Jean Paul Sartre : Der Mensch ist, wozu er sich macht. Wie ist dies zu verstehen?

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2 Antworten

Der Satz meint nicht eine Allmacht des Menschen, sondern ein
Sich-Entwerfen des Menschen in eine offene Zukunft. Dabei trifft er eine
Wahl und macht durch seine Handlungen aus sich den Menschen, der er zu
einer Zeit ist.

Jean-Paul Sartre vertritt (dargelegt z. B. in seinem Werk „L'existentialisme est un humanisme“ (1946; „Der Existentialismus ist ein Humanismus“) als einen wichtigen Grundsatz seines Existenzialismus die Aussage: Die Existenz geht der Essenz voraus.

Existenz: Dasein

Essenz: Wesen

Die Existenz wird auf das Dasein eines Menschen als Individuum mit seiner
Subjektivität bezogen. Bei der üblichen Reihenfolge geht die Essenz der
Existenz voraus. Nach Sartres Auffassung ist die Reihenfolge umgekehrt,
weil es kein feststehendes Wesen des Menschen (als Gattungswesen) gibt.
Sartre hält den Menschen für undefinierbar. Seiner Meinung nach ist der
Mensch in seinem Wesen unbestimmt. Es gibt keine allgemeine,
unwandelbare/unveränderliche Natur des Menschen und kein vorgegebenes
festgelegtes Selbst. Daher ist der Mensch nichts anderes als das, wozu
er sich macht. Insofern erfindet sich der Mensch immer wieder neu.

Darin unterscheidet sich der Mensch von anderen Dingen, z. B. einem Stein oder einem Tisch.

Der Mensch ist nichts anderes als sein Leben, seine Handlungen (sowohl Tun
als auch Unterlassen). Der Mensch existiert zuerst und hat dann einen
Entwurf von sich selbst für die Zukunft. Der Mensch überschreitet
ständig seine gegenwärtige tatsächliche Situation, in der er sich
befindet (Ist-Zustand), mit einem Entwurf für die Zukunft, an dem er
sein Handeln ausrichtet. Der Entwurf enthält etwas, das noch nicht ist,
sondern erst verwirklicht werden soll.

In einem solchen Entwerfen zeigt sich Freiheit. Der Mensch wählt. Der Mensch ist in einer Situation nicht durch das Gegebene abschließend bestimmt. Das Entwerfen ist mit dem Selbstbewußtsein verbunden, zu dem es gehört, sich vom Gegebenen abzusetzen (zu ihm Abstand einzunehmen) und es zu bejahen oderzu verneinen.

Grundbedingung des menschlichen Daseins ist, mit
einem Entwurf eine Wahl zu treffen. Dieser Freiheit kann sich ein Mensch
nicht entziehen. Sogar eine Entscheidung, sich nicht zu entscheiden
oder die Entscheidung anderen zu überlassen, wäre eine Entscheidung und
ein Umgang mit Freiheit.

Daher sagt Sartre: Der Mensch ist dazu verurteilt, frei zu sein (L'homme est condamné à être libre.).

Sartre nimmt an, Gott existiere nicht, es gebe keine in einer unwandelbaren
menschlichen Natur begründete Determiniertheit mit einer Freiheit
ausschließenden Notwendigkeit, keine schicksalhaft zu Taten zwingenden
Leidenschaften, keinen vorgegebenen Sinn, keine vorgegebenen Werte,
Gebote und Anweisungen, die Halt und Hilfe geben können und als
Maßstäbe/Kriterien Rechtfertigungen und Entschuldigungen für
menschliches Verhalten bieten können.

Der Mensch hat sich nicht selbst erschaffen, sondern ist in das Dasein geworfen. Für das, was er tut und nicht tut, ist er aber verantwortlich.

Für Beispiele sind verwickelte Gedankenexperimente nicht nötig. Alles, bei
dem das Anstreben eines anderen Zustandes und das Verfolgen einer
eigenen Zielsetzung wichtig ist, kann passend sein.

Ein Mensch, der sich bisher unfreundlich und rücksichtlos verhalten hat, kann einen Entwurf von sich selbst als mit seinen Mitmenschen freundlich und
hilfsbereiten umgehenden Menschen aufstellen, und wenn er dies in seinem
Verhalten verwirklicht, hat er sich zu einem anderen Menschen gemacht.

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Sartre war Existenzialist. Er ging davon aus, daß der Mensch immer das ist, was er aus sich macht. Also wie er wirklich handelt. Er sagt: Beim Menschen geht die Existenz der Essenz ( dem Wesen) voraus, im Gegensatz zum Beispiel zum Tier oder zu Dingen, wie einem Tisch. Die Essenz des Tischs ist das Holz, aus dem er besteht. Er existiert erst dann, wenn jemand aus diesem Holz einen Tisch gemacht hat.

beim Menschen jedoch geht Sartre davon aus, dass er ( der Mensch) ins Dasein "geworfen" wird. Er existiert also, ohne daß sein Wesen schon bestimmt wäre.

VOR Sartre wurde der Mensch noch bevor er auf der Welt war, bereits von der Gesellschaft ( der Religion...) als gottähnliches, also gutes Wesen gedacht.

Sartre sagt, das muss er sich erst erwerben. Durch sein Handeln.

Und laut Sartre ist dazu nicht eine besondere Begünstigung durch reiche Eltern, günstige Umstände, die richtige Zeit und das richtige Land, in das man geboren ist verantwortlich.

Sondern ganz alleine der jeweilige Mensch selbst, der sich durch sein Handeln erst zu dem macht, was er sein will. Und durch sein Nicht-Handeln übrigens auch.

Der Mensch soll sich frei und verantwortlich selbst entwerfen.

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