Wieso wird Helmut Schmidt so sehr verehrt?

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12 Antworten

Die Frage habe ich mir auch schon gestellt, denn Helmut Schmidt war während seiner aktiven Zeit als Kanzler nicht annähernd so beliebt wie heute. Vielleicht ist es wirklich so, dass mit zeitlichem Abstand nur noch das Gute gesehen wird. Dazu seine schon beinahe lebenslange Ehe, das gefällt natürlich vielen Menschen.

Und seine Seitenhiebe gegen die Politik, seine ständige Raucherei und sein oberlehrerhaftes Benehmen, all diese Unarten wurden von seinen Fans als die positiven Charakterattribute eines Freidenkers bewertet.

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Kommentar von rotesand
06.04.2016, 17:13

Das ist bisher die Ansicht, die sich am ehesten mit meiner deckt.. denn so ungefähr habe ich ihn trotz allem auch in Erinnerung behalten.

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Es liegt wohl vor allem daran, das Helmut Schmidt mehrmals bei Katastrophen  gute Entscheidungen getroffen hat und den Menschen geholfen hat Beispielsweise bei der Flut 1962 in Hamburg hat er dafür gesorgt, das schnell und effektiv gehandelt wurde und so vielen Menschen das Leben gerettet wurde. Und Helmut Schmidt war auch Kanzler in einer sehr schwierigen Zeit in Deutschland., nämlich 1977. In diesem  Jahr wurden mehrere Leute durch die RAF umgebracht, es wurde auch ein Flugzeug der Lufthansa mit etwa 80 Passagieren entführt, die Passagiere wurden als Geiseln genommen, um die Freilassung von RAF-Mitgliedern aus dem Gefängnis zu erpressen. Helmut Schmidt hat dank seinen Entscheidungen dazu beigetragen, das alle Passagiere überlebt haben.

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Kommentar von lupoklick
12.01.2017, 17:13

1962 hat Schmidt erst am nächsten eisigen Morgen die Leichen durch Sturmboote der Bundeswehr aus Celle bergen lassen,

als "seine" Feuerwehr mit ihren Schlauchbooten abgesoffen war.

Ich habe damals die Nacht am Radio verfolgt. Schmidt machte ein unsägliches Affentheater ---- und spielte  mit 300 Toten den Helden,,,,

1977 hat er WIRKLICH Mut bewiesenm wie auch beim NATO-Doppelbeschluß und der Einfühtung des ECU mit Gistard d´Estaing

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Schmidt hatte einfach ein gewisses Charisma, das m. E. zumindest seine Nachfolger nicht mehr hatten (seine Vorgänger kann ich nicht beurteilen, die habe ich nicht mehr erlebt) - das kann man leider nicht erklären, das ist mehr ein Gefühl. (Mein Opa - überzeugter CDU-Wähler - meinte mal, Schmidt sei der richtige Mann in der falschen Partei.)

Er war immer "ein Mann der klaren Worte" - ich hatte immer den Eindruck, dass er lieber (pragmatisch) handelte als erst lange zu reden. (So hat er als Hamburger Senator bei der großen Sturmflut 1962 kurzerhand Bundeswehr und sogar die NATO herangezogen, obwohl es dafür keinerlei gesetzliche Berechtigung gab, und so schnelle Hilfe ermöglicht.) Auch später, als weniger Taten und mehr Reden von ihm gefordert waren, hat er es immer geschafft, seine Meinung kurz und knapp, in klaren, verständlichen Worten darzulegen. Das machte ihn vor allem "dem einfachen Bürger" sympathisch.

Er war der einzige deutsche Bundeskanzler, der je sein Amt durch ein "konstruktives Misstrauensvotum" verloren hat, weil damals die FDP die langjährige Koalition mit der SPD aufkündigte und sich der CDU zuwandte. Das wurde von vielen Bürgern auch noch lange danach als unfair empfunden und hat ihm sozusagen "Mitleids-Sympathie" gebracht.

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Kommentar von Kuestenflieger
16.07.2016, 22:14

in realitas war er der SPD nicht links genug ,

denn realismus passte den roten derzeit nicht . die eigenen haben ihn aussortiert.

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Kommentar von lupoklick
11.10.2016, 14:57

In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 hat sich Schmidt so lange gegen die Bundeswehrsturmboote gewehrt, bis "seine" Feuerwehrgummiboote an Stacheldraht abgesoffen waren und Menschen erschöpft von den Dächern ihrer Behelfaheime rutschten und umkamen....

 Im Radio habe ich es angewidert verfolgt----  

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Helmut Schmidt hat einiges in seiner Amtszeit geleistet. Natürlich haben das auch andere Politiker.

Es ist jedoch häufig so, dass ein Politiker besonders geehrt wird, solange es noch Menschen gibt, die ihn kannten. Adenauer beispielsweise kennen zwar auch heute noch Leute, aber es sind nicht mehr allzuviele. Schmidt dagegen wird noch von sehr vielen Leuten gekannt.

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Kommentar von rotesand
06.04.2016, 10:52

Danke, das macht Sinn!

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Hier zwei Beispiele, warum Helmut Schmidt als Politiker so hohes Ansehen hatte:

1. Flutkatastrophe in Hamburg

Helmut Schmidt -Innensenator in Hamburg- hat sich als pragmatisch handelnder Mensch über alle Vorschriften hinweggesetzt und den Einsatz der Bundeswehr zur Rettung der Menschen befohlen. Dazu wäre er nicht berechtigt gewesen und hätte den Dienstweg einhalten müssen. Durch dieses Handeln hat er das Leben hunderter Menschen gerettet.

2. Flugzeugentführung nach Mogadischu

Als Bundeskanzler hat er die von palästinensischen Terroristen entführte Lufthansa Maschine durch die GSG 9 stürmen lassen, um die Geiseln zu befreien. Das war ein hohes Risiko, es hätte ja auch schief gehen können ! Für den Fall, dass diese Aktion schiefging, hatte er seine Rücktrittserklärung als Bundeskanzler hinterlegt.

PS: Ich bin und war noch nie ein Anhänger der SPD


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Kommentar von lupoklick
11.10.2016, 15:03

Schmidt hat durch sein Zögern " Meine Feuerwehr schaftt das schon...." Hunderte in eiskaltem Wasser ersaufen lassen, und spielte anschließend den Helden.... 

  bähhhh

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Sein Einsatz als "Katastrophenmanager" zur Zeit der "großen Hamburger Sturmflut" ist unvergessen, legendär UND auch hoch anzurechnen. Das Selbe gilt für seinen Umgang mit RAF-Terroristen Bader\\Meinhof, sowie seinen Umgang mit den Terroristen der entführten Lufthansa-Maschine "Landshut" Wer sich für den Tod eines ermordeten Menschen (Hanns-Martin Schleyer) bei dessen Angehörigen "entschuldigen" zu müssen veranlasst fühlt, der hat zumindest MEINEN Respekt verdient. Abgesehen davon hatte er als deutscher Regierungschef wirklich SEHR tiefe Einsichten in die Merkwürdigkeiten ANDERER  Regierungen gewinnen können. Seine zunehmende Senilität "verbaute" ihm aber wohl Einsichten, die ihm mit etwas klarerem Kopf wohl möglich gewesen wären. Schade, aber im Nachhinein NICHT MEHR ZU ÄNDERN.

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Die mainstream Medien hatten ihn entsprechend aufgebaut und herausgeputzt.

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Nun ich glaube er war gefühlt am wenigsten Sozialdemokrat von allen SPD Kanzlern dafür aber mehr authentischer Norddeutscher. Zumindest stellen sich viele Menschen Norddeutsche so vor,

stur und standfest (siehe das Gebaren um seine Rauchprivilegien)

kurzsilbig und nahezu militärisch (er redete eher kurz und aussagekräftig)

und er hörte oft aufmerksam zu, ob er wirklich interessiert war, weiß ich zwar
nicht, aber der Eindruck entstand zumindest daraus, das er sich auffällig oft auf längere Einlassung seiner Vorredner bezog. Das ist auch nicht jedem Politiker gegeben.

Nun ja und er stand nach seiner Amtszeit weiterhin Rede und Antwort zu wichtigen Themen.

Adenauer verbitterte zusehens.

Erhardt und Rau wurden viel skandalöser abgelöst als Schmidt.

Kohl war wohl durch sein arrogantes Schweigen nicht mehr spannend.

Zu Schröder gibt es auch nichts mehr zu sagen.

Na ja die Frau Merkel ist es ja noch. Man darf gespannt sein.

Tendenziell würde ich sagen man wird in der BRD aus dem Amt des Bundeskanzlers anscheinend zur beleidigten Leberwurst befördert.

Insofern war Helmut Schmidt eine Ausnahme.

Leistung macht sich oft daran fest, ob und welche Herausforderungen
sich in so einer Amtszeit stellen. Ich vermeide daher direkte Vergleiche
ihrer Wirkmächtigkeit, dazu müsste man viel zu sehr das
Zeitgeschehen ihrer Amtszeit miteinander abwägen.

Helmut Schmidt war wohl das. was das Volk als wenig abgehoben empfinden. Meine Mutter charakterisierte ihn gerade am Telefon bei spontaner Befragung als 'bodenständig' 



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Kommentar von EugenSchwarz
29.11.2016, 21:41

Da hab ich doch den Rau mit dem Brand verwechselt, man verzeihe mir das bitte (schäm) aber der Bezug auf das skandalös macht klar das ich den Brand meinte

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Der Hauptgrund dürfte sein, dass Schmidt nie ein Blatt vor den Mund genommen hat.

Er hat eine klare Sprache gesprochen (sowohl klares Hochdeutsch wie auch einfache Worte), seine Meinung gesagt und sich nicht hinter irgendwelchen Wortgeschwülsten versteckt.

Das hat natürlich dazu geführt, dass die Medien ihn auch lange nach seiner Kanzlerschaft gerne um seine Meinung gefragt haben und er so stets weiter präsent blieb.

Und Schmidt ist gewissermaßen durch einen Verrat (der FDP) gestürzt worden, wobei er sich ehrenhaft verabschiedet hat. Das hat ihm gewiss auch Sympathien eingebracht, weil er hier das Opfer war. Und mit Opfern solidarisiert man sich :)

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Helmut Schmidt war jemand, der nicht nur theoretisch sondern auch praktisch unterwegs war und sich dabei sehr viel Wissen angeeignet hat. Auf bestimmte Probleme konnte er verständlich und konkret antworten. Das hat ihm zurecht viel Anerkennung eingebracht. Dass er lange in den Medien präsent war, hat dazu auch beigetragen.

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Sturmflut und RAF-Entführungen werden von den Medien ins Rampenlicht gestellt, seine "Arbeit" im Reichsluftfahrt-Ministerium verschwiegen / nicht aufgeklärt. So macht man Helden: Das Gute nennen, das "weniger Gute"  vergessen ... Ganz einfach.

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nur spd nahe menschen tun das

die anderen finden adenauer besser


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