Frage von Lolliste09, 43

Was passiert wenn sich die Vorhöfe gleichzeitig mit den Hauptkammern kontrahieren?

Der AV-Knoten leitet das Signal von den Sinusknoten langsamer weiter damit sich die Hauptkammern zuerst mit Blut füllen können und dann sich kontrahiern usw... Jetzt hab ich mich gefragt was wol passieren würde wenn sich Vorhöfe und Hauptkammern gleichzeitig kontrahiern. Irgendeine Idee?!

Antwort
von garfield262, 22

Moin,

da die Herzkammern (Ventrikel) in ihrer Systole einen wesentlich höheren Druck als die Vorhöfe (Atrien) in ihrer Systole aufbauen, würde sich ein venöser Puls als Zeichen der Vorhofkontraktion zeigen.

In der Tat ist ein, wenn auch schwacher, venöser Puls messbar; dieser findet sich jedoch aufgrund verschiedener physiologischer und anatomischer Gegebenheiten der Venen wie den Venenklappen ausschließlich in den zentralen (herznahen) Venen wie den Hohlvenen. In der Intensivmedizin wird u.a. der zentrale Venendruck (ZVD) als diagnostisches Mittel graphisch dargestellt. Die verschiedenen Schwankungen des zentralen Venendrucks entsprechen u.a. der genannten Vorhofkontraktion.

Zwischen den Atrien und den ihnen nachgeschalteten Kammern befinden sich die sogenannten Segelklappen. Diese werden, wie auch die Taschenklappen, passiv durch Druckdifferenz-bedingte Blutströme geöffnet und geschlossen. Da, wie bereits erwähnt, der systolische Druck der Atrien weit unter dem systolischen Druck der Ventrikel liegt, sind die Segelklappen zum Zeitpunkt der synchronen Kontraktion verschlossen. Dadurch pumpen die Atrien einen Teil des in ihnen enthaltenen Blutes in die ihnen vorgeschalteten Venen zurück. Folge daraus wäre eine größere Amplitude der sogenannten a-Welle in der ZVD-Kurve.

Theoretisch wäre diese Situation (m.E.n.) unter anderem im Falle einer AV-(Knoten-)Reentry-Tachykardie denkbar, da in diesem Fall eine kreisende Erregung zur fast simultanen Erregung von Vorhof- und Kammermyokard führen könnte. Ob diese Hypothese in die klinische Situation übertragbar ist weiß ich nicht; ich selbst habe eine derartige Situation bisher nicht erlebt. Das wäre auch ein eher großer Zufall, da man in genau dem Moment, in dem diese (anfallsartig auftretende und teilweise nach Sekunden wieder spontan endende) Rhythmusstörung auftritt, bei diesem Patienten sein müsste und zudem auch eine Überwachung seines zentralvenösen Drucks gegeben sein müsste.

Ich fürchte, dass ich dieses Thema etwas zu kompliziert und unverständlich angerissen habe. Konnte ich deine Frage dennoch soweit verständlich beantworten oder hast du noch Fragen dazu?

Lieben Gruß ;)

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