Frage von homer092, 303

Schimmel in der Wohnung - Falsches Lüften oder bauliche Mängel?

Hallo, wir haben Schimmel in der Wohnung. Wir sind hier erst im August eingezogen, da war nichts von Schimmel zu sehen. Vom Vormieter weiß ich mittlerweile aber, dass er die selben Probleme hatte. Hier hat es der Vermieter immer auf falsches lüften geschoben.

Hinter den Küchenschränken (außenwand) und an der selben Wand in der Ecke zwischen zwei Außenwänden. Außerdem unter der Fensterbank und ebenfalls im Schlafzimmer unterhalb der Fensterbank.

Die Fenster sind 2005 neu eingebaut worden.

Ich habe mir nun mal ein Gerät besorgt zum aufzeichnen von Temp. und Luftfeuchtigkeit.

Die Temperatur lag bisher im Schnitt bei 20-21°C, die Luftfeuchtigkeit bei 40-55%. Das schließt falsches Lüften doch quasi aus oder? Wenn diese Bedingungen immer im grünen Bereich sind ist diesbezüglich doch alles in Ordnung. Ich lüfte und heize so wie man es soll und die Werte sprechen denke ich ja auch für sich.

Bevor ich jetzt ein großes Fass aufmache und dem Vermieter in den Hintern trete wollte ich nur mal eure Meinung hören.

Antwort
von Onki73, 206

Betroffen sind offensichtlich nur die Außenwände. Da hier in der Heizperiode durch eine ungleichmäßige Wärmeverteilung durch die Heizanlage kalte innere Oberflächen möglich sind, ist dies mittels IR-Thermometer zu prüfen.

Kalte Wandstellen haben ein Auskühlen der Raumluft zur Folge. Kühlt sich Luft ab, so steigt in ihr die rel. Luftfeuchte. Ab einer oberflächennahen Luftfeuchte von dauerhaften 70% kann es zum Schimmelwachstum kommen, weil dann bereits die ersten Schimmelsporenarten auskeimen.

Die allgemeine Raumluftfeuchte ist bekannt und die Raumlufttemperatur auch. Zur Ermittlung der oberflächennahen Feuchte benötigt man noch die Oberflächentemperatur. Mit diesen drei Werten kann man im Mollier-H-X-Diagramm (mal googeln) die Oberflächenfeuchte ermitteln.

Sinkt bei 21°C Raumlufttemperatur und 55% rel. Luftfeuchte im Zimmer die Wandoberfläche unter 17°C, so liegt hier bereits oberflächennah 70% rel. Luftfeuchte an - Schimmelgefahr!

Da es hinter den Küchenschränken vor der Außenwand zur Raumluftauskühlung kommen kann, wenn die innere Wandoberfläche nicht durch ein warmes Heizungsrohr auf Sockelhöhe erwärmt wird, so kann hier schnell Schimmel entstehen.

Unter den Fensterbänken sollte eigentlich die Warmluft des Heizkörpers für eine warme innere Oberfläche zur Schimmelvermeidung sorgen. Fehlt der Heizkörper hier, so sollten die Wandoberflächen und Fensterlaibungen durch viel Wärmestrahlung im Raum erwärmt werden, anderenfalls droht hier wieder die Schimmelbildung.

Die Wärmestrahlung erwärmt Oberflächen direkt und erst nachfolgend erwärmt sich an der warmen Oberfläche die kühlere Raumluft. Wenn sich Luft erwärmt, so steigt das Wasserdampfaufnahmevermögen, die rel. Luftfeuchte sinkt, die Luft wird trockener. Diese Luft ist in der Lage die Wandoberfläche zu trocken und schimmelfrei zu halten.

Leider werden diese einfachen Aspekte der Schimmelvermeidung oft nicht erkannt und auch von vielen "Experten" verkannt, da sich hartnäckig die Meinung hält, dass nur das Lüften die Schimmelbildung vermeiden kann.

Bei sagenhaft guten 40% rel. Raumluftfeuchte ist die Schimmelgrenze (70% rel. Luftfeuchte) an einer Wandoberfläche erreicht, wenn die Temperatur der Wand unter 10,9°C sinkt. Das kann hinter den Küchenschränken vor der Außenwand, schnell passieren, wenn es draußen Frost gibt. Allerdings braucht die Wand nicht so kalt sein, wenn es feuchter ist in der Küche, was durch das Kochen oft der Fall ist. Da kann man dann lüften, wie ein Weltmeister, der Schimmel ist nicht zu vermeiden, wenn die Wandoberfläche zu kalt ist.

Da Schimmel an der Wand ein Problem zu hoher Oberflächenfeuchte ist, muss die Wand getrocknet werden. Die Wandtrocknung kann nur über die oberflächennahe Luft erfolgen, die für ein möglichst großes Feuchtegefälle -für eine schnelle Trocknung- auch möglichst trocken sein sollte.

Wird hier nur eine verbesserte/verstärkte Lüftung zur Wandtrocknung empfohlen (oft vom Vermieter), so führt dies zu einem geringen Feuchtegefälle. Die Trocknung ist langwierig. Wenn der Dämmwert der Wand durch die Auffeuchtung allerdings schon sehr stark gefallen ist, dass die Wärme schneller dach außen abgeleitet wird, als die Heizanlge überhaupt der Wandoberfläche nachführen kann, so steht man mit dem Lüften nun auf verlorenem Posten, da die Wandoberfläche weiter auskühlt.

Sehr viel Sinn macht Wärme direkt auf der Wandoberfläche. Dadurch wird die oberflächennahe Luft erwärmt, was diese trocknet. Dadurch schafft man ein großes Feuchtegefälle von der feuchten Wandoberfläche ausgehend im Vergleich zur davor anliegenden trockeneren Luft. Die Wand wird schnell getrocknet.

Für Wärme auf/vor der Wandoberfläche sorgt schon das einfache Heizrohr im Sockelbereich vor der Außenwand. Ggf. muss eine Heizrohrschleife installiert werden. Diese läßt sich auch hinter der Küchenzeile installieren. Eine Aufrüstung der Heizrohrschleife zur hydraulischen Heizleiste (mal googeln) ist möglich. So kann man dauerhaft die Wandoberfläche warm und trocken halten, was dauerhaft den Schimmel durch Feuchteanreicherung aus der Raumluft vermeidet.

Oberflächliche Maßnahme, wie Anti-Schimmelfarbe, Kalkfarbe, ggf. auch die Putzerneuerung sind ohne grundlegene Wandtrocknung oft nur von kurzer Dauer.

Die Ursache der eingangs erwähnten ungleichmäßigen Heizwärmeverteilung im Raum ist in der oftmals stark warmluftlastigen Beheizung durch den oft verbauten Heizkörper unter dem Fenster der Räume zu sehen. Die Warmluft steigt naturgemäß zur Zimmerdecke, wo sie an der Außenwand abkühlt und kühler (und damit feuchter) werdend nach unten sinkt. Unten, kurz über der Sockelleiste, in den Raumecken oder hinter großen Schränken vor der Außenwand ist dann das Schimmelrisiko am größten, weil dort kaum noch Wärme zur Wandoberflächenerwärmung an kommt.

Antwort
von Huflattich, 177


Bevor ich jetzt ein großes Fass aufmache und dem Vermieter in den Hintern trete wollte ich nur mal eure Meinung hören.


Schöne Formulierung  die gewiss zur Klärung der Situation beiträgt .....

Nein ganz klar nimm Dir einen Bad - Chlor-reiniger und sprüh die Fläche damit ein. Dann halte Abstand mit den Schränken bis es wieder trocken ist .  gut lüften da nicht besonders gesund.  Der Schimmel rührt grundsätzlich (also wenn keine Risse in der Fassade sind und kein Rohr - schaden vorliegt ) von Kondenswasser wann an kühleren Flächen als Feuchtigkeit niederschlägt gerade in der Küche schon ein Topf kochendes Wasser bringt Nässe .

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Antwort
von Bestie10, 34

bei der Klärung dieser Frage verdienen Sachverständige ein Vermögen

Kommentar von homer092 ,

ja, 140€ / h + 100€ Anfahrt und alles zzgl. MwSt. .......das würde ich auch gerne verdienen........ Und das ist noch der bisher günstigste

Kommentar von Huflattich ,

Ich würde selbst nie einen Sachverständigen rufen da er vor Gericht nichts zählt und dann ein "unabhängiger" bestellt wird den dann der Verlierer des Prozesses zahlt...............

Antwort
von kenibora, 172

Diese Frage kann Dir nur ein Sachverständiger/ Fachmann nach einer Besichtigung beantworten. Es gibt über 100 verschiedene Schimmelarten und genausoviele mögliche Ursachen dafür!

Kommentar von Onki73 ,

Ursache für das Schimmelwachstum in Wohnräumen ist IMMER eine zu hohe Oberflächenfeuchte. Wo die Feuchtigkeit her kommt, muss untersucht werden, aber sehr häufig kommt es durch Feuchteanreicherung aus der Raumluft vor kalter Wandoberfläche. Ein Indiz dafür ist, wenn der Schimmel immer nur während der Heizperiode an der Außenwand wächst.

Antwort
von pharao1961, 138

Ist die Wohnung im Erdgeschoss und ist ein Keller darunter?

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