Frage von TinoBD, 131

Suche Fachklinik/Facharzt für Operation am Kreuzband bei Kindern & Jugendlichen, kann uns da jemand weiterhelfen oder wie sind ggf. Erfahrungen?

Hallo!

Unsere Tochter (14 J.) hatte vor ein paar Tagen einen Skiunfall und sich dabei eine Ruptur (Abbriss) des vorderen Kreuzbandes und einen Anriss des Innenbandes am linken Knie zugezogen. Eine Artroskopie und MRT/CT (jedoch ohne Kontrastmittel) wurden gemacht und nun stehen wir vor 4 Meinungen der jeweiligen behandelnden/diagnostizierenden Ärzte und treten auf der Stelle. Mal abgesehen von den erstaunlicherweise 3 unterschiedlichen Untersuchungsergebnissen zum Inneband, wobei das Kreuzband eindeutig abgerissen ist hat auch jeder Arzt eine eigene Meinung zum Thema OP. Unsere örtliche Klinik möchte natürlich sofort, am besten schon gestern operieren und unser behandelnder DA/Chirurg ist gegen eine OP im Kindesalter oder anders, sie rät eher davon ab. Das Problem dabei ist, unsere Klinik hat solch einen Eingriff am Kind/Jugendlichen noch nie nach eig. Angaben gemacht und operiert bestenfalls ältere Patienten, das aber laut aussage auch nicht allzu oft. Patienten mittleren Alters (30-40) werden meist an umliegende Kliniken überwiesen. Kurz: Wir als Eltern sind gegen eine OP in unserer örtlichen Klinik auf Grund mangelnder Erfahrung und Routine. Den Rat unserer behandelnden Chirurgin möchten wir aber auch nicht wirklich befolgen, da unser Kind sportlich aktiv ist (Tanzsport) und das auch in Zukunft bleiben möchte, sich ggf. beruflich in diese Richtung bewegen möchte. Über die OP an sich wissen wir , dass vom Ablauf und der Methodik her anders als beim "erwachsenen" Knie operiert wird, da beim Kind die Wachstumsspalte im Kniegelenk berücksichtigt werden muss. Unsere eigentliche Frage ist kennt jemand geeignete Kliniken/Fachärzte oder hat jemand Erfahrungen mit der Thematik und kann uns evtl. ein paar Tipps geben oder eigene Erfahrungen mitteilen? Gehört habe wir bereits von Heidelberg und Jena. Wobei uns der Standort der Klinik in erster Linie erst einmal egal ist. Was haltet Ihr von einer OP am Kind/Jugendlichen oder gibt es unabhängig von gezielter Physiotherapie andere Alternativen? Ich hoffe wir kommen auf diesem Wege wenigsten ein paar Schritte in die richtige Richtung und danke jetzt schon einmal für die Rückeldung(en) !

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Goodnight, 113

Eine Op würde ich nach Möglichkeit vermeiden wollen. Genau die Wachstumslinien sind ein Problem. Wenn überhaupt sollte das ein erfahrener Chirurg machen, der sich auch mit OPs an Kindern auskennt.

Das ist ein sehr heikles Thema. Die Tochter unserer Freunde,  beim ersten Bänderriss 9 Jahre alt, hat sämtliche Operationen durch und hat nach 6 Monaten im Rollstuhl mit 26 ein künstliches Kniegelenk bekommen. Wie lange so etwas hält weiss man nicht.. Man muss also immer noch mit einem Leben im Rollstuhl rechnen.

 Der Vater ist selber Arzt und sie hatten auch einen Studienkollege an der Kinderklinik der solche Operationen an Kindern macht. Auch er empfahl wann immer möglich zu warten und man hat viele Spezialisten zugezogen. Man war sehr zurückhaltend und hat scheinbar das kleinere Übel einer Kreuzband OP in kauf genommen, weil das Knie nicht gehalten hat. Hat alles nichts gebracht immer wurden eine neue OP notwendig. 

Ein MRT mit Kontrastmittel bringt wesentlich bessere Bilder, aber eben auch nicht immer genau das was man dann am offenen Knie sieht. Sagt zumindest ein Orthopäde den wir kennen. Ich hab solche Bilder vom Handgelenk und der Schulter, das ist echt super was man da sieht.

Das vordere Kreuzband ist schwierig. Wenn das hintere kaputt ist bringt man die Stabilität oft mit Training stabil, aber das vordere ist echt Mist. Fragt sich ob man es nähen könnte, dann müsste man es nicht mit Schrauben neu verankern.

Eure Tochter ist 14, da hat man die Aussicht, dass bald die Wachstumsfuge verstrichen ist. Beim Freund meiner Tochter, damals auch 15, hat die Op gut geklappt, allerdings war es da aber das hintere Kreuzband.

Mir scheint eine berufliche Sportkarriere unwahrscheinlich, da würde ich unbedingt auf eine andere berufliche Laufbahn setzen und nicht ein Knie opfern wollen.  Ich wünsche euch von Herzen alles Gute!

Antwort
von ede45, 85

Da sie sehr besorgt sind, möchte ich ihnen einige Informationen geben. Knie und Bandscheiben OPs bringen in Deutschland gemessen an dem Aufwand schnelles Geld. Darum werden diese OPs in Deutschland dreimal so häufig durchgeführt als in anderen Ländern. Aber eins kann man ganz deutlich feststellen. Bei Kindern sind die Chirurgen oft zurückhaltend außer Kliniken ohne Gewissen. Die Begründung eines Chirurgen war folgende. Da Kinder ihr ganzes leben noch vor sich haben und mit 18 dann den Chirurgen verklagen dürfen wenn er unnötig operiert hat. Da junge Menschen viele Jahre Zeit haben und oft auch hartnäckig nach dem ersten Urteil weiter klagen, können Chirurgen in echte Schwierigkeiten kommen. Denn wenn Versicherungen den Chirurgen nicht mehr versichern wollen, stellt ihn kein KH mehr ein. Er müsste sich dann Selbständig machen ohne Versicherung. Es gibt so viele Gründe warum man eine OP oder Narkose vermeiden sollte wenn es nur irgendwie geht. Hier nur drei Beispiele. Mein Jugendfreund hatte schon seit frühester Kindheit immer schmerzen im Knie. Als er 18 wurde, ließ er sich auf Anraten seines Orthopäden operieren. Er bekam ein künstl. Kniegelenk. Nach einer kurzen Zeit wurden die Schmerzen schlimmer als vorher. Man hatte ihm ein Gelenk eingesetzt, welches für ihn gar nicht optimal war. Da das KH aber nicht auf die OP Einnahme verzichten wollte, hat man ihn trotzdem operiert. Nach einem Jahr hat man ihn noch einmal operiert. Jetzt bekam er ein Kniegelenk welches für seinen Knochenbau bzw. Knochengröße optimal war. Zunächst war alles Super! Dann entzündete sich sein Knie und wurde ganz dick. Es hieß, er müsse ein ganz besonderes Notfallantibiotika nehmen weil er während der OP einen MRSA ins Knie bekommen hat. Danach wurde er wieder operiert und hat jetzt das dritte Kniegelenk bekommen. Bei der letzten OP wurde sein Unterschenkelknochen so sehr geschädigt, dass er sein Bein nicht mehr belasten kann bzw. darf. Er sitzt jetzt im Rollstuhl. Mit dem Schmerzensgeld welches ihm zugesprochen wurde konnte er sein Haus Rollstuhlgerecht umbauen lassen. Das Geld hat er bekommen, weil ein Gutachten festgestellt hat, dass bei ihm von Anfang an gar keine Indikation zur OP bestand. Also ein Opfer unseres Gesundheitssystems, dass Operationen besonders gut bezahlt und jedes KH demzufolge lieber operiert als konservativ zu behandeln. Nun hat er kein Geld mehr und bekommt eine kleine Rente. Meine Schwester ist am Narkoseüberhang gestorben. Sie hatte ein Antidot im AWR bekommen und wurde viel zu früh wieder auf eine Normalstation verlegt. Als nach zwei Stunden die Schwester zur Blutdruckkontrolle kam, war sie tot. Sie hatte einen Atemstillstand bekommen. Eine Reanimation war nicht mehr möglich. Das KH kommt wahrscheinlich ungeschoren davon weil zwei Narkoseprotokolle existieren und keiner weiß welches das Richtige ist. Da der Patient bzw. die Angehörigen beweisen müssen, dass der Arzt etwas falsch gemacht hat, ist es für die Angehörigen sehr schwierig zu ihrem Recht zu kommen. Seit Jahren wird eine Umkehrlast gefordert, so dass der Arzt beweisen muss, dass er alles richtig gemacht hat. Das neue Patientenrechtegesetz von 2013 mit dem sich die Politiker brüsten ist ein einziger Lacher. Es hat sich so gut wie nichts geändert, weil die Lobbyisten zu mächtig sind. Die Urform des Gesetzes ist vollkommen aufgeweicht worden. Vielen Menschen ergeht es so wie mir. Ich bin in Duisburg Fahrn operiert worden. Seit meiner letzten Narkose habe ich Kurzzeitgedächtnisstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Bluthochdruck, Schweißausbrüche, Schlaflosigkeit. Leider war bei dieser Narkose mein Blutdruck stark abgefallen und die Narkose zu tief, so dass ich eine Sauerstoffunterversorgung erlitten habe. Die Anästhesistin war leider überfordert und hat meinen Blutdruck erst nach 30 Min. wieder stabilisieren können. Laut einer Statistik von der AOK sind davon jedes Jahr 40000 Patienten betroffen. Bei einigen bessert sich dieser Zustand wieder, aber in der Mehrzahl bleiben die Schäden lebenslang. Ein Grund liegt darin, dass mehr ältere als jüngere Menschen operiert werden. Je älter der Pat. um so Risikobehafteter ist eine Narkose. Laut Statistik sind 50% der Krankenhausinfektionen vermeidbar. Seit einem Monat bezahlen die KH keine Kniespiegelung mehr, wenn nur mal nachgeschaut werden soll. Dies sagt alles. http://news.doccheck.com/de/newsletter/1784/12059/?utm\_source=DC-Newsletter&...

Antwort
von Lena980, 71

Mit 14 kann es sein das die Wachstumsfugen schon zu sind dan ist die Ligamys Methode zu empfehlen bei der das Band genäht und nicht ersetzt wird. Das machen auch nur bestimmte Kliniken gern mal suf der Ligamys seite nachschauen wo das überall gemacht wird (spontan fallen mir Stuttgart und Tübingen ein) . Hab es selbst auch so machen lassen (möchte meinen Wohnort aber jetzt nicht preisgeben) und bin echt zufrieden. Kann jetzt auch wieder sport machen und bin selbst noch Jung. Wenns fragen gibt gerne melden :)

Antwort
von peterobm, 117

würde eher eine 3. Meinung einholen und zwar in einer entsprechenden Klinik, Praxiszentrum für Orthopädie und Chirurgie
zumal eure Klinik nicht über ausreichende Mittel verfügt. Adressen in eurer Umgebung spuckt Google sicher aus.

man sollte auf den Zusatz, Sportmediziner achten

Kommentar von peterobm ,

heidelberg jena ist schon recht weit. einen guten Ruf hat Dr. Rauch in Kassel http://www.ocp-kassel.de/sub/de/

Kommentar von TinoBD ,

Wie schon erwähnt ist uns die Entfernung in erster Linie egal, wobei für uns Jena noch am nächsten liegt. Ich nehme aber auch gern weitere Strecken in Kauf nur um das Wohlergehen meiner/unserer Kinder sicherzustellen. 

Kommentar von TinoBD ,

Danke für den Tipp. Es gleicht jedoch bisher einer Suche nach der "Nadel im Heuhaufen", weil relativ wenige Ärzte auf derartige Operationsmethoden und Operationen am Kind, bzw. in der Wachstumsphase eingerichtet oder sind oder sich darauf spezialisiert haben. Das mag an dem weniger häufig auftretenden Mangel an Unfällen in dieser Altersgruppe und damit langfristige Erfahrungen auf dem Gebiet liegen. Andererseits sind wir auch nicht gewillt unsere Tochter als -wahrlich schlecht ausgedrückt- "Versuchskaninchen herhalten zu lassen. Obgleich jeder gute Chirurg irgendwann einmal begonnen und seine Erfahrungen gesammelt hat. Mir geht es hier in erster Linie auch darum, ob jemand schon einmal Erfahrungen diesbezüglich gesammelt hat und wie diese ausfallen und wo sie gesammelt wurden. Langfristige Studien über spätere Nach- und Auswirkungen gibt es auch nur sehr wenige. Wir bleiben aber auf jeden Fall am Ball.

Kommentar von peterobm ,

einfach anfragen, Kontaktformular ist im Link, nur ER kann euch genauere Auskünfte geben.

Antwort
von Bitterkraut, 88

Versuch es bei den Unikliniken. Mainz hat eine Unfallchirurgie für Kinder und auch andere Unikliniken. Jena hast du ja schon genannt.

Antwort
von Bini81, 78

Saul und rauch in kassel sind schon super.  Ich würde anfragen...

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