Frage von randomstuff, 166

Liegt meine Lehrerin bezüglich der Kommasetzung in diesem Fall richtig?

MUSS man im Satz "Als ihm die jungen Männer ein Sandwich geben, nimmt dieser es nur zögernd an, doch wegen seines großen Hungers (,) fängt dieser an, zu essen" das in Klammern gesetzte Komma setzen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von LolleFee, Community-Experte für deutsch, 97

Das Komma ist an der Klammerstelle FALSCH. 

Auch einfache Zu-Infinitive werden in der Regel nicht mit Komma abgetrennt (zu essen), dieses Komma ist jedoch möglich.

Kommentar von randomstuff ,

Dankeschön, das habe ich mir auch schon gedacht.

Ich persönlich bevorzuge es, komplexere Sätze mit allen möglichen Mitteln zu strukturieren.

Kommentar von LolleFee ,

Da bin ich grundsätzlich Deiner Meinung - bei einfachen Zu-Infinitiven setze ich jedoch keines, weil mir die Trennung des Zu-Infinitivs vom Satz zu scharf ist. Für mich sind einfacher Infinitiv (ohne weitere Ergänzungen) und Satz zu eng miteinander verbunden, als dass ich da ein Komma setzen mag.

Kommentar von LolleFee ,

Hier reißt Du einen Satz auseinander, der sonst dem zweiten Satz als Ganzes gegenüber stände:
Als ihm die jungen Männer ein Sandwich geben, nimmt dieser es nur zögernd an, // doch wegen seines großen Hungers fängt dieser an zu essen.

Warum eigentlich "dieser"? Eigentlich bezieht sich "dieser" immer auf Letztgenanntes; das ist nur hier grammatisch nicht möglich. Aber genau deshalb führt sich "dieser" ad absurdum.

Es reicht aus, weiter von "ihm" zu sprechen: "Als ihm die jungen Männer ein Sandwich geben, nimmt er es nur zögernd an, // doch wegen seines großen Hungers fängt er an zu essen."

Kommentar von randomstuff ,

Damit liegst Du vollkommen richtig; ich selbst bin auch nicht mit der Formulierung des Satzes zufrieden, aber wegen des Zeitdrucks musste ich auf das Korrekturlesen verzichten.

Antwort
von Deponentiavogel, 48

  • Richtige Kommasetzung: Als ihm die jungen Männer ein Sandwich geben, nimmt dieser es nur zögernd an, doch wegen seines großen Hungers fängt dieser an zu essen.
  • Richtige Pronomen: Als ihm die jungen Männer ein Sandwich geben, nimmt er es nur zögernd an, doch wegen seines großen Hungers fängt er an zu essen.
  • Richtige Satzaufteilung: Als ihm die jungen Männer ein Sandwich geben, nimmt er es nur zögernd an. Doch wegen seines großen Hungers fängt er an zu essen.
  • Richtige Grammatik (außerhalb der Schule): Als ihm die jungen Männer ein Sandwich geben, nimmt er es nur zögernd an. Doch wegen seinem großen Hunger fängt er an zu essen.

________

Auf keinen Fall ein Komma nach dem Präpositionalgefüge wegen seines großen Hungers. Das ist ein Zeichensetzungsanglizismus. Im Deutschen setzt man Kommas nur, wenn etwas aufgezählt wird; vornehmlich Sätze, Teilsätze oder Satzglieder. Ist hier nicht der Fall.

Auch vor dem nackten Infinitivgefüge zu essen (keine Erweiterung!) steht im alten wie im neuen Rechtschreibsystem niemals ein Komma.

Empfiehl deiner Lehrerin diese Lektüre: 

https://www.bmb.gv.at/rs_regelwerk2010_13276.pdf?4dtiae


Kommentar von JuergenWB ,

Bis zum Punkt "Richtige Satzaufteilung" bin ich vollkommen bei Dir. Aber richtig wird der "rheinische Genitiv" auch durch zigfache Anwendung nicht!

Zitat: "Im Deutschen setzt man Kommas nur, wenn etwas aufgezählt wird;"

Na, das Komma ist aber auch strittig! ;-)

Kommentar von Deponentiavogel ,

Grammatikschemata werden ganz besonders durch zigfache Anwendung richtig. Sonst würden wir heute noch Mittelhochdeutsch sprechen.

Abgesehen davon ist der Dativ nach wegen nicht einmal eine falsche Analogie, sondern systematisch der einzig richtige Kasus, den man anschließen kann. 

Kommentar von JuergenWB ,

Klar, eine stetige Veränderung der Sprache durch Einflüsse anderer Kulturen ist nicht zu verleugnen. Aber solange sie nicht öffentlich als neue Rechtschreibung festgelegt wurde, ist jede Veränderung schlicht und ergreifend falsch! Sonst könnte jedes Diktat in der Schule mit dieser Begründung angefochten werden.

Kommentar von Deponentiavogel ,

Du bringst hier Rechtschreibung und Grammatik durcheinander. 

Kommentar von JuergenWB ,

Wieso? Dieser stetige Wandel gilt für beides, genauso wie die vorgegebenen Regeln.

Kommentar von Deponentiavogel ,

Ich habe über Grammatik geschrieben und auf deinen rheinischen Genitiv Bezug genommen. 

Die Rechtschreibung ist wieder was anderes. Einen natürlichen Wandel hat es seit Ende des 19. Jahrhunderts aber nicht mehr gegeben. Sozusagen eine Stasis. 

Kommentar von randomstuff ,

Doch, auch vor einfachen Infinitivgruppen darf ein Komma stehen (http://www.duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln/komma#K116). 

Bezüglich der Pronomina gebe ich Dir recht; dies entstand, wie bereits erwähnt, durch den Zeitdruck.

Die Präposition wegen wird mit dem Genitiv kombiniert. Leider ist die Kombination mit dem Dativ inzwischen auch möglich; in der Schriftsprache dennoch unüblich.

Kommentar von Deponentiavogel ,

Wie lang wird es brauchen, bis die Leute verstehen, dass der Duden nicht mehr für die amtliche Rechtschreibung verbindlich ist. Bei nackten Infinitiven darf man kein Komma setzen, das kannst du im amtlichen Regelwerk nachlesen. 

Wegen mit Genitiv ist falsches Hochdeutsch. Es ist ein Niedergermanismus und setzte sich nur durch die Hegemonie Preußens im deutschsprachigen Raum im Bildungsbürgertum durch. Die Germanisten haben das natürlich aufgegriffen, ohne Fragen zu stellen. 

Unüblich ist es auf jeden Fall, an wegen einen Dativ anzuschließen. Mit Genitiv ist es eine Konvention in der Schriftsprache, und bei Konventionen ist es nicht unbedingt wichtig, dass sie auch richtig sind.  

Trotzdem wäre die falsche Verwendung mit wegen längst tot, würde man es in der Schule nicht gepredigt bekommen. Warum genau findest du schade, dass man die grammatikalisch richtige Version heutzutage nicht mehr anstreicht? Denn dass die gesprochene Sprache (und Sprache ist, was gesprochen wird) nur den Dativ nach wegen kennt, daran besteht kein Zweifel. 

Kommentar von Deponentiavogel ,

PS: Aber nett, dass du das Sternchen an die Antwort gegeben hast, die deinem Empfinden nach richtig ist.

Kommentar von randomstuff ,

Mit Deiner Erklärung bezüglich des Kasus von wegen magst Du zwar recht haben, aber wie Du schon sagst:  Die Kombination mit dem Genitiv wird gelehrt und üblich.  Auch in der gesprochenen Sprache folgt auf wegen meist ein Genitiv, zumindest dort, wo ich lebe.

Aber man muss das Thema nicht so engstirnig wie Du betrachten. Deine angesprochenen Aspekte haben nur noch wenig mit der eigentlichen Fragestellung zu tun; ich denke nicht, dass man in der achten Klasse wissen muss, wieso man wegen strenggenommen mit dem Dativ kombinieren müsste. Es ging einzig und allein um ein Komma, welches meine Lehrerin falsch gesetzt hatte. Mehr nicht,

Kommentar von randomstuff ,


 Bei nackten Infinitiven darf man kein Komma setzen, das kannst du im amtlichen Regelwerk nachlesen. 


E1: Wenn ein bloßer Infinitiv vorliegt, können in den Fallgruppen (2) und (3)
die Kommas weggelassen werden, sofern keine Missverständnisse entstehen:
Den Plan(,) abzureisen(,) hatte sie schon lange gefasst.  (...)
E2: In den Fällen, die nicht durch § 75(1) bis (3) geregelt sind, kann ein
Komma gesetzt werden, um die Gliederung deutlich zu machen bzw. um
Missverständnisse auszuschließen. Dasselbe gilt für Partizip-, Adjektiv- und
entsprechende Wortgruppen (siehe § 77(7) und § 78(3)).

(http://rechtschreibrat.ids-mannheim.de/download/regeln2006.pdf)

Kommentar von Deponentiavogel ,

Wo lebst du denn, wenn ich fragen darf? Selbst in Norddeutschland verwendet man wegen mit Dativ. Man muss weder als Achtklässler noch als Lehrer wissen, warum man an wegen eigentlich den Dativ anschließt. Beim Sprechen ist der Dativ ja ohnehin üblich.

Kommentar von Deponentiavogel ,

Du zitierst hier die Erklärungen (bzw. Einschränkungen). Die eigentliche Regel im Paragraph sagt eindeutig, dass nur in den angegebenen Fallgruppen Kommas gesetzt werden. Wenn also kein Missverständnis vorliegen könnte (tut es in deinem Fall nicht), dann ist ein Komma nicht gerechtfertigt. 

Man sollte die Einschränkung nicht zur Regel erheben. Die Hierarchie beim Aufbau des Paragraphen ist da eindeutig. 

Kommentar von Deponentiavogel ,

Was du da übrigens fettgesetzt hast, hat nichts mit deinem Fall zu tun. Kommas bei bloßen Infinitiven entstehen bei einem Korrelat, auf das sich der Infinitiv bezieht: 

Der Plan, abzureisen (bezieht sich als Einschub auf den Plan), geht schief. 

Hier kann man die Kommas auch weglassen: Der Plan abzureisen geht schief.

Antwort
von Janlololololo, 111

Ich meine, dass in Klammern muss man nicht schreiben, alle anderen Kommas schon

Kommentar von LolleFee ,

Das Komma in Klammern DARF man nicht setzen.

Kommentar von Janlololololo ,

Ok

Antwort
von Guekeller, 87

Nein. Auch das letzte Komma des Satzes ist falsch.

Kommentar von randomstuff ,

Doch, vor Infinitivgruppen darf ein Komma stehen. Ich persönlich bevorzuge es, komplexere Sätze mit allen erlaubten Mitteln zu strukturieren.

Kommentar von Guekeller ,

Wo ist da eine Infinitivgruppe?

Kommentar von LolleFee ,

Auch vor einfachen Infinitiven darf ein Komma stehen. http://www.duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln/komma#K116 (und 117)

Hast Du eigentlich einen ganzen Keller voller Gü? yummie...

Kommentar von Guekeller ,

Da hab ich was dazugelernt. Danke. Ich schreib es aber weiterhin ohne Komma.

Kommentar von LolleFee ,

Ich in diesem Fall auch =)

Kommentar von Deponentiavogel ,

Es darf keines stehen. Die Kommasetzung bei Infinitivphrasen ist da im amtlichen Regelwerk ganz klar geregelt. Die Darstellung des Dudens veruntreut die Darstellung im Paragraphen. 

Kommentar von earnest ,

Damit wir über die Veruntreuung nicht im Unklaren bleiben: Könntest du bitte den Link liefern?

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