Blickwechsel – Deine Fragen an eine Borderlinerin

 

Wie sieht das Gefühlsleben von Borderlinern aus und was bedeutet es überhaupt, Borderline zu sein? Unsere Nutzerin lillysaraa, die mit der Diagnose lebt, hat sich Deinen Fragen gestellt.

 

Was hat es damit auf sich?

Mit dem gutefrage Blickwechsel wollen wir die Möglichkeit für Begegnungen mit interessanten Menschen schaffen. Über den direkten Austausch soll so mehr Verständnis für die Sichtweisen des Anderen erreicht werden.

Denn hinter jeder Antwort auf gutefrage steckt ein Mensch mit einer spannenden Geschichte. Diesen Menschen kannst Du beim gutefrage Blickwechsel begegnen und dabei versuchen, die Welt durch ihre Augen zu sehen. Denn genau das meint die doppelte Bedeutung des Wortes "Blickwechsel":

  1. Der Austausch von Blicken
  2. Der Wechsel der Sichtweise

Der Blickwechsel fand am Mittwoch, den 3. Juni 2020, von 15-17 Uhr statt. 

Hier beantwortete lillysaraa, eine diagnostizierte Borderlinerin, zwei Stunden lang Fragen dazu, wie sie ihr Leben mit Borderline – einer Persönlichkeitsstörung, die mit besonders intensiven Gefühlswahrnehmungen und teilweise selbstzerstörerischer Impulsivität einhergeht – empfindet. 

lillysaraa stellt sich vor:

«Fluch und Segen zugleich»
«Eine Blume, die nie erblühen durfte»
«Kein entweder oder zu kennen»
«Eine Reise ohne Fahrschein und der Kontrolleur kommt»

Und vor allem: «Ein Mensch, der sehr sensibel, mitfühlend, verständnisvoll, aber auch hochgradig verletzbar ist»

Mit diesen Sätzen kann sich eine Borderline - Persönlichkeit wohl am besten identifizieren.

Ich war 21 Jahre alt, als eine Psychiaterin mir den Stempel Borderline auf die Stirn drückte. Damals war ich froh darüber. Endlich wusste ich, was mit mir nicht stimmt. Endlich hatte «es» einen Namen. Und vor allem, endlich gehörte ich irgendwo dazu.
Schon im frühen Teenageralter fing ich an mich zu verändern, ist ja auch logisch in diesem Alter. Doch die Veränderung ging in Richtung Selbstverstümmelung und suizidale Absichten. Ich brachte mich oft selbst absichtlich in Gefahr, sei dies beim Autofahren, Konsum von Benzos und Alkohol oder mit ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit wildfremden Menschen.

Aber dies ist nur eine kleine Seite eines «Bordis». Ich bin ein freundlicher, aufgestellter, hilfsbereiter und fürsorglicher Mensch. Ich lebe seit 2 Jahren in einer festen Partnerschaft mit einem trockenen Alkoholiker. Man könnte sagen eine gefährliche Kombination, wir stützen uns jedoch gegenseitig sehr. Nebst einer normalen Partnerschaft arbeite ich auch ganz normal wie «gesunde» Menschen.

Ich möchte den Menschen, die immer noch das Bild von einem schwarzhaarigen Mädchen mit aufgeritzten Armen und traurigem Whatsapp Status haben, zeigen, dass dem nicht so ist. Ein Borderliner ist ein Mensch, mit dem es sich lohnt befreundet zu sein, mit dem man genauso durch dick und dünn gehen kann und von dem man vielleicht sogar viel über sich und andere lernen kann.

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