Frage von AnnaAnny, 147

Wenn reden nicht mehr hilft.... wie rette ich meine Beziehung?

Nach der Geburt meiner Tochter (wunschkind) wurde es mit der Zeit immer schlimmer. Mein Lebensgefährte behandelt mich wie seine Leibeigene Haus-Putz-Frau, schimpft häufig und respektiert meine Arbeit nicht. Ich arbeite noch nicht und hoffe dass unsere Tochter den Kindergartenplatz bald bekommt. Er arbeitet Vollzeit und versorgt uns, sagt dann zu mir: "deine Arbeit ist unsere Tochter!" das weiß ich doch natürlich. Wir sind eine ganz normale Durchschnittsfamilie. Ich bemühe mich seit wenigen Wochen um einen Teilzeitjob, jedoch bisher nichts Konkretes. Sex wurde immer seltener und leider ganz ohne Romantik, ich bin aber weder fett noch ganz hässlich nach der Schwangerschaft geworden. Es geht mir psychisch nicht mehr gut, mittlerweile ganz traurig da reden mit ihm nur für eine sehr kurze Zeit geholfen hat. Wie rette ich unsere Beziehung und bringe sie wieder auf den alten Stand ?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Wissensdurst84, 54

Guten Abend,

ich habe mir Ihre Frage und auch die bisherigen Antworten durchgelesen der anderen Mitglieder. Ich habe bezüglich der von Ihnen geschilderten Problematik eine andere Auffassung. Ich schildere Ihnen hier meine Einschätzung teilweise aus eigener Erfahrung, teilweise aber auch aus Wissen von Entwicklungspsychologie, Persönlichkeitspsychologie oder Gesprächspsychologie. 

Aus ihrem Text geht leider nicht hervor, wie lange Sie schon mit ihrem Lebenspartner zusammen sind und wie ihr Zusammenleben in der Schwangerschaft war. 

Jedes Kind verändert eine Beziehung, sei es positiv und negativ. Jedes Kind ist für beide Partner eine Veränderung. Der wohl am bekannteste Part in den Beziehungen ist die klare Rollenverteilung. Der Mann hat die Auffassung, er müsse für seine Familie sorgen, arbeiten gehen und stellt den Ernährer dar. Die Mutter und Frau hat den anderen Part nach der Geburt des Kindes.  Sie kümmert sich um den Haushalt, um die Erziehung des Kindes und um den Mann. 

Wo vor der Geburt noch traute Zweisamkeit herrschte, tauchen nach der Geburt immer häufiger Konflikte auf. Durch ein Kind verändert sich die bisherige Alltagsroutine des Paares. Viele neue Aufgaben, die zu organisieren sind, stehen den Eltern bevor. Von der neuen Situation und all den Pflichten, die diese mit sich bringt, fühlen sie sich oft überfordert. 

Nicht selten scheitern Beziehungen bereits in den ersten 6 Monaten nach der Geburt zwischen den Paaren und es kommt zur Trennung weil die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit weit auseinander klafft. 

Es kommt zu Streits, wenn es darum geht, wer nachts aufsteht, um das Baby zu versorgen, wer es füttert, wickelt oder andere Aufgaben übernimmt. Es hagelt Vorwürfe wie "Ständig bist du arbeiten, nie zu Hause. Und wenn du da bist, hilfst du nicht!" - "Warum beschwerst du dich, andere Frauen schaffen Kindererziehung und Haushalt auch!".

Der Mann verkennt oft die die Leistung der Frau die diese jeden Tag erbringt. Es ist für ihn selbstverständlich, während er das Geld für seine Familie verdient, dass seine Frau sich um diese Belangen kümmert. Jedoch ist dies meist in der Realität anders. Leider wird hier die Leistung der Frau nicht oft genug anerkannt, und so kommt es oft zu Streitereien. Fehlender Sex, fehlende Zärtlichkeit, ein Baby das nun dazwischen funkt, bringen die Situation ans Pulverfass.

Beide Paare müssen mit dieser Situation lernen umzugehen. Kommunikation ist hier am wichtigsten. Eines ist jedoch wichtig zu beachten: Die Zeit entwickelt sich voran, es wird nicht mehr so wie früher sein. Wo Risse entstehen, können diese nicht einfach verschwinden.

Nicht selten hat der Mann auch eine Affäre zu einer Kollegin oder anderen Frau, weil die sexuellen Wünsche, Sehnsüchte von seiner Partnerin nicht mehr erfüllt werden, wie er es sich vorstellt, weil sie nicht mehr in sein Mannsbild hineinpasst, oder er sie nicht mehr attraktiv findet. Was vor einigen Monaten noch perfekt war, passt nun vorne und hinten nicht mehr.

Ist das Kind erstmal da, konzentriert sich die ganze Liebe und Zuneigung ausschließlich auf den Nachwuchs und nicht mehr auf den Partner. Zudem vereinnahmen die Bedürfnisse des Babys Mama und Papa so stark, dass deren gemeinsame Paarzeit selten wird. Fehlende Liebe und Zärtlichkeit sind der perfekte Nährboden von Frust und Wut. Wichtig ist daher, dass sich die Eltern eine kinderfreie Zeit nehmen, damit bei allem Familiendasein auch die Partnerschaft nicht zu kurz kommt.

Eltern sollten sich nicht scheuen, wenn möglich, die Hilfe von Dritten anzunehmen, gerade wenn sie sich überfordert fühlen. Auch wenn Freizeit vor allem in den ersten Lebensjahren des Kindes für Eltern schon fast zum Fremdwort wird, so gibt es doch einen Lichtblick. Denn auch Kinder werden älter und je größer die Sprösslinge werden, desto mehr wächst auch der Freiraum der Eltern.

Ein Patentrezept gibt es nicht. Aber ich rate Ihnen langsam sich wieder aneinander zu gewöhnen. Fangen sie mit alltäglichen Situationen an. Schauen Sie, dass sie einmal am Tag miteinander zusammen eine Mahlzeit einnehmen, stärken sie das Wir Gefühl, schauen Sie ob es sich einrichten lässt, dass sie an zwei Abenden Oma oder Opa zum Aufpassen bewegen können, und gönnen Sie sich einen Abend zusammen, auch nur wenn sie einfach eine Stunde zusammen spazieren oder etwas trinken gehen. Lernen Sie beide wieder, das Feuer in ihrem Partner zu entfachen, dass Sie damals als sie glücklich waren ausgezeichnet hat.

Ich hoffe ich konnte Ihnen helfen und wünsche ihrer kleinen Familie wirklich alles gute.

Liebe Grüße

Wissensdurst84

Kommentar von AnnaAnny ,

Sie haben auf jeden Fall recht, vieles davon trifft auf unsere Situation zu. Ich versuche die perfekte Hausfrau zu sein, arbeiten gehen möchte ich jedoch auch wieder, da mich der Alltag zerfrisst. Ich versuche die Zeit zu zweit zu arrangieren und achte auf das gemeinsame Abendessen. Trotzdem langt ihm vieles nicht, er reagiert oft impulsiv und beleidigt mich häufig. "Nichts läuft!" Sagt er. Wehe ich gehe ein mal mit der Kleinen nicht raus, dann gibt's mächtig Ärger.    Meinerseits habe ich schon so viele Nächte durchgeweint dass ich seine Gegenwart manchmal nicht mehr als angenehm empfinden kann. Geküsst haben wir uns schon lange nicht mehr.   (wir sind seit 5 1/2 Jahren zusammen) ... Ich glaube dass es uns vielleicht helfen könnte wenn ich wieder zur Arbeit gehen würde, dann wird er vielleicht mich wieder mit Respekt behandeln... 

Kommentar von Wissensdurst84 ,

Ich kann Ihre nicht einfache Situation verstehen. Ich kenne ein Paar, dass ist seit 13 Jahren zusammen, haben einen 10 jährigen Sohn, beide sind im Endeffekt nur noch wegen dem Sohn zusammen, was auch ein absolut falsches Signal ist und einem Kind mehr schaden kann als es gut ist. Beide haben sich schon einige Jahre kaum geküsst, wenn nur sporadisch, Sex ist nur noch Seltenheit, vielleicht alle 3 Monate noch. 

Ich möchte mir um Gottes Willen kein falsches Urteil bilden, aber die bisher geschilderte Situation lässt vieles darauf deuten, dass ihr Mann/Lebensgefährte nur noch mit Ihnen wegen des Kindes zusammen ist und seine Familie nicht im Stich lassen will, während sie versuchen, die Familie zu retten und die Situation zu verbessern.

Es würde mich nicht wundern, wenn ihr Mann/Freund nicht eine Affäre oder außerhalb der Beziehung Sex hätte, womit das von Ihnen geschilderte Verhalten zu erklären wäre. Das er mit der Situation generell nun überfordert ist, sehe ich hier nicht so im Gegenteil. Ich denke eher dass es Gründe für seine Verhaltensweise Ihnen gegenüber gibt, oft dauert es vom Entschluss zur Trennung bis zur Trennung noch eine ganze Weile, manchmal über mehrere Jahre. Vielleicht will er Ihnen den Ball zuschieben und damit erreichen, dass Sie sich trennen.

Letztendlich müssen SIE wissen was für SIE und IHR KIND am besten ist. 

Antwort
von pingu72, 37

Könnte es sein, dass er dich "nur" noch als Mutter wahrnimmt und nicht mehr als Frau? Vielleicht solltet ihr mal ohne eure Tochter etwas unternehmen, also als Paar. Oder du machst dich mal schick und bereitest einen schönen Abend vor mit Candlelight-Dinner. Ich weiß nicht ob das der Grund ist aber es auszuprobieren kann ja nicht Schaden ;-)

Antwort
von RastaNina, 39

Ich könnte mir vorstellen dass er vielleicht selbst mit der ganzen Situation ein bisschen überfordert ist.. Wahrscheinlich macht er sich Sorgen weil ihr jetzt ein Kind großzuziehen habt (deswegen sagt er dass das dein Part ist) und er euch aber auch noch zu ernähren hat.. Ich hoffe du weißt was ich meine^^ vielleicht hilft es euch wenn ihr nicht über eure Probleme redet, sondern über das, was ihr bis jetzt schon geschafft habt! Ihr habt einen kleinen Menschen bekommen und kümmert euch gut um ihn, das ist heute leider nicht mehr so selbstverständlich.. Vielleicht kannst du so das Selbstbewusstsein deines Mannes stärken, wenn ihr über das positive redet :) ich wünsche euch auf jeden Fall alles Gute und viel Erfolg!! :)

Kommentar von AnnaAnny ,

Gute Einstellung. Danke 

Antwort
von meliglbc2, 14

Ich erzähl dir mal was, was ich als schon kleines Mädchen von meinen Eltern auf den Weg bekommen habe, dass ich mich nie und zwar auch wirklich nie im Leben, einem Mann unterordnen werde.

"Kämpfe" für dein Recht! Ich persönlich finde es scheußlich, dass Frauen bei machen immer noch die Rolle, der Mutter haben, die sich nur um die Babys kümmert und Hausarbeiten macht und dafür werden die meisten nicht mal respektiert!

Rede mit deinem Mann und zeige ihm, dass deine Arbeit auch etwas Wert ist und nicht nur easy zu machen ist indem er mal für einen Tag die Hausarbeit + Baby übernimmt.

Er wird bestimmt nichtmal nur einen Tag aushalten.

Also schaff dir dein Recht und beweise, dass du dich einem Mann nicht "unterordnen" zu hast.

Kommentar von AnnaAnny ,

Einfacher gesagt als getan.

Antwort
von DominikLL, 60

Vermutlich ist dein Lebensgefährte von seiner Arbeit gestresst. Mach ihm was schönes und versuch ihm dann nochmal klar zu machen wie die Lage ist und dass es dich bedrückt. Das geht natürlich auch ohne. Mach es so wie du es bevorzugen würdest.

Kommentar von AnnaAnny ,

Ich versuche so viel wie möglich meinem Lebensgefährten zu helfen, auch moralisch zu unterstützen. Eigentlich bin ich immer für ihn da. 

Aber er versteht nicht dass er mich mit seinen Launen und unfairen Vorwürfen beleidigt. Geredet haben wir schon genug darüber

Antwort
von Mondlachen, 38

Könnte dir evtl. deine Schwiegermutter helfen? Mütter haben oft einen guten anderen Draht zu den Söhnen.

Gehst du mit deinem Kind in eine Krabbelgruppe? Dort hättest du Gesprächspartnerinnen zum Austausch. Wichtig ist der Austausch mit anderen Müttern für dich.

Einen Tag in der Woche zu deiner freien Verfügung, wäre auch eine Idee. Mache deinem Mann klar das du nicht sein Privateigentum bist.

Kommentar von AnnaAnny ,

Seine Mutter gibt es leider nicht mehr. Mit seinem Vater haben wir nur oberflächliche Beziehung. Eine Gruppe besuche ich natürlich auch. Ich mache all das was eine normale Mutter machen muss. 

Kommentar von Mondlachen ,

Es geht auch um die Freude im Leben, nicht nur um die Pflichterfüllung bei Treffen.

Gegen depressive Verstimmungen und Nervenschwäche kann ich, selber ausprobiert und dabei geblieben, folgendes Mittel empfehlen :

http://www.gesundheitsinstitut-deutschland.de/moringa-oleifera-anwenungen-und-wi...

Hättest du jemanden den du als Babysitter beauftragen könntest? Dann einen Abend für 2 -als Ehepaar mal ausklinken aus dem Altag. Bei meinem Mann und mir hat es geholfen, wieder zueinander zu finden. Alle 14 Tage ein Auszeittag ist eigentlich machbar. Vielleicht kann sich dein Mann auch darauf einlassen.

Kommentar von trixexpress ,

Diese Antwort war sehr gut.Das hätten wir also ich und meine Frau vor einem Jahr besser auch so gemacht. Ich war damals sehr auf dem Ego tripp dann hat sie sich von mir getrennt erst da habe ich gemerkt wie sehr ich sie liebe und wie sie mir fehlt.Dann folgten viele streitgespräche ca 3-4 Monate wobei ich sagen muss der Kontakt zu meinem Sohn war sehr regelmäßig und gut.Danach wurde so ca.2-3 Monate gar nicht mehr geredet ausser über das Kind natürlich. Seit ca.2 Monaten haben wir sehr viele ruhige Gespräche über uns geführt und dem anderen zugehört ohne gleich einen Vorwurf darin zu sehen. Wir haben darüber gesprochen was jeder in einer Ehe bzw Beziehung sich wünscht und erwartet. Seid ca. 2 Wochen sind wir uns wieder sehr nahe gekommen auch körperlich.Wir wollen aber die räumliche Trennung zunächst noch beibehalten und es ganz langsam angehen lassen.

Antwort
von Cavo64, 27

Man kann es schwer sagen
Es ist eine schwere Zeit die sich durchzustehen lohnt
Ich Kenn nicht seinen Teil der Geschichte
Aber ich denke er will auf seine eigene Art helfen
Vllt solltest du ihm zeigen dass er auch auf andere Weise helfen kann
Es scheint nicht so dass er dich in Abhängigkeit stoßen will oder sonstiges
Aber vllt klappt es grad nicht weil es einfach ne schwere Zeit ist (mit Geburt und co.)

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