Unterscheidet sich Südamerikanisches Spanisch von Spanisch (Spanien)?

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4 Antworten

Hallo, ja es unterscheidet sich, vor allem in der Umgangssprache enorm. Es gibt auch kein lateinamerikanisches Spanisch in dem Sinne, denn jedes Land spricht anders Spanisch, hat seine eigenen Einflüsse (Spanien aus dem arabischen und britischem Englisch, Mexiko aus indigenen Sprachen und amerikanischem Englisch, Argentinien dazu noch aus dem Italienischen).

Lateinamerikanisch kann man zwar grammatikalisch eingrenzen, denn es gibt dort keine 2. Person Mehrzahl (die gab es im Mittelalter noch nicht), das Pretérito Perfecto wird dort nicht angewandt (wie in Galicien üblich und viele Galicier, aber auch Andalusier und Kanarier eroberten Lateinamerika). So gibt es hauptsächlich Prägungen aus diesen Regionen im lateinamerikanischem Spanisch.

Was Filme betrifft: hier muss man zwischen übersetzten und originalen Filmen unterscheiden. Früher gab es meist nur eine spanische Version (meist aus Spanien oder Mexiko), heute werden internationale Filme meist in 2 Versionen (meist Spanien und Mexiko/Lateinamerika) synchronisiert.

Das hat jetzt aber weniger was mit dem Verständnis zu tun, sondern mit den Hörgewohnheiten. Das wäre so, wie wenn jetzt ein Hollywoodfilm mit österreichischem Deutsch synchronisiert wäre. Für Deutschland macht man eben eine deutsche Version, das klingt für Deutsche neutraler. Wenn der Film aber original österreichisch ist, synchronisiert man den natürlich nicht, sondern belässt die Originalversion, weil das für Deutsche authentischer klingt.

Genau so ist es mit Spanisch. Nur dass du mehr Länder hast. Aber es gibt auch viele Co-Produktionen. Du hast mehrere Schwerpunkte:

- Spanien natürlich, inkl. einer Vielzahl an Filmfestivals (Málaga, San Sebastián)
- Mexiko (weil das Land mit den meisten Spanischsprechern)
- Argentinien (eines der größten Filmproduzenten weltweit; Buenos Aires hat die höchste Theaterdichte; vor allem in Jugendserien spanischsprachiger Marktführer mit Spanien: Violetta, Florecienta, Rebelde Way; Spanien: Física o Quimica, 3 metros sobre el cielo, El Internado)
- Kolumbien/Venezuela (unzählige Telenovelas, wobei das nicht mal gestellt ist, denn das Leben der oberen Schichten ist dort so)
- Kuba/Miami (Kubaner sind extremst kreativ)

Kein lateinamerikanischer oder spanischer Film würde für andere spanischsprachige Länder synchronisiert werden. Im Gegenteil: es sind ja nicht nur die Filme: auch die Musik geht hin und her. Der spanische Danzón gelangte in die Karibik, wurde dort zum Son, später zu Mambo und Salsa, Flamenco wurde dort als (afrokubanische) Rumba interpretiert, diese kam wieder zurück nach Spanien wurde zur Rumba Catalana (z.B. was teilweise die Gypsy Kings machten; Bailando von der kubanischen Band Gente de Zona klingt auch nicht sehr viel anders), die andalusischen Tangos wurden in Buenos Aires und Uruguay mit den kubanischen Habaneras (die wiederum vom spanischen Danzón abstammen) vermischt und es entstand der argentinische Tango. Es ist alles eine Kultur, die hin und hergeht.

So kennt man - nicht nur durch Filme und Serien - eben auch die gröbsten Eigenheiten der jeweiligen spanischsprachigen Länder, vor allem die obengenannten. Und diese erwartet man auch, wenn man einen kubanischen oder argentinischen Film sieht. Es gibt viele Schauspieler, Sänger, ja selbst Stierkämpfer, die in Spanien und Lateinamerika Karriere machen, teilweise den südamerikanischen Sommer in Lateinamerika verbringen, den spanischen Sommer in Spanien.

Klar: die Umgangssprache ist anders. Aber die wichtigsten Parameter bekommt man schnell mit (das ist alles auf 50 Worte begrenzt; der Rest ist ziemlich gleich) und in Filmen wird ja nicht nur Umgangssprache gesprochen.

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Das lateinamerikanische Spanisch ist einfacher und melodischer.

Es wird einfacher gesprochen, Sätze werden weniger kompliziert aufgebaut, und die relativ komplizierte 2. Person plural wird nicht genutzt. Auch werden Grammatik Regeln weniger beachtet, man spricht eher wie es am einfachsten ausdrückbar ist, selbst wenn es nach den Standard Regeln falsch ist.

Jedes lateinamerikanische Land spricht einen eigenen Dialekt. Es wurden sowohl Worte aus den indigenen Sprachen übernommen, aber es werden auch ältere Worte genutzt, die aus der Zeit der spanischen Eroberung überlebt aus haben scheinen. Es gibt auch sehr viel mehr Amerikanismen (US-English). Einwanderer haben zusätzlich die Sprache unterschiedlich stark beeinflusst, oft Engländer, auch Deutsche und in Argentinien Italiener (wird sogar als eigenständige Sprache Argentinisch geführt).

Der wesentlichste Unterschied ist aber die Sprachmelodie. Das lateinamerikanische Spanisch hat mehr Melodie als in Spanien, und klingt für das Ohr angenehmer, die Sprachmelodie ist aber von Land zu Land und manchmal innerhalb eines Landes unterschiedlich.

Aber: mit Spanisch, wie wir es als Fremde lernen, kannst Du überall mit jedem problemlos sprechen. Alle lernen Schulspanisch, genau wie in Spanien.

http://www.viventura.de/blog/verstaendigung-in-suedamerika

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Ja es gibt schon Unterschiede. Meistens versteht man alles dank Kontext, aber manche Sachen sind schon witzig... Eine Mexikanerin aus meiner Stadt sagt immer "la calor" XD Ich hab immer nur "el calor" gehört

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Kommentar von mambero
09.03.2016, 18:06

In Andalusien sagt man auch la calor.

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Kommentar von mambero
09.03.2016, 18:17

Oder "vos" statt "tú", hört man auch oft in spanischen Filmen, die im Mittelalter spielen. "Tú" und "vosotros" hatten sich erst später gebildet.

Du kommst ja aus Argentinien. Ich hatte letztens eine Dokumentation aus der Zeit von Evita Perón gesehen. Damals klang das argentinische Spanisch noch ziemlich Spanisch. Der heutige Klang hat sich erst danach rausgebildet. Evita klingt wie jede andere Spanierin aus diesem Jahrgang.

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BIn zwar kein Spanier, lebe aber seit Jahren hier. Und Ja, es gibt erhebliche Unterschiede.

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