Frage von kestane29, 70

Welche Folgen gibt es, wenn Menschen in die natürliche Selektion eingreifen?

Welche Folgen gibt es, wenn Menschen in die natürliche Selektion eingreifen?

Habt ihr hierzu ein paar Ideen?

Antwort
von Utanyan, 36

Überpopulation und genetische Veränderung der einen Art, Zerstörung einer oder mehrerer anderen Arten.

Beispiel:
Tier x ist ein Raubtier.
Es gehört zu seiner natürlichen Lebensweise Tier y, ein Beutetier, zu jagen und zu töten. Das was von seiner Mahlzeit übrig bleibt dient Tier z, einem Aasfresser, als Nahrung. Dessen Ausscheidungen wiederum bilden den Nährboden für Pflanze A.

Nun hat der Mensch Beutetier y für sich entdeckt.
Wir jagen und essen es selbst, bzw. "schützen" wir die Reste seiner Population vor Räubern wie Tier x, damit diese sie nicht töten können.

Was für Folgen hat das nun?
Im Schlimmsten Falle folgendes:

Tier y muss sich nun nicht mehr selbst schützen, da der Mensch diesen Teil übernommen hat. Es wird also die "Schutzmechanismen" (z.B. gutes Gehör etc.) vermutlich zurückbilden, da diese nun nicht mehr benötigt werden.
Dadurch, dass der Mensch natürlich versucht den Bestand zu erhöhen (immerhin benötigen wir ja eine ganze Menge dieser Tiere wenn wir die essen wollen) gibt es auf einmal viel mehr von dieser Art, als die Natur vorgesehen hätte. Normalerweise hätten nur die "stärksten" ihrer Art überlebt und sich fortgepflanzt, ihre "starken" Gene zum Überleben also weitergegeben.
Dank des menschlichen Eingriffs kann sich nun jedes der Tiere fortpflanzen, egal wie unfähig es ist sich um sich selbst zu kümmern. Die natürliche Selektion, d.h. das "Aussortieren" der Schwachen um die Art durch das Überleben der Starken aufrecht zu erhalten ist gestört/ ausser Kraft gesetzt.

Tier x, dem Räuber, wurde seine natürliche Beute entzogen.
Er muss nun auf etwas Anderes umsteigen, Tier b, um nicht auszusterben.
Kann er aus körperlichen Gründen (zu langsam, kann das Tier nicht fressen/verdauen) nicht umsteigen, so stirbt die Art aus bzw. der Bestand verringert sich drastisch.

Tier b sieht sich nun einem vollkommen neuen Feind gegenüber, auf den es körperlich nicht eingestellt ist. Falls es sich nicht anpassen kann wird auch die Population dieser Art drastisch gesenkt.

Tier z, der Aasfresser, hat nun nicht mehr seine gewohnte Nahrung.
Entweder er verhungert nun, da er die neue Nahrung (sofern vorhanden) nicht fressen kann, oder er muss sich anpassen. Die neue Nahrung könnte aber zur Folge haben, dass sich die Stoffe und Zusätze seiner Ausscheidungen verändern.

Für Pflanze A bedeutet das vielleicht das aus, denn eventuell ist die Ausscheidung des Aasfressers nun nicht mehr als Nährboden für die Samen der Pflanze geeignet....


Diesen Kreislauf könnte man noch ein wenig fortsetzen.
Fakt ist, dass in der Natur fast alles aufeinander abgestimmt ist und es eine Art "natürliches Gleichgewicht" gibt.
In diesem Beispiel wurden z.B. ausser Tier y noch 3 weitere Arten und eine Pflanzenart aus der Bahn geworfen. Deren angepasstes Verhalten beeinflusst wiederum andere Arten... und so weiter.

Und die Arten, die sich nicht an die Veränderung anpassen können,
sterben dann aus..

Ich hoffe ich konnte dir ein bisschen helfen :)

LG
Utau


Antwort
von Fuchssprung, 17

Es ist egal, welches Tier du aus der Wildnis nimmst. Wenn es in der Obhut des Menschen lebt und von ihm versorgt wird, spürt es keinen natürlichen Selektionsdruck mehr. Es muss nicht mehr vor Feinden fliehen, muss nicht mehr schnell sein. Seine Sinnesleistungen verändern sich und da jetzt die Natur nicht mehr die Spreu vom Weizen trennt, übernimmt der Mensch diese Aufgabe. Er wählt nach seinem Gutdünken die Tiere aus, die weiter leben und sich vermehren dürfen. Alle anderen werden getötet. Dadurch entsteht eine Zucht mit ganz eigenen Merkmalen.

Russische Forscher haben aus Polarfüchsen in nur 5 Generationen ein "Hunde ähnliches" Tier gezüchtet. Sie haben einfach nur die Tiere für ihre Zucht benutzt, die freundlich auf die Menschen reagiert haben. Nach nur 5 Generationen waren sie am Ziel! Die Nachkommen dieser Füchse hatten ein geschecktes Fell und haben sich vollkommen anders verhalten als ihre wilden Verwandten. Sie waren total aus dem Häuschen und haben sich gefreut, wenn sie einen Meschen gesehen haben.

In der Wildnis passiert ein ähnliches Phänomen durch die Jagd. Hirsche leben in der Natur in Gras bewachsenen Ebenen. Dort fühlen sie sich wohl. Trotzdem kann man auf den Wiesen so gut wie nie einen Hirsch sehen. Denn auf den Wiesen werden die Hirsche von den Jägern abgeschossen. Deshalb verziehen sie sich lieber in den Wald. Sie werden durch die Jagd regelrecht in den Wald gedrückt und durch die Fütterung im Winter hinein gelockt. Allerdings haben die Hirsche im Wald ein Problem. Sie kommen mit ihrem riesigen Geweih zwischen den Ästen nicht so gut zurecht wie die kleinen Rehe. Sie bleiben an den Ästen hängen und sind dadurch im Nachteil. Außerdem schießen die Jäger auch im Wald gern Hirsche mit einem großen Geweih. Das hat zur Folge, dass unsere Hirsche immer kleiner werden. Der Selektionsdruck des Lebens in einer unnatürlichen Umgebung und zusätzlich der Druck der Jagd erzeugen vollkommen andere Hirsche, als es sie noch vor ein paar hundert Jahren bei uns gab. Sie sind kleiner, wiegen weniger und ihr Geweih ist geradezu kümmerlich im Vergleich mit ihren Vorfahren. Mit der Jagd greifen wir in die natürliche Selektion ein und züchten "Kümmerlinge". Irgendwann wird man den Hirsch vermutlich nicht mehr ganz so einfach vom Reh unterscheiden können. Die beiden Arten werden sich immer weiter angleichen und Schuld daran ist der Mensch.

Antwort
von mychrissie, 17

Das tun wir ja dauernd bei uns selbst. Jeder medizinische Fortschritt, jede Entdeckung im hygienischen Bereich, jeder Komfortgewinn im alltäglichen Leben und jeder Schritt in eine technologische Zukunft verhilft Individuen zum Überleben und zur Fortzupflanzung, die in rauher Vorzeit dazu keine Chance gehabt hätten.

Wir stehen also wie ein Buridanscher Esel zwischen Humanismus incl. Empathie und Nächstenliebe und der Entscheidung, der Natur ihren Lauf zu lassen und der Evolution dazu zu verhelfen, unsere Spezies noch härter zu machen.

Mir persönlich sind jedoch ein paar Behinderte, Verkrüppelte und Schwache lieber als von Menschen umgeben zu sein, die "hart wie Kruppstahl und zäh wie Leder" sind. Unser kapitalistisches Wirtschaftsystem geht ja ohnehin inzwischen brutaler mit der Menscheit um (vorallem mit denen, die mit dem globalen Wahnsinn nicht Schritt halten können), als es die Evolution jemals könnte.

Antwort
von loema, 30

Menschen haben immer schon in die natürliche Selektion eingegriffen.
Durch Zucht von Pflanzen und Tieren. Durch Lebensraumveränderung/Zerstörung für einheimische Lebensformen.
Die ganze Welt ist heute so, weil eingegriffen wurde.
Auch bei Bakterien und Viren.
Du kannst also alles aufzählen, was dir einfällt.
Weinreben, Hühner, Weizen, Wälder, Düngung, Medikamente, ....

Antwort
von Mark1616, 12

Ich bin mir jetzt gerade nicht sicher ob du das meinst, aber du könntest dir einmal Chinas Feldzug gegen die Sperlinge näher ansehen. Da hat der Mensch massiv in die Natur eingegriffen und damit anderen Schädlingen massive Vorteile verschafft. Diese Schädlinge haben sich über die Maßen fortgepflanzt und sorgten so für eine Hungersnot.

Antwort
von kgunther, 10

Genau das tut der Mensch in sehr ausgedehnter Weise.

Sehr viele der existierenden Arten sind das Ergebnis von Züchtung, etwa alle Forste der Erde, dazu alle sonstigen Nutzpflanzen und Nutztiere. Auch das "Wild" im Wald ist ja weitgehend domestiziert. In die natürliche Selektion der heute noch wildlebenden Arten greift der Mensch durch Veränderung der Umweltbedingungen indirekt ein.

Für die eigene Art hat der Mensch die Selektion ausgeschaltet, ja sogar in ihr Gegenteil verkehrt. Der Überlebensvorteil spielt nur in Extremfällen noch eine Rolle, wenn Mißgeburten abgetrieben werden, statt den Embryo ausreifen zu lassen.

Im vorigen Jahrhundert gab es in den allermeisten zivilisierten Staaten Gesetze, die die Fortpflanzung von Trägern ungünstigen Erbgutes einschränken sollten (Eugenik). Mittlerweile ist man von diesem Gedanken wieder abgekommen. Heute ist das einfache Überleben der Völker und der Menschheit bedroht, mit oder ohne natürliche Selektion.

Antwort
von Nellanderthaler, 16

Auf der einen Seite der Erdkugel sterben Tiere aus, weil der Mensch von der anderen Halbkugel Fressfeinde mitbringt.

Antwort
von Tarsia, 30

Krankheiten verbreiten sich enorm schnell, Überbevölkerung einzelner Arten, biologisches Gleichgewicht wird gestört ...

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