Frage von DrAdamSmith, 131

Je größer der Markt, desto größer der Wohlstand für alle?

Je größer der Markt, desto größer der Wohlstand für alle? Kann man das so sagen?

Expertenantwort
von Unsinkable2, Community-Experte für Politik, 43

Dieses stark simplifizierende und monokausale Postulat kursiert, ja. Ob es allerdings richtig ist, ist (a) heftig umstritten und (b) nicht nachgewiesen.

Insofern ist es ausschließlich eine Frage der Religion, ob die Antwort auf deine Frage "Ja!", "Nein!" oder "Ein bisschen!" lautet.

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Beispiel

Wenn man die "Arbeits-Argumentation" hernimmt, ist es durchaus richtig: Je größer der Markt, desto größer die Beschäftigtenzahlen, desto mehr Einkommen aus Arbeit, desto größer der Wohlstand. (Soweit die simplifizierte Theorie.)

Wenn man die "Einkommens-Argumentation" hernimmt, ist es falsch: Angenommen, alle Arbeiter erhalten nur einen Dollar Arbeitslohn pro Woche. Die Überschüsse werden hingegen unter Freunden und Verwandten des Arbeitgebers aufgeteilt. Dann steigt zwar der absolute Wohlstand; doch nicht der relative. (Auch hier zur Anschaulichkeit verkürzt.)

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Es gibt noch zahlreiche weitere Argumente, die für und gegen dieses Postulat sprechen. Entscheidend ist jedoch, dass der Nachweis fehlt

Ich habe vor einiger Zeit mal gelesen, dass wir, wenn jeder so leben wollte, wie die Europäer heute, drei bis vier Erden bräuchten, um alle Menschen gleichermaßen zu versorgen.

Und, um nur einen letzten Punkt zu nennen, dieses Postulat berücksichtigt auch nicht die Automation und damit den sinkenden Anteil an menschlicher Arbeit, der ebenfalls (etwa monetär) zu kompensieren wäre. 

Das wiederum müsste politisch erfolgen, womit wir im - nun schon überaus heftig umstrittenen - Bereich der politischen Kausalitäten wären: "Wie viel Einfluss braucht die Gesellschaft auf den Markt, um dieses Postulat wahr werden zu lassen?"

Antwort
von Machtnix53, 43

Die Praxis des Neoliberalismus hat gezeigt:

1. Je größer der Markt, desto größer der Wohlstand für wenige.

2. Je größer der Markt, desto größer die Ausbeutung für den Rest.

Antwort
von MusiToo, 68

Je größer der Markt, desto größer (im Normalfall) die absolute Wohlfahrt.

Die relative Wohlfahrt (je Einwohner) kann aber gleichzeitig sinken; das kommt darauf an, ob die bei einem größeren Markt hinzukommende Wohlfahrt je Einwohner größer, kleiner oder gleich zur derzeitigen Wohlfahrt je Einwohner ist.

Antwort
von NewKemroy, 38

Spätestens wenn der Markt eine kritische Größe im Bezug auf die Planetengröße angenommen hat, sinkt der Wohlstand wieder.

Antwort
von Modem1, 79

Das war schon am Hofe der Fürsten so: Je mehr Gäste am Tische geschmaust haben je mehr Knochen blieben für die Hunde übrig!

Antwort
von soissesPDF, 55

Das hätte sich bestimmt herumgesprochen wenn dem so wäre.
Nicht die Größe des Marktes ist für den Wohlstand, sondern die Verteilung.
Vor 30 Jahren nannte sich das soziale Marktwirtschaft.
Die haben die Neoliberalen abgeschafft.
Mit dem bekannten Ergebnis der zunehmenden Ungleichheit und Verarmung.

Kommentar von MusiToo ,

Stimmt so nicht:

Die Größe der Wohlfahrt einer Gesellschaft hängt nicht von der Verteilung ab, denn sie entspricht der Summe der erbrachten Leistungen und Güter; dabei ist es egal, ob einer allein diese Leistung erbringt oder viele/alle.

Stattdessen hängt die individuelle Wohlfahrt von der Verteilung ab.

Kommentar von Modem1 ,

Die Aufteilung des Mehrwert! Und fällt die Statistik für unser Land sehr unausgewogen aus.

Kommentar von soissesPDF ,

Hat sich bei den Neoliberalen noch nicht herumgesprochen, dass man Wirtschaft und Wohlstand gemeinsam denken muß.
Nicht Rekordgewinne für die Wirtschaft und Niedriglöhne für das Volk.

Antwort
von hummel3, 37

Nein, das kann man so nicht sagen.

Stell dir vor du besuchst einen Wochenmarkt mit 100 Marktständen. Wenn du kein Geld zum Kaufen hast, würden dir auch weitere 100 Marktstände nichts nützten, um deinen "Hunger" nach Lebensmitteln oder irgendeiner anderen Ware zu stillen. Das gleiche gilt umgekehrt für die Anbieter auf dem Markt.

Der Gedanke, welcher hinter der Aussage steckt, muss deshalb wohl noch ein anderer sein.

Kommentar von CamelWolf ,

Um 100 Marktstände bestücken zu können, bedarf es mehr Arbeit als wenn nur 5 Marktstände dastehen. In der Theorie wird deswegen keiner auf dem Markt sein, der nicht schon vorher sein Geld mit dem Markt verdient hat. 

Kommentar von hummel3 ,

Ist deine Betrachtungsweise, an meinem Beispiel festgemacht, nicht etwas zu einseitig und sogar falsch? - Schließlich geht es um den Wohlstand "für alle". 

Kommentar von CamelWolf ,

Wohlstand für Alle wird es  nie geben. Die untersten 5% in Deutschland würden mit der Ausstattung, die ihnen die Allgemeinheit zur Verfügung stellt, in China zum Mittelstand gehören, in manchen Ländern Afrikas zur Oberschicht. Wohlstand ist demnach auch eine Definitionsfrage. Die Maslow'sche Pyramide zeigt eigentlich ganz anschaulich, warum das menschliche Streben nach "Mehr" verhindert, dass es eine gleichmäßige Verteilung von Wohlstand gibt.

Kommentar von hummel3 ,

Entschuldige, aber du entfernst dich mit deinem Kommentar immer weiter von der Frage selbst. Deshalb häng' dich nicht länger an meine Antwort, sondern antworte doch dem Fragesteller direkt.

Expertenantwort
von atzef, Community-Experte für Politik, 36

Ja.

Ein bisschen platt, aber grundsätzlich nicht verkehrt.

Antwort
von voayager, 25

Nach deiner Logik nach ist es dann allerdings recht traurig bestellt mit der Schweiz und Luxemburg.

Darf ich dir verraten, dass in diesen beiden Ländern mit der größte Wohlstand in Europa vorherrscht? Gegenbeispiel: China hat gewiß den größten Binnenmarkt, ist dort der Wohlstand für alle deshalb am größten? Ich hab da so meine Zweifel.

Kommentar von CamelWolf ,

Die Schweiz und Luxemburg bedienen auf Grund einer jahrzehntelangen Tradition einen Nischenmarkt (Finanzprodukte/hochwertige technisch/pharmazeutische Produkte). Eine Volkswirtschaft wie China (überwiegend Primär- und Sekundärwirtschaft) wird da vielleicht mal in 100 Jahren ankommen. 

Kommentar von voayager ,

In einigen wenigen Jahren ist China die stärkste Wirtschaftsmacht der Welt und hat es als solche garnicht nötig irgendwelche Nischenmärkte als auch Nischenprodukte herzustellen als auch zu bewerkstelligen, denn es geht Vieles in die Breite, sprich ein umfangreiches Warensortiment exportiert China zusehens für die Welt.

Antwort
von Hikez, 53

Kommt auch auf den Aufbau/die Prinzipien des Marktes an. Ganz grundlegend kann man das aber so sagen, denke ich. An unserer momentanen Situation (weltweit) kannst du ja sehen, dass es nun mal nicht immer so gut klappt.

Antwort
von earnest, 27

Das kann man zwar sagen, es ist aber Unfug. 

Schön, dich wieder zu lesen, "DrAdamSmith".

Mal wieder ein neuer Account?

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