Frage von muellfisch, 111

Verdammt schlechte Laune auf der Arbeit - wie soll ich damit umgehen?

Hey ihr Lieben,

ich bin beruflich im Moment alles andere als begeistert, hatte letzte Woche ein Gehaltsgespräch das komplett in die Hose gegangen ist (habe hier auch einen Thread eröffnet), bin komplett unterbezahlt für die Arbeit die ich hier mache und jetzt absolut demotiviert.

Mich kotzt hier einfach alles an, meine Kollegen sind alle schlecht gelaunt, die Kunden sind genervt weil wir nicht rechtzeitig die Rechnungen bezahlen, die Chefetage ist arrogant und fühlt sich an der Gesamtsituation der Firma nicht schuldig und unter'm Strich bin ich einfach richtig mies gelaunt, genervt, gestresst. Am liebsten würde ich nach Hause gehen und alles aus dem Fenster schmeißen.

Ich habe mir hier in den letzten zwei Jahren so den Hintern aufgerissen, war engagiert, motiviert, gut drauf... und wie wird es einem gedankt? Indem man beim Meeting mit dem Chef zwei Mal versetzt, das Gehalt gedrückt und man angelogen wird. Das ist einfach so unterirdisch hier.

Sorry für die Ausdrücke, ich muss mir einfach ein wenig Luft machen.

Vielleicht habt ihr ja einen Rat. Ich sitze hier, mache zwar meine Arbeit aber könnte echt heulen weil mich alles so tierisch nervt.

Antwort
von apachy, 15

Nun laut deinem anderen Thread hattest du erst vor 2-3 Wochen ein Gespräch und die zusage für eine Gehaltserhöhung. Wenn du dann letzte Woche noch einmal hin bist um eine weitere Gehaltserhöhung zu bekommen, kann ich gut verstehen dass die in die Hose gegangen ist. Du wirst ja keine Argumente für die Gehaltserhöhung gehabt haben, die innerhalb von 1-2 Wochen nach dem letzten Gespräch dazu gekommen sind.

Abgesehen davon was nutzt dir mehr Geld? Dir scheint die Arbeit an sich dort nicht zu gefallen. Du hast dir in den letzten zwei Jahren den Hintern aufgerissen und nix dran ändern können. Was hast du also für Möglichkeiten?

Du kannst dir z.B. etwas Neues suchen. Ggf. gibt es mehr Gehalt, das wichtigste wäre aber wohl, dass du etwas zufriedener bist mit deiner Tätigkeit.

Alternative wäre natürlich eine Selbstständigkeit. Das bedeutet mehr Verantwortung aber wenn du wirklich bereit bist dir den Hintern aufzureißen und der Typ dafür bist, dann ist das Gehalt das was du daraus machst und ebenso das Arbeitsklima, dann ist niemand anders schuld außer dir, wenn dir etwas nicht passt.

Letzte Möglichkeit, vor allem im Hinblick auf das Gehalt, wäre natürlich dort zu bleiben wo du bist und Nebenbei noch was zu lernen. Das muss nicht zwangsweise eine IHK Weiterbildung sein, sondern könnte etwas sein, dass für einen ordentlichen Gehaltssprung sorgt, wie ein Studium. Sowas kann man auch berufsbegleitend machen z.B. bei der Fernuni Hagen.

Insgesamt haben wir in Deutschland davor wohl die meiste unbegründete Angst. In anderen Ländern wäre sowas relativ normal. Der Job passt nicht, sei es weil der Job wirklich schlecht ist, durch die von dir genannten Themen oder weil man einfach nicht der Typ dafür ist, dann sucht man sich was anderes, wenn man finanziell nicht so stark abhängig von dem Job ist. Uns wurde Jahre lang eingeredet, dass wir froh sein können, wenn wir überhaupt einen Job finden, hohe Arbeitslosenzahlen hier und da usw.

Diese Existenzangst und das obwohl wir durch Hartz4 und co. doch relativ gut abgedeckt sind, WENN es hart auf hart kommen sollte. Sicher lebt man mit H4 nicht wie ein Rockstar aber seien wir mal ehrlich, wer hier arbeitslos endet, der hat trotzdem ein warmes Nest bzw. ein Dach übern Kopf, der hat ausreichend zu essen, ärztliche Versorgung usw. Das läuft in anderen Ländern ganz anders ab. Wir haben hier so viele Möglichkeiten und ein entsprechendes Polster, wenn wir was riskieren, sind aber in der Mittelschicht gefangen, wo wir Angst haben abzusteigen, es aber nicht schaffen aufzusteigen.

Dein Chef, dein Arbeitgeber bzw. Betrieb, die Finanzen dort etc pp. Das alles hast du nicht in der Hand. Du hast in der Hand bei welchen Arbeitgeber, der dich nehmen würde, du arbeiten willst und tust oder ob du überhaupt unter jemand anderen arbeitest bzw. in welchen Job du arbeitest. Also verschwende deine Gedanken und deine Kraft nicht an Sachen die du nicht ändern kannst und sei frustriert darüber, mach dich an die Dinge die du ändern kannst und entscheiden kannst.

Ich bin auch nicht zwangsweise glücklich mit meinen Job. Ich verdien zwar etwas besser aber glücklich macht das auch nicht. Es fehlt die Überzeugung für das was die Firma macht, ich kann bzw. darf das Produkt und den Service am Kunden nicht in so weit verbessern wie ich es wollen würde und die Arbeitszeiten laufen wegen schlechter Planung der Chefetage oft total aus den Ruder, sprich i.d.R. arbeitet man pro Jahr eher 14-15 Monate und es gibt vor allem in heißen Phasen öfter mal 15-20 Stunden Tage, teilweise sogar Schichten die an 30-40 Stunden am Stück gehen.

Meine Konsequenz daraus war, dass ich mich privat weitergebildet habe und mir aktuell ein zweites Standbein aufbaue und über kurz oder lang in die Selbstständigkeit wechsel. Ich hab probiert was zu ändern, habe gesehen, dass es von den Entscheidungsträgern nicht gewollt ist, also änder ich etwas an meinem Leben, in dem ich der Chef bin und die Entscheidungen, damit aber auch Verantwortung, trage.

Antwort
von offeltoffel, 67

Also schlechte Laune zu haben ist das eine. Aber bei dir ist es ja etwas völlig Anderes! Wenn ein zufriedener Mitarbeiter mal schlechte Laune hat, würde ich raten: lass es zu und nimm diese Laune bewusst an dir wahr - wir sind alles Menschen und man sollte auch das Recht haben einen Tag richtig mies drauf zu sein.

ABER, bei dir ist das ja wirklich begründet. Jede Studie zum Thema Mitarbeitermotivation zeigt genau auf die Schlüsselpunkte, die du angesprochen hast und mit denen du unzufrieden bist: Bezahlung, Führungsstil, Wertschätzung. Wenn eine dieser drei "Hygienefaktoren" verletzt ist, sinkt dir Motivation. Bei dir ist alles drei vollkommen aus der Bahn und dann wirst du auch nicht mit ein paar "Gutelaune"-Tipps wieder auf den Dampfer kommen.

Erste Priorität sollte daher die Suche nach einer neuen Stelle haben. Und dann würde ich meine eigenen Ansprüche an die Qualität meiner Arbeit herunterfahren. Du tust das, wofür du bezahlt wirst und das wars.

Antwort
von DerSchnitter80, 24

Hallo Muellfisch, ich kann dich verstehen. Ich war vor einigen Jahren in der gleichen Situation. Man hat sich den A.... für den Betrieb aufgerissen, aber gedankt hat es einem keiner. Ich war damals auch häufig schlecht gelaunt, und leider konnte ich die schlechte Laune nicht immer auf Arbeit lassen. Ich habe dann irgendwann die Reißleine gezogen und mir eine andere Anstellung gesucht. Solange du noch angestellt bist, kannst du ja suchen, ohne Druck vom Arbeitsamt zu haben. Auf keinen Fall würde ich kündigen. Das bringt höchstens Sanktionen mit sich. Mach weiter deine Arbeit, für die du angestellt bist und bezahlt wirst. Lass das nicht schleifen; gib deinem Chef keinen Grund, dich vor die Tür zu setzen. Nutze die Zeit und such dir was Neues. Ich dachte auch manchmal, das wird wieder besser. Dem war aber nicht so, und irgendwann macht es dich sonst kaputt. Ich hatte damals Glück und von einer Bekannten erfahren, dass bei deren Arbeitgeber eine Stelle frei war. In der Firma bin ich heute noch; und zufrieden.

Antwort
von GlobalGesehen, 38

In Deutschland gibt es ja keine Zwangsarbeit. Wenn dir dein Job nicht passt, dir die Kollegen stinken, der Chef zu geizig erscheint - dann darfst du doch jederzeit gehen, oder? Da ist dann natürlich etwas Eigeninitiative gefragt. Du machst das schon!

Antwort
von Berlinfee15, 57

http://www.focus.de/finanzen/karriere/stolpersteine-in-der-karriere-achtung-wenn...

Motto> Nicht aufgeben....Chancen klopfen selten an, man muss/darf sie auch suchen...:)

Vielleicht nicht die Motivation, die Du jetzt und heute benötigt, aber betrachte die Info als "Trostpflaster", was zum Nachdenken anregen könnte!

Kopf hoch!

Antwort
von kiara36, 47

Du "klopfst" bei der Chefetage an und möchtest eine Gehaltserhöhung? Ich denke, das war ein unsagbar schlechter Zeitpunkt?

"...weil wir nicht rechtzeitig die Rechnungen bezahlen, die Chefetage ist arrogant und fühlt sich an der Gesamtsituation der Firma nicht schuldig .."

Vielleicht nimmst Du erst mal Urlaub und bekommst wieder einen freien, entspannten Kopf und gehst somit mit frischem Elan wieder zur Arbeit? Du schreibst von "...im Moment...." vielleicht ist es eine vorübergehende Laune.

Kommentar von muellfisch ,

Dass die Rechnungen nicht bezahlt werden liegt hauptsächlich daran, dass es den Chef nicht interessiert. Außerdem ist die schlechte finanzielle Lage meines Erachtens nach kein Grund einem Mitarbeiter, der Arbeit für drei macht und seit zwei Jahren zu wenig verdient nicht eine angemessene Bezahlung zu gewährleisten. Urlaub wurde beantragt, Urlaubsantrag natürlich ignoriert. Habe heute nachgehakt.

Kommentar von kiara36 ,

Solche Ignoranz seitens des Chef ist der Untergang jeder Firma.

Auf Jeden Fall würde ich auf Deinen Urlaub bestehen und in Zukunft zweigleisig fahren, sprich dir eine neue Tätigkeit suchen. Jedoch weiterhin dort arbeiten bis Du was Neues hast.
Wenn Dein Chef so weiter macht, würde mich eine Insolvenz in naher Zukunft nicht wundern und Deine Arbeit wäre so oder so gefährdet.

Kommentar von muellfisch ,

Derselbe Gedanke kommt mir auch andauernd, wenn Kreditorenrechnungen nicht bezahlt werden. Ich habe Einsicht in unsere Geschäftskonten und naja, wie soll ich sagen - da ist einem auch rot vor Augen.

Ich werde deinen Vorschlag berücksichtigen, lieben Dank dafür!

Kommentar von kiara36 ,

Sei mir nicht böse, aber dann hätte ich nicht nach einer Gehaltserhöhung gefragt, wenn Du von der prekären Lage der Firma bescheid weißt.
Aber ein Grund mehr loslassen zu können und was anderes zu suchen. Ich drücke Dir alle Daumen.

Antwort
von DrCook, 55

Wenn du etwas besseres in Aussicht hast: kündigen!

Wenn nicht: was besseres suchen, es scheint ja alles besser zu sein als da, wo du jetzt bist!

Was auch noch geht: Das ganze aussitzen und resigniert weitermachen - das Leben ist leider kein Ponyhof!

Viel Glück!

Antwort
von KeinName2606, 42

Ganz ehrlich, bei der Situation würde ich kündigen und woanders hingehen. Aber mach das erst, wenn du nen anderen Job sicher hast.

Kommentar von KeinName2606 ,

Und jetzt wo ich mir deine Fragen zu deiner Freundin durchgelesen habe - am besten sofort trennen!

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