Frage von JeSuisJeReste, 87

Wie überwinde ich die eigene Oberflächlichkeit?

Antwort
von EinNarr, 25

Eine gewisse Form der Oberflächlichkeit ist absolut normal.

Auf die "Oberfläche" eines Menschen zu schauen ist wichtig, um einen Ersteindruck zu gewinnen. Dieser steht und fällt mit den Attributen, die direkt auf den ersten Blick ersichtlich sind für einen selbst - das geht von optischen (Kleidung, Figur), akustischen (Stimmfarbe) bis hin zu spezielleren Faktoren wie dem Geruch einer Person.

Über diesen Eindruck bilden wir uns eine erste Meinung über den Menschen. Die Entscheidung wird gefällt, ob dieser sympathisch wirkt oder nicht, wir ordnen ihn in eine "Schublade" ein und stellen erste Vermutungen auf über das Wesen des Menschen - oftmals auch abhängig von der Körperhaltung, der Art zu sprechen, der Mimik und der Gestik.

Bis zu diesem Punkt bewegt sich alles in einem normalen Rahmen.

In einem persönlichen Gespräch können sich aber noch detaillierte "Oberflächlichkeiten" herauskristallisieren. Karriere, Verdienst, Prestigegegenstände, Abschlüsse et cetera. Sie sagen vorerst wenig über den Charakter aus, allerdings bilden sie ebenfalls ein Teilaspekt für die eigene Bewertung des Menschen und auch hier wird erneut entschieden über Sympathie oder Antipathie.

Auch diese Faktoren in eine "Bewertung" einfließen zu lassen , ist weitaus normal.

Nun bietet ein Mensch weitaus mehr als diese Attribute. Er hat eine eigene Geschichte, Charaktereigenschaften, Vorlieben, Bedürfnisse, Fähigkeiten et cetera. Das sind meist die Faktoren, die "oberflächliche Menschen" übergehen beziehungsweise für die sie wenig interesse hegen.

In vielen Fällen projiziert man sich dabei auf sein Gegenüber. Das, was man bei sich als wichtig erachtet, erachtet man zumeist auch bei anderen als wichtig. Es greift teilweise das Prinzip "Gleich und Gleich gesellt sich gern." und somit kann man oftmals davon ausgehen das ein "oberflächlicher Mensch" auch sich selbst sehr oberflächlich betrachtet. Er definiert sich selbst oftmals ebenfalls über diese "Oberflächlichkeiten" und schenkt seiner eigenen Geschichte, seinen Charaktereigenschaft et cetera wenig beachtung.

Woran das liegt variiert stark.

Ob wenig Selbstbewusstsein im Hintergrund eine Rolle spielt, Ängste, wie die Angst vor dem Schamgefühl oder Schwäche, einseitig gesetzte Prioritäten, wie beispielsweise "Erfolg und Geld sind wichtiger als alles andere." oder auch eine der vielen anderen Möglichen Aspekte ist eine offene Frage - sie lässt sich nur individuell beantworten oder zumindest erahnen, wenn man mehr über den Betreffenden erfährt.

Vielleicht kannst du dich aber anhand der Beispiele einmal selbst hinterfragen. Eine mögliche Frage könnte lauten:

"Was mag ich eigentlich an mir und was ist mir wichtig, im Bezug auf mich selbst?"

Womöglich könnte die Antwort einen ausschlaggebenden Grund bilden für deine, wie du selbst scheibst, "Oberflächlichkeit". Die Überwindung dieser kann viel Kraft kosten, da sie im Zweifel auch Eigenständnisse abverlangen kann - beispielsweise das Eingeständnis Angst vor bestimmten Dingen zu haben oder ähnliches. Vielleicht kommst du über diesen Weg aber an einem Punkt, wo du anfängst eine höhere Wertschätzung zu entwickeln für Charaktereigenschaften und "die Tiefen" deine Mitmenschen, die unter der Oberfläche "schlummern".

Ich wünsche dir viel Glück dabei und hoffe sehr, dass sich dir ein Weg erschließt, dich selbst zu überwinden.

Liebe Grüße.

Kommentar von daria78 ,

"Eine gewisse Form der Oberflächlichkeit ist normal." - Das nennt man dann aber nicht 'Oberflächlichkeit', sondern Ersteindruck und die Art wie man mit diesem Ersteindruck umgeht (Bleibt man strikt bei seiner Meinung oder gibt man der Person eine wirkliche Chance, sich im Gespräch positiv zu beweisen?) ist letztendlich entscheidend.

Kommentar von EinNarr ,

Die Trennung kann ich nachvollziehen, dennoch begründet sich der Ersteindruck, meiner Meinung nach, auf Oberflächlichkeiten und führt nicht selten zu einer direkten Antipathie, die ein weiteres Gespräch ausschließt - so zumindest in Extremfällen. Es ist also auch innerhalb der Norm nicht unüblich einen Erstkontakt abzulehnen, aufgrund des oberflächlichen Ersteindrucks.

Zu einer gewissen Form der Oberflächlichkeit neigt, in meinen Augen, jeder.

Zudem ist auch der Erstkontakt, sofern es zu diesem kommt, durch den Ersteindruck maßgeblich geprägt. Wie wir auf die Person zugehen, welche Distanz wir geltend machen et cetera wird durch diesen entschieden. Radikal "oberflächlich sein" bedeutet dem Ersteindruck, der auf "Oberflächlichkeiten" fußt, einen weit überdurchschnittlichen Wert beizumessen. Wo andere, womöglich weil sie auch den "inneren Werten" eine höhere Priorität zuschreiben, noch eine Offenheit zeigen können, neigt der "Oberflächliche" dazu, diese vollständig abzulegen.

Das ist zumeist begründet im mangelnden Interesse respektive einer geringen Wertschätzung für diese Werte. Der "Oberflächliche" weißt schlicht eine geringe Toleranz auf, wenn ihm oberflächlich betrachtet schon etwas missfällt und ist im Erstkontakt wesentlich voreingenommener, da die "inneren Werte" durch die geringschätzung kaum einen Ausgleich der "oberflächlichen Makel" bieten können.

Kurzum - ich sehe es eher als eine Steigerung der natürlichen Oberflächlichkeit an und daher die Bezeichnung als solche.

Liebe Grüße.

Kommentar von daria78 ,

"Radikal oberflächlich zu sein, bedeutet dem Ersteindruck, der auf Oberflächlichkeiten fußt, einen überdurchschnittlich hohen Wert beizumessen (...)" - Eben genau das, was ich vorhin gesagt habe. Das ist Oberflächlichkeit. Dass man nicht mit jedem ein Gespräch anfangen will oder dass man nicht unbedingt mit dem Typ sprechen will, der die ganze Zeit aggressive Andeutungen macht, ist eine ganz normale Sache - bei zweiterem spielt der Schutzmechanismus eine ganz große Rolle! Nur weil man sich mit jemandem nicht unterhalten will, heißt das aber nicht immer, dass die Person so einen schlechten Eindruck macht, sondern kann auch mit der eigenen Laune, fehlender Zeit etc. zusammenhängen. ;)

Kommentar von JeSuisJeReste ,

Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Natürlich ist mir bewusst, dass es diese von dir genannten Aspekte sind, die man als erstes ins Auge fast. Da man den Charakter eines Menschen und seinen Hintergrund jeglicher Form nicht am Äußeren bemessen oder ablesen kann, wird wohl kein Weg an diesem Ersteindruck vorbeiführen. Mein Ideal wäre es, wenn man komplett als unbeschriebenes Blatt, wie beispielsweise ein Blinder (ich beziehe mich lediglich auf das Visuelle), an Personen herantreten und diese kennenlernen können. 

Kommentar von EinNarr ,

"Mein Ideal wäre es, wenn man komplett als unbeschriebenes Blatt, wie beispielsweise ein Blinder (ich beziehe mich lediglich auf das Visuelle), an Personen herantreten und diese kennenlernen können."

Generalisiert halte ich das für nahezu unmöglich. Jedoch könnte es helfen, sich seiner Motivation bewusst zu werden. Wenn du beispielsweise eine Frau kennenlernen möchtest, dann spielen die optischen Reize natürlich eine Rolle. Allerdings lernt man auch außerhalb dessen Menschen kennen und an der Stelle lohnt es, zu überdenken, ob der optische Eindruck irgendeinen Wert darstellt.

Wenn ich jemanden kennenlernen möchte, schlicht um vielleicht gemeinsam zu reden, etwas trinken zu gehen und einen entspannten Abend zu verbinden, dann spielt die Optik keine Rolle - es beeinflusst das Gespräch nicht, denn das ist abhängig vom Intellekt, von den Interessen und von der Gesprächsqualität.

Kurzum - für ein angenehmes Gespräch und eine schöne Zeit auf freundschaftlicher oder bekanntschaftlicher Ebene ist die Optik nicht relevant. Sich das ins Bewusstsein zu rufen, kann den Einstieg und die "Überwindung der eigenen Oberflächlichkeit" erleichtern.

Liebe Grüße.

Antwort
von Dxmklvw, 19

Oftmals hilft es schon, wenn man intensiv darüber nachdenkt, warum man wohl so denkt, wie man denkt, und welche Ziele der eigene Charakter aufgrund seiner Konstellation vorgibt.

Manches interessiert einen nur deshalb, weil man irgendwo dazu gehören will. Das ist etwas ganz anderes, als wenn das Interesse aus dem eigenen Inneren heraus der Selbstvervollkommnung dient.

Nur übertreiben sollte man die Dinge auch nicht. Es macht z. B. gar keinen Sinn, wenn jemand, der es nicht so drauf, seine Wohnung sauber zu halten, diese Eigenschaft in einen Putzfimmel umwandelt.

Antwort
von Eulenfeder666, 25

In dem du dir klar machst das jeder mensch auf seine eigene weise ein ganz wundervolles wesen ist. Und du anfängst die menschen so zubehandeln wie du selber gerne behandelst werden möchtest.

Antwort
von bikerin99, 12

Ich bin der Meinung, dass manche Menschen eben eher nachdenklich sind und andere oberflächlich. Und dass dies so okay ist.
Weshalb willst du dich wirklich ändern? Mit Oberflächlichkeit kommst du sicher leichter durch das Leben, als über alles nachdenken und hinterfragen. Wie man so wird, ich weiß es nicht, denn ich war immer schon so, dass mich mehr das dahinter und die Zusammenhänge interessiert haben. Was die Leute so denken, weshalb sie so denken usf.
Vielleicht findest du auf you tube bei V. Birkenbihl eine Anregung, wie du das ändern kannst, wenn du das wirklich selbst willst.

Antwort
von daria78, 7

Der erste Weg, Oberflächlichkeit zu überwinden, ist, zu allumfassende Fragen (wie diese hier) zu vermeiden, damit auch tiefgehendere Antworten garantiert werden können.

Antwort
von xAnimeLovex, 25

Garnicht. Sie wird immer da sein (Natürlicher Instinkt: immer das beste nehmen).

Du kannst es einfach ignorieren und so handeln wie du willst. Doch dein Instink wird niemals aufhören dir vorwürfe zu machen

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