Frage von PurpurSound, 63

Was ist Unfreundlichkeit?

Es gab schon einige Fragen hier zur Unfreundlichkeit. Da wurden alle möglichen Personenkreise angesprochen, Beamte (z.b. Lehrer, Polizisten), Sachbearbeiter (v.a. ARGE), pauschal "alte Leute" oder auch so manche Antworter hier (habe mich da durchaus selbst auch angesprochen gefühlt :-) ...). Ich begann darüber nachzudenken ob 1. mit "unfreundlich" hier immer dasselbe bezeichnet wird und 2. ob dieses "Unfreundlichkeits"-Empfinden eher im Aussen entsteht (also objektiv gegeben ist) oder subjektiv in einem selbst. An diesen Gedanken wollte ich alle beteiligen die sich für solch "sinnloses" Zeugs interessieren :-)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Janiela, 24

Zunächst mal ist Objektivität immer eine Illusion. Objektivität gibt es oder es gibt sie nicht, aber wenn es sie gibt, können wir sie mit unseren subjektiven Selbsten nicht erfassen. Sogar ein Messgerät ist nicht objektiv, denn es ist von uns Menschen für die Benutzung durch unsere menschlichen Körper entwickelt worden. Wenn du eine Zahl von einem Zollstock abliest, ist das immer noch deine persönliche Konstruktion der Welt "da draußen" und wir werden aus der Nummer auch nicht raus kommen.

Was uns eint ist Intersubjektivität, also eine Subjektivität, die von mehreren Individuen (scheinbar) geteilt wird, jedenfalls in einigen wenigen Punkten. Wenn Annette und Klaus zusammen ausgehen, wird alleine durch die unterschiedlichen Positionen und Ausgestaltungen von Augen und Ohren jede/r der beiden den Abend ganz anders erleben, aber sie sind sich trotzdem in einigen Punkten einig (zum Beispiel darin, dass sie im Kino waren, wo ein Film über den jungen Henri und dessen Abenteuer gezeigt wurde).

Intersubjektivität basiert dabei nicht darauf, dass unsere Wahrnehmungen von irgendetwas übereinstimmen würden, denn das tun sie sowieso nicht, sondern dass unsere Wahrnehmungen ähnlich sind. Ähnlichkeit ist wieder ein Ergebnis einer persönlichen, subjektiven Bewertung. Ich empfinde meine Welt in meinem Kopf und konstruiere meine Situationen danach. Wenn du mir sagst, dass jemand unfreundlich zu dir war, versuche ich, das so zu rekonstruieren, wie ich glaube, dass ich konstruieren würde, wenn ich so wäre, wie ich glaube, dass du es bist. Und dann bewerte ich deinen Ärger danach, ob mir das irgendwie aus meinen eigenen Konstruktionen bekannt vorkommt. Meistens ja. Also werde ich glauben, dass wir eine ähnliche Vorstellung von Unfreundlichkeit haben. Und diese Überzeugung ist bereits so alltagstauglich, dass es keine echte Objektivität braucht, damit Menschen sich verstehen.

Damit wären deine zwei Gedankengänge zur Homogenität und Objektivität vorerst beantwortet und wir können zur Unfreundlichkeit selbst und der Titelfrage kommen. 

Un-Freund-lichkeit besteht darin, dass man sich jemandem gegenüber nicht wie ein Freund und nicht wie einem Freund gegenüber verhält. Wie jemand das auslegt, ist natürlich verschieden. Wie andere bereits geschrieben haben, empfinden zum Beispiel manche Menschen Ehrlichkeit als unfreundlich, jedenfalls wenn sie "in unangemessenen Situationen" gezeigt wird. Andere würden es vielleicht im Gegenteil unfreundlich finden, die ehrliche Meinung vorenthalten zu bekommen und insofern bevormundet zu werden, als sie selbst nicht mehr entscheiden können ("dürfen"), wie sie auf eine ehrliche Äußerung reagieren würden. Die Reaktion wurde ja vom Gegenüber bereits vorweggenommen und als Grundlage für die Entscheidung genutzt, eine Information (z.B. "ich fand dein Referat langweilig") zu verschweigen.

Konsens bei sehr vielen Menschen gibt es nur in "einfachen Situationen" und nur in Bezug auf konkretes Verhalten. Jemand rempelt im Vorbeigehen einen anderen an und entschuldigt sich nicht und schaut auch nicht hin. Jemand nimmt bei der Arbeit einen Anruf entgegen und fragt mit genervtem Tonfall "Hätten Sie nicht wannanders anrufen können?". Jemand unterbricht mehrfach seine/n Gesprächspartner/in, obwohl er/sie sensibel darauf reagiert, selbst unterbrochen zu werden. Solche Situationen schätzen wir schnell als unfreundliches Verhalten ein.

Dabei beurteilen wir aber nicht unbedingt die ganze Person als unfreundlich. Wenn wir das unfreundliche Verhalten bei einer Freundin oder einem Freund beobachten, schreiben wir es der Situation zu, denn die Persönlichkeit kennen wir ja. Beobachten wir das Verhalten aber bei einer fremden Person, bleibt der Raum für Spekulationen über die Persönlichkeit offen. Das unfreundliche Verhalten wird also entweder der Situation zugeschrieben oder der Persönlichkeit, je nachdem wie wir die Situation wahrnehmen (die Situation als Ganzes oder den Protagonisten als zentrale Figur vor dem Hintergrund der Situation).

Unfreundlichkeit als Persönlichkeitseigenschaft kann man nicht beobachten, denn wenn es sie gibt, zeigt sie sich immer nur in konkreten Verhaltensweisen. Wir nehmen an, dass jemand, der sich in vielen verschiedenen Situationen unfreundlich verhält, generell unfreundlich ist. Unterschiedliche Verhaltensweisen indizieren die Eigenschaft und das tun sie unterschiedlich gut und für unterschiedliche Gruppen von Personen.

Was bedeutet das in Bezug auf die gestellte Frage? In erster Linie, dass es keine Definition von Unfreundlichkeit geben kann, mit der alle einverstanden sind, außer sie ist so allgemein gehalten, dass genug Spielraum für subjektive Interpretationen bleibt. Außerdem aber, dass es gar nicht so wichtig ist, was Unfreundlichkeit jetzt genau ist. Wichtiger ist, dass man -wenn man mit dem Begriff arbeitet- weiß, dass der Begriff vage ist und von anderen Menschen anders aufgefasst werden kann.

Wenn du Fragen danach liest, warum Menschen sich unfreundlich verhalten, kannst du in Frage stellen, ob sie sich auch deiner Meinung nach unfreundlich verhalten. Wenn du Fragen danach liest, warum Menschen unfreundlich sind, kannst du in Frage stellen, ob sie wirklich generell unfreundlich sind oder sich lediglich in einer bestimmten Situation unfreundlich verhalten haben.

Um zu vermeiden, dass man sich bei Unfreundlichkeit angesprochen fühlt, kann man außerdem darauf achten, dass man mit anderen Menschen umgeht, wie man auch mit Freunden umgehen würde. Bei gutefrage.net heißt das konkret: Seine Mitmenschen ernst nehmen, seine Mitmenschen aufrichtig beratschlagen und sie spüren lassen, dass man da ist und sich kümmert. Denn wer "Freunde" (in diesem Fall "freundliche" Ratgeber) hat, die Antworten wie "Stell dich nicht an wie ein Kleinkind" geben, braucht keine Feinde mehr.

Kommentar von PurpurSound ,

Erstmal herzlichen dank für die -allerdings recht weitschweifigen- ausführungen!

Das einzige was mir etwas aufgestossen ist, ist ein kardinalfehler in deiner definition: "Unehrlichkeit ist nicht...". Damit kann man sich immer elegant -wenn auch etwas unredlich- aus der affäre ziehen...

Aber sonst sehr interessante und sicher auch korrekte ausführungen :-) lg max

Antwort
von Zanora, 37

Es empfinden viele Leute unfreundlichkeit anders.
Die einen finden Leute unfreundlich wenn sie ehrlich sind und ihre eigene Meinung äußern, was meiner Meinung nach völlig korrekt ist. Man kann ja über Meinungsverschiedenheiten normal reden.
Ich finde unfreundlichkeit fängt beim Ton an. Der Ton macht die Musik ;-)

Antwort
von Atrotschofan, 36

Ich gehe dabei immer von Menschen aus welche rücksichtslos, nicht zuvorkommend sind und sich schlecht ihren Mitmenschen gegenüber verhalten.
Hoffe ich kann dir damit helfen
LG
Atrotschofan

Antwort
von TheAllisons, 35

Unfreundlichkeit kann viel sein. Das hängt auch von persönlichen Empfinden ab. Das sieht jeder Mensch etwas anders.

Auch wenn jemand schlechte Laune hat, aus welchem Grund auch immer, kann das auf manche als unfreundlich wirken.

Antwort
von Wuestenamazone, 20

Wenn du höflich etwas fragst und eine unhöfliche Antwort erhälst. Oder unfreundlich

Antwort
von voayager, 22

Wenn dir ein unfreundlicher Mensch begwegnet, dann spürst und weisst du doch das sehr rasch, oder etwa nicht?

Kommentar von PurpurSound ,

Das wird sicher niemand anzweifeln, war auch nicht zur diskussion gestellt...

Kommentar von voayager ,

und was soll dann die Frage? Eine Binsenweisheit mit einer weiteren ergänzt werden? Das ergibt indes sehr wenig Sinn.

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