Frage von MiaLG, 80

Was tun, wenn man das Gefühl hat, gelebt zu werden und nicht selbst zu leben?

Hallo ihr Lieben, eine Bekannte im mittleren Alter hat immer mehr das Bedürfnis den Beruf zu wechseln, was allerdings finanziell nicht machbar ist. Sie denkt nur noch mit Angst und unguten Gefühlen an die Arbeit und den nächsten Tag. Am liebsten wäre ihr Zuhause zu bleiben, dort mal wieder alles klarschiff zu machen, auszumisten und all das alte mal über Bord zu werfen, doch auch dazu hat sie kaum Zeit. Ihre Familie leistet sich kaum etwas, dreht jeden cent mehrmals um und kauft auch nur Sachen, die dringend und notwendig sind. Ich würde der Bekannten so gerne Helfen, doch ich weiß, dass es nichts bringen würde, ihr Geld zukommen zu lassen. Ich finde es auch so furchbar ungerecht, sie ist immer für alle da, hat immer ein offenes Ohr für jeden, hilft wo sie kann und muntert die Menschen auch wieder auf. Sie zieht die Menschen aus deren Löchern heraus und zeigt ihnen, dass sie nicht alleine sind. Doch sie hat niemanden, der ihre Hand nimmt und sie aus dem Loch, in dem sie nun drinsteckt, herauszieht. Sie ist sehr gläubig, allerdings kann sie in ihrem Zustand Gott nicht mehr wahrnehmen. Ich weiß, dass wenn er nicht wäre, es ihr viel schlimmer gehen würde, aber diese Frau leidet jetzt schon seit Jahren daran und hat so vieles versucht sich ihr Leben angenehmer zu machen. Doch das Gefühl, dass sie nur eine Art Marionette ist, lässt sie nicht los. Sie lebt nicht mehr, sie wird gelebt ... Habt ihr Erfahrungen und Tipps, wie ich ihr helfen kann? Es macht mich fertig sie so zu sehen ...

Liebe Grüße und danke im Vorraus! Gottes Segen!

Antwort
von Fantho, 10

Ein paar Gedankensätze:

  • Kein Kind ist verantwortlich für die Eltern!
  • Gott bürdet nie soviel auf, dass man die Last nicht mehr tragen könnte...
  • Eigenliebe besteht nicht darin, andere wahrzunehmen, sondern sich selbst wahrzunehmen...
  • In die eigene Mitte gelangt man, indem man sich selbst wahrnimmt...
  • Die Wahrnehmung Gottes gelingt in der eigenen Mitte...

Wenn sie das Gefühl hat, gelebt zu werden, muss die Frage gestellt werden: Von wem?

Wenn sie die Antwort weiß, muss als nächstes abgeklärt werden, ob dies gewollt ist, oder nicht. Erst dann weiß sie auch, von wem sie sich dann lösen muss, um wieder in ihre Mitte zu kommen und sich selbst wieder wahrnehmen zu können...

Dazu gehört logischerweise, dass sie das eigene Leben wieder an die Hand nimmt: Durch Aktivitäten, die sie zufrieden machen, glücklich machen, welche ihr Lebensfreude bescheren usw. usf....

Es gibt Dinge, in die man keine großen Investitionen tätigen muss...

Auch ein Berufswechsel ist ein Schritt in die Zufriedenheit, wenn die Tätigkeit bzw. das Berufsbild eine innere Unzufriedenheit auslöst...

Das Sichlösen von allem Destruktiven ist ein ganz wichtiger Faktor. Mitunter kann es geschehen, dass das ganze Leben auf den Kopf gestellt wird und man davor und vor dem Unbekannten sich fürchtet...

Aber wer sich diesem Destruktiven nicht entgegenstellt bzw. sein Leben diesem unterordnet, weil die Furcht vor dem Unbekannten größer ist, dem kann dieses Destruktive anscheinend noch nicht destruktiv genug sein:

Es gibt viele Gründe, alles beim Alten zu lassen und nur einen einzigen, doch etwas zu verändern: Du hältst es einfach nicht mehr aus. ( H. C. Fleming)

Deine Mutter soll anfangen, auf sich zu sehen, sich als wichtigste Person zu betrachten und auch zu pflegen. Es gibt für sie kein besseres Leben, als jenes, das sie führt: Sie hat ja nur dieses!

Sich selbst an die Hand zu nehmen, für sich und ihre Vorstellungen und Wünsche einzustehen, sich selbst lieben und achten zu lernen, auf ihre innere Stimme und ihre inneren Empfindungen hören zu lernen, sich mit positiven Dingen umgeben und beschäftigen, Gedankenhygiene zu betreiben, Faulheit auch mal zu genießen und dabei relaxen und und und...

Nur so wird sie dann wieder leben und nicht gelebt werden ...

Gruß Fantho

Antwort
von Steffile, 51

Bist du sicher, dass deine Bekannte wirklich so ungluecklich ist, wie du es interpretierst?

Ich kann mir vorstellen, dass das Helfen und die Verbindungen zu anderen genau das sind, das ihr Kraft gibt - "angenehm" ist nicht unbedingt etwas, das jeder Mensch braucht.

Kommentar von MiaLG ,

Diese Bekannte ist meine Mutter und ich habe das Glück mit ihr über alles (und ich meine auch alles :D ) reden zu können- das gilt auch umgekehrt. Deswegen nimmt es mich auch so mit. Ich gehe noch zur Schule, mache gerade mein Abi und verdiene leider noch nichts, sonst würde ich versuchen sie dadurch irgendwie zu entlasten ... Reich sein macht nicht Glücklich, aber genügend Geld zu haben macht das Leben dann doch irgendwie etwas einfacher. 

Kommentar von Steffile ,

Das stimmt, meine Familie musste auch jeden Pfennig zweimal umdrehen. Ich verstehe allerdings nicht, weshalb du nicht jobben kannst, wenn du das wirklich willst.

Kommentar von MiaLG ,

Das tue ich schon ...

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