Frage von dama27, 63

Was waren Folgen für die Revolution, die durch die Ablehnung der Kaiserkrone (1849) entstanden?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Albrecht, Community-Experte für Geschichte, 24

Am 28. März hat die Nationalversammlung in Frankfurt am Main
die Verfassung endgültig beschlossen und der preußische König Friedrich Wilhelm IV. mit 290 gegen 248 Stimmen zum Erbkaiser gewählt.

König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen hat zunächst am 3. April 1849 ausweichend geantwortet, als er die Kaiserdeputation (Abgeordnete der Frankfurter Nationalversammlung) im Berliner Schloß empfing und sie ihm die Kaiserkrone anbot. Nach dieser verklausulierten Ablehnung hoffte eine Mehrheit der Abgeordneten der Nationalversammlung zunächst noch darauf, König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen umstimmen zu können. Am 22. April unterbreitete der Dreißiger-Ausschuß Vorschläge mit einer hoffnungsvollen Beurteilung. Die preußische Regierung lehnte aber die von der Nationalversammlung beschlossene Reichsverfassung eindeutig ab. Am 28. April 1849 wies König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen endgültig die Kaiserwürde zurück.

Folgen für die Revolution:

  • keine Verwirklichung eines einheitlichen deutschen Nationalstaates (in kleindeutscher Lösung)
  • fehlende Anerkennung der Verfassung durch den mächtigsten vorgesehenen Mitgliedsstaat (Versuch gescheitert, bei der Inkraftsetzung und Durchsetzung einer Reichsverfassung Unterstützung von einem wichtigen Monarchen zu erhalten), sie ist dadurch nicht in die Wirklichkeit umsetzbar
  • zunehmende Wahrscheinlichkeit einer Niederschlagung der Revolution
  • große Enttäuschung bei den Anhängern einer nationalen und liberalen Bewegung, vor allem den Liberalen, die eine konstitutionelle Monarchie befürworteten
  • Verworrenheit, Ratlosigkeit und Niedergeschlagenheit im Verhalten vieler Abgeordneten: Es gab Überlegungen, den Vorgang einem Ausschuß zuzuweisen, und Anträge auf Änderung der Verfassung (weil das Erbkaisertum nach der Ablehnung nicht umsetzbar war). Mit 276 gegen 151 Stimmen wurde aber ein unwandelbares Festhalten an Reichsverfassung und Wahlgesetz beschlossen.
  • Reichsverfassungsbewegung/Reichsverfassungskampagne (vom Mai bis Juli 1849): Am 14. April hatten immerhin 28 deutsche Staaten die Reichsverfassung anerkannt, am 24. April folgte Württemberg auf Druck der öffentlichen Meinung und des Landtages, aber Österreich und Preußen lehnten sie ab und ebenso weitere verhältnismäßig große Staaten wie die Königreiche Hannover, Sachsen und Bayern. Eine Reichsverfassungsbewegung/Reichsverfassungskampagne (vom Mai bis Juli 1849) versuchte, über einen Appell an die öffentliche Meinung noch eine Anerkennung des Verfassungswerkes der Nationalversammlung zu erreichen. Am 4. Mai 1849 erging ein Aufruf an alle deutschen Parlamentarier, die Institutionen der Selbstverwaltung und das gesamte deutsche Volk, sich bei ihren Regierungen für die Annahme der Reichsverfassung einzusetzen. Als Eröffnungstag eines neu Reichstages wurde der 22. August 1848 angegeben, die Wahlen dazu auf den 15. Juli angesetzt (hat nicht mehr stattgefunden). Dies war aber machtpolitisch nicht ausreichend. Regierungen begannen, aus ihrem Staat zukommende Abgeordnete aus der Nationalversammlung abzuberufen (zwar wohl rechtswidrig, aber aufgrund von Druckmitteln wirksam). Außerdem hielten viele gemäßigte Liberalen die Lage für aussichtslos und zogen sich freiwillig zurück.
  • Aufstandversuche radikaler Revolutionäre: Es gab (nicht nur wegen der Ablehnung der Kaiserwürde, sondern mehr noch wegen der voranschreitenden Niederschlagung, Verfolgung und Unterdrückung der Revolution durch Monarchen, ihre Regierungen und Truppen) Aufrufe zu Steuerverweigerung und militärischem Widerstand gegen Staaten, deren Regierungen die Reichsverfassung nicht anerkannten, und Aufstände (insbesondere im Rheinland, in Westfalen, in Sachsen, in der Pfalz und vor allem in Baden. Diese Erhebungen wurden aber nur von einem radikaleren Teil der Revolutionäre getragen.


In Bibliotheklen gint es Bücher zum Thema, z. B.:

Frank Engehausen, Die Revolution von 1848/49. Paderborn ; München ; Wien ; Zürich : Schöningh, 2007 (UTB ; 2893. Seminarbuch Geschichte). ISBN 978-3-8252-2893-4 (UTB). ISBN 978-3-506-76364-8 (Schöningh)

Dieter Hein, Die Revolution von 1848/49. Originalausgabe. 5., durchgesehene und aktualisierte Auflage. München : Beck, 2015 (C.H.Beck Wissen ; 2019). ISBN 978-3-406-45119-5

Frank Lorenz Müller, Die Revolution von 1848/49. 3., bibliographisch aktualisierte Auflage. Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2009 (Geschichte kompakt : 19./20. Jahrhundert). ISBN 978-3-534-23016-7

Wolfram Siemann, Die deutsche Revolution von 1848/49. Erstausgabe. 1. Auflage. Frankfurt am Main : Suhrkamp, 1985 (Neue Historische Bibliothek. Edition Suhrkamp ; 1266 = N.F., Band 266). ISBN 3-518-11266-X

Eva Maria Werner, Kleine Geschichte der deutschen Revolution von 1848/49. Wien ; Köln ; Weimar : Böhlau, 2009 (UTB ; 3219). ISBN 978-3-205-78348-0 (Böhlau). ISBN 978-3-8252-3219-1 (UTB)

Kommentar von dama27 ,

Ganz lieben Dank für die Zeit, die Sie sich genommen haben ! Diese Antwort hilft mir wirklich sehr weiter und ich verstehe alles auch jetzt besser !!

Antwort
von DietmarDreist, 24

Deine Frage ist falsch, die revolutionären Erhebungen 48(!) und 49 und Deutschland hatten zur Ursache nicht die Ablehnung der Kaiserkrone, die Ablehnung der Kaiserkrone war Ausdruck des Scheiterns einer Großdeutschen Lösung. 
Das wesentliche Resultat war ein Nationalstaat(Reich), jedoch wurde die bürgerliche Revolution in Deutschland (Mit Ausnahme der kurzen Periode 1918) nie vollständig entwickelt, worin sich die Halbheit der Aufkommenden Bourgeoisie zeigt und ihre Furcht, den Adel ähnlich wie in Frankreich gänzlich ab zu schaffen. 

Kommentar von dama27 ,

Die Frage in der Hausaufgabe ist nämlich die Ablehnungen der Kaiserkrone zu begründen und dessen folgen für die Revolution.
Es kam doch zu einer Spaltung des Parlamentes und die Abgeordneten hielten die Revolution für bereits gescheitert dachte ich.

Kommentar von DietmarDreist ,

Deine Hausaufgabe werde ich dir leider nicht machen können, dafür müsste ich selber ein Buch in die Hand nehmen aber Preußen strebte eine Großdeutsche Lösung an, was wohl auch der Grund sein dürfte, warum sie die Kaiserkrone eines "Kleindeutschlands" ablehnten. 
Konfliktpunkte waren natürlich die Frage der bürgerlichen Demokratie und die nationalen Konflikte zwischen den Fürstentümern.
Na ja, was waren die Folgen. Das Scheitern der bürgerlichen Republik und ein Sieg der Reaktion aber ich glaub da kann dir sogar Wikipedia präzisere Auskunft geben, wenn du 1948/49er Revolution googlest. ^^ 

Kommentar von dama27 ,

Dass Sie die Hausaufgabe für mich machen, habe ich auch nie verlangt. Ich wollte nur Klarheit bekommen, von dem was ich schon wusste!  Also vielen lieben Dank für die hilfreiche Antwort! 😄

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