Frage von Triangel74, 44

Wie kann ich als Mutter meine introvertierte Tochter unterstützen?

Meine Tochter ist introvertiert. Sie ist insgesamt ein ausgeglichenes und zufriedenes Mädchen, doch die mündlichen Noten in der Schule sind für sie ein Gräuel. Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie kann ich beistehen? Meist kann sie z.B. zu Hause die Referate oder ähnliches richtig gut, aber sobald sie vor der Klasse im Mittelpunkt steht, klappt es nicht mehr so richtig.

Antwort
von Kingfrosch, 2

Introvertiertheit ist eine Form sich vorsichtig in kleinen Schritten auf das Leben zu stürzen. :-)

Solche Menschen brauchen ein Gefühl von sicherheit und eine feste Basis. Solche Menschen sind sehr verantwortungsbewußt. Wenn Du Ihr mehr verantwortung anvertraust, könnte sie daran wachsen und selbtbewußter werden.

Introvertierte Menschen sollte man nicht pushen. Es blockiert sie. Es sagt ihnen sie sind nicht gut genug. Es ist viel Lob für kleine Dinge zu suchen. Den in kleinen Schritten trauen sie sich voran. Sie brauchen viel mehr bestätigung als andere und kommen mit niederlagen schlechter zurecht. Daher sit Sport oder Denkweisen wie Eckhard Tolle vielleicht nicht schlecht zu kennen und zu vermitteln.

Zu fördern ist aber dennoch soziale Interaktion. Gerade solche wo Aufmerksamkeit auf einzelne stattfindet. Also kein Teamsport wo man sich in der Gruppe verstecken kann. Also eher Tennis, Kampfsport, Paartanz, Ballet, Klavier, ... Sie brauchen viel Erfahrung/Konfrontation mit öffentlichkeit

Introvertierte beobachten genau. Daher sind gute Vorbilder wichtig. Sie brauchen auch ein Ziel dann das was sie bei den Vorbildern sehen selbst anwenden zu wollen. Ich würde hier vorschlagen, als Mutter zu zeigen wie man offen auf andere Menschen zugeht und diese Menschen Ihr vorstellen. Allerdings pass auf, das sie nciht zu deiner Zuschauerin wird. Es ist wichtig eingebunden zu sein bzw. das es für sie auch einen bedarf gibt. Also Insbesondere viele Singlemüttter mit Kindern kennenlernen und sie halt die Kinder.

Ansonsten mal an die Girlsday Organisatoren rantreten. Die müssten sich ja mal um sowas gedanken gemacht haben.

Antwort
von teafferman, 9

Zunächst mal ist zwischen Scham und Introvertiertheit unbedingt zu unterscheiden. 

Tatsächlich neigen wir Menschen während des Wachstums durchaus zu ankonditionierter Scham. Diese lässt sich durch positive Bestätigung von der betroffenen Person wahrgenommenen scheinbaren Mängeln beseitigen. Also, indem diese von ihr wahrgenommenen Mängel als positive Besonderheiten ihrer Persönlichkeit bestätigt werden. 

Ein introvertierter Mensch kann durchaus einen gut vorbereiteten Vortrag in einem großen und bis zum letzten Platz gefüllten Fußballstadion halten. 

Nötig ist allerdings nach meiner persönlichen Lebenserfahrung das Verständnis der Notwendigkeit und die Überzeugung, dass der Vortrag gut ist. 

Ich bin z.B. ein introvertierter Mensch. Hier und da habe ich in meinem Leben auch mit Scham zu tun gehabt. Ein erlebtes Beispiel: 

Wir sollten das Gedicht von diesem Taucher auswendig lernen. Und dann wurden wir in der Stunde nach und nach aufgerufen, um es im Wechsel vorzutragen. Ich mag das Thema des Gedichts bis heute nicht. Und den Dichter kann ich auch immer noch nicht ausstehen. 

Ich wurde also aufgerufen, stand auf und sagte: "Der Taucher. Blubb blubb, weg war er." Danach setzte ich mich ganz ernst wieder hin, während meine Klasse leise lachte. 

Unsere Deutschlehrerin sah mich ernsthaft an. Dann fragte sie, ob ich Gründe hätte so vorzutragen. Ich nickte. Wir hatten nach der Stunde ein vertrauliches Gespräch. Danach wurde ich nie wieder aufgerufen wenn es um diesen Dichter ging und seinen "ach so tollen" - Ironie - Freund. 

Mein Bruder hingegen war in diesem Alter sehr stark von Scham besetzt. Er meldete sich also nie. Und bekam deshalb schlechte Noten. 

Also hat sich unser Vater erst mal so lange in Abständen mit seinem Sohn unterhalten, bis er die Ursache der mangelnden Beteiligung nachvollziehen konnte. Dann ist er zur Lehrkraft und hat die freie Entwicklung der Persönlichkeit seines Sohnes als verpflichtend zu beachten eingefordert. 

Und dann ist da als Beispiel noch meine Cousine. Die weigerte sich schlicht, Fragen der Lehrkraft zu beantworten oder gar eine Hausaufgabe als Vortrag vor der Klasse zu halten. Begründung in dem Fall:

Sinngemäß zitiert: "Warum sollte ich? Wenn die Lehrkraft es nicht weiß, dann hat sie wohl den falschen Beruf."

Nicht jeder Beruf verlangt den freien Vortrag. Da beißt absolut keine Maus einen Faden von ab. 

Aus uns allen ist "Was" geworden. Denn zunächst haben unsere Eltern ergründet, wo die Ursache liegt. Dann wurde diese als Teil der Persönlichkeit akzeptiert und verteidigt. 

Scham hingegen lässt sich, wie von Menuett ausgeführt, überwinden. Notwendig ist zunächst, sie sich selbst einzugestehen. Dann kann sie geäußert werden. Dann kann von außen eine Rückmeldung kommen. Und dann kann gemeinsam am Abbau gearbeitet werden. 

Auf youtube gibt es nach meiner Erinnerung gute Vorschläge zum Thema. Und nicht nur dort. Es gibt ja auch noch die Suchfunktion des Browsers. Aber bei youtube gefällt mir in dem Zusammenhang, dass Beispiele in laufenden Bildern ansehbar sind. 

Antwort
von Menuett, 24

Das ist eine reine Übungssache.

Nimm jede Gelegenheit war, bei der das Kind mit und vor Fremden sprechen kann.

Übt im Familienkreis oder auch mit den Nachbarn ein Referat zu halten, während die Zuschauer fies lachen oder böse schauen oder einen Bleistift fallenlassen.

Kommentar von Koroso ,

hat man das dir so beigebracht? ..... :)

Kommentar von Menuett ,

Nö.

Aber bei meinen Kindern und Pflegekindern hat das sehr gut funktioniert und sie haben sehr davon profitiert, sich nicht mehr so irritieren zu lassen.

Kommentar von teafferman ,

Jo, Menuett. 

Aber zunächst mal scheint es schon sinnvoll, das Kind daran zu gewöhnen, Vorträge erst mal der Familie vorzutragen. Hat sich das Kind dann an den freien Vortrag gewöhnt, macht Deine Steigerung Sinn. Viel Sinn. :)

Kommentar von Menuett ,

Ja, meinte ich ja.

Antwort
von Koroso, 21

einfach nicht böse sein, wenn es mal wieder eine schlechte note deshalb gibt.

Sie kann sich in einigen Jahren so verändern, dass sie offen und frei vor anderen sprechen kann.

ABER

Es kann auch sein dass sie, es nicht hinbekommt, ihre nervosität abzuschalten. Selbst als erwachsene frau.

Ist nicht gerade selten. Einfach aktzeptieren und lernen damit zu leben.

Ist leicht gesagt, ich weiß, aber manchmal ist dies die beste option

Kommentar von Menuett ,

Das Kind einfach in seinem Leid stehen lassen und keine Entwicklung zu fördern ist besser fürs Kind?

Nicht Dein Ernst.

Kommentar von Koroso ,

interpretiere hinein was du möchtest.....

Es akzeptieren und damit leben..... man kann eine veränderung nicht immer erzwingen.... dies macht die menschen auch manchmal kaputt....

Warum muss sie denn vor vielen leuten sprechen können ????

Weil der rest der klasse es kann?

Man sollte die Kinder nicht immer wieder mit dem gesicht auf ihre fehler stoßen. Wenn sie es jetzt nicht hinbekommt, dann ist das ok.

Oder würdest du dein Kind, egal wie sehr es darunter leidet sich nicht verändern zu können, zwingen sich den anderen anzupassen. Frei sprechen vor vielen Menschen... ist das wirklich soooo wichtig.

NAtürlich soll die mutter ihr helfen, doch ich meinte nur, wenn es nichts wird, dann sollte man es auch nicht erzwingen

Kommentar von Menuett ,

In dieser unserer Lebensrealität wird das Kind sich schlechte Noten einfangen, wenn sie das nicht kann. Da kann dann plötzlich ein gewünschter Schulabschluss in weite Ferne rücken (beim Abi wird immer noch mündlich geprüft, bei der mittleren Reife und beim Hauptschulabschluss auch).

Ist der Abschluss dann nicht richtig, kann u.U. der gewünschte Beruf nicht erwählt werden.

Ich finde es sehr wichtig, Kindern zu zeigen, dass sie Herr über sich selbst sind.

Und das bedeutet nicht nur, dass sie sich von anderen nicht sagen lassen, dass bedeutet auch, dass sie sich selbst beherrschen können.

Ja, dazu muß man sich auch mal aus der Komfortzone herausbewegen.

Kommentar von Koroso ,

wie ich es verstanden habe geht es hier um größere gruppen, vor denen sie nicht sprechen kann.

Wenn man geprüft wird, so sind es meist 3-4 Lehrer.

Die Nervosität vor einer gruppe offen zu sprechen ist meines erachtens nach normal. Wenn man in der gruppe mit allen gut klarkommt, fällt es den meisten plötzlich sehr viel leichter.

Wie allerdings schon gesagt. Bei den meisten verliert sich diese extreme angespanntheit mit dem alter....( 15-19)

Manchmal dauert es allerdings etwas länger.

Antwort
von chaosklub, 4

Schicke sie in einen Laientheaterverrein ... da lernt sie, dass man diese mündlichen Prüfungen als Schauspielerei ansehen muss.

Für mich waren solche "mündlichen Prüfungen" auch immer ein Graus. In der Schule habe ich das dann als "Theaterspielen" absolviert. Inzwischen bin ich Manager einer Firma und nutze einen "Kravattenträger", den ich extra dafür angestellt habe, dass er in der "Öffentlichkeit" schwätzen geht. Das spart mir viel Zeit. Es ist viel besser, wenn intelligente Menschen im Hintergrund arbeiten.   

Antwort
von OhNobody, 14

Deine Tochter sollte versuchen, sich anderen gegenüber zu öffnen — sie sehen lassen, wie sie wirklich ist. 

Euer Austausch von Gedanken und Gefühlen ist für sie sehr nützlich. 

Das hilft ihr, sich zu entspannen und sich so zu geben, wie sie wirklich ist.

Umgekehrt solltest Du nicht meinen, Deine Tochter müsse solange umgemodelt werden, bis sie ins Konzept anderer passt. 

Mit ein bisschen Mühe wird sie ein glücklicher Menschen werden.

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