist mehr wert als Rache und Hass als Reaktion auf die wiederholten Beleidigungen.

Antwort
von nowka20, 13

feinde gehören zum schicksal eines menschen. sie hemmen die menschliche entwicklung, wo diese "ins kraut zu schießen" droht.

Antwort
von Dovahkiin11, 17

Indem man sich um ihn sorgt, ihm hilft und ihn wie ein Familienmitglied behandelt. Es ist nicht das heutige Verliebtsein gemeint, sondern eine zwischenmenschliche Beziehung.

Antwort
von Aleqasina, 24

Es heißt nicht, sich einfach alles gefallen zu lassen.

Es bedeutet, aus dem Freund/Feind-Denken auszubrechen und den Hass zu überwinden.

Dann ist es leichter möglich, den Widersacher mit einer unerwarteten gewaltlosen Reaktion zu verblüffen und aus dem Hasskonzept zu bringen. Man selbst wird unabhängiger im Denken, besonders aber unabhängig von Demagogen, Hasspredigern und Gossenpolemik.

Antwort
von JTKirk2000, 19

http://www.bibleserver.com/text/EU/1.Korinther13,4-7

Unter diesem Link kannst Du nachlesen, was mit der Liebe in biblischer Hinsicht gemeint ist. Die Wortwahl mag in mancher Hinsicht etwas geschwollen erscheinen, aber alternativ kann man auch die Evangelien durchlesen, wo es dann entsprechend umfangreicher beschrieben wird.

Antwort
von Muhammed50s, 6

wenn jemand dich nicht mag, sollst du ihn trotzdem mögen oder nicht hassen.

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