Frage von Chariots, 91

Ist meine Situation aussichtslos?

Ich brauche euren Rat.

Ich bin 28. Ich hab nach meinem Realschulabschluss meine Fachhochschulreife gemacht. Danach bekam ich einen Ausbildungsplatz als Industriekaufmann. Aber erst für das Jahr darauf, also hatte ich nach der Schule ein freies Jahr. Nach der Ausbildung hat die Firma mich nicht übernommen, also war ich arbeitslos. Ein Jahr darauf hatte ich es satt, auf Kosten des Staats zu leben und entschied mich für ein BWL-Studium.

Ein paar Monate studierte ich, aber danach passierte nur noch Sch***. Es kam zu 2 plötzlichen Todesfällen in meiner Familie. Ich bekam eine Angststörung. Da beide an plötzlichen Krankheiten verstarben, hatte ich Angst, auch zu erkranken. Ich hatte Schwindelattacken. Ich traute mich nicht mehr Auto zu fahren, ich bekam fast eine Depression. Ich ging nicht mehr zu meinen Vorlesungen. Das Ganze zog sich immer länger hin und ich habe 2 Jahre gebraucht, um wieder gesund zu werden und ein normales Leben zu führen. Aber das Studium habe ich mir versaut.

Aber ich will auch nicht mehr studieren. Ich bin 28, will lieber Geld verdienen um ausziehen zu können. Ich bin jetzt auf Arbeitssuche. Ich hab mir eine professionelle Bewerbung erstellen lassen. Und ich hab auch schon 3 abgeschickt (eine davon initiativ an meine Ausbildungsfirma). Als kaufm. Sachbearbeiter. Aber 2 von denen haben sehr schnell abgesagt. Meine alte Firma schreibt, Sie hätten mittelfristig keine meinen Vorstellungen entsprechende Stelle anzubieten. Eine andere Firma schrieb einfach nur, dass sie meine Bewerbung leider nicht berücksichtigen konnten. Die dritte Firma schrieb, es braucht Zeit, um die Unterlagen zu sichten.

Ich weiß, 3 Bewerbungen sind nicht viel, aber es deprimiert mich, dass die Antworten so schnell und entschieden kamen. Ich hab das Gefühl, mit meinem Lebenslauf habe ich kaum Chancen. Die ganzen Lücken. Dann die Geschichte mit der Angststörung. Und meine Zeugnisse sind auch "so la la".

Trotzdem muss es doch Aussichten geben für einen Industriekaufmann mit Fachhochschulreife, oder nicht? Wie gesagt, ich wünsche mir nur einen Job als Sachbearbeiter, auch beim Gehalt habe ich keine hohen Ansprüche.

Ich hab mir auch schon überlegt, einen anderen Weg zu gehen. Eine 2. Ausbildung evtl. Ich könnte mir bspw. vorstellen, eine Ausbildung als Jobvermittler für die Arbeitsagentur zu machen. Ich weiß, klingt etwas ironisch, dass gerade ich andere Leute jobtechnisch beraten will, aber es würde mir Spaß machen. Aber auch andere Bereiche reizen mich. Hotelwesen. Oder Automobilwesen. Aber für jede dieser Bereiche brauch ich eine neue Ausbildung. Und es ist schon sehr spät, bereits Juli. Ich denke nicht, dass ich noch Chancen auf einen Ausbildungsplatz habe.

Ihr merkt: ich bin sehr unsicher und weiß nicht, was ich tun soll. Ich möchte dringend einen Job haben. Eine neue Chance, meinen Lebenslauf wieder in Ordnung zu bringen. Endlich wieder etwas zu erreichen im Leben.

Also frage ich euch: ist meine Situation aussichtslos? Was soll ich tun?

Antwort
von null815nicname, 25

Hm ich verstehe deine Situation.... Aussichtlos ist deine Situation nicht, dass wäre sie nur, wenn du aufgiebst. Nach meiner Meinung hast du mehrere Möglichkeiten.

Zum Studium: Du sagst, du möchtest nicht mehr studieren. Aber denke doch trotzdem mal darüber nach, ob du nicht deine Leistungen, die du schon in BWL geleistet hast, in einem verwandten Studiengang/oder BWL an einer anderen Uni/Bundesland anrechnen lassen kannst. Diesen Weg bin ich auch schon gegangen und das erspart dir, in einem neuen Studiengang bei 0 anfangen zu müssen

Jobsuche:
Oft braucht es sehr lange, bis man einen Job gefunden hat, die Firmen bunkern die Bewerbungen oder melden sich gar nicht. Mein Exfreund hat damals fast 80 Bewerbungen im gesamten Bundesland geschrieben, bis es geklappt hat. Vielleicht kannst du den Suchradius ausdehen? Wenn du nicht ortsgebunden bist, wäre das evtl auch eine Möglichkeit. Lass den Kopf nicht hängen! Vielleicht kannst du dir ja nebenher einen Job suchen, der zwar nicht deiner Qualifikation entspricht, aber der verhindert dass die Lücke im lebenslauf noch größer wird. So könntest du ein bisschen was verdienen und man sieht, dass du nicht freiwillig zuhause sitzt. Z.B. in einer Bar/ Restaurant o.ä.?  Oder versuch doch mal, Praktikas zu machen, das ist manchmal auch ein guter Einstig in eine Firma.

Ausbildung:

Du kannst dich ja einfach mal dafür bewerben. Wenn du eine Zusage bekommst, kannst du überlegen was du machst. Ansonsten hast dus probiert. Sicher müsste das Zeitnah sein, ich kenn die Fristen nicht, aber im September würde es ja losgehen. Aber ich bin mir sicher, dass dir dein Weg in einer Arbeitsmarktberatung sicher nicht schaden würde, denn du weißt wovon du sprichst.

Gibt es eine spezifische Weiterbildung für deine Ausbildung? Einen Meister, Ausbilder etc? Evtl wäre das was

Wie wäre es mit einer Laufbahn im mittleren/Gehobenen Dienst bzw. öffentlicher Dienst? Da gibt es eine Prüfung und  je nach deinem Platz im Ranking kannst du dich auf bestimmte Stellen bewerben, zum Beispiel Finanzbeamter/Justiz etc. Die Ausbildung dauert zwar nochmal 3 Jahre, aber in der Zeit bekommst du schon ein Gehalt und das auch gar nicht so schlecht. Informier dich doch mal, wann da die Prüfung ist. Ich weis ja nicht wo du wohnst und wie das in anderen Bundesländern ist, aber hier mal die Seite aus Bayern für den gehobenen Dienst ;-) Wer eine gewisse Sicherheit im Job sucht, ist als Landes- oder Bundesbeamter sicher nicht schlecht aufgehoben.

http://www.bayerischer-landespersonalausschuss.de/

http://www.ausbildungspark.com/einstellungstest/oeffentlicher-dienst/

http://oeffentlicher-dienst.info/

Insgesamt würde ich dir raten, mehrgleisig zu fahren- bewerbe dich weiter für einen Job, bewirb dich auch mal für eine Ausbilung und melde dich evtl für die Prüfung zur Beamtenlaufbahn an, evtl. versuchs mal mit einem Einstig an der Uni in ein höheres Semester. Wenn du irgendwo eine Zusage hast, kannst du dir ja immernoch überlegen, was du machst. Wenn es irgendwo nicht klappt, hast du noch einen Plan B oder C zur Sicherheit.

Viel Glück wünsche ich dir!!

Expertenantwort
von judgehotfudge, Community-Experte für Arbeit, Ausbildung, Beruf, ..., 20

Hallo Chariots,

jedem Berufsanfänger mit schlechter "Papierform" rate ich, bei Bewerbungen den ersten Kontakt nach Möglichkeit persönlich oder zumindest telefonisch herzustellen. Wenn man keinen guten Lebenslauf vorzuweisen hat, muss man eben auf anderem Wege überzeugen, z. B. durch persönliches Auftreten.

Nimm mit den in Frage kommenden Ausbildungsbetrieben am besten persönlich (oder bei großen Unternehmen telefonisch) Kontakt auf und bringe so in Erfahrung, ob dort überhaupt ausgebildet wird und ob es für Dich passen könnte.

Falls Du dann noch eine schriftliche Bewerbung brauchst, solltest Du darauf große Sorgfalt verwenden (erste Arbeitsprobe!) und jemanden um Rat fragen, der sich damit auskennt (keine Lehrer, keine Mitarbeiter der Arbeitsagentur oder des Jobcenters!).

Durch den persönlichen Zugang machst Du im Bewerbungsverfahren schon mal die ersten Punkte in Sachen Initiative und Kontaktfreudigkeit, und darüber hinaus hast Du dann einen ersten Kontakt, weißt, an wen Du
schreiben musst, kannst Dich im Anschreiben darauf beziehen und bist dann für denjenigen schon nicht mehr total fremd. Und falls Du  irgendwelche Fragen hast, die Du schon vor der schriftlichen Bewerbung klären möchtest, hast Du damit auch die Gelegenheit dazu.

Aber auch im negativen Fall, falls es also dort keine Ausbildungsmöglichkeit für Dich gibt oder Du kein Interesse mehr daran hast, nachdem Du dort warst, hättest Du einen Vorteil, und zwar könntest Du Dir Zeit und Kosten für die schriftliche Bewerbung sparen.

Falls Du eine schriftliche Bewerbung brauchst, kannst Du gerne erstmal Deinen Entwurf hier einstellen (vollständig und anonymisiert) und nach Verbesserungsmöglichkeiten fragen. Erfahrungsgemäß gibt es immer noch was zu verbessern. Anregungen findest Du in der einschlägigen
Ratgeberliteratur oder z. B. auch hier: karrierebibel.de/bewerbung-fuer-ausbildung/

Keinesfalls genügt es, sich einmal eine Bewerbung von einem Fachmann erstellen zu lassen und diese dann immer wieder zu verwenden! Eine gute Bewerbnung ist immer individuell auf die jeweilige Stelle bzw. Ausbildung und das jeweilige Unternehmen zugeschnitten!

Antwort
von LorenorSanji, 28

also zum Thema Angststörungen und co bin ich experte. Ich konnte vor ein paar Jahren nichtmal einen Fuss auf die Strasse setzen. Falls dich sowas von belastet gehe zu einem Heilpraktiker der gute Referenzen hat, den der kann dir in dem Falle Wunder bewirken.

Zu deiner Arbeitssituation, ja ist sehr blöd gelaufen.. mein Beleid für die Todesfälle.. du bist echt ein armer Kerl.. aber du darfst dich davon jetzt auch nicht unterkriegen lassen du hast einen Abschluss der etwas Wert ist, gib nicht auf und schreib fleissig Bewerbungen, gehe selbstbewusst in die Gespräche rein (kommt mit der Zeit) und irgendwann kommt der richtige Arbeitgeber der dich schätzt und dich aktzeptiert! Ich würde dir auch empfehlen dir genau zu überlegen was du sagst, wenn dich der AG nach deiner Zeit die du "nichts" gemacht hast frägt, weil wenn du darauf schon vorbereitet bist kommt es viel viel besser. Lass den Kopf nicht hängen im Gegenteil such dir vllt ein neues Hobby das dir Kraft gibt und setzte die gewonnene Kraft in handeln um und dann packst du das! Liebe Grüsse! :)

Antwort
von floppydisk, 37

es ist niemals aussichtslos.

ich möchte an dieser stelle nur sagen, dass du dich rechtlich in einer notsituation befindest und deinen lebenslauf nach deinen wünschen aufhübschen kannst, so lange du dir keine qualifikationen zuschreibst, die du nicht wirklich hast. diese art der notlüge ist rechtlich tatsächlich legal - im gespräch solltest du dann auf alles eingehen und deine situation schildern, so bekommst du wenigstens die chance, dich vorzustellen. das ist übrigens das gleiche wie bei frauen, die eine schwangerschaft verheimlichen dürfen.

3 bewerbungen ist allerdings nichts, es sollten 3 am tag sein. sich bewerben ist ein fulltime job, du solltest 40h die woche darin investieren, um effektiv zu sein.

Kommentar von judgehotfudge ,

Nur zu meiner Information: Wo finde ich das mit der "rechtlichen Notsituation" im Gesetz? Danke im voraus!

Antwort
von Mojoi, 24

Schnelle Absagen sind normal und gehören dazu. Schlimmer finde ich die, die die Bewerbung monatelang bunkern und dann absagen, und am schlimmsten die, die nie antworten.

Bewerte die Absagen nicht anhand von drei Bewerbungen. Bewirb dich weiter, und weiter, und weiter. Nach meiner persönlichen Erfahrung kommt auf 30 Bewerbungen eine Einladung, und auf drei Einladungen ein Jobangebot.

Also rein statistisch müssten 100 Bewerbungen rausgeschossen werden, bis man sich Sorgen machen müsste.

Doof ist natürlich, dass du keine besondere Qualifikation erreicht hast. Das Studium hätte dir schon enorm geholfen.

Sachbearbeiter ist unter den normal Qualifizierten nun mal sehr begehrt, und davon gibt es genug Bewerber.

Nicht nachlassen! Sportlich sehen.

Und Bewerbungen nachfassen! Sag, du willst was aus der Absage dazulernen. Woran hat es denn gelegen? Einige werden eine Auskunft verweigern, andere werden sich über dieses Interesse freuen, wollen dir gerne weiterhelfen und geben dir Tipps.

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