Frage von ahoi1 05.02.2011

viele jüdische bürger tragen bzw. tragen sehr oft sehr typische namen, die man auch oft im abspann

  • Hilfreichste Antwort von PeVau 05.02.2011
    10 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Die Entstehungsgeschichte der jüdischen Namen ist sehr lehrreich. Die verschiedensten Sprachen, vor allem Deutsch, Hebräisch (Iwrith), Jiddisch, Polnisch, Russisch, Weißrussisch haben den Grundstamm vieler jüdischer Namen geprägt. Wieder andere Stämme zeugen von der Geschichte des Auszuges der Juden aus Ägypten und allem, was damit verbunden war. Die Familiennamen erzählen von Berufen und Beschäftigungen der Juden, zeigen die Geographie der jüdischen Migration, die Beziehungen mit den Bewohnern der Ortschaften und Länder, wo sie sich aufgehalten haben und mit der Umwelt.

    Die Juden, wie auch andere Völker des Nahen Osten, hatten keine Familiennamen, sie wurden nach dem Vatersnamen genannt und die Wörter „ben“ (der Sohn) oder „bat“ (die Tochter) hinzugefügt. Weil die Namen sich oft wiederholten, fügte man oft den Ortsnamen des Ortes hinzu, an dem der geehrte Vorfahr gelebt hat (von Jerusalem, von Babylon, von Rom usw.) Jeder Jude musste mindestens die Namen von sieben seiner direkten Vorfahren kennen.

    Manchmal fügte man einen Beinamen hinzu („joffe“- schön, „kluger“ – klug). Besonders viele Namen waren mit dem Beruf verbunden: Schneider, Schneidermann, Portnoj, Portnow, Heiet oder Schuster, Schwez, Sapoznik, Sapoznikow, Sandaler, Sandler. Auch die ausschließlich jüdischen Berufe waren dabei, wie „Melahmed“ – der Religionslehrer. Etwa bis 1800 bestanden die jüdischen Namen meistens aus zwei Teilen: z.B. Aaron Samuel= Aaron ben (Sohn von) Samuel. Nachnamen waren bei Juden Ausnahmen.

    Erst als die Familiennamen gesetzlich eingeführt wurden, bekamen die jüdischen Namen ihre gegenwärtige Bedeutung. Dabei waren es oft zwei Namen: ein jüdischer und ein ähnlicher, moderner (christlicher) Name, z.B. biblischer Name - Aaron und moderner Name - Artur.

    Die jüdischen Familiennamen kann man in mehrere Gruppen unterteilen. Wie auch bei anderen Völkern sind in den Namen der Juden oft Ortsangaben enthalten. Wenn der Mensch Schwab, Hess, Böhm, Bayer heißt, ist gleich klar, woher seine Vorfahren stammten. Viele jüdische Namen enthalten im Stamm die Städtenamen: Averbuch, Block, Epstein, Günzburg, Minz, Katzenellenbogen, Landau. Die Nachfahren benutzten den einen oder anderen Teil des Ortsnamen. Im Laufe der Zeit wurden volle geographische Namen zu Eigennamen. Jemand, der aus Österreich kam, erhielt den Namen „Oystrach“ (jiddisch: Österreich), wer aus Deutschland stammte, den Namen „Teiz“ (jiddisch: Deutschland - oder „Aschkenasim“; hebräisch: Deutschland). In den jüdischen Quellen des frühen Mittelalters heißt Deutschland „Allemagne“. Frühestens im 9. und 10. Jahrhundert wurde der biblische Name „Aschkenas“ verwendet. Ein Teil der Familiennamen deutetenauf den Ort, aus dem die Juden stammten. Ein Teil der Familien behielt die alten deutschen Namen, die bestätigten, dass die Vorfahren aus Deutschland gekommen waren, z.B. Bromberg, Ginzburg, Landau, Oettinger oder Livschitz.

    Die jüdischen Namen sind meist deutschen Ursprungs, unabhängig davon, in welchem Land die Juden lebten. Und das war nicht erst seit dem deutschen Nationalsozialismus so, d.h. bedingt durch Emigration oder Flucht. Der deutschsprachige Raum war einer der großen Siedlungsräume der Juden in Europa, vergleichbar nur mit südeuropäischen Ländern. Das Gebiet des ehemaligen Römischen Reiches war nach den Kriegen im Mittelalter und der frühen Renaissance der Ort, wo der offene und gewalttätige Judenhass verdrängt worden war und die Emanzipation der Juden fortschritt. Deswegen waren vor allem Deutschland und Österreich-Ungarn die Länder, wohin die aus Russland stammenden Juden nach den Pogromen 1880 flüchteten.

    In Österreich-Ungarn und in Frankreich war es den Juden verboten, den Namen von Adelsfamilien, die zum „Stamm der Nation“ gehörten, anzunehmen. Die Notwendigkeit, den Juden Familiennamen zuzuerkennen, wuchs in dem Maße, wie man sie in das Gesellschafts- und Wirtschaftsleben der europäischen Länder mit einbezog. Die Beamten beklagten sich ständig, dass die jüdischen Namen schwer auszusprechen seien. Josef der ΙΙ. verpflichtete die Juden Österreichs mit dem Gesetz von 1787, deutsche Namensformen anzunehmen. Die althebräischen Namen erklärte er für ungültig. Die eigens für die Namensvergabe eingesetzte Kommission verlieh nach eigenem Ermessen Namen, die für die Juden teilweise beleidigend waren. Das hing von der Stimmung der Kommissionsmitglieder, vom Wetter oder von der materiellen Lage der Juden ab. Es wurde eine Liste der „annehmbaren“ Namen erstellt. Zuerst nahm man als Grundlage einfache deutsche Wörter, die dem Jiddisch ähnlich waren. Die Bestandteile der Namen waren Wörter wie: Feld, Wald, Grass, Baum, Berg, Zweig, Blatt, Stein, Rot, Grün, Gelb, Blau, Rose, Himmel, Braun, Weiß, Kirschen, Zeder, Kümmel usw. So entstand die Mehrheit der jüdischen Namen, die einen deutschen Ursprung haben.

    Um einen anständigen Familiennamen zu bekommen, d.h. einen Namen, der sich von Blumennamen oder Edelsteinen ableitete (Lilienthal, Rosenthal, Edelstein, Diamant, Saphir), mussten die Juden viel Schmiergeld zahlen. Es gab besonders teure Namen wie Kluger, Fröhlich oder Gutmann. Viele Juden bekamen Familiennamen, die ihrem Beruf entsprachen: Kürschner, Schneider, Schuster, Tischler, Pelzmann. Arme Leute bekamen missklingende Namen, wie Eselskopf, Schmalz, Galgenstrick. Die übrige Mehrheit der Juden wurde von den Beamten in vier Kategorien aufgeteilt und die Namen wurden von den Wörtern: groß, klein, weiß und schwarz, gebildet.

    Die Juden haben später einige Buchstaben der Namen verändert, um die Namen jiddischer klingen zu lassen. Es wurden die alten Regeln der jüdischen Namensbildung genutzt. Dabei bildeten sich die uns bekannten jüdischen Familiennamen. Die am meisten verbreiteten jüdischen Namen sind: Katz, Katznelson, Schmuel, Schmulehnsohn, Abram, Abramson, Israelson, Davidson, Herrschenson. Viele Namen wurden mit der Endung „-mann“ gebildet: Goldmann, Silbermann, Kupfermann, Geldmann. Der Bezug zum Beruf wurde nicht vergessen. Und die Namen wurden über Generationen weitergegeben, unabhängig davon, ob die Menschen den Beruf noch weiter ausgeübt haben oder nicht (Kürschner, Papernik, Hefter, Träger).

    In Mittel- und Osteuropa machten sich die Beamten aus der Umbenennung der Juden oftmals einen Spaß. Gegen ihren Willen erhielten die Juden Namen wie Kuh, Kalb, Eselskopf, Snapser, Taschengreifer, Stinker u.ä. Den Betroffen blieb nur der erniedrigende Gang vor Gericht und die Zahlung von hohen Geldsummen, um den „exotischen“ Namen wieder loswerden.

    Seit dem Mittelalter passten sich die Vornamen der deutschen Juden den deutschen Namen an: Süßkind, Hans, Wolf, Hirsch, Bär, Hennendl, Frohmetl, Kreindl. Und hier kann man eine interessante Erscheinung beobachten: Im Laufe der Zeit gebrauchten die Deutschen immer seltener ihre alten Vornamen. Aber die jüdische Tradition, den Kindern die Namen der Großeltern zu geben, erhielt den Gebrauch dieser Namen. So ist es gekommen, dass der deutsche Vorname Hirsch zu einem rein jüdischen Vornamen wurde.

    Zu allen Zeiten benutzten die Juden Namen, die an ihrem jeweiligen Wohnort üblich waren. Ab dem 18. Jahrhundert benutzte sie oft den Namen ihrer Heimatorte: Oppenheimer, Wilnaer, Berliner, Goldberger, Grinberger. Die Geschichte der jüdischen Namen wäre unvollständig ohne eine kurze Erklärung der Herkunft von Bei- und Rufnamen. Lange Zeit existierten Beinamen parallel zu den Namen. Später wurden sie als feste Familiennamen übernommen. Beinamen und Rufnamen dienten oft zur Unterscheidung bei gleichen Namen. Sie setzten sich mit der Zeit durch und gingen dann vom Vater zu den Kindern über. Beinamen bezogen sich auf bestimmte äußerliche Merkmale der Person: Haarfarbe, Bart, Benehmen, physische Mängel, besondere Fähigkeiten, Beruf u.a.

    Im Laufe der Zeit wurden die jüdischen Namen normal, ohne dass ihre genaue Bedeutung noch verstanden wurde. Die Hauptfunktion des Namens war es, die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Familie auszuweisen. Es wurden auch mehr und mehr die gesellschaftlich üblichen Namen verwendet. So nahmen die in Deutschland lebenden Juden Namen an, die sich nicht von den deutschen Nachnamen unterschieden.

    http://www.juden-in-sachsen.de/start/index.php?option=com_content&task=view&...

  • Antwort von osmond 05.02.2011
    4 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Hi, reiche Juden durften schöne Namen wählen (Tiere, Edelsteine, Edelmetalle,Beruf, Herkunft), weniger reiche kriegten schlechte Namen: Latrin, Morchel, Hangermann, Pinkel u.ä. Gruß Osmond http://www.judentum.net/geschichte/konvertiten.htm

  • Antwort von hIph0pgirl 05.02.2011
    2 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    im mittelalter hat man angefangen den menschen zweite namen zugeben. da die juden schon damals verabscheut und benieden wurden gab man ihnen so peindliche namen wie z.b. dreyfuss grünspan usw.

  • Antwort von Strassenkater 05.02.2011
    1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

    Nun umsonst wurde ja Hollywood nicht Hollyjud genannt.Juden aus Deutschland haben diese deutschen Namen.Süss,Goldschmidt. Rosenholz etc....

  • Antwort von katrin83 05.02.2011
    1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich
  • Antwort von Zagdil 05.02.2011
    1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

    Diese Rosenbaum, Goldmann, Grünfeld usw. Namen haben sie sich afaik selbst gegeben. Anders als ja bei den Müllers und Schmidts gabs da ja auch keine festgelegten Berufe, die man hernehmen hätte können.

    Bloch und Co. sind Schmähnamen, die aus der NS-Zeit übrig sind. Bloch -> B-Loch -> A-Loch.

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