Frage von Kajawizu, 151

Ist studieren Zeitverschwendung?

Ein abgeschlossenes Studium ist heutzutage kein Garant mehr auf dem europäischen Arbeitsmarkt eine Arbeit zu finden, zudem hat man weitere Probleme bezüglich der Überqualifiertung im theoretischen Sinne und der praktischen Armut. Das wirft auch die Frage, wie obsolet klassisches Studieren heute ist. Zudem müsste man mehr Geld verdienen und/ oder nach heutigem Stand länger Arbeiten, um mal Rente zu beziehen, sofern es die noch geben sollte.

Expertenantwort
von Ansegisel, Community-Experte für Studium, 80

Du gehst davon aus, dass man ein Studium aus rein ökonomischen Gesichtspunkten aufnimmt. Und sich dagegen entscheiden sollte, wenn der finanzielle Gewinn geringer ausfällt als bei anderen Bildungswegen.

Ein Hauptgrund für die Aufnahme eines Studiums ist aber nicht nur der mögliche Verdienst, sondern intellektuelles Interesse. Viele Studierende nehmen finanzielle Einbußen dafür bewusst in Kauf und empfinden ihr Studium daher auch keineswegs als Zeitverschwendung.

Expertenantwort
von rotesand, Community-Experte für Kleidung, Auto, Mode, Schule, 52

Hallo!

Ehm... darüber lässt es sich vorzüglich streiten^^ ich habe vor einigen Wochen einen Vortrag besucht, der über Umschwenke auch auf dieses Thema kam -------> und der Referent (ein Lehrer) merkte an, dass Studieren heute tatsächlich nicht mehr das ist, was es früher war: Wir hätten zu viele Studenten & zu viele Akademiker, wodurch das Handwerk und Berufe im Gewerbe mittelfristig an Boden verlieren.

Er mahnte an, dass man die Studiengänge in Deutschland dringend reformieren bzw. auf Zukunftssicherheit überprüfen müsste.. aber auch, dass das Ausbildungswesen genauso ins Visier genommen werden muss --------> den drohenden Akademikerüberschuss kann man dadurch vermeiden, dass die Lehrwelt wieder attraktiver gemacht wird da zu vieles noch gelehrt wird wie in den 90ern, in denen wir aber bekanntlich nicht mehr leben.

Außerdem halte ich Studieren insofern für etwas kontraproduktiv, da es nicht per se der Schlüssel zu 'nem höheren Einkommen ist (das war mal) & vieles total weltfremd und verstaubt gelehrt wird. Viele Studierte kommen von der Uni und knicken im Berufsleben haltlos zusammen, weil es eben doch nicht so läuft, wie sie es lernen.

Ich (Mittlere Reife 2007, dann Ausbildung bis 2011) bin jetzt knappe 10 Jahre im Berufsleben und habe mir einiges erarbeitet --------> einige mir bekannte Studenten haben bis heute kein eigenes Geld verdient, können sich kaum etwas leisten & das Tragische ist, dass sie später im Beruf nicht automatisch mehr Geld haben als Realschulabsolventen oder "Gelernte"... da käme ich mir veralbert vor.

Antwort
von TimmyEF, 110

Das sind wichtige Punkte die du da ansprichst. Meine persönliche Meinung ist: Mach eine ordentliche Berufsausbildung in einem Handwerksberuf. Wenn Du dich später weiterqualifizieren möchtest kannst Du das ja machen. Aber so hast du erst mal eine fundierte und solide Grundausbildung.

Antwort
von haku7, 40

Jeder Zeiteinsatz kann auch eine Zeitverschwendung sein. Die Zukunft ist unbekannt und daher ist jede Form von Bildung ein gewisses Glücksspiel. Es hilft auch wenig aus der Vergangenheit nach vorne zu extrapolieren, da der Vorhersagefehler meist zu groß ist.

Die meisten Vorhersagen über Gehalt und Ausbildungsniveau beziehen sich auf die Vergangenheit. Der Zusammenhang zwischen Anzahl an Absolventen eines Faches und deren Jobchancen ist nicht unbedingt linear.

Sagen wir es sind derzeit 8 Akademiker angestellt und 2 arbeitslos. Es gibt aber nur 10 Stellen. Die Arbeitslosenquote beträgt 20%. Wenn jetzt noch 5 hinzukommen, die Stellenzahl gleich bleibt dann haben 8 eine Stelle und 7 nicht. Die Quote ist dann ~50%.

Wenn jetzt noch 2 stellen rationalisiert oder automatisiert werden sind es ~70% usw. Das gleich kann man für jede Berufsgruppe durchspielen.

Ich finde dass ein generelles Thema das mit Aus, Fort und Weiterbildung zu tun hat oft ignoriert wird.

Dieses ist der allgemeine Wissensfortschritt unserer Zivilization, oder der Menschheit im gesamten.

Je mehr Wissen vorhanden ist, desto höher liegen tendenziell die Wissensanforderungen an den Einzelnen. Oder auch Fähigkeiten wenn man es so will.

Wenn man in Deutschland etwas bewegen will kommt man ohne eine gehörige Portion Wissen nicht sonderlich weit.

Sei es nun Studium oder Ausbildung. Auch jemand der "nur" eine Ausbildung hat muss heute im Vergleich zu 10, 20, 40 Jahren vorher deutlich mehr Wissen und Können mitbringen. Das gleiche gilt auch für ein Studium. Für das gleiche Gehalt versteht sich.

Das Stichwort ist "Wettlauf zwischen Technologie und Bildung".

Antwort
von mx2000, 48

Hi das ganze kann man auch  umgekehrt sehen, ist ein Ausbildungsberuf heute noch sinnvoll ? Immer mehr Positionen mit entsprechendem Gehalt sind eben nur über ein Studium zu erreichen. 

Das mit dem hocharbeiten gibt es kaum noch... Man muss das Wissen und die Qualifikation heute nachweisen können. Die längere Ausbildungszeit im Studium muss man in Kauf nehmen. Die Tätigkeit ist später dafür besser, evtl. ist man auch zufriedener... Also nicht nur Geld zählt.

Antwort
von Joergi666, 59

In Europa ist das Studium sicherlich kein Garant für eine gute Anstellung- in Deutschland im Durchschnitt aber sehr wohl. Im Schnitt verdienen Akademiker mehr wie Personen mit Berufsausbildung und sind seltener Arbeitslos. Natürlich sind die Aussichten aber mit einem Maschinenbaustudium erheblich besser als mit einem Kunststudium. Also zumindest für Deutschland würde ich daher behaupten, dass sich bestimmte Studienfächer sehr wohl lohnen. Unabhängig davon bietet ein Beruf auch im Optimalfall einen gewissen Spaß- daher muss ja nicht unbedingt das "materielle Lohnen" im Vordergrund stehen. Rein auf die Rente lassen sich sowieso keine verlässlichen Prognosen stellen- da wirds für alle Arbeitnehmer düster aussehen.

Antwort
von Plautzenmann, 57

Studierte verdienen (zumindest bei den Berufen, für die ein Studium auch tatsächlich sinnvoll ist) in aller Regel schon etwas besser als Gelernte. Zudem sind Studierte eher selten körperlicher Arbeit ausgesetzt, was es theoretisch ermöglicht, den Job auch bis ins hohe Alter auszuüben. Natürlich kann auch einem Studierten etwas passieren, was ihn/sie invalide macht, es wird aber in den seltensten Fällen daher rühren, dass er/sie auf Arbeit eine Packung Ziegel auf ein Dach tragen musste...

Von daher würde ich (als ebenfalls Studierter, welcher seit 2 Jahren in der Berufswelt angekommen ist) sagen, dass ein Studium sinnvoll sein kann, es aber nicht immer ist. Solange man nichts studiert, was hoffnungslos überlaufen ist und das auch einigermaßen "drauf hat", was man da studiert, sollte man einen Job bekommen. Natürlich ohne Garantie.

Antwort
von nixiiii, 37

Interessante Aspekte.

Ich würde ein Studium keinesfalls als sinnlos bezeichnen. Es kommt aber sicher auf ein paar Dinge an, die man da bedenken sollte.

- Du hast völlig recht: Ein abgeschlossenes Studium ist auf keinen Fall eine Jobgarantie. Ich kenne zahlreiche Promovierte auf Jobsuche. Und das sind Leute, die richtig was auf dem Kasten haben.

- richtig ist auch, dass ein Studium nicht zwangsläufig zu einem höheren Einkommen führt.

- unrecht hast du in meinen Augen allerdings, wenn du annimmst, dass Absolventen in praktischer Hinsicht schlecht, in theoretischer Hinsicht zu gut aufgestellt sind. Das ist in meinen Augen eine sehr individuelle Frage. 

Wer keine Praktika macht, nicht neben dem Studium jobbt und sich nur streng an das Curriculum hält, sammelt sicher wenig praktische Erfahrung. Das kann aber auch anders aussehen. Man kann auch links und rechts Erfahrungen sammeln.

obwohl ich beispielsweise ein sehr theoretisches, sozial- und geisteswiss. Studium genossen habe, arbeite ich heute in einem sehr praktischen Anwendungsbereich. Ohne Kenntnisse die im Studium erworben habe, wäre das in dem Sinne aber nicht möglich gewesen, auch wenn die Fächer die ich studiert habe, damit rein gar nichts zu tun haben.

Im Studium erwirbt man neben dem Fachwissen schließlich auch Kenntnisse im Recherchieren, im Problemlösen, im strukturierten Denken und im Verbinden unterschiedlicher Wissensgebiete. Das steht zwar alles auf keinem Lehrplan, das nimmt ein engagierter Student aber trotzdem mit. Und das dürfte er den meisten Menschen mit gewöhnlicher Berufsausbildung aber voraus haben.

Kurz gesagt: Es geht neben der Fächerwahl vor allem auch um Eigeninitiative. Wer nur Jura oder BWL studiert, weil er hofft, damit im Anschluss auch einen gutbezahlten Job zu bekommen wird damit wahrscheinlich weder glücklich, noch erfolgreich.

Grüße.

Antwort
von thetee99, 43

Seit dem Bolognaprinzip mit Bachelor-/Masterabschlüssen ist die Qualität eines Studiums in DE eher gesunken, die Quantität aber stark angestiegen. Dabei wurde dieses Prinzip für die weltweite/europäische Vergleichbarkeit von Studienabschlüssen beschloßen und damit die Wirtschaft eine Garantie für ausreichend qualifizierte und zeitnah ausgebildete Arbeitskräfte hat... wobei das auch nicht funktioniert, weil am Ende die Praxiserfahrung fehlt.

Im Grunde ist ein Bachelorabschluss aber auf dem Niveau eines Berufsausbildungabschlusses und wird leider auch oft in der Wirtschaft so betrachtet. Die "normalen" Zugangsvoraussetzungen sind einfach allgemein höher, was einen Studiumsabschluss schon fast notwendig macht, wenn man nicht in einer völlig prekären Arbeitssituation stecken möchte.

Als Selbstständer/Unternehmer kann man aber trotzdem erfolgreich und wohlhabend werden, dafür braucht man nicht mal einen Schulabschluss, sondern nur Geschäftssinn. Könnte aber sein, dass einen die selbstgegründete Kapitalgeselschaft dann im Verlaufe der Jahre als Geschäftsführer kündigt, wegen fehlender Qualifikationen... ;)

Kommentar von Kajawizu ,

das stimmt, durch die ECTS-Punktevergabe, ist es eine regelrechte Punktejagd geworden

Antwort
von CamelWolf, 29

Ein abgeschlossenes Studium ist eine gute Eintrittskarte ins Berufsleben, mehr nicht. Ein Garant für ein Leben in Saus und Braus war es noch nie, allerdings sind die Gehälter in akademischen Berufen deutlich höher und die Arbeitslosigkeit wesentlich niedriger als in den klassischen dualen Ausbildungsberufen oder gar in den Hilfsarbeitertätigkeiten.


Antwort
von voayager, 33

Ein Studium das nur geringe bis fehlende Berufsaussichten beinhaltet, ist allerdings reine Zeitverschwendung. Besonders geisteswissenschaftliche Studien sind regelrechte brotlose "Künste", die später nicht den Mann und nicht die Frau ernähren, daher einfach sinnlos.

Ein Studium das einem später beruflich in den Sattel verhilft, ist wohlgetan, eine echte Bereicherung. Daher ist jeder Uni-Anwärter gut beraten, wenn er sich vor seiner Immatrikulation erst einmal gründlichst kundig macht, wozu auch gehört eine Studienberatung in Anspruch zu nehmen.

Antwort
von JackBl, 41

Kommt drauf an, natürlich sollte einen das Fachgebiet interessieren und Spaß machen. Rein vom Verdienst her ist es nicht unbedingt der Fall.

Untersuchungen haben gezeigt, dass gute Facharbeiter, die logischerweise früher mit dem Geldvberdienen anfangen, in ihrer Lebensabrbeitszeit mehr erwirtschaften, als so mancher Akademiker.

Also rein monetär kann man es auch nicht sagen.

Antwort
von DieFragenWaffel, 70

Legitim ist Studieren nicht, allerdings muss man sagen, heute kann man auch ohne ein Studium etwas großes erreichen. Ein Studium eröffnet dir nur lediglich neue Bereiche und Möglichkeiten.


Antwort
von Ashuna, 51

Es ist vom Lebensstandard abhängig sowie den Zielen der Person. Zeitverschwendung in dem Sinne aber nicht.

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