Frage von keslon, 166

Unterschied zwischen materiell und material?

Hallo Zusammen, ich komme aus Süd Korea und schreibe gerade eine Hausarbeit um Wittgenstein und Goethe. Im sekudären Text, den ich gerade lese taucht dieses Adjektiv "material" auf und ich weiß schon, was man daunter verstehen soll. Nun entsteht dann aber die Frage, wie sich "material" von "materiell" unterscheidet. Ich kenne das Wort materiell schon und dass sich materiell auch auf den metaphysischen Begriff "Materie" bezieht. Meinem Verständnis nach impliziert die Materie sowas wie, etwas, dem noch keine Form zugewiesen wurde oder das die Möglichkeit in sich besitzt, geformt zu werden. Aber so kann ich nun das Materiale und das Materielle nicht voneinander unterscheiden und differenziert bestrachten. Könnte mir jemand vielleicht erklären, worin der Unterschied zwischen den beiden Worten liegt? Ich danke euch im Voraus für eure hilfreiche Antwort!! : D

Beste Grüße Euiyoung

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Albrecht, Community-Experte für Philosophie, 68

Die Adjektive „material“ und „materiell“ haben beide mehrere Bedeutungen. Ein Teil der Bedeutungen ist ihnen gemeinsam und daher sind die Adjektive oft synonym verwendbar. Nur „materiell“, nicht dagegen „material“, bezeichnet eine Einstellung und Lebensweise, die ganz oder hauptsächlich und vorrangig auf Besitz/Geld ausgerichtet ist (aber „materialistisch“ ist in so einem Sinn Gegensatz zu „idealistisch)“. In philosophischen Zusammenhängen kann „material“ oft „inhaltlich“ bedeuten, allerdings hat auch „materiell“ unter anderem die Bedeutung „inhaltlich“ (mit Gegensatz zu „formell“).

Welche bestimmte Bedeutung Adjektive „material“ und „materiell“ haben, kann erst aus dem Zusammenhang eines bestimmten Textes erschlossen werden.

Der Begriff der Materie in der Fragebeschreibung ist richtig dargelegt. Materie (von lateinisch: materia; etymologisch steckt mater = Mutter darin) bezeichnet Stoff.

1) Stoff als etwas Körperliches, aus dem etwas zusammengesetzt, gebaut, angefertigt ist, eine körperliche Substanz, Grundlage alles dinghaft real seienden/Vorhandenen (in der Philosophie ontologisch ein Substrat [Zugrundeliegendes], etwas Unbestimmtes, der Möglichkeit nach Seiendes, das eine Form bekommen kann und dann der Wirklichkeit nach ein bestimmtes Ding ist)

2) Stoff als Gegenstand, Inhalt, Thema. Stoffgebiet (eines Gesprächs, einer Schrift, einer Untersuchung, einer Abhandlung und dergleichen)

Duden, Das Fremdwörterbuch. 11., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Herausgegeben von Dudenredaktion. Berlin : Dudenverlag, 2015 (Duden ; Band 5), S. 667 gibt an:

ma|te|ria̱l, ‹lat.›: 1. stofflich, sich auf einen Stoff beziehend; vgl. materiell (1); 2. (Philos.) inhaltlich, sich auf den Inhalt beziehend;“

ma|te|riẹll, ‹lat.-frz.›: 1. stofflich, körperlich greifbar; die Materie betreffend (Gegs.: immateriell). 2. auf Besitz, Gewinn bedacht. 3. finanziell, wirtschaftlich;“

lat. = lateinisch

Philos. = Philosophie 

frz. = französisch  

Gegs. = Gegensatz

Wörterbuch der philosophischen Begriffe. Begründet von Friedrich Kirchner und Carl Michae͏̈lis. Fortgesetzt von Johannes Hoffmeister. Vollständig neu herausgegeben von Arnim Regenbogen und Uwe Meyer. Hamburg : Meiner, 2013 (Philosophische Bibliothek ; Band 500), S. 399:  

material, von lat. materialis ›stofflich‹, inhaltlich im Gegensatz zu ↑ formal; materiell, über frz. matériel 1. stofflich, körperlich, sinnlich wahrnehmbar, 2. auf das sinnenhafte, auf Genuß und Geld gerichtet; 3. im Gegensatz zu formell: inhaltlich, auf den Inhalt, die Sache selbst gerichtet.“

lat. = lateinisch  

frz. = französisch

Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. Band 5: Log– N. 2., neubearbeitete und wesentlich ergänzte Ausgabe. Unter ständiger Mitwirkung von Gottfried Gabriel, Matthias Gatzemeier, Carl F. Gethmann, Peter Janich, Friedrich Kambartel, Kuno Lorenz, Kaus Mainzer, Peter Schroeder-Heister, Christian Thiel, Reiner Wimmer, Gereon Wolters in Verbindung mit Martin Carrier herausgegeben von Jürgen Mittelstraß. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2013, S. 241 (material):  

material, im Unterschied zu ↑ ›formal‹, auf den inhaltlichen Aspekt von Sachverhalten bezogener Begriff.“

Kommentar von keslon ,

Vielen Dank!! Jetzt verstehe ich das

Antwort
von bl4uwald, 57

Material ist für mich ein Nomen, wie Eisen oder Stahl eben ein Material ist. Materiell ist das adjektiv auf das Material bezogen. Nicht zwingend auf etwas "ungeformtes etc" wie du es beschreibst, das wäre eher Astronomische Materie oder so, also im wissenschaftlichen Zusammenhang.

Antwort
von keslon, 18

Hallo, vielen Dank für eure Kommentare.

Alle eure Kommentare waren hilfreich. Bis zur nächsten Frage!

Antwort
von Hamburger02, 46

Manterial ist das Nominativ und materiell das zugehörige Adjektiv

materiell = es besteht aus Material

"material" als Adjektiv ist mir nicht bekannt.

Material ist der Alltagsbegriff, Materie ist der physikalische Begriff.

Goethe hat aber viel mit Wörtern gespielt. Daher müsstest du den ganzen Satz zitieren, um die Bedeutung erkennen zu können.

Antwort
von tanztrainer1, 35

Geh einfach mal auf Duden.de, denn es werden dort die verschiedenen Begriffe sehr gut erklärt:

http://www.duden.de/rechtschreibung/Materie

Antwort
von achimhausg, 30

Material ist ein Nomen und materiell das Adjektiv.

Material ist materiell im Sinne von dinglich.

Das Adjektiv 'materiell' kann aber auch die Geisteshaltung/Einstellung eines Menschen bezeichnen,  nämlich die des Materialisten.

Der Duden liefert Verlässliches zu unserer Sprache, ist seht verständlich und differenziert.

http://www.duden.de/rechtschreibung/materiell



Kommentar von achimhausg ,

Oh, ich sehe gerade, daß es in unserer Sprache tatsächlich auch das Adjektiv 'material' gibt, nämlich, wie User Albrecht  kopierte und einfügte, 'material' im Unterschied zu 'formal', wenn es um den inhaltlichen Aspekt geht.

Aber das ist so ungewöhnlich, daß ich es an Ihrer Stelle  heutzutage nicht verwendete.

Selbst die Rechtschreibprüfung erkennt es heute als falsch geschriebenes Nomen  ;)

Was User Hamburger02 anmerkte finde ich noch wichtig, nämlich, daß im Prinzip der Zusammenhang gebraucht wird, in dem ein Begriff fiel,  um die Bedeutung, wie sie z.B. Goethe meinte, beurteilen zu können, da es sich auch um ein Wortspiel handeln kann!

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