Lohnt sich ein Lehramtsstudium heutzutage noch?

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9 Antworten

Hi,

wie aussichtsreich ein Lehramtsstudium mit allen möglichen Fächerkombinationen ist, kann man allgemein schwer sagen.

Das ist von Bundesland zu Bundesland und von Schulform zu Schulform unterschiedlich. Ich kann dir zum Beispiel von Rheinland-Pfalz sagen: Hier wurden im vergangenen Jahr über 90% aller Lehramtsanwärter NICHT mit einer Planstelle angestellt. Die meisten Lehrer bekommen hier nur noch befristete Verträge. Außerdem ist in RLP der Trend, Lehrer, die auf für's Gymnasium ausgebildet wurden, an die Integrierten Gesamtschulen zu schicken, weil man dort eine Oberstufe aufbauen möchte. Das kann langfristig nur bedeuten: RLP will weg vom Gymnasium, hin zur IGS mit Oberstufe.

In Baden-Württemberg, Bayern usw. sieht's dagegen schon wieder anders aus. Hier werden tendenziell mehr Lehrer verbeamtet. Die neuen Bundesländer, Berlin, Hamburg etc. verbeamten dagegen schon lange keine Lehrer mehr.

Insgesamt kommt's aber auch auf die Fächer an: Mit Deutsch und Französisch hast du zwar zwei Fächer, die mit vielen Studen in der Woche unterrichtet werden, allerdings ist Deutsch bereits sehr stark vertreten und Französisch ist kein Hauptfach - die Schüler können sich ja zwischen Franz und Latein bzw. Spanisch und Italienisch entscheiden.

Ich möchte z.B. demnächst Deutsch, Bio und Ethik auf Lehramt (Gymi) studieren. Mir sagt man: Deutsch und Ethik ist nicht sicher, konzentrier dich lieber auf naturwissenschaftliche Fächer. Deshalb hab ich Bio mit drin.

Insgesamt ist es wohl so: Geisteswissenschaftliche Fächer sind sehr gut vertreten, Mangel besteht wenn überhaupt in den Fächern Mathematik, Physik, Chemie und Informatik.

Das ist aber vor allem auf RLP bezogen, weil ich hier lebe und mich darüber informiert habe. In anderen Bundesländern sieht's wie gesagt hinsichtlich einiger Details anders aus. Informier' dich hier am besten bei dem Philologenverband - die wissen Bescheid. :)

Viel Erfolg

reverse

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Kommentar von Frapegruit
07.10.2016, 18:21

Cool danke dir vielmals für die ausführliche Antwort! Ich komme zufälligerweise auch aus RLP und bin momentan in der Oberstufe an einer IGS und da trifft das von dir geschilderte Phänomen auch zu

Mit Französisch meinte ich eigentlich, dass zum Beispiel der Anfängerkurs in der 11. mit 5 Stunden die Woche stattfindet (also wie ein Hauptfach, bzw. Leistungskurs) und auch in der Mittelstufe 4 oder 5 Stunden unterrichtet wird (als Wahlpflichtfach). Und an unserer Schule gibt es gerade einmal 4 Franz-Lehrer, von daher dachte ich dass da ein weitaus größerer Mangel besteht als zum Beispiel bei Englisch.

:)

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Kommentar von Referendarwin
07.10.2016, 18:26

Junge, Bio ist überlaufen, tut mir leid. Ist ja schließlich auch ein leichtes Fach.
Mit sehr guten Noten hat man dennoch Chancen. Allerdings sollte man räumlich flexibel sein.

Das Gymnasium wird nie und nimmer abgeschafft, es hat eine starke Lobby und ist eine Erfolgsstory, die Eltern wollen das. Gesamtschulen ersetzen die anderen Schulformen.

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Deutsch und Französisch wäre auch meine Traumkombi gewesen - und habe mich für Französisch und Kunst entschieden, um eben NICHT zwei Korrekturfächer zu haben. So gerne Du korrigierst - Du unterschätzt den Aufwand! 

Dann informier Dich über das Studium - in Bremen studiert man bspw. nur noch entweder Lehramt Primarstufe (Grundschule) oder Lehramt Gy/OS =Gymnasium und Oberschule. Du kannst also nicht mehr nur auf Gymnasium studieren! Demnach kannst Du auch an Gymnasien und Oberschulen eingesetzt werden, und an Oberschulen sind alle SuS, die nicht auf Gymnasien sind. 

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Kommentar von Frapegruit
08.10.2016, 11:51

Okay, ich werde mir das wirklich nochmals überlegen :)

Also ich komme aus RLP und da gibt es ja die IGS mit Oberstufe. Wenn ich auf Gymnasium studiere, kann ich ja sowohl für die Mittelstufe als auch für die Oberstufe eingesetzt werden, sehe ich das richtig?

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In NRW sind diese beiden Fächer leider weniger günstig. Mangelfächer sind laut Prognose des Bildungsministerium vor allem: Latein, Informatik, Mathematik, Kunst und Musik.

Du musst damit rechnen, nicht mehr verbeamtet zu werden, wenn Du fertig bist. Die Bezahlung ist aber trotzdem angemessen. Fies wird es nur, wenn sie Dich, wie in manchen Städten üblich, als Studienrat dann für die Sommerferien vorübergehend kündigen und Du dann jedesmal Arbeitsagentur dackeln musst.

Es gibt ja auch noch sowas wie eine Menschenwürde !

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Kommentar von paulklaus
08.10.2016, 20:07

Siehe meine Antwort fünf Stunden zuvor !

pk

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Ja, Lehramt lohnt sich noch, je nach Bundesland wird durchaus noch verbeamtet. Wenn die Leistung stimmt bekommt man auch einen Job. Notfalls macht man halt 1-2 Jahre Krankheitsvertreter und hat dann eine feste Stelle.

Aber ich würde dir ganz dringend davon abraten 2 Sprachen zu studieren: Im Unterrichtsalltag korrigierst du dir einen Wolf und die Arbeitsbelastung ist extrem hoch. Alle meine Kollegen, die 2 oder mehr Sprachen unterrichten verfluchen heute den Tag ihrer Fächerwahl, obwohl die meisten gerne und gut unterrichten. Denn die wenigsten Studienanfänger bedenken, dass sie irgendwann man 30 Aufsätze auf dem Tisch haben und für jeden davon 30-45min Zeit zum Bewerten brauchen. 

Wähle eine der beiden Sprachen und nimm noch ein Nebenfach dazu, dass dich interessiert. Germanistikstudenten gibt es wie Sand am Meer, deine Einstellungschancen sind mit Französisch deutlich besser.

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Kommentar von Referendarwin
07.10.2016, 18:29

Du lügst einfach. Ein dicker Teil der Absolventen wird nie eine Stelle bekommen, es sind einfach zu viele.

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Kommentar von chog77
07.10.2016, 18:31

In Baden-Württemberg waren die Einstellungsbedingungen in den letzten 5 Jahren OK. Allerdings haben sich die meisten Kollegien jetzt deutlich verjüngt, die Pensionierungswelle ist an meiner Schule und auch an den Nachbarschulen so langsam vorbei. In den nächsten Jahren wird es in BW eher schwieriger, wenn di Bildungspolitik sich nicht ändert.

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Kommt auf Schulform, Bundesland und Fächer und Abschlussnote an

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LOHNT ist unklar, auf was bezogen!?

  • Auf Stundendeputat bezogen: "geht so"!
  • auf Korrekturfächer bezogen: "Nur schwerlich" !
  • auf Gehalt bezogen: "Sehr Gut bis Zufriedenstellend"!
  • auf Ethos des Lehrerberufs bezogen: Individuell zu entscheiden! Hofentlich "sehr"!
  • auf gesllschaftl. Respekt: "Kaum"!
  • Einstellungschancen: "ggfs.mit Wartezeit oder Wechsel z. B. in Verlagswesen u.a"
  • Verbeamtung: "Zunehmend nicht mehr"!

Was sagst du nun - ?!

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Gute Frage, genau kann dir das niemand sagen. Sprich mit Klaus Klemm und mit Personalräten (google hilft dir).

Was besseres als die Prognosen haben wir nicht (Bundesland und kmk für ganz Deutschland).

Tendenziell gibt es 5 Lehrämter, dennoch wollen fast alle ans Gymnasium, daher ist es dort schwierig. Warum wollen alle ans Gymnasium? Weil sie andere Schulformen gar nicht kennen (bis auf die Grundschule).

Schau nach links und rechts, mach kurze Praktika, einfach mailen und anrufen, das geht kurzfristig immer.

Schau dir die anderen Schulformen an, schwimm nicht mit der Masse.

Bei den Fächer sind die einfachen Fächer natürlich auch sehr überlaufen (Bio, Geschichte ist fast chancenlos). Mit 2 Hauptfächer kann es manchmal gutgehen, Deutsch machen aber auch sehr viele.

Je schlechter das Fach, desto besser müssen die Noten sein. Mit der Kombi Deutsch Geschichte wurden vor einiger Zeit in Bayern nicht mal Absolventen mit 1,0 eingestellt.

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Kommentar von Frapegruit
07.10.2016, 18:41

Dankeschön! Ich würde schon am liebsten ans Gymnasium. Ich habe nämlich zugegebenermaßen keine Lust die Sonderkinder zu unterrichten, die mir den letzten Nerv rauben.

Und was Deutsch betrifft, ja klar machen viele aber an unserer Schule sind teilweise Lehrer mit der Kombi Deutsch/Geschichte oder Deutsch/Reli verbeamtet...auch total überlaufene Fächer.

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Lehrer werden bald überall dringend gesucht.  Viele Lehrer werden nämlich pensioniert.

Du sollst nicht nur auf Lehramt studieren, sondern auch die Fachsprachen (Wirtschaftsdeutsch, Wirtschaftsfranzösisch, ...) nebenbei studieren.  

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Kommentar von Frapegruit
08.10.2016, 11:47

Aber soweit ich das mitbekommen habe, soll die größte Pensionierungswelle bereits überwunden sein und die Zahl der "Neuankömmlinge" würde die der Abgänger bei weitem übertreffen, sprich Lehrerüberfluss und dadurch dann auch schlechtere Einstellungschancen.

Und ist dieser wirtschaftliche Zweig einfach nur eine Zusatzausbildung oder ein eigenständiger Studiengang?

Danke für die Antwort!

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Kommentar von Referendarwin
08.10.2016, 19:08

Guter Witz du Amateur. Google mal kmk und Lehrerbedarfsprognose. Da darfst du lesen, dass die Absolventenzahlen beim Gymnasium in den nächsten Jahren 4-5 mal so hoch sind wie die Zahl der Stellen.

Bei den anderen Lehrämtern sieht es besser aus, Mangel gibt es aber nicht wirklich.

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Vorab: Ich habe die diversen Antworten und Kommentare nicht gelesen !

Ich rate dringend vom Lehramt-Studium ab !

Begründung:

1. Das Referendariat wird immer entmenschlichter, immer entwürdigender, immer diskriminierender. Wer nicht in der Lage ist, heuchelnd mit den Wölfen (Fachleiter /Seminarleiter) zu heulen, ist / hat schon halb verloren !

2. Ich prophezeie, dass es spätestens in drei, vier Jahren nur noch Zeit- , also befristete (!!) Verträge geben wird, d.h. die Zukunft ungewiss ist. Die Abschaffung des Beamtentums wird parallel schleichend stattfinden.

3. Du wirst nicht in deine Wunsch-Stadt, geschweige denn an deine Wunsch-Schule kommen, sondern wirst dahin "verschickt", wo Bedarf besteht, ergo aufs Land, wo sich die Füchse "Gute Nacht" sagen.

4. Deine Fächer-Kombination ist NICHT ungewöhnlich - ein weiterer Nachteil, abgesehen von der Tatsache zweier Korrektur-Fächer...

...u.a.m......

pk, Deutschlehrer

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