Wie lange ist "Trauer" angebracht?
Hi Leute, am Mittwochmorgen ist mein Cousin und zugleich guter Freund bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Habe heute und gestern natürlich getrauert, geheult und mir etliche Gedanken dazu gemacht. Morgen ist Wochenende und eigentlich wollte ich mit meinen Kumpels feiern gehen. Meine anderen Kumpels kennen den Verstorbenen auch, sodass ich mit meinen problemen nicht alleine bin. Auf der einen Seite schäme ich mich, da meine Familie im Moment durch die Hölle geht und zuhause verzweifelt trauert, während ich mir die Hucke vollhaue und unterwegs bin. Auf der anderen Seite denke ich mir aber auch, dass es vielleicht auch gut wäre auf andere Gedanken zu kommen und sich abzulenken. Ich vermisse meinen Cousin natürlich sehr, allerdings bin ich nicht so der emotionale Typ der sich tagelang im Zimmer einschließt und heult. Ich will den Tod meines Cousins nicht mit den Füßen treten, indem ich nach 3 Tagen direkt wieder feiern gehe, allerdings sehe ich den Tod mittlerweile sehr gefasst.
Hattet ihr schonmal solche Fälle und was würdet ihr in so einer Situation machen ? Wie lange würdet ihr trauern. P.S. ich und er sind beide männlich und anfang 20, falls das eurer beurteilung noch hilft.
ihr würdet mir wirklich helfen.
gruß
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Definiere "trauern"! Ist trauern für Dich nur, wenn Du zu Hause sitzt und Dir die Augen rot weinst? Nein! Trauern kann auch ganz anders stattfinden, und jeder hat da seine eigene "Methode", den Tod eines geliebten Menschen zu verarbeiten.
Ich habe meiner Schwester damals, als meine Mutti starb, vorgeworfen, dass sie unmittelbar danach mit ihren Freunden in die Disco gegangen ist. Ich konnte es einfach nicht verstehen, wie sie dazu fähig war.
Ich habe inzwischen (mit ein paar Jahren Abstand) Abbitte getan. Welches Recht habe ich, meine Schwester (oder sonst wen) zu verurteilen, weil sie anders trauert als ich es tat (und auch nach 19 Jahren immer wieder noch tue)? Ich habe natürlich gar kein Recht, ihr irgendwelche Vorhaltungen zu machen.
Ich vermute, Dir wird es bei Deinem Vorhaben nicht anders ergehen, als meiner Schwester damals mit mir. Man wird vermutlich entsetzt, geschockt oder ratlos mit dem Kopf schütteln. Mache bitte nicht den selben Fehler, wie meine Schwester und ich ihn gemacht haben, nämlich erst Jahre später darüber zu sprechen. Erkläre Deiner Familie sofort, warum Du nicht zu Hause bleiben möchtest. Bitte sie um Verständnis und Toleranz, Dich so trauern zu lassen, wie es Dir gut tut. Ich hoffe für Dich, sie werden es besser verstehen, als ich es damals verstanden habe.
Alles Gute und mein herzliches Beileid!
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Das muss jeder für sich selbst entscheiden.
Als meine erste Tochter starb, habe ich meiner zweiten Tochter auch 14 Tage später erlaubt, zelten zu fahren. Deswegen trauert man ja nicht weniger und vergisst den Verstorbenen. Aber es wäre sicher im Interesse meiner ersten Tochter gewesen, dass ihre Schwester sich nicht in der Wohnung vergräbt und nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnimmt.
Ich habe ewig getrauert. Aber zudenken gab mir dann, was mein Psychologe zu mir sagte: "Wenn es umgekehrt gewesen wäre und Sie gestorben wären, würden Sie wollen, dass Ihre Tochter ewig um sie trauert?" Ja, er hatte recht. Das hätte ich nicht gewollt. Aber die Trauer kann man nun mal nicht von heute auf morgen abschalten. Man kann auch innerlich trauern, ohne es nach außen zu präsentieren. Und vergessen ist der Verstorbene dadurch noch lange nicht. Ich denke eher, dass es in seinem Interesse wäre, wenn man sein Leben so gut es geht gestaltet.
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trauer spielt sich im herzen ab und nicht im kalender
Kommentar von Stern95Stern95 01.07.2011DANKE, hat sehr viel WAHRES dran, wäre sehr schön, wenn das auch andere sehen könnten, denn ich sehe wie oft ERWACHSENE nicht begreiffen, dass unsere Enkel wieder mal fröhlich mit den Kamerädli spielen, das sollen sie doch, denn der Verlust unserer Tochter ist sonst schon schwer genug, sie trauern auch ums Mami und wir sprechen sehr viel mit ihnen, dass sie wissen, s'Mami ist immer bei ihnen und sie will, dass es ihnen gut geht! Liebe Dank, Stern95
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Entweder, man trauert, und dann ist es einem nicht nach feiern, oder man ist nicht traurig, und dann muss man auch nicht so tun als ob.
Kommentar von Stern95Stern95 01.07.2011Trauer kann sich auch erst später wieder einsetzen, denn oft wird die Trauer am Anfang verdrängt und man versucht sich abzulenken. Doch früher oder später muss man Trauerarbeit machen um nicht zugrunde zu gehen, habe das selber erlebt , beim Verlust unserer Brüder sie waren erst 23 u. 28Jahre alt war über den Tod sprechen ein Tabuthema. Erst als wir unsere erste Tochter mit 18 1/2Jahren verloren haben, kam die grösste Trauer, auch um meine Brüder wieder rauf, denn da wurde gesprochen und die Gefühle gezeigt! Trauer hat sehr viele Gesichter, ehrlich! Gruss Stern95
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Trauern heißt nicht, dass man die ganze Zeit zu Hause sitzt und heult. Trauer hat viele Facetten. Du trauerst sicher noch sehr lange immer wieder anders - in dem du in Situationen plötzlich an ihn denkst, oder mal durch ein Bild erinnert wirst oder von ihm (hoffentlich) gesprochen wird. Wenn du heute feiern gehst, nimmst du ihn ja irgendwie mit und es wird mit den Freunden sicher Thema werden. Jeder geht anders mit der Situation um, aber es gibt da keine "Standards". Und wenn dein Cousin dazu auch etwas sagen könnte, er würde bestimmt nichts dagegen haben, wenn du mit Freunden ausgehst. Alles Gute! Blacky04
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Antwort von Daniel45 30.06.20111 Mitglied fand diese Antwort hilfreich
Mein Beileid ... nun zu deiner frage, also meiner Meinung nach kannn und solte jeder Trauern so lange er es für richtig hält, und ob du am WE feiern möchtest hängt auch nur von dir selber ab... zb hatte ich eine Freundin die auch einen guten Freund verloren hatte, aber dann sagte "lass uns doch mal jetz was unternehmen ..der verstorbene hätte es so gewollt ;)"
im grossen und ganzen musst du es mit dir ausmachen..
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Jeder trauert unterschiedlich und natürlich auch unterschiedlich lange. Wenn dir danach ist, feiern zu gehen, dann tu es auch; wenn dir nicht danach ist, dann nicht. Trauern hat unterschiedliche Gesichter - einer weint viel und will nichts mehr machen - der andere hat nach kurzer Zeit die Trauer überwunden. Wichtig ist, an denjenigen zu denken und ihn nicht zu vergessen !
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Jeder trauert auf seine Art... Ich denke du kommst mit dem Verlust eher zurecht als deine Eltern. Solltest es allerdings mit dem Feiern nicht zu sehr übertreiben, da dies negativ von deinen Eltern aufgenommen werden kann. Ich denke sie brauchen dich nun am ehesten. Unternimm mit ihnen was und beschäftige dich mit ihnen. Manchmal hilft es auch, wenn man darüber redet, allerdings vorsichtig damit sein, da es nach hinten losgehen kann.
Mein herzlichsten Beileid...
MfG
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der eine machte eine Trauer so mit sich ab und ein anderer widerum so.Wenn das für dich so in Ordnung ist dann ist da O.K.so und ich denke auch dein Couson wollte auch nicht das man so um ihn trauert.
Tot ist überhaupt nichts. Ich glitt lediglich über in den nächsten Raum. Ich bin ich und ihr seid ihr. Warum sollte ich aus dem Sinn sein, nur weil ich aus dem Blick bin? Was auch immer wir füreinander waren, sind wir auch jetzt noch. Spielt, lächelt, denkt an mich. Leben bedeutet auch jetzt all das, was es auch sonst bedeutet hat. Es hat sich nichts verändert, ich warte auf euch. Alles ist gut. (Annette von Droste-Hülshoff)
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Ich finde, jeder muss auf seine eigene Weise mit dem Tod nahestehender Menschen umgehen... die einen wollen tage- oder wochenlang am liebsten allein sein und nichts mit anderen machen und einfach "in Ruhe trauern", die anderen trauern zwar, lenken sich aber gleichzeitig auch ab. Nur, weil du weggehst, heißt das ja nicht, dass du den Tod von deinem Cousin "mit Füßen trittst". Wie gesagt, mit Trauer geht jeder anders um und bei jedem dauert die Verarbeitung von sowas unterschiedlich lange. Ich denke dir kann niemand was vorwerfen, wenn du weggehst, denn es muss ja nicht jeder Ewigkeiten allein im Zimmer dann sitzen und trauern. :o
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Das wichtigste soll Dir noch gesagt sein, er lebt in Deinem Herzenn weiter, egal, ob Du nun ausgehst oder nicht, er wird immer in Deiner Nähe bleiben, wenn Du es zulässt! Vielleicht will er ja auch ausgehen........ Darum hast Du das Bedürfnis. Seine Schritte sind verstummt, doch die Spuren seines Lebens und seiner Liebe sind überall! Also lebe Dein Leben wie es für Dich gut ist! Alles Liebe, Stern95
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Trauern ist nicht gleich TRAUERN! Traure Du wie DU es für DICH richtig findest: Jeder Mensch trauert anders! Je nachdem Du wie nahezu Deinem Cousi standest ist auch die Trauer anders. Auch kommt es aufs Alter an. Habe selber auch 2 Cousins verloren, hatte sie sehr gern, doch die Trauer war nie s gross, wie beim Verlust meiner Geschwister oder sogar meinen 2 Töchtern, das ist ja auch klar. Doch wenn Du das Bedürfnis hast mit Deinen Freunden auszugehen, bitte tue das, denn ich glaube auch nicht, dass Dein Cousin gewollt hat, dass ihr zuhause bleibt und weint! Ihm geht es ja nun im Licht auch sehr gut und das soll auch unser Trost sein! Lebe Dein Leben, wie Du Dich fühlst, nur das ist richtig für Dich! Ich wünsche Dir viel Kraft und Liebe, Stern95
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Antwort von AnnLar 30.06.2011
kommt immer drauf an wie sehr man an den menschen gehangen hat
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Bin auch feiern gegangen, nachdem ich erfahren habe, dass meine Mutter verstorben ist. Ich verstehe gar nicht, was so schlimm daran sein soll, wenn man mal auf andere Gedanken kommt, die ganze Zeit trauen muss doch nicht sein. Davon hat der Tote schließlich auch nichts, jeder darf trauern wie er möchte, ob nun 2 Tage oder 2 Jahre.
Kommentar von fentefente 30.06.2011naja, ich hab mir halt nur gedanken gemacht, weil ich genau weiß, wie die eltern (die ich auch schon mein leben lang kenne) zuhause am leiden sind und ich vergnüge mich.
Kommentar von amanda304amanda304 30.06.2011Ich habe auch viel darüber nachgedacht, wie sich die anderen fühlen und was sie von mir denken müssen, dass ich mich schon wieder "vergnüge". Aber letztendlich bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass niemand jemanden dafür verurteilen darf, wie lange er trauert. Das ist etwas mit dem sich jeder selbst auseinander setzten muss und sich so auseinander setzen sollte, wie er möchte, damit er mit dieser Sache Frieden schließen kann.
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Huhu,
habe mir deinen Text nicht durchgelesen, aber ich kann dir von vorne rein sagen, dass Trauern bei jedem unterschiedlich lange dauert.
In diesem Fall freue ich mich ganz besonders über das Sternchen! :-)
Hab vielen Dank dafür!