Frage von ohjesusdrew, 62

Kennt jemand die Sage von Jupiter und Io von Ovid?

Expertenantwort
von Willy1729, Community-Experte für Latein, 41

Hallo,

die Geschichte von Jupiter und Io findest Du im ersten Buch der Metamorphosen von Ovid.

Io ist die Tochter des Flußgottes Inachus.

Eines Tages begegnete ihr Jupiter und fand es bedauerlich, daß so ein schönes Mädchen eines Tages einen gewöhnlichen Sterblichen heiraten sollte. Er sagte zu ihr, sie solle sich lieber mit ihm, einem Gott, einlassen, und zwar nicht mit irgendeinem Gott; er sei der Oberste der Götter, der das große Himmelszepter in der Hand hält und die zuckenden Blitze schleudert. Sie möge doch bitte in ein nahegelegenes Wäldchen gehen und dort auf ihn warten.

Io aber war nicht so begeistert davon, ihre Jungfräulichkeit zu verieren - auch nicht an Jupiter - und floh. Jupiter aber tauchte die ganze Gegend in einen Nebel, so daß Io sich nicht mehr zurechtfand, stellte und vergewaltigte sie.

Als Jupiters Frau Juno vom Olymp auf die Erde herabblickte, sah sie diesen seltsamen Nebel. Mit dem untrüglichen Gespür einer erfahrenen Ehefrau wußte sie sofort: a) Mit dem Nebel stimmt etwas nicht; b) da steckt mein Mann dahinter; c) der Kerl geht mal wieder fremd.

Sie begibt sich auf die Erde, gebietet dem Nebel, daß er verschwindet und findet statt eines schönen geschändeten Mädchens eine weiße Kuh. Jupiter als erfahrener Ehemann kennt die Eifersucht seiner Frau und hatte Io rechtzeitig verwandelt.

Natürlich ist Juno nicht blöd. Sie tut so, als ahnte sie nichts und bittet ihren Mann scheinheilig, ihr doch die hübsche Kuh zu schenken.

Jupiter muß ihr den Wunsch erfüllen, um nicht alles zugeben zu müssen (lustig, wieviel Strang der Zepterhalter und Blitzeschleuderer vor seiner Ollen hat). Er überläßt ihr die Kuh, die sie dem Riesen Argus (dem mit den hundert Augen, von denen jeweils 98 immer wach sind) zur Bewachung überläßt, bei dem Io nun das kümmerliche Dasein eines Rindviehs fristet. Schließlich gelingt es ihr, zu ihrem Vater Inachus zu fliehen, der sie natürlich nicht erkennt. Sprechen kann sie nicht - aber schreiben. So schreibt sie mit ihren Hufen in den Sand, daß sie die verwandelte Io ist. Die Wiedersehensfreude währt nicht lange - bald taucht Argus auf und entreißt sie ihrem Vater.

Jupiter, dem Io irgendwie leid tut, ist es selbst leid, und schickt Merkur, um Argus zu töten und Io zu befreien. Dieser schläfert den sonst immer wachen Wächter mit Hilfe von Flötenmusik ein und enthauptet ihn. Juno reagiert auf den Tod ihres Wächters recht unfroh, verteilt die hundert Augen des Toten auf dem Gefieder eines Vogels, der als Pfau bekannt werden soll und jagt Io um die halbe Welt, bis diese am Nil landet und nur noch flehentlich zu den Sternen emporsehen kann. Endlich erbarmt sich das Schicksal über sie:

Jupiter umschmeichelt sein holdes und zorniges Weib - die verzeiht Io (wohlgemerkt: Io hat niemals etwas verbrochen, sie ist schlicht und einfach vergewaltigt worden) und verwandelt sie in ihre menschliche Gestalt zurück. Seitdem wird Io dort in Ägypten als Göttin verehrt.

Muh,

Willy

Kommentar von Volens ,

Warum hast du dir soviel Mühe gemacht?
Na ja, wenigstens hast du jetzt das nötige responsum secundum.
Mal sehen, was geschieht ...

Kommentar von Willy1729 ,

Ich hatte die Metamorphosen ohnehin gerade zur Hand.

Expertenantwort
von Volens, Community-Experte für Latein, 33

Diese Frage hätte verdient, einfach nur mit "Ja" beantwortet zu werden.
(resp.sec.)

Kommentar von Willy1729 ,

Hatte ich auch schon überlegt. Dann dachte ich: Was soll's?

Sol lucet omnibus.

Kommentar von Volens ,

Amen!

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