gutefrage.net, die Ratgeber Community
Login   |  Registrieren   |  Forum |  Richtlinien & FAQ


Warum gibt es keine Nieder-, Unterpfalz?

gefragt von wgabauerwgabauer am 24.06.2009 um 11:27 Uhr

Entweder ich hab bei Erdkunde nicht aufgepasst oder ich habs wieder vergessen! Warum gibt es zwar ein Ober- und Niederbayern, ein Oberfran(g)ken und Unterfrang(k)en, ein Sachsen und ein Niedersachsen, aber keine Niederpfalz oder Unterpfalz obwohl es eine Oberpfalz gibt. Auch dass es kein Ober-Baden und Unterbaden und kein Württemberg in ähnlicher Form gibt macht mich etwas ratlos.


Weitere Fragen zu verwandten Themen finden Sie hier:

Geschichte (3780)
Deutschland (3641)
Erdkunde (729)
ähnliche Fragen
Frage beantworten


RBMannheim
beantwortet von RBMannheim am 24. Juni 2009 11:31
3x
Die Antwort ist hilfreich? Dann klick mich!

Das Leben wird dir noch viel mehr zusetzen, wenn Du erst mal merkst, dass auch kein Schloß Altschwanstein, kein Altfundland, kein Old York gibt! Es gibt die Regionen Norrhein und Mittelrhein, aber nicht Ostrhein oder Westrhein! Und nach Mecklenburg Nachpommern wirst Du auch vergeblich suchen!
Ungerechte Welt!

Kommentar von 6041850e6e0ed1c6b35ebe088b9babe4smallwgabauer am 24. Juni 2009 12:05

:-))) Dafür ein DH


anonym
beantwortet von Albrecht am 24. Juni 2009 21:40
3x
Die Antwort ist hilfreich? Dann klick mich!

Geographische und politische Namen sind oft nicht durch eine zentrale Planung und Entscheidung nach logischen Kriterien entstanden, die alles nach einem gleichen Muster bezeichneten (hier im Beispiel eine Unterteilung nach Ober- und Unter- bzw. Nieder- für alle Regionen in Deutschland. Die Namen haben sich in vielen Fällen historisch entwickelt.

Für eine einzelne Region ist prüfen, ob Bezeichnungen mit Unterteilungen bestimmter Art geographisch sinnvoll sind und wie die geschichtliche Entwicklung (wichtig für politische und verwaltungstechnische Einteilung) verlaufen ist. Oft besteht ein Zusammenhang mit Teilungen in einzelne Staaten. Dies kann mit einer Aufteilung an verschiedene Zweige einer Familie verbunden gewesen sein.

Sachsen war ein altes Stammesherzogtum. 1180 wurde Herzog Heinrich der Löwe aus der Familie der Welfen abgesetzt und das Herzogtum geteilt. Dadurch entstand ein Bedürfnis nach Unterscheidung. Der alte, westlich gelegene Teil zerfiel in mehrere Einzelgebiete. In der frühen Neuzeit gab es dort den Niedersächsischen Reichskreis. Weiter östlich von der Region Niedersachsen (lateinisch Saxonia Inferior) gab es in einem anderen, vorher von Slawen bevölkerten Siedlungsraum Obersachsen (lateinisch Saxonia Superior) mit dem Herzogtitel und später der Würde als Kurfürst (im Einzelnen kam es dabei auch zu Erbteilungen). Die einfache Variante Sachsen hat sich wohl durchgesetzt, weil es über lange Zeit keinen Teilstaat Niedersachsen zur Abgrenzung gab.

Franken war ebenfalls ein altes Stammesherzogtum, das im Mittelalter in Einzelstaaten zerfiel. Eine Zeit lang gab es dabei die Herzogtümer Westfranken (Francia Orientalis), auch Rheinfranken (Francia Rhenensis) genannt, und Ostfranken (Francia Orientalis). Auch der Name Mainfranken entstand (19. Jahrhundert). Im 19. Jahrhundert kamen die östlichen fränkischen Gebiete an Bayern. Die nördliche Region Bayern wurde dann in Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken eingeteilt.

Das alte Stammesherzogtum Bayern wurde 1255 unter verschiedene Zweige der Familie Wittelsbach aufgeteilt. Dadurch entstanden die Herzogtümer Oberbayern und Niederbayern.

Bei der Pfalz gab es zunächst das Amt des Pfalzgrafen bei Rhein, der ein Kurfürst wurde. Dazu gab es die Rheinische Pfalzgrafschaft bzw. die Pfalzgrafschaft bei Rhein als Gebiet und Staat (auch Kurpfalz genannt). 1329 kam es zu einer Erbaufteilung in der Familie Wittelsbach, die dieses als Reichslehen erhalten hatte. Ein pfälzischer Zweig der Wittelsbacher (oft mit den bayerischen Wittelsbachern verfeindet) erhielt den Nordgau (um Amberg) in Altbayern. Er wurde zunächst „das Land der Pfalz zu Bayern“ genannt. Die Pfalz bildete kein geschlossenes Territorium, sondern bestand aus zwei getrennten Gebieten. Weil das vorher zu Bayern gehörende Gebiet geographisch weiter oben (höher; nördlicher) lag, entstand die Bezeichnung „Obere Pfalz“ und daraus der Name „Oberpfalz“. Das andere Gebiet (an Rhein und Neckar um Heidelberg) wurde unter anderem als „Untere Pfalz“ bezeichnet. Daneben gab es aber auch die Namen „Kurpfalz“ und „Rheinpfalz“. Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz erlitt eine Niederlage im Dreißigjährigen Krieg und 1623 erhielt Herzog Maximilian I. von Bayern die Oberpfalz. Diese Bezeichnung ist geblieben, während für das andere Gebiet der Name „Unterpfalz“ nicht beibehalten wurde. Er war ja nur einer unter mehreren, nicht der hauptsächliche und eine Unterscheidung zu einem anderen Teil war nicht mehr nötig.

Der Staat Baden hat sich ausgedehnt. Württemberg war nur kurzfristig in Württemberg-Stuttgart und Württemberg-Urach geteilt (1442 – 1482). Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in der Region eine amerikanische und eine französische Besatzungszone und die Verwaltungseinheiten Südbaden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern (Südbaden verstand sich selbst als Baden). 1952 wurde ein Südweststaat gegründet (das Bundesland Baden-Württemberg). Es gab von 1952 – 1972 die Regierungsbezirke Nordwürttemberg, Südwürttemberg-Hohenzollern, Nordbaden, Südbaden (diese Einteilung gab es auch schon 1951 als Abstimmungszonen in einem Bundesgesetz).


anonym
beantwortet von newcomer am 24. Juni 2009 11:33
1x
Die Antwort ist hilfreich? Dann klick mich!

es gibt mehr Namensmöglichkeiten als Ortschaften. Gründe erst neue Ortschaften, dann kannst du sie so nennen

Kommentar von 6041850e6e0ed1c6b35ebe088b9babe4smallwgabauer am 24. Juni 2009 12:04

Sowas wie Neugablonz und Neu-Ulm?!

Kommentar von 2f4d9359ea2ee4d69a381404ff29a99csmallwaggerla am 25. Juni 2009 09:17

Genau, von denen gibts ja auch das "originale" Gablonz und Ulm.


Volker99
beantwortet von Volker99 am 24. Juni 2009 11:32
0x
Die Antwort ist hilfreich? Dann klick mich!

Also Ober und Niederbayern gibt es (letzteres um Passau nahe Österreich). Und häufig sind die annderen Begriffe verloren gegangen, oder es gab wie in Niedersachsen durch Auswanderung der Originalen Sachsen nur die eine Variätät. Genau wie bei der Pfalz, die Ober Pfalz ist ein zusätzliches pfälzer gebiet.

Kommentar von 2f4d9359ea2ee4d69a381404ff29a99csmallwaggerla am 25. Juni 2009 09:19

g Ich behaupte jetzt mal einfach, die Oberpfälzer sind besondere Pfälzer. Sie können pf sagen und haben noch jede Menge andere Laute, die es sonstwo nicht gibt. ;o)


abibremer
beantwortet von abibremer am 1. Juli 2009 18:49
0x
Die Antwort ist hilfreich? Dann klick mich!

mittel-und obersachsen fehlen auch!


Gabi40
beantwortet von Gabi40 am 28. August 2009 16:20
0x
Die Antwort ist hilfreich? Dann klick mich!

Warum heiß eine Flasche "die" und nicht "der oder das"? Diese Gegenfrage sollst Du als Spaß verstehen!

Die Namensgebung hat mit den früheren Besitzverhältnissen zu tun und so ergab es sich, daß die Kurpfälzischen Grafen Ländereien in Nordbayern erbten, die fortan mit "Oberpfalz" bezeichnet wurden. Unter nachstehendem Link kannst Du Details nachlesen!

http://de.wikipedia.org/wiki/Oberpfalz


Frage beantworten

Verwandte Fragen

Verwandte Fragen

Noch nicht die richtige Antwort? Dann hier in allen Fragen und Tipps suchen:




Die unter gutefrage.net angebotenen Dienste und Ratgeber Inhalte werden nicht geprüft. Die Richtigkeit der Inhalte wird nicht gewährleistet. Bitte lesen Sie hierzu auch unsere Rechtlichen Hinweise.