Frage von Kirasque, 33

Schalmei oder gleich kompletten Dudelsack kaufen?

Hey :) Ich möchte meine bisherigen Flötenkenntnisse erweitern und wollte Fragen, ob ich mir dazu erst eine Schalmei oder gleich einen ganzen Dudelsack zulegen sollte. Soweit ich weiß, ist an jenem ja quasi eine Schalmei mit dran.

Und ist es ratsam erst Schalmei und dann Dudelsack zu üben? Wegen dem Schwierigkeitsgrad?

LG Kira

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Grobbeldopp, 19

Hallo

Darf ich fragen welche Musik du so spielen willst? Oder mit welcher Besetzung  zusammen du vielleicht dir vorstellen könntest zu spielen?

Also das Problem für eine Antwort ist, dass es die verschiedensten Instrumente gibt, die man Schalmei oder Dudelsack nennt.

Schalmei: Hier gibt es die historische Renaissanceschalmei oder auch die deutsche Schalmei (barocke Schalmei). Diese Instrumente haben einen Ansatz ähnlich der Oboe- sie sind verhältnismäßig schwierig zu spielen und im Mittelalterrock/Folk/Marktmusikgenre haben sie an sich keinen Vorteil. Sie haben nichts mit dem Dudelsack zu tun.

Dann gibt es aber auch die Rauschpfeife. Die Marktrauschpfeife ist eine Marktsackpfeife (ein pseudomittelalterlicher Dudelsack, gut bekannt durch Mittelaltermärkte und Bands wie In Extremo oder Saltatio mortis.) ohne Sack, dafür mit einer hölzernen "Windkapsel" um das Rohrblatt herum. Dieses Instrument ist für jeden Flötenspieler sehr leicht zu spielen, es hat keinen Ansatz genau wie die Blockflöte. Es wird aber dennoch (im Idealfall) ganz anders benutzt als ein Marktsack, weil es mit Zungenstoß gespielt wird, wie die Flöten. Auf Dudelsäcken muss man alles mit den Fingern machen, die Zunge ist arbeitslos.

ALSO: Schalmeien sind KEINE Vorübung für das Dudelsackspielen, sondern eigene Instrumente. Allein auf irgend einer Art von Schalmei zu spielen ist nicht so prickelnd, das sind wahre "Gruppeninstrumente", ein einsamer Dudelsackspieler macht da viel mehr daher.

Dudelsäcke: Ja, welchen willst du haben?

Den Marktsack habe ich erwähnt. Das ist ein Instrument, dass relativ viel gespielt wird bei uns auf Mittelaltermärkten, in der gesamten Szene, im Mittelalterrock usw. Das Ding spielt in Moll (eigentlich dorisch) und ist sehr laut und wird oft eher einfach gespielt, was aber keinen besonderen Grund hat. Das was die Jungs hier abliefern ist weit überdurchschnittlich:

Es gibt leise Übungsinstrumente und auch Bastarde mit dem nächsten Instrument, der Schäferpfeife:

Die Schäferpfeife und die französischen Cornemuses du Centre sind etwas leisere Instrumente mit größerem Tonumfang und insgesamt etwas vielseitiger, sie ist in Dur und Moll spielbar und hat aber eine nicht sehr flötenähnliche Griffweise.


Dann gibt es noch das Hümmelchen (in verschiedenen Variationen, teilweise extrem vielseitig). So nennt man leisere Dudelsäcke für die Benutzung indoor oder zusammen mit Blockflöten, Gesang usw. Eigentlich ein Renaissanceinstrument, sehr netter tiefer Klang, aber nicht unbedingt das, was man sich unter Dudelsack vorstellt. Deshalb finde ich auch kein tolles Video- irgendwie wird das Ding vor allem privat gespielt.


Dann nenne ich zuletzt den schottischen Dudelsack (den kennt jeder), den es als die mächtig laute Great Highland Bagpipes und ihre leiseren Varianten Small Pipes und Reel Pipes/Border Pipes gibt. Diese Instrumente werden idR mit einer ausgefeilten, knalligen Verzierungstechnik gespielt, die man sich nicht eben mal als Flötenspieler selbst beibringen kann. Die Great Highland Bagpipes wird eben für schottische Militär/Folkmusik, nicht für mittelalterliche Musik benutzt. Sie verlangt körperlich mehr ab als die anderen Säcke, deshalb ist das der einzige Sack, bei dem man imho eine Vorübung und möglichst einen Lehrer braucht. Das Übungsinstrument ist eine leise Tröte, der Practice Chanter.

Dann gibt es noch einige andere deutsche/keltische und haufenweise andere Dudelsäcke: Uilleann Pipes, Gaita gallega, großer Bock, böhmischer Bock, mehrere sorbische Dudelsäcke, Musettes du Cour, Kaba Gaida.... usw usf.


GENERELL: Ein Übungsinstrument brauchst du als Flötenspieler lediglich für die Great Highland Bagpipes, den schottischen Dudelsack. Meistens wird man diesen Dudelsack NICHT autodidaktisch erlernen. Alle anderen machen dir vielleicht am Anfang Probleme wegen der typischen Spieltechnik (Druck halten mit Atmung und linkem Arm), aber das ist kein Hinderungsgrund.

Ein Dudelsack kann im Unterschied zur Flöte den Ton nicht mit dem Atem trennen. Dazu braucht man bestimmte Verzierungstechniken, die nicht unbedingt vorgeschrieben sind, aber OHNE geht es nicht- das muss man irgendwie draufkriegen und ist selbst für klassisch ausgebildete Flötenspieler nichts, was man mal eben so in einer Woche plötzlich kann. 

Wenn du nen Tipp haben willst bezüglich Dudelsackbauern- Ich habe da meine begründeten Meinungen und kann dir ein paar Asse nennen je nach geplantem Instrument, das kann ganz nützlich sein bei über 30 Bauern allein in Deutschland.

Ebenso stehe ich für weitere Nachfragen zur Verfügung, ich musste mich sehr kurz fassen. 



Kommentar von Kirasque ,

Danke für die ausfühliche Antwort! :D Ich habe vor, mittelalterlich bzw. Mittelalter-Rock zu spielen (wie InEx, SaMo, Feuerschwanz etc....). Ok, also lasse ich die Schalmei lieber weg... Blockflöte lerne ich jetzt gerade noch, quasi als Vorbereitung zum Dudelsackspielen bzw um Noten lesen zu können (ist im Lehrbuch enthalten). Der Marktsack wäre also das beste? Kannst du mir ein paar Bauer empfehlen, die auch relativ preisgünstig sind?

Antwort
von Grobbeldopp, 14




Der Marktsack wäre also das beste? 


Der Marktsack in A ist üblich in der Mittelalterszene und du wirst damit auch Mitspieler am selben Instrument und Schlagwerk relativ leicht finden. 

Schäferpfeife in G würde ich aber als ernsthafte Option in Betracht ziehen. Damit kannst du zwar NICHT mit Marktsäcken zusammenspielen in einer solchen Gruppe


Aber in einer Band als einziger Dudelsackspieler zusammen mit z.B. Geige oder Drehleier ist das egal und du kannst alles auf einer Schäferpfeife spielen, was du auch auf dem Marktsack spielen kannst und mehr. Es ist aber etwas schwerer am Anfang wegen der "halbgeschlossenen" Griffweise plus die Schäferpfeife ist wesentlich leiser (nicht ganz so leicht abzunehmen im Proberaum/auf der Bühne...)

Du siehst es gibt gute Punkte für beides. Es gibt sogar Marktsäcke in Schäferpfeifengriffweise, das wäre auch eine Idee. Oder Schäferpfeifen in A

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Hier mal die beiden Griffweise der Schäferpfeife, Achtung zwei Daumenlöcher!

http://www.dudelsackmanufaktur.de/Grifftabelle\_G.pdf

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Kannst du mir ein paar Bauer empfehlen, die auch relativ preisgünstig sind?


Die Preisunterschiede sind leider nicht so groß... und ich habe schlechte Erfahrungen gemacht mit der Herangehensweise, den Bauer nach dem Preis auszusuchen.

Einen relativ günstigen Preis kannst du haben, wenn du auf optische Sonderwünsche verzichtest und nur eine Basspfeife (Bordun) bestellst. Gerade beim Marktsack ist das kein Problem und es ist dann nicht nur ein "halbes Instrument". Mit relativ günstig meine ich etwa 1000 Euro.

Empfehlenswerte Marktsackbauer:

Arno Eckhardt 

http://www.marktsackbau.de/instrumente\_01-adorisch.htm

Leises Schulinstrument kannst du evtl. auch mieten zum ausprobieren. Ansonsten mal kontaktieren, und besuchen.

baut auch halbgeschlossene Marktsäcke:

http://www.marktsackbau.de/instrumente\_02-franz.htm

Dominik Pawlat

http://www.dudelsack-zentrum.de/?menuid=38

(Seite wird gerade gewartet. Auch bei ihm geht das ganze bei ca. 1000 Euro los außer leise Instrumente etwas günstiger).

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Für Schäferpfeife:

Matthias Branschke

http://www.dudelsackmanufaktur.de/schulinstrumente.html

Schulinstrument einbordunig (das ist ein richtiges Instrument) in A oder G 950 Euro- du siehst den Preis kannst du dir nicht aussuchen :-)

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Was kannst du machen wenn du die 1000 Euro lnger sparen musst und dir die Zeit aber zu lang wird?

Zunächst: Trotzdem schon nachfragen und ggf. bestellen, denn es gibt Wartelisten und es dauert so oder so ein Jahr oder so bis dein Instrument ausgeliefert wird. Eine Anzahlung ist teils nötig, aber du musst das Geld nicht jetzt schon alles haben.

1. Hümmelchen kriegst du schon ab 400-500 Euro. Das verschiebt dann aber den lauten Sack auch nach hinten

2. Evtl. eine "conical Fat kitchen Pipe" (leise) oder medieval pipes in g (mittellaut) bei Paul Beekhuizen in betracht ziehen- mit 385 respektive 480 Euro sehr günstig. Die Instrumente sind auch gut, aber keine Standardinstrumente hierzulande und der Mittelaltersack eigentlich etwas für Fortgeschrittene. Mja  ~~~~. Ich würde das später machen wenn ich schon ein gutes Instrument habe.

3. Kauf dir vielleicht doch einen Practice Chanter für den Marktsack

http://www.folkfriends.com/Marktsack+Uebungspfeife+Practice+Chanter.htm

Ist natürlich ein äußerst schwacher Trost...

4. Doch mal Dominik Pawlat fragen was die günstigste Marktrauschpfeife in A kostet. Diese Dinger kosten so knapp 300 Euro und damit kann man mit Marktsäcken ernsthaft zusammenspielen. Aber auch das ist eher ein schwacher Trost.


Kommentar von Grobbeldopp ,

PS

Ein gutes Forum ist 

marktsack.de

Mit Arno Eckhardt kannst du dort auch leicht Kontakt aufnehmen.

Kommentar von Grobbeldopp ,

PS wo wohnst du denn? Vielleicht kenne ich auch einen Dudelsackbauer in deiner Nähe.

Kommentar von Kirasque ,

In Sachsen, nähe Oschatz Nochmal Danke, Danke, Danke

Kommentar von Grobbeldopp ,

In dem Fall liegst du ein bisschen ab vom Sprung, was meine Meinung von den genanntnen Dudelsackbauern nicht schmälert :-)

Weiter in Frage kommen könnte für dich vielleicht Steffen Fischer aus Köthen. Ist aber auch nicht um die Ecke :-)

http://sackpfeifenmacher.de/dudelsaecke/mittelalterlicher-dudelsack/

Kommentar von Grobbeldopp ,

PS er nennt verwirrenderweise die Instrumente in A Instrumente in G auf dieser Seite, weil er sie so baut, dass man den Bordun von G auf A umstimmen kann.

Die Instrumente in höheren/tieferen Lagen würde ich an deiner Stelle ignorieren.

"mittelalterliche Sackpfeife 1" ist mittellaut, "mittelalterliche Sackpfeife 2" laut.

Antwort
von Grobbeldopp, 12

Oh Sorry dritte Antwort

Beachte auch mal Bodo Schulz vielleicht als Anlaufstelle- das sind 50 km von dir aus.

http://dudelsackbau.net/de/katalog

Seine Mittelaltersäcke kenne ich nicht, die sehen auch eher sehr zierlich aus. Für mal eine Schäferpfeife oder ein Hümmelchen in Händen zu halten sicher nicht verkehrt.

Kommentar von Grobbeldopp ,

...und er kann gute Schäferpfeifen bauen.

Antwort
von Dirndlschneider, 19

Ich kenne mich mit der Materie nicht wirklich aus , aber ich weiß , dass es lange dauert , bis man Dudelsack spielen kann . 

Die größere Schwierigkeit , als das Greifen der " Flöte " scheint mir Atemtechnik und die allgemeine Bedienung des Dudelsacks zu sein - aus diesem Grund : Immer ran ans Hauptinstrument !!

Kommentar von Dirndlschneider ,

Ich hab ein bisschen rumgegoogelt und mir scheint - es kommt auf deinen Dudelsack an , welches Griffsystem zur Anwendung kommt - insofern hätte eine Schalmei nicht viel Sinn , weil du danach eh wieder umlernen musst......

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