Frage von SenemSenem, 78

Ich bin sehr schüchtern und zurückhaltend was kann ich machen?

Also ich habe ein Problem und zwar ich bin sehr schüchtern und manchmal auch sehr zurückhaltend. Ich habe auch manchmal Angststörungen. Ich habe auch mal Tabletten für meine Angst bekommen aber trotzdem bin ich manchmal sehr schüchtern und bekomme auch manchmal Angst diese tabletten gegen meine Angst haben mir überhaupt nicht geholfen. Die grösste Panik bekomme ich direkt wenn ich in den Bus einsteige und durch die vielen Menschen auf engen Raum fühle ich mich auch unwohl was kann ich am besten dagegen machen könnt ihr mir villeicht ein paar tipps geben.

Vielen dank schon mal.

Antwort
von Schattentochter, 26

Ich nehme mal an, du meinst mit "Ich habe manchmal Angststörungen" einfach Panikattacken. Angststörung ist die Krankheitsbenennung, nicht das Symptom.

Was du tun kannst:

1. Versuchen, dich nicht allzu oft auf engen Raum mit vielen Menschen zu begeben. Fakt ist: Es ist nicht sonderlich lustig und Menschenmengen können auch für stinknormale Leute sehr einschüchternd wirken - warum soll man's unbedingt tun?

Aaaaber: Das heißt nicht, dass man auf einen kompletten Vermeidungskurs gehen sollte - denn das ist wiederum ungesund. Es ginge also darum, Taktiken zu entwickeln, wie man mit solchen Situationen zurecht kommt.
Ich kenne das sehr gut, habe das Problem selbst. In diesem Sinne:

2. Atmen. Durch die Nase am besten, denn das verhindert Hyperventilation. Durch ruhiges Atmen (am besten sehr bewusst), kann man Puls und Blutdruck senken - das hilft gegen die körperliche Überreaktion.

3. Therapie - das hört man ungern, aber tatsächlich ist es sehr hilfreich, wenn man über diese eigenen Zustände redet und sie analysiert. Man muss die Ursprünge der Ängste herausfinden, um dagegen etwas tun zu können. Das kann ein Trauma aus der frühen Kindheit sein, oder irgend ein einschneidendes Erlebnis in der Jugend, was auch immer. Wenn wir den Ursprung unserer Angst kennen, können wir an ihr arbeiten - ansonsten bleibt es IMMER bei der reinen Symptombekämpfung.

4. eine Vertrauensperson suchen - wenn du weißt, dass du an diesem und jenem Tag in eine angsterzeugende Situation kommst, versuche, jemanden mitzunehmen, bei dem du dich wohl fühlst und der deine Situation kennt. Bei Panikattacken ist "Vertrautes" etwas, an dem man sich psychisch festhalten kann - das hilft.

5. Denke über dein Gefühl nach. Angst wird sehr gerne zu einem schwammigen, abstrakten Phantom in unserem Kopf - besonders, wenn sie uns überschwemmt. Wenn du sie empfindest, versuche, einen Schritt zurück zu machen und sie zu "zerlegen". Etwas wie: "Habe ich gerade Angst, dass jemand mich schlägt? Habe ich Angst, dass jemand mich anpöbelt? Habe ich Angst, dass ich hinfalle und zertrampelt werde? Habe ich Angst vor Keimen?" etc. Die meisten dieser Fragen wirst du vermutlich mit "Nein" beantworten können -> DAS wiederum führt dazu, dass du eine gewisse Distanz zu dieser Angst entwickeln kannst. Und falls es doch bei einer dieser Art ein "Ja" gibt, so versuche, bewusst gegen diese eine Sache etwas zu tun. Um bei meinen Beispielfragen zu bleiben, hieße das: Sofern du tatsächlich fürchtest, dass dich jemand anpöbelt, versuche, von den Menschen, die besonders einschüchternd und griesgrämig sind, wegzukommen.

6. Augenkontakt vermeiden - klingt blöd, hilft mir aber zmndst recht oft. Wenn ich während der Rush Hour in die Ubahn gezwängt bin, starre ich den Boden an - dort ist nämlich kein Mensch. Ich erschaffe mir quasi meine "persönliche Blase" für den Zeitraum, in dem ich dort sein muss. Ist natürlich schwieriger, wenn es Gedränge gibt, aber durch Konzentration kann man die Dinge erträglicher machen.

Sooo, und was die Unsicherheit und die Zurückhaltung angeht - nun gut, Menschen wirken einschüchternd auf dich, es ist also naheliegend. Für Treffen mit Gruppen von Freunden und Bekannten, würde ich dir empfehlen, dich wiederum an jemanden zu wenden, der bereits dein Freund ist. Wenn jemand dadurch, dass er dich dem Rest der Gruppe vorstellt, zumindest den Zwang, die Initiative zu ergreifen, vorwegnimmt, wird's vielleicht leichter.
Ansonsten höre viel zu und beobachte die Menschen - je mehr du über sie mitbekommst, desto eher wirst du auf rationaler Basis wissen, wie du "positive Reaktionen" hervorrufst - bzw. welche Themen oder Verhaltensweisen man vermeiden könnte/sollte. Es geht jetzt nicht darum, dich zu verstellen, sondern vorerst einfach darum, ein gewisses Gespür für deine Umwelt und eine daraus entstehende Sicherheit zu erschaffen. Angst ist immer Kontrollverlust - also hol' sie dir zurück. Mache dir bewusst, dass du völlig frei entscheiden kannst, was dein Mund jetzt für Worte formt (blöd gesagt).

Schüchternheit ist leider nicht unbedingt einfach "heilbar", sie ist nun einmal ein Wesenszug. Man kann aber versuchen, bewusst dem eigenen Trieb zur Zurückhaltung zu widersprechen. Man kann sich dazu zwingen, ein freudiges "Hallooo" in die Runde zu werfen - wenn auch nicht immer. Wenn du aber ab und an ins kalte Wasser springst, wirst du mehr Sicherheit aufbauen.

Mehr kann ich dir dazu leider auch nicht sagen - denn für sowas gibt's keine Patentlösung. Aber vielleicht ist etwas dabei, das dir hilft.

Kommentar von Tamtamy ,

Respekt für diese inhaltsreiche Antwort!

Kommentar von Schattentochter ,

Danke vielmals. :)

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