Welchen biologischen Sinn hat Homosexualität?

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13 Antworten

Warum Homosexualität in jeder Generation erneut auftritt, ist gar nicht so leicht zu erklären, wenn man nicht mal genau feststellen kann, wodurch sie ausgelöst wurde. In der Vergangenheit wurde bereits diskutiert, ob Homosexualität eine Willensentscheidung ist oder durch frühkindliche Erfahrungen, genetische Veranlagung oder Hormonverhältnisse im Mutterleib ausgelöst wird. Alle diese Ansätze wurden inzwischen weitgehend auf Eis gelegt, da sie nur mangelnde Erklärungen lieferten oder in Konflikt mit Untersuchungsergebnissen standen.

Seit einigen Jahren gibt es ein Erklärungsmodell, das einigermaßen einleuchtend ist; demnach soll Homosexualität über epigenetische Vererbung vom andersgeschlechtlichen Elternteil entstehen. Wenn in der Eizelle der Mutter bestimmte Epi-Marks, die bei der Ausbildung der Sexualität eine Rolle spielen, erhalten bleiben, geht die sexuelle Präferenz der Mutter auf das Kind über. Das gleiche kann auch mit der väterlichen Spermienzelle passieren. Dadurch kann es dann dazu kommen, dass das biologische Geschlecht des Kindes nicht zu seiner Sexualität "passt".

Damit bleibt dann immer noch die Frage, warum Homosexualität immer wieder auftritt. Sollten nicht nach einigen Generationen die Menschen, die zur anormalen Vererbung von sexuellen Vorlieben neigen, aussterben, da der Fortpflanzungserfolg ihrer Kinder und Kindeskinder geringer ist? 

Aus der Evolutionsbiologie kam das Modell, dass Homosexualität mit der Verwandtenselektion zusammenhängen soll. Dadurch, dass Homosexuelle in der Regel keine Kinder bekommen, könnten sie für die Kinder naher Verwandter sorgen. Deshalb sei es ein Selektionsvorteil, einen Homosexuellen in der Verwandtschaft zu haben, da dadurch die Überlebensfähigkeit der eigenen Kinder erhöht wird. Diese These wurde ebenfalls heftig kritisiert. Einerseits tritt Homosexualität auch bei Tieren auf, die nicht in Gruppen leben und dadurch keinen Vorteil aus kinderlosen Verwandten ziehen, andererseits würde Asexualiät naher Verwandter denselben Zweck erfüllen, diese kommt aber bei weitem nicht so häufig vor wie Homosexualität.

Es gibt noch ein anderes evolutionsbiologisches Erklärungsmodell, das ich sehr viel interessanter finde. Gemäß einigen Studien kommt Homosexualität vermehrt in der Verwandtschaft von Frauen mit vielen Kindern vor. Durch irgendwelche genetischen oder epigenetischen Verstrickungen scheint es also einen Zusammenhang zwischen Fruchtbarkeit und dem Auftreten von Homosexualität zu geben. Die hohe Fruchtbarkeit stellt einen Selektionsvorteil dar, der die Anfälligkeit für Homosexualität, die in aller Regel für Kinderlosigkeit sorgt, mehr oder weniger ausgleicht. Dadurch würden Familien, die zu Homosexualität neigen, ihre Gene ebenso erfolgreich weitergeben wie andere Familien, da sie gleichzeitig sehr fruchtbare Töchter hervorbringen. Das hat dann logischerweise zur Folge, dass Homosexualität immer wieder auftreten kann, und zwar immer dann, wenn mit den Epi-Marks in den Keimzellen etwas schiefläuft.

Ansonsten kann man nur auf neue Studien warten.

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Kommentar von Schokolinda
19.02.2016, 07:56

sie gleichzeitig sehr fruchtbare Töchter hervorbringen

merkwürdig, dass hier so viele davon auszugehen scheinen, dass homosexuell nur Männer wären.

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Ich finde die Antwort von DiegoderÄltere schon sehr hilfreich, würde aber gern noch einige Aspekte ergänzen.

Mit dem sogenannten "biologischen Sinn" oder "Willen der Natur" ist natürlich nichts anderes gemeint als der Beitrag, den diese Erscheinung leistet zur Erhaltung der Art. Ich bin Hetero, aber was heißt das schon? Ich liebe Frauen, und der GV war mir jahrzehntelang ein unverzichtbares Bedürfnis. Aber hasse ich deswegen Männer ? Habe ich wirklich das Bedürfnis, mit ihnen ständig Konkurrenzkämpfe auszufechten ? Nein. Ich denke, dass die meisten Menschen von Natur aus eher bisexuell sind und sich definieren über ihre ersten Gefühlserfahrungen.

Unsere nächsten Verwandten sind die Schimpansen, sehr nahe Verwandte. In der Natur leben sie in Trupps zusammen von knapp 40 Tieren: 20 Kinder, 15 Weiber und 5 Männer etwa. Die Trupps müssen zusammenhalten, um zu überleben, also dürfen sie sich nicht gegenseitig bekämpfen. Dafür sorgt eine gewisse "sexuelle" Anziehung, die alle aufeinander ausüben.

Anders als bei vielen anderen Tieren reicht es inbesondere nicht aus, dass der Trupp nur von einem einzelnen Mann angeführt wird. Wenn etwa ein Jaguar angreift, gehen Frauen und Kinder auf die Bäume. Die Männer ab er greifen an. Sie haben lange und spitze Eckzähne, aber ein Schimpansenmann alleine hätte gegen den Jaguar keine Chance. Sind es aber fünf, dann nimmt der Jaguar Reißaus.

Außerdem hat das Fünfmännerbündnis noch die Funktion, die männlichen halbwüchsigen Jungschimpansen aus dem Truppe zu vertreiben, die ihnen sonst Paarungskonkurrenz machen würden. Die bilden dann ihrerseits Jungmännerbünde, um eines schönen Tages wiederzukommen, um (womöglich in einem anderen Trupp) die alten Knacker aus ihrer Position zu vertreiben und die Weiberherde zu übernehmen. Ein gewisses Maß an Homosexualität ist für den Zusammenhalt dieser Bündnisse nur nützlich.

Die Bisexualität der Schimpansenweiber steht ihrer Vermehrungsfähigkeit natürlich in keiner Weise entgegen. Nch meiner sehr begrenzten und unmaßgeblichen Erfahrung ist das beim Menschen nicht anders.

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Menschen sind nicht homosexuell, weil die Natur nicht "will", dass sie sich fortpflanzen. Denn die Natur "will" überhaupt nichts. Denn sie ist keine Person mit Ideen oder Plänen.


Gegenfrage:

Ist der einzige biologische/ evolutionäre Sinn von Heterosexuellen etwa, dass sie sich fortpflanzen? Fänd ich ein bisschen wenig für so ein komplexes Wesen wie den Mensch.


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Jetzt frage ich mich aber,warum haben homosexuelle denn Hoden und Spermien [...] brauchen die dann ihre Geschlechtsteile,abgesehen vom Pipi machen?

Es sind eben Menschen und Menschen definieren sich eben so, dass sie Geschlechtsteile haben. Die Geschlechtsteile sind wiederum davon abhängig, welches Geschlecht man hat (nicht unbedingt von der sexuellen Identität/Geschlechtsidentität; darauf lässt sich deine Frage übrigens genauso anwenden), nicht welche sexuelle Orientierung.

Das hieße dann ja, es gäbe Männer, Frauen und noch ein oder mehrere weitere Geschlechter. Für die Natur gibt es aber eben nur "das eine" oder "das andere".

In den Hoden werden nicht nur Spermien produziert, sondern auch Hormone, ohne die dem Körper etwas fehlen würde. Außerdem heißt es ja nicht, dass es nicht irgendwann möglich sein wird, auch als homosexuelles Paar ohne Mitwirkung Dritter, leibliche Kinder zu bekommen.

Die Frage nach dem Sinn der Natur oder besser gesagt, die Überzeugung, dass alles in der Natur einen Sinn haben müsse, stammt übrigens aus dem Kreationismus, besser gesagt, dem Intelligent Design. Hier gehen gläubige Christen davon aus, dass alles so erschaffen wurde, dass es perfekt ist und eine spezifische Aufgabe hat.

Dies hat Darwin allerdings bereits mit seiner Evolutionstheorie widerlegt. Die Evolution hat sich ausprobiert und auch heute gibt es Sachen, die eben so sind, wie sie sind und keiner kann erklären, wieso. Als Gegenbewegung zum Intelligent Design erfanden Satiriker das Unintelligent Design.

wenn die Natur doch nicht in ihren Fall möchte,dass diese sich Fortpflanzen [...] aber irgendwie ergibt das für mich alles keinen Sinn,wenn die Natur doch nicht vorsieht,dass 2 homosexuelle sich fortpflanzen

Überleben kann der Mensch nicht nur durch Fortpflanzung. Da kommen wir zur Homosexualität im Tierreich, woraus ich nur ein Beispiel nennen möchte: Eine Herde ist, wenn sie zwei homosexuelle Anführer hat, dass es sich dabei um zwei Männchen (es sei denn, zwei homosexuelle Tiere setzen sich gegen alle männlichen durch) handelt, die die Herde also doppelt so gut verteidigen können, wie ein einzelnes.

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Das hat nix mit evolutionärem Wollen zu tun und die Natur "will" schonmal garnix, Evolution ist die Anpassung von Lebewesen an gewisse Umstände, ein ewig langer Vorgang der die Gene des Lebewesens beeinflusst über Generationen.
Homosexualität ist etwas rein psychologisches, wie sich diese Prägung genau entwickelt weiß man noch nicht perfekt, aber es entsteht durch Einflüsse in der Kindheit und Pubertät.(Nein nicht wenn ein Kind täglich homosexuellen Por nos ausgesetzt wird falls jmd jetzt das oder ähnlich dummes kommentieren wollte...)
Und falls die Natur doch einen Willen hat und sie das aktiv beeinflussen würde, dann wären Homosexuelle vermutlich ne kreative Idee die kanickelhafte Vermehrung der Menschen zu bremsen....

Und muss ich dir jetzt wirklich erklären wo man einen Penis sonst noch parken kann, wenn man nicht auf Frauen steht?
Der ist für jeden Schwulen genauso nützlich wie für alle anderen Kerle...

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  1. Die Natur "will" so rein gar nichts. Die "stümpert" einfach so vor sich hin, und mal kommt was tolles dabei raus, und mal etwas "sinnloses" und meistens irgendwas dazwischen. ;-)
  2. Manchmal kommt da auch so etwas tolles heraus, dass sich das Ergebnis Gedanken über den (nicht vorhandenen) Sinn machen kann, oder gar (sinnloserweise) glaubt beurteilen zu können bzw. zu müssen, ob die Natur etwas "tolles" bzw. "sinnvolles" macht oder nicht. ;-))
  3. Es gibt bei den Geschlechtern mehr als nur die beiden Extreme "männlich" & "weiblich": https://www.gutefrage.net/frage/ist-geschlecht-binaer-umfrage#answer-181924230 Generell kennt die Natur keine Extreme, sondern IMMER eine Bandbreite von Zwischenstufen zw. den Extremen.
  4. Prinzipiell gelten die Primaten, inkl. uns Menschen, als "bisexuell" (bzw. "pansexuell"). 100%-ige Hetero- wie auch Homosexualität sind halt Ausnahmen von der Mehrheit, weil so die Natur nun mal ist.
  5. Sexualität ist bei ALLEN intelligenten, in sozialen Gruppen lebenden Lebewesen nicht nur eine Sache der Fortpflanzung, sondern auch eine Sache der sozialen Interaktion.
  6. Wenn man denn unbedingt einen "Sinn" bei "homosexuellen" Menschen "erfinden" möchte, dann wären z.B. gute Gründe bei Männern, dass die anderen Männer auf die Jagd gehen können, und die homosexuellen Männer können zuhause helfen, die Gruppe gegen äußere Feinde zu verteidigen (ohne dass die jagenden Männer Angst haben müssen, dass die Bewacher etwas mit ihren Frauen anfangen). Allgemein können (per definitionem kinderlose) Homosexuelle bei der gemeinsamen Kinderaufzucht helfen - insbes. bei Kindern, deren Eltern getötet wurden. Sei haben ja keine eigenen Kinder, die sie bevorzugen würden.
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es hat gar keinen sinn^^ der einzige biologisch-anatomische Sinn von 2 Geschlechtern ist dass sie sich paaren. Deswegen wird Homosexualität als "wider die Natur" und manchmal sogar als "Missbildung" oder "Störung" betrachtet.... schwachsinn^^ Egal ob es nun durch Hormon, frühkindliche Erfahrungen und eindrücke oder einfach durch eine eigene willentliche Entscheidung ausgelöst wird- es ist nichts schlechtes. Die menschen pflanzen sich eh fort wie Kanickel und zerstören dabei die Erde, da kanns einem nur recht sein wenn es ein paar weniger gibt....

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warum haben homosexuelle denn Hoden und Spermien,wenn die Natur doch nicht in ihren Fall möchte,dass diese sich Fortpflanzen,weswegen sie ja schwul sind?

Warum haben Männer Brustwarzen wenn sie keine Milch produzieren? ^^ Wär die gleiche Frage.

Es ist halt die "Grundausstattung" vom menschlichen Körper, und so exakt ist die Natur/Evolution eben nicht, dass sie alles nach einem bestimmten Plan konstruiert, oder so wie wir das wollen.

Warum es andere Orientierungen als Hetero- eigentlich gibt, ist noch nicht wirklich geklärt. Ich selbst kann auch nicht mehr als Theorien aufstellen.

LG.

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Es hat genau so wenig "Sinn" wie rote Haare. Es ist eben eine Variation, weil die Natur nicht arbeitet wie ein Prozessor. Das Leben oszilliert (fuzzy logic), nur deshalb kann es sich auch weiter entwickeln.

Homosexualität entsteht, wenn das Embryo im Mutterleib zuviel vom falschen Hormon abkriegt. Und das Zusammenwirken von Hormonen ist einen derart komplizierte Angelegenheit, dass da Abweichungen fast zwangsläufig vorkommen müssen.

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Auch in der Natur hat nicht alles Sinn ;)

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Seit wann hat die Natur einen Willen, seit wann eine bestimmte Absicht? Und ist denn wirklich alles sinnvoll, was von der Natur geschaffen wurde, wohl eher nicht. ERinnert sei nur mal an Hirschen im Tertiär, die mit Riesengeweihen in keinen Wald hineinkamen, Säbelzahntiger die Zähne abbrachen, sie beim Fressen gar störten und Männer Brustwarzen haben, wofür sie keine Verwendung finden usw.

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wenn die Natur doch nicht in ihren Fall möchte,dass diese sich Fortpflanzen

der satz ist sowas von schräg.

der natur ist es piep-egal, ob sich überhaupt einer von uns fortpflanzt.

es möchten sich jede menge heterosexueller nicht fortpflanzen.

und es pflanzen sich sehr wohl auch homosexuelle fort.

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Kommentar von DieBohne123
18.02.2016, 20:38

Aber die Natur scheint ihnen wohl einen Riegel bzw eine Erschwerung mit in die Wiege gelegt zu haben,sonst würden diese ja von Natur aus nicht schwul sein und sich gegebenfalls vor dem weiblichen Geschlechts ekeln oder sich abgeneigt fühlen,was es sehr viel unwahrscheinlicher macht,dass diese sich fortpflanzen werden

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Ich frage mich, warum Du Menschen allein auf ihre Reproduktionsfähigkeit reduzierst?

Liebe ist etwas, was nicht primär an den Akt der Vermehrung gebunden ist. Meine Frau und ich können keine Kinder bekommen. Ist unsere Beziehung also nutzlos und unnatürlich?

Auch homosexuelle Paare sind primär der Liebe wegen zusammen. Aber zu einer gesunden und verantwortlichen Partnerschaft gehört eben auch die sexuelle Betätigung.

Dabei spielt die geschlechtliche Zusammenstellung keine Rolle.

,wozu brauchen die dann ihre Geschlechtsteile,abgesehen vom Pipi machen?

Ich schließe daraus, dass Du noch keinen Sex gehabt hast. Denn dafür eignen sich diese anatomischen Details ganz vorzüglich. Auch hier spielt die geschlechtliche Zusammenstellung keine Rolle.

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Kommentar von Abahatchi
22.02.2016, 22:51

Ich frage mich, warum Du Menschen allein auf ihre Reproduktionsfähigkeit reduzierst?

Ja, er hätte genau so gut auch fragen können, welchen Sinn die Saurier hatten, denn die haben sich ja irgendwann ganz offensichtlich auch nicht mehr vermehrt und sind ausgestorben. 

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