Frage von mjchael, 89

Warum folgt auf ein "zu" der Dativ?

Eine Frage für Deutsch-Spezialisten!

Wenn jemanden den Unterschied zwischen Akkusativ und Dativ wissen will, so kann ich diesem erklären, dass auf die Frage "Wohin" der Akkusativ folgt, und auf die Frage "Wo" der Dativ. z.B. Ich bin jetzt hier und gehen in den Wald. Wohin? In den Wald.

Was machst du da? Ich sammle in dem Wald Pilze. Wo? In dem Wald.

Nun meine Frage: Warum folgt aber auf die Frage "Wohin gehst du? " bei der Präposition "zu" der Dativ? Zum Kino / Zum Einkaufen / Zum Schwimmbad... Hingegen bei (so weit ich weiß) allen anderen Präpositionen der Akkusativ.

Eine gescheite Antwort würde mir bei meiner ehrenamtlichen Tätigkeit, anderen Deutsch zu vermitteln, sehr weiterhelfen.

Gruß Mjchael

Expertenantwort
von Volens, Community-Experte für Grammatik, Sprache, deutsch, 28

Man kann nur bei manchen Präpositionen mit "wohin?" oder "wo?" bestimmen, ob ein Akkusativ oder Dativ folgt.
Das sind im Wesentlichen:
an, auf, in
über, unter
vor, hinter
neben, zwischen
in einer lernfreundlichen Anordnung. 

Hilfsweise geht es auch mit den Fragewörtern
z.B."an wem?" statt "wo? (an der Wand)
oder "an wen oder was?" statt "wohin?" (an die Wand).
Ich lehne an der Wand bzw. Ich schiebe den Schrank an die Wand.

Es gibt dann aber auch Präpositionen, die immer vor demselben Fall stehen. Da nützt keine Aufregung; Sprachen entwickeln sich eben. 

Nur vor dem Dativ: mit, nach, bei, seit, von, zu, aus

Nur vor dem Akkusativ: durch, für, ohne, um, gegen, wider.

Wenn man die erst einmal beherrscht, erlebt man kaum noch Überraschungen.


Kommentar von Volens ,

Ich habe die Präpositionen vor dem Genitiv einmal weggelassen, weil sie viel seltener sind und noch eine Menge mit den ursprünglichen Worten zu tun haben. 

Z.B. ist diesseits des Flusses eine Form, die entstanden ist aus:
diese Seite des Flusses (also ein Genitivattribut).

Die Entwicklungen für Dativ und Akkusativ sind auf einer ähnlichen Ebene gelaufen. Der Dativ (lat. dare = geben) drückte eine gewisse Gemeinsamkeit zwischen Objekten aus; der Akkusativ (accusare = anklagen) beschrieb ein Zielen auf Objekte.

Das hat sich durch jahrhundertelange Nutzung abgeschliffen, sodass man heute Mühe hätte, es zu rekonstruieren. Aber so ist der Gebrauch der Präpositionen (Verhältniswörter) eben zu erklären.

Antwort
von gfntom, 39

Du beantwortest dir die Frage prinzipiell schon selbst:

zu verlangt den Dativ, auch wenn das der anderen Regel (wo/wohin) entgegen steht.

Ich fürchte, eine "gscheitere" Antwort gibt es nicht.
(Du fragst darüberhinaus nicht: ich gehen zu wohin?, sondern ich gehe zu wem?
Die Antwort auf die Frage: Wohin gehst du? wäre ja zudem Ich gehe ins (=in das) Kino.)

Kommentar von mjchael ,

Tja, dass es keine "gescheite" Antwort zu geben scheint, habe ich auch schon gemerkt, denn in keinem Grammatik-Buch das ich habe wird es wirklich gut beschrieben. Aber es hätte ja durchaus sein können, dass einer, der Germanistik oder so gelernt hat, da bessere Antworten hat.

Übrigens funktioniert die Frage "zu wem gehe ich" nicht, wenn die Antwort eine Ortsangabe ist.

Kommentar von hydrahydra ,

Naja, Grammatik ist halt so, wie sie ist. Da gibt es auf die Frage nach dem "Warum" keine wirklich sinnhafte Antwort.

Kommentar von Deponentiavogel ,

Doch, natürlich. Wenn man wirkliche Wissenschaft betreibt, kommt ja zu Ergebnissen.

Nur tut das das Gros der Linguistik nicht.

Kommentar von gfntom ,

Nun ja. Natürlich ist die gesamte deutsche Grammatik geregelt. Das Problem ist: neben einem relativ klaren "Grundregelwerk" gibt es eine Menge Ausnahmen, die natürlich auch zum Regelwerk gehören, das Ganze aber unübersichtlich machen und zum Teil willkürlich erscheinen lassen.

Für die meisten Dinge mag man Gründe und mehr oder weniger schlüssige Erklärungen finden, andere wurden/werden aber einfach festgelegt. Auch, wenn dies mit einer gewissen Intention geschieht, ist dort oft die beste Erklärung dann: ist halt so!

Dass die deutsche Grammatik einer zwingenden inneren Logik folgt, ist eben kein Faktum.

Andererseits: natürlich besteht ein konsistentes Regelwerk wohl in viel mehr Fällen, als man das im Normalfall vermuten würde.

Kommentar von Deponentiavogel ,

Wenn es diese zwingende innere Logik nicht gibt, wie erklärst du dir dann die Sprache und, wie wir sie verwenden? 

Es ist kein Auswendiglernen, sondern ein perfekt arbeitendes System in unserem Kopf, mit dem wir einen beliebigen Satz verstehen können, auch wenn wir ihn nie zuvor gehört haben.

Und wenn es keine innere Logik gibt, der alles folgt, wie erklärst du dir dann diese abnorme Einigkeit, die wir in der Sprache haben?

Es gibt für manche Wörter verschiedene Genera (Cola), für manche grammatischen Ausdrucksweisen unterschiedliche Konstruktionen (bin am Arbeiten, dem Genitiv sein Tod) und abweichende Kasus (ohne). Und noch einige Kleinigkeiten.

Das ist eine gewaltige Leistung für eine Sprechergemeinschaft, die sich nicht mal auf ein Land einigen kann und sich in 17 Kantone und 25 Bundesländer zersplittert hat.

Kommentar von gfntom ,

Es gibt ein Regelwerk, dass vor allem Muttersprachler unbewußt beherrschen (das Unbewußte macht es auch oft schwer, das "Warum" zu erklären).
Aber dieses Regelwerk ist nicht (in allen Belangen) zwingend logisch aufgebaut - es ist doch bekannt, dass insbesondere die deutsche Sprache sehr viele Ausnahmen kennt.
(Beispiel: bei Verben mit Vorsilbe wird die Vorsilbe bei gewissen Konstruktionen ans Ende des Satzes gestellt. etwa: einkaufen - Ich kaufe etwas ein. Nicht so bei umarmen: Ich arme dich um ist nicht korrekt. Wir "wissen" das einfach, entspricht aber nicht den eigentlichen Regeln!)

Also kurz: einer, der Deutsch beherrscht, kennt (zumindest unbewußt) "alle" Regeln und deren Ausnahmen. Die Regeln selbst ergeben sich aber nicht immer zwingend, sondern manchmal "sind sie einfach so". Das aber ist kein Zeichen dafür, dass die Regeln selbst "logisch" sind, wären sie das, so brauchte man die Ausnahmen nicht zu lernen oder zu "wissen", weil es sie nicht gäbe!

Kommentar von Deponentiavogel ,

Germanisten helfen da nicht, sie stiften nur Verwirrung mit Präpositional- und Dativobjekten. 

Wenn du ein bisschen Einblick in die Grammatik brauchst, weil du gute Dinge zu tun hast, dann empfehle ich dir www.belleslettres.eu 

Wenn du mal anstehst, könnte sich dort eine Hilfe finden.

Antwort
von DerKalif, 39

Wie du schon richtig bemerkt hast, gibt es Präpositionen, welche unterschiedliche Kasus regieren können - je nachdem ob eine Richtung oder ein Ort angegeben wird. Die einfachste Erklärung, warum auf zu kein Akkusativ folgen kann, ist, dass zu eben keine dieser sog. Wechselpräpositionen ist. Vielmehr gibt zu ja auch immer eine Richtung, nie einen Ort - es kann/muss also durch Kasus-Wechsel gar nichts unterschieden werden. (Beim Wörtchen bei ist es ähnlich, das gibt immer nur einen Ort an; demnach ist keine Unterscheidung nötig.)

Warum nun auf zu der Dativ folgt und nicht der Akkustiv, kann wohl - wenn überhaupt - nur noch historisch erklärt werden.

Eine Übersicht über Wechselpräpositionen (es gibt nur eine bestimmte, erlernbare Menge davon) findest du u.a. hier:

http://www.mein-deutschbuch.de/wechselpraepositionen.html

Antwort
von Deponentiavogel, 30

Das ist historisch gewachsen. Die Richtung bei zu hat sich wohl erst später entwickelt, anfangs war es eine stationäre Präposition, so wie in mit Dativ.

Das kann man noch am Adelsprädikat erkennen:

Der Graf zu Hohenzollern. Das ist kein Graf, der auf Hohenzollern stürmt, sondern der Graf in Hohenzollern.

Diese Erklärung kann man angeben, man muss es aber nicht. Die wenigen wirklich wichtigen Präpositionen muss man nunmal auswendig können, so ihr Sinn nicht erschließbar ist. Wenn man viel liest und viel hört, dann bekommt man dafür so oder so ein Gespür.

Antwort
von hydrahydra, 41

Hingegen bei (so weit ich weiß) allen anderen Präpositionen der Akkusativ.

in dem Wald / bei dem Wald / unter dem Tisch / auf dem Haus / neben dem Haus...

Das sind doch jede Menge Präpositionen mit Dativ.

Kommentar von mjchael ,

Bei diesen Präpositionen kann man mit der Frage "Wo" oder "Wohin" den Dativ oder Akkusativ bestimmen.
Ich bin in dem Wald - ich gehe in den Wald
Ich bin bei dem Kino
Ich lege das Buch auf den Tisch - Das Buch liegt auf dem Tisch


Nur bei "aus dem Haus" muss man ein wenig überlegen, da das "Wohin" eigentlich nicht erwähnt wird. "Aus dem Haus auf die Straße"
Dann ist klar: Wo ist man, und wohin rennt man.

Kommentar von hydrahydra ,

"aus dem Haus" ist als Antwort auf die Frage "Wo?" ja eher ungeeignet.

Kommentar von Rudolf36 ,

Nein, nicht: wo ist man,
sondern: von wo kommt man:
aus dem Haus!

Antwort
von DarkScammer321, 40

Also ich kenne das so, dass der Akkusativ auf das Fragewort Wen oder Was ? antwortet und der Dativ auf Wem und dann würde zu dem Wort zu nur der Dativ passen. 

Kommentar von mjchael ,

Danke für die Antwort. Dieses ist mir natürlich aus meiner Schule bekannt. Nur ist diese Antwort für einen Ausländer ein Problem, da er nicht weiß, wann er nach "Wem" und wann er nach "Wen" fragen muss.

Außerdem funktioniert dieses nicht (wie oben in meiner Frage) bei Ortsangaben. Oder soll der Ausländer jetzt "Wem gehe ich?" oder "Wen gehe ich?" fragen, um zu wissen ob es "in dem Wald" oder "in den Wald" heißt? ;)

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